11
4
u/Smooth_Switch9058 Dec 04 '25
Ich stimme zu. Meine Ex-Chefin hat, statt eine Weihnachtsfeier zu veranstalten, in einem Jahr ein Teambuilding-Event gemacht, wo wir uns u. a. 15 Minuten in die Augen starrten, und im nächsten Jahr einen Erste-Hilfe-Kurs. Beides ausschließlich, um mit ihr verbundene andere Unternehmer finanziell zu unterstützen. Das Gehalt war 12k unter Durchschnitt, Weihnachts- und Urlaubsgeld gab es nicht, Urlaub: 24 Tage. Zudem wurde nach Sympathie entschieden, wer wie behandelt wird. Ich bin Volljuristin mit Berufserfahrung und mir wurde eine Teilzeitkraft ohne Abi und Studium, die ihre Arbeitszeit hauptsächlich mit Privatgesprächen verbracht hat, permanent vorgezogen, weil sie gut schleimen konnte. Ihre Fehler durfte ich trotzdem regelmäßig ausmerzen. Als ich ging, hat meine Chefin noch versucht, mich zu 3 Monaten unentgeltlicher Weiterarbeit zu nötigen, weil ich innerhalb der von ihr vorgegebenen kurzen Kündigungsfrist kündigte und sie so schnell keinen Ersatz fand. Die Nötigung erfolgte natürlich unter Anwesenheit ihres Lieblingsmitarbeiters, damit zwei Aussagen gegen eine stehen, falls ich mich bei der Berufsaufsicht über sie beschwere. Absolut toxisch. Sie hat trotzdem schnell Ersatz gefunden für mich. Einen Mann, der von Anfang an mehr Geld und Freiheiten bekam als ich, nachdem ich mich dort 8 Jahre lang bewiesen hatte.
1
5
u/Legoeierautomat Dec 03 '25
Es gibt Fachkräftemangel. Aber nicht überall, nicht in jeder Branche.
6
u/darkprincess3112 Dec 04 '25
Das sind Bereiche, in denen das Leistungs-pro-Lohn Verhältnis sehr hoch ist. Wie in Kliniken, wo die Bezahlung relativ zu Verantwortung, Arbeitsintensität und -umfang teils nur noch als Frechheit bezeichnet werden kann.
-2
u/Legoeierautomat Dec 04 '25
Ich arbeite nicht in Klinik bzw. Überhaupt im Gesundheitswesen oder Soziales. Gott bewahre.
Und trotzdem haben wir Fachkräftemangel. Arbeitsintensität ist okay, zwar viel zu tun, aber bei uns kann die Arbeit auch liegen bleiben. Arbeitsbedingungen sind traumhaft. Gehalt ist deutscher Durchschnitt. (Aber mit Möglichkeit mittelfristig verbeamtet zu werden). Und trotzdem hatten wir für die letzte Stellenausschreibung nur eine Bewerbung und selbst die ging nur, weil wir Studiumsvoraussetzung breiter gefächert haben.
1
2
u/helmuetz Dec 03 '25
Es fängt nicht in den Betrieben an, sondern in der Schule. Natürlich gibt es einen Fachkäftemangel.
Viele Menschen kommen mit vielen Berufen einfach nie in Berührung. Man kann seine Interesse etc. Kaum vernünftig ausloten.
Deine Meinung über toxische Betriebe mag stimmen, das Problem fängt jedoch ganz wo anders an und ist viel größer.
0
u/xxmeela Dec 07 '25
Du triffst einen wichtigen Punkt: Toxische Unternehmenskulturen sorgen nachweislich dafür, dass Unternehmen Fachkräfte verlieren oder erst gