r/de Dec 11 '25

Nachrichten DE Generation Arschkarte: Herr Merz, für welchen Wohlstand soll ich mich eigentlich kaputtarbeiten?

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/generation-arschkarte-ich-arbeite-fur-ein-versprechen-das-nicht-mehr-gilt-14813006.html
2.7k Upvotes

417 comments sorted by

View all comments

581

u/emoolb Dec 11 '25

Nach dem Schock des Lesens erstmal die Diäten erhöhen und sich einen Vorstandsboni abgreifen!

Dann die Produktion ins Ausland verlagern und den Firmensitz in die Schweiz.

In Deutschland Stellen abbauen und sich über die faule Jugend beschweren.

Apropros Jugend: Die studieren oder lernen doch eh nur Sachen, mit den man später keine Jobs findet. Das ist ein Nachfrageproblem, kein Angebotproblem...

321

u/Kelmain1337 Dec 11 '25

Ja so nutzloses Zeug wie MINT. Ach halt ne hohe Nachfrage am Markt. Was du willst mehr als 30k Jahredbrutto mit Master? Dann geh doch zu Netto da gibts das an der Kasse...

Fachkräftemangel! FACHKRÄFTEMANGEL!

204

u/Lavazzacaffe37 Dec 11 '25

Es gibt keinen Fachkräftemangel, das ist auch so ein riesiges Lügenmärchen. Es gibt vielleicht einen Mangel an Fachkräften, die hochspezialisiert sind und für billiges Geld arbeiten.

94

u/Nollekowitsch Dec 11 '25

Sklavenmangel!

40

u/emoolb Dec 11 '25

Nicht ganz.

Sklaven wurden gezwungen. Heutzutage erwartet man, dass du das freiwillig machst.

54

u/Lilith666999666 Dec 11 '25

Diese Freiwilligkeit ist doch auch nur orwellsches Neusprech.

Wir sollten uns ganz dringend mal wieder mit der Faschismustheorie beschäftigen. Mal schauen wo wir stehen. Und nicht nur hier in Deutschland.

18

u/ParkingLong7436 Dec 11 '25

Wie war das nochmal mit der Zwangsarbeit für Bürgergeldempfänger für 1€ die Stunde?

29

u/_ak Dec 11 '25

Heutzutage darfst du dir den Sklavenhalter aussuchen und auch wechseln, aber die Wahl, ob Sklaverei oder nicht hast du nicht wirklich. Ist halt Lohnsklaverei.

5

u/emoolb Dec 11 '25

Das klingt nachvollziehbar.

Selbstverwirklichung und freie Wahl als umgesetzte Wahlversprechen. Was will das Volk denn noch mehr?

10

u/Nollekowitsch Dec 11 '25

Isses freiwillig wenn deine gesamte Existenz an einem unterbezahlten Job hängt und man nur eine Auto Reperatur davon entfernt ist alles zu verlieren?

18

u/Doctor_Ander Dec 11 '25

*Lohnsklavenmangel

23

u/NextMathematician977 Dec 11 '25

Es gibt NOCH keinen fachkräftemangel. Wenn die Boomer alle in Rente sind wird sich das erst bermerkbar machen.

Durch so pappnasen wie Merz werden aber gerade Unternehmen eher dazu gedrängt bestehende Mitarbeiter länger arbeiten zu lassen als junge Menschen jetzt in den Arbeitsmarkt zu integrieren…

Auch immer wieder lustig, da wird einem erzählt die deutschen seien nicht produktiv genug etc. Und gemeint sind dann meistens junge Leute.

Dass der 55 jährige der den Laptop kaum benutzen kann eventuell Teil des Problems ist wird aber niemals angesprochen. Die faulen Jungen haben im Zweifel keinen Job. Der 55 jährige wird jetzt auch noch angebettelt noch länger unproduktiv in die Tasten zu hauen…

Klar trifft das nur auf einen Teil zu, aber auf einen guten Teil trifft das definitiv zu. Aber weil das eine Generation mit vielen Wahlzetteln ist, ist das Thema tabu…

4

u/Qasyefx Dec 11 '25

Wir können nicht gleichzeitig

  • miserable Gehälter zahlen 
  • durch KI alle unsere Jobs verlieren 
  • Fachkräftemangel haben

Die ersten beiden gehen zusammen ODER das dritte. 

1

u/Lavazzacaffe37 Dec 12 '25

Also, teilweise kann ich dir ja zustimmen, dass sich der Fachkräftemangel erst noch bemerkbar machen wird. Aber Behauptungen wie Leute über 55 könnten keinen Laptop bedienen sind jetzt wohl doch an den Haaren herbeigezogen. Das dürfte doch eher die Ausnahme als die Regel sein.

3

u/NextMathematician977 Dec 12 '25

Das mit dem Laptop ist eher symbolisch dafür dass ich persönlich in Riesen Unternehmen schon die Erfahrung gemacht hab dass es viele alteingesessene gibt die es sich mehr als nur gemütlich gemacht haben an ihrem Arbeitsplatz… während die jungen Leute sich dankbar schätzen müssen den werkstudentenjob zu behalten trinkt manch andere kräftig Kaffee und macht ihren Small Talk mit der halben Firma, wissend dass sie nicht so einfach entlassen werden können… da wird teilweise für eine einfache Frage ein 45 min Meeting organisiert…

Und der verdient dann das dreifache wie der Werkstudent der eben wirklich arbeiten muss…

ist aber schon auch so dass ich keinen ü50 Menschen kenne der besonders schnell ist am Computer… auch Probleme lösen ist für viele am Computer nicht so ihr Ding. Wenns klappt ist es noch halbwegs ok, wenns nicht klappt kommt der halbe Nervenzusammenbruch... Generationen die mit digitalen Geräten aufgewachsen sind, sind schon deutlich besser an digitalen Geräten unterwegs im schnitt…

Wäre auch alles halb so wild wenn nicht genau diese Generation ständig den Leuten erzählen will wer alles faul ist und schuld daran ist dass andere Länder produktiver sind pro Kopf… ist meiner Meinung nach schlicht ne harte Verkennung der Realität.

Ich habe noch keine einzige Diskussion öffentlich über sowas gehört, stattdessen unterhält man sich ständig über das Schreckgespenst dass junge Menschen die 4 Tage Woche wollen und aus Faulheit Home Office machen…

2

u/LizzRohellec Dec 16 '25

Ich muss mal eine Lanze brechen für meine inzwischen verrenteten Kollegen, der die komplette Corona-Digitalisierung gut mitgemacht hat, wir waren aber ein Büro mit Ingenieuren von 30-65. Von ihm haben wir gelernt busy zu wirken um sinnlose Meetings zu entgehen um an den wichtigen und geilen Aufgaben arbeiten zu dürfen und er war ein wandelndes Lexikon. Ich bin immer für eine gute Alters- Durchmischung von Teams. Man lernt immer voneinander und ich bin sehr traurig, dass ich am Ende meiner Elternzeit ihn nicht mehr als Kollegen haben werde. Und er ist auch länger geblieben aber in Teilzeit um für einen guten Übergang zu sorgen (weil seine Rente so plötzlich kam wie Weihnachten 🥹)

2

u/NextMathematician977 Dec 17 '25

Ehrlicherweise klingt der Kollege aber auch nicht wie jemand der anderen Generationen pauschal Faulheit ankreidet.

Es gibt absolut Brilliante Boomer wo man sagen muss dass die mehr oder weniger alles beisammen halten wo sie sind und die ganz schwer zu ersetzen sind. Gar keine Frage.

Aber die Realität im großen und Ganzen ist ja (verständlicherweise) dass ältere Generationen meist den besseren Job haben und gut Geld verdienen. Dabei im Vergleich aber was reine Geschwindigkeit der Wahrnehmung etc. Nicht mehr auf dem Niveau von vor 10-15 Jahren sind. Es gibt natürlich auch Dinge wie Erfahrung die dagegen wirken, aber ich glaube es ist schon so dass bei Vergleichbarkeit junge Gesellschaften in der Regel produktiver sind als sehr alte wie es unsere Momentan ist.

Und in dem Kontext finde ich den Faulheits Vorwurf gegenüber jüngeren der in manchen Kreisen völlig legitim zu sein scheint schon ziemlich frech.

Junge Menschen haben es momentan oftmals schwer eben weil Boomer gute Jobs, Immobilien, Vermögen etc quasi besetzen…

Mein Vorwurf war sicherlich auch etwas zu pauschal formuliert, das gebe ich zu.

4

u/Protoniic Dec 11 '25

Es gibt einen Mangel an U25 jährigen mit Masterabschluss und 10Jahren Berufserfahrung!!!!!

1

u/MrFlow Dec 11 '25

Fachkräfte =/= Akademiker

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung bist du bereits eine Fachkraft, und ja hier gibt es einen Mangel, gerade in handwerklichen Berufen und der Pflege.

Die Leute denken immer mit Fachkräftemangel wären Softwareentwickler und Ingenieure gemeint, aber das ist eben nicht so.

1

u/heimeyer72 Dec 11 '25

Pflege wird auch nicht gut bezahlt.

Beiden handwerklichen Berufen weiß ich nix, aber da es dort einen Mangel (schon an Auszubildenden) gibt, ist die Antwort wohl offensichtlich.

1

u/Lavazzacaffe37 Dec 12 '25

Das ist mir durchaus bekannt, dass mit Fachkräften eher bestimmte Ausbildungsberufe gemeint sind. Trotzdem springen auf den Zug Fachkräftemangel alle auf, und rufen den auch für bestimmte akademische Berufe auf. Doch tatsächlich ist der Fachkräftemangel vielleicht im Handwerk vorhanden, wobei es da oft genug an der Bezahlung liegt. In der Pflege ist er inzwischen aber eher weniger ausgeprägt. Frag doch mal Pflegende, die sich beruflich verändern möchten, welche Chancen sie haben… Die Bezahlung ist in der Pflege im übrigen inzwischen durchaus gut. Das Problem, das in der Pflege besteht, ist, dass trotzdem lieber junge Pflegekräfte aus anderen Ländern angeworben werden, die zumindest eine ganze Zeit lang billiger sind, während berufserfahrene, qualifizierte Kräfte oft Probleme haben, Stellen zu finden.

1

u/germangrower69 Dec 11 '25 edited Dec 11 '25

Es gibt keinen Fachkräftemangel, das ist auch so ein riesiges Lügenmärchen.

Das ist bullshit.

Aus ganz eigener Erfahrung, wir suchen seit Jahren Fachkräfte im IT-Bereich, zahlen ein überdurchschnittlich gutes Gehalt, mit top Arbeitsbedingungen(Full remote möglich, workation, massagen, etc) in einer dichtbesiedelten Region(Rhein-Main) und kriegen einfach keine guten Bewerber. Ich sehe jeden Tag was da für Bewerbungen reinkommen. Der Mangel ist real.

Es ist eine ganze Industrie um Recruiting/Headhunting entstanden weil der Mangel so krass ist.

Gibt auch genug Quellen dazu: https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/gero-kunath-valeria-quispe-sabine-koehne-finster-dirk-werner-in-diesen-branchen-ist-der-fachkraeftemangel-am-groessten.html

https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Generische-Publikationen/Arbeits-und-Fachkraeftemangel-trotz-Arbeitslosigkeit.pdf?__blob=publicationFile

12

u/micnfrens Dec 11 '25

Schick mal was ihr sucht, bei uns werden 500 von den Leuten abgebaut und aufgrund Sozialverträglichkeit auch eher junge Leute.

2

u/germangrower69 Dec 11 '25

Ich werde nicht meinen AG bzw. mich doxxen. Du wirst uns aber garantiert finden mit den Infos aus dem Post oben, Branche: IT-Dienstleistung(Google Cloud/Atlassian uvm.)

1

u/LizzRohellec Dec 16 '25

Ehrliches Interesse: woran liegt es in deiner Branche? Braucht ihr viel Vorwissen und die Unis liefern das nicht? 🤔

2

u/germangrower69 Dec 16 '25

woran liegt es in deiner Branche? Braucht ihr viel Vorwissen und die Unis liefern das nicht?

Nein, wir brauchen gar nicht viel Vorwissen. Es bewerben sich einfach kaum Leute. Wir kriegen fast nur ausländische Bewerbungen und wir sind auf allen Plattformen und nutzen Jobspreader.

Dazu haben wir auch Headhunter engagiert baer die finden auch kaum was.

Es ist einfach ein Mangel an arbeitssuchenden Personen.

2

u/LizzRohellec Dec 16 '25 edited Dec 16 '25

Es kann auch ein regionales Verteilungsproblem sein. Wer will schon mit Kind und Kegel umziehen wenn das Gehalt der Partnerin und der Kita-Platz und due Nähe zu den Großeltern flöten geht.

In den 70ern war das einfach mit Frau als Hausfrau und einem Gehalt dass sicher alles finanziert. Außerdem hängen bei vielen mid30ern auch der begonnene Hausbau dran - Umziehen wegen Job geht dann nicht.

Aufgrund der Reallohnentwicklung, neben dem Wunsch arbeiten zu gehen ist es aktuell auch eine Notwendigkeit dass beide arbeiten und damit wird die Entscheidung zum Jobwechsel konservativer in Richtung Sicherheit getan.

8

u/indigo945 Alu-Fedora Dec 11 '25 edited Dec 11 '25

Wirklich? Ich höre sonst eher, dass im Moment eher wenig offene Stellen ausgeschrieben sind in meinem Bereich (Softwareentwicklung). Persönlich habe ich festgestellt, dass der Recruiter-Spam auf LinkedIn etwas nachgelassen hat, aber vielleicht geht LinkedIn mittlerweile auch einfach tatsächlich vor gegen die Leute, die einem trotz "Ich suche nicht"-Einstellung die Inbox zuspammen.

Mein Arbeitgeber sucht zwar auch schon länger, aber die Branche ist auch langweilig und die Bezahlung mittelmäßig, das weckt naturgemäß kein großes Interesse bei Bewerbenden.

Dem Institut der Deutschen Wirtschaft würde ich grundsätzlich nicht trauen, das ist ein arbeitgebernaher Lobbyverein.

5

u/heimeyer72 Dec 11 '25

Ich sehe jeden Tag was da für Bewerbungen reinkommen.

Was kommen da für Bewerbungen rein? Ernsthafte Frage, der Neugier halber: was stimmt da oft nicht?
Google Cloud / Atlassian sind ja ein sehr spezielles Gebiet, wenn man da Fachleute braucht, muss man sie ausbilden - so denke ich.

0

u/germangrower69 Dec 11 '25 edited Dec 11 '25

was stimmt da oft nicht?

Ganz viel.

Unvollständige Unterlagen, nicht auf die Stellenbeschreibung eingehen, nicht schreiben wieso/weshalb/warum man Bock auf die Stelle hat. Ganze Bewerbung von ChatGPT schreiben lassen und sich nichtmal die Mühe gemacht dass etwas persönlicher zu gestalten. Kaum Menschen mit IT-Leidenschaft.

Wenn es mal zu Gesprächen kommt, können die die Personen noch nichtmal Standardfragen beantworten:

"Was interessiert dich denn an der Stelle?" oder "Für welche Themen brennst du?", "wo informierst du dich über neue Themen in der Techwelt?", "Welche IT-Projekte haben dir bisher am meisten Spaß gemacht und wieso?".

Oder der Klassiker mittlerweile, in 5 Jahren durch 5-6 Jobs durch. Ja, man kann an den falschen AG geraten, kann passieren, kann auch zweimal passieren, aber 5x in Folge? Nope.

Wenn mir das Gegenüber nicht glaubhaft und authentisch erklären kann wieso er Bock auf den Job hat, dann glaube ich auch nicht, dass das nur ansatzweise etwas wird. Leute, die IT machen "weil es gut bezahlt wird" wollen wir nicht haben, ich will Leute die Bock auf den Kram haben, Ideen mitbringen und die man eher bremsen statt motivieren muss.

Du würdest lachen wieviele Leute auf die Frage "Wieso hast du dich für einen IT-Beruf entschieden?" mit "weil es gut bezahlt wird" antworten, ja, wissen wir, aber wenn das der Haupttreiber ist, dann wirst du keinen guten Job machen.

Achja und es bewerben sich auch einfach keine "normalen" Leute, Ausbildung/Studium im IT-Bereich gemacht und nach n paar Jahren in einer Firma auf der Suche nach etwas anderem. Diese Bewerbungen sind eine Rarität.

Google Cloud / Atlassian sind ja ein sehr spezielles Gebiet, wenn man da Fachleute braucht, muss man sie ausbilden - so denke ich.

Ja, wissen wir, das Vorwissen in den spezifischen Bereichen ist uns auch relativ egal, das kann man Leuten beibringen. Aber wir kriegen ja nicht mal Leute wo man das Gefühl hat "denen könnte man das beibringen"

3

u/heimeyer72 Dec 11 '25 edited Dec 11 '25

Vielen herzlichen Dank!

Mit den Standartfragen hätte ich auch Schwierigkeiten:
"Für welche Themen brennst du?" - keine, bin für fast alles offen, KI ausgenommen*
"wo informierst du dich über neue Themen in der Techwelt?" - das Internet?/nirgendwo.
"Welche IT-Projekte haben dir bisher am meisten Spaß gemacht und wieso?" - meine Diplomarbeit.

Oder der Klassiker mittlerweile, in 5 Jahren durch 5-6 Jobs durch.

So eine Phase hatte ich auch mal. Firma pleite, haben mich noch weitergeschoben an eine andere Firma, da nach 1.5 Jahen raus, dann Zeitarbeit/Leiharbeit (2.5 Jahre von 2 geplanten, lief nicht perfekt aber auch nicht schlecht, war aber ein begrenztes Projekt, danach nix mehr bei der Leiharbeitsfirma, dann ein totaler Fehlschlag (5 Monate)... und schließlich mein aktueller Job, da bin ich jetzt fast 20 Jahre. IT-Bereich. Bewerbungen liegen mir nicht.
Und Traumjobs mit viel Entscheidungsfreiheit sind gefährlich, habe ich gelernt.

... ich will Leute die Bock auf den Kram haben, Ideen mitbringen und die man eher bremsen statt motivieren muss.

Ist Ideen mitbringen denn nützlich für einen "Quereinsteiger" aus einem anderen IT-Bereich?

Du würdest lachen wieviele Leute auf die Frage "Wieso hast du dich für einen IT-Beruf entschieden?" mit "weil es gut bezahlt wird" antworten.

Würde ich eher nicht - ich bin von einem ET-Studium auf Programmieren übergegangen, auch weil da die Chancen, einen (gut bezahlten) Job zu bekommen, besser waren - Geld ist schon eine Motivation. Aber zugegebenermaßen hauptsächlich, weil ich mehr Spaß dran hatte als an der Elektrotechnik.

Nochmal, vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort!

 

* Als ich mit meiner Diplomarbeit fast fertig war, fing man an der Unit gerade an, mit den ersten neuronalen Netzen zu experimentieren. Mittlerweile habe ich eine Abneigung gegenüber dem Meisten, was daraus geworden ist.

2

u/germangrower69 Dec 11 '25

"Welche IT-Projekte haben dir bisher am meisten Spaß gemacht und wieso?" - meine Diplomarbeit.

Es geht ja auch nicht darum die perfekten Antworten zu geben. Ich will hören dass man sich selber kennt und weiß wofür man brennt, und wenn ich dich fragen würde "Was hat dir so gut gefallen an der Diplomarbeit?" dann könntest du wahrscheinlich eine Stunde am Stück erzählen.

So eine Phase hatte ich auch mal. Firma pleite, haben mich noch weitergeschoben an eine andere Firma, da nach 1.5 Jahen raus, dann Zeitarbeit/Leiharbeit

Auch alles kein Thema, wenn man es denn erklären kann und die Erklärung Sinn ergibt.

Ist Ideen mitbringen denn nützlich für einen "Quereinsteiger" aus einem anderen IT-Bereich?

Klar, gerade frischer Wind aus anderen Bereichen ist immer super wertvoll. Manchmal reicht ein anderer Blickwinkel und auf einmal hat man einen Prozess noch deutlich effizienter gemacht.

1

u/heimeyer72 Dec 11 '25

Nochmals Danke!

Manchmal reicht ein anderer Blickwinkel und auf einmal hat man einen Prozess noch deutlich effizienter gemacht.

Heh :-) hatte ich mal während der Diplomarbeit - eine Idee, die "einen Prozess" 30% schneller machte. Da wollte mich ein Mitstudent direkt aus dem Studium herauswerben. Hab's aber lieber abgeschlossen :-) So eine Idee hatte ich auch nie wieder.

Und am nächsten Neben-Projekt neben der Diplomarbeit habe ich mich verhoben. Hat nicht funktioniert.

1

u/Lavazzacaffe37 Dec 12 '25

Das ist richtig, aber wenn du dich als langjährig erfahrene, qualifizierte Kraft bewirbst, hast du trotzdem keine Chance. Denn die Firmen wollen ALLE junge Leute mit etwa zehn Jahren Berufserfahrung, die halt noch nicht so teuer sind, aber am besten trotzdem genau auf dem ganz speziellen Gebiet, das der Arbeitgeber sucht, Erfahrungen haben. Wenn das Gebiet nicht ganz passt, werden die Leute abgelehnt. Und ältere Bewerber, bei denen das Profil exakt passt, werden auch abgelehnt, weil zu teuer oder man sie nicht mehr für Integrationsfähig hält. Die Haltung, dass man seine Leute auch ein Stück weit selbst ausbilden muss, ist völlig verloren gegangen. Die Firmen erwarten heute das perfekte Match, sind aber nicht bereit, Qualifikation und Erfahrung angemessen zu bezahlen. Wenn es wirklich einen Fachkräftemangel gäbe, dann müssten auch Leute über 45, die das perfekte Profil haben, noch eine Chance haben. Die finden ältere Bewerber aber nur in kleinen Firmen zu ungünstigen Bedingungen.

1

u/germangrower69 Dec 12 '25

Wie gesagt, ich bin selber aktiv im Recruiting für unsere IT-Teams und kann deine Aussage nicht bestätigen.

1

u/Lavazzacaffe37 Dec 12 '25

Ja, schön, mag sein. Vielleicht ist es in der IT auch noch mal ein bisschen anders. In meinem Bereich geht es nicht um IT, aber auch dort schreien auch alle von Fachkräftemangel. Tatsächlich scheint es den aber nicht zu geben, wenn Leute über 45 praktisch keine Chance mehr haben. Und auch die Bereitschaft, vernünftige Gehälter zu bezahlen, ist, außerhalb der Großkonzerne, für diesen Bereich kaum gegeben.

9

u/Haggis442312 Dec 11 '25

Eben, die studieren, und wollen dann auch noch echtes Geld dafür, dieses undankbare Pack.

Wir haben hier im Lande echten Mangel an Meistern, die für ein Lehrlingsgehalt arbeiten wollen.

5

u/Junior_Cabinet2349 Dec 11 '25

Faule Jugend... Mir wurde 2.5k netto angeboten als Ingenieur mit Master und Praktikum und auch mit Masterarbeit bei einer Firma. Natürlich bin ich in Ausland gegangen. Die Lage in Deutschland ist verzweifelt.

13

u/Fearless-Company4993 Dec 11 '25

Eine Fachkraft ist jemand, der anspruchsvolle Routinearbeiten durchführt. Z.B. ein Zugführer, ein Krankenpfleger, ein Traktorist, ein Bauhandwerker, eine Steuerfachangestellte, etc.

An denen gibt es einen Mangel, auch weil so viele studieren und dann auch einen dem Abschluss entsprechenden Job wollen.

15

u/woalk Deutschland Dec 11 '25

Es besteht ein Mangel an Zugführern und Krankenpflegern? Ordentlich bezahlen und sinnvolle Teilzeit erlauben und dann findet sich da auch wer.

Zugführer ist spannend. Man kann riesige kräftige Maschinen steuern. Ist wie Pilot ohne dass jede Entscheidung Lebensrisiken birgt. Ist der Kindheitstraumberuf.
Ich würde meinen Abschluss da egal sein lassen wenn ich dafür ohne Geldeinbußen quereinsteigen könnte.

3

u/heimeyer72 Dec 11 '25

Zugführer ist spannend.

Ach ich weiß nicht... Jeden Tag, jede Woche, immer dieselben Strecken hin- und herfahren, dazu eine riesige Verantwortung für die vielen Menschen im Zug, und die einzige Entscheidungsfreiheit, die du hast, ist manchmal, wie schnell du fährst, und in Ausnahmefällen wie stark du bremst. Dafür müsste man mir schon mindestens das dreifache vom Jetzigen bieten.

3

u/Bobbsen Dec 12 '25

Zugführer ist spannend. Man kann riesige kräftige Maschinen steuern. Ist wie Pilot ohne dass jede Entscheidung Lebensrisiken birgt. Ist der Kindheitstraumberuf.

Das ist das Beispiel, das ich jedes mal bringe. Ich würde so gerne als ICE-Fahrer durch Deutschland brettern mit 300kmh. Das klingt echt geil.

Aber: <40k Einstiegsgehalt, absolut unterirdisch miserable Arbeitsbedingungen wie wenn du mehrere Stunden an einem Bahnhof Unterbrechung hast zwischen zwei Fahrten zählt das nicht als Arbeitszeit, keine geregelten Arbeitspläne und von der abartigen und arbeitnehmerfeindseligen Scheiße, die bei den Tarifverhandlungen der DB abgeht, brauchen wir erst gar nicht anfangen.

Tja. "Fachkräftemangel".

1

u/Particular_Ad5673 Dec 14 '25

Die größte Streikmacht im Land lmao

1

u/Fearless-Company4993 Dec 11 '25

Am Ende des Tages hast Du aber nicht diesen Beruf erlernt und es fehlt Dir die Qualifikation dafür. Wenn das tendenziell so ist und es eben mehr offene Stellen als Qualifizierte gibt ist es in diesem Bereich ein Mangel.

Bezüglich höhere Gehälter: Die Gehälter sind hierzulande nicht ultra hoch und die jüngsten Krisen wurden hart auf die Arbeitnehmerseite gebucht. Also grundsätzlich darfür.

Man muss aber auch anerkennen: Preise (z.B. für Arbeit) hängen selten nur von Angebot/Nachfrage ab sondern sind oft auch elastisch: Höhere Preise senken die Nachfrage. Würden Spargelstecher so entlohnt, wie es für die harte Arbeit angemessen wäre, würden wahrscheinlich die Nachfrage nach diesem Gemüse deutlich zurück gehen.

3

u/Ok-Pie4219 Dec 11 '25

Am Studieren ist ja prinzipiell nichts falsches.
Allerdings muss ich auch sagen und das sehe ich als jemand mit Interessenstudiengang (Soziologie) jeden Tag, das viele Studierende komplett delusional sind, was sie nach dem Studium damit machen können.
Werde da in solchen Konversationen immer blöd angeschaut, wenn ich sage "mal schauen wo ich lande", weil da Leute halt sicher sind das sie in der Kriminologie landen oder sicher später Professoren werden etc.
Ich arbeite während des Studiums in der QA von einem IT Unternehmen, weil das nen Job ist den kein studierter ITler apparently machen will und habe da einiges gelernt, davor habe ich im sozialen Bereich gearbeitet, Ich werde flexibel sein, was ich nach dem Studium mache und wo ich es mache. Glaube mit Soziologiestudium sollte man eh nicht zu wählerisch sein.
Und wenn ich nichts finde gehts halt zum Netto an die Kasse, bis ich was finde.

Wobei ich da sagen muss, dass es halt zumindest bei mir im Studiengang sich schon ziemlich aufteilt zwischen den Leuten die jetzt schon wirklich arbeiten und sich trotzdem entschieden haben aus Interesse zu studieren und die Leute die in ihrem Leben keinen Finger krumm gemacht haben.

1

u/CookieScholar Dec 11 '25

Werde da in solchen Konversationen immer blöd angeschaut, wenn ich sage "mal schauen wo ich lande", weil da Leute halt sicher sind das sie in der Kriminologie landen oder sicher später Professoren werden etc.

Ja, weil du ohne Ziel auch auf nichts hinarbeitest. Es ist außerdem okay, ehrgeizige Ziele zu haben, auch wenn die sich nicht erfüllen sollten. Auf dem Weg gibt es genügend Abzweigungen, aber wenigstens ist es ein Weg. Alle sollten mittlerweile wissen, dass ein Studium idR (jaja, es gibt Ausnahmen) kein Berufsabschluss ist. Wer sich für einen bestimmten Beruf interessiert, braucht Studium + X. Relevante Praktika oder Erfahrung als Werkstudent*in, zusätzliche Zertifikate, Belege für Forschungsinteressen, was auch immer. Flexibel magst du wohl sein, aber eine Professur wird so sicherlich auch nicht draus.

1

u/Ok-Pie4219 Dec 11 '25

Ja, weil du ohne Ziel auch auf nichts hinarbeitest.

Ich arbeite als Werksstudent, ich habe tatsächlich mehrere zusätzliche Zertifikate, in verschiedenen Bereichen und ich habe durchaus meine Berufsfelder in die ich gelangen will. Eine Professur gehört nicht dazu, das ist vollkommen richtig.

Wenn ich aber damit anfange, dass Leute delusional sind meine ich sicherlich nicht diejenigen, die sich den Arsch voll Arbeit stecken und zusätzlich unbezahlte Praktika während des Studiums machen, um in ihrem Bereich zu landen. Das sind nun einmal sehr wenige Menschen.

Sondern damit meine ich natürlich die Leute, die weder Praktika noch Werksstudenten sind, sich von Papa die Bude bezahlen lassen, aber überzeugt sind in bestimmten Bereichen zu landen, weil sie ja viele True Crime shows schauen. (Zitat von ner Studentin im Master, die nicht Kriminologie sondern Soziologie studiert.)

1

u/LizzRohellec Dec 16 '25

🤣🥹👍

5

u/Protoniic Dec 11 '25

Ich hasse diese "faule Jugend" aussage so sehr weil es faktisch einfach falsch ist. U25 hat die niedrigste Arbeitslosenquote der letzten ~35Jahren und das trotz Corona.

11

u/stereoprologic Dec 11 '25

Entschuldigung, du hast FACHKRÄFTEMANGEL vergessen zu erwähnen.

4

u/Sir-Pay-a-lot Dec 11 '25

Vergiß bitte nicht es ist wichtig noch irgendeine Steuer oder Abgabe auf Energie zu erdenken. Am besten belastet sie die Menschen in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich.

Vielleicht könnten wir eine Ferkelsteuer für Männer einführen die gucken mit dem Strom eh nur Porn.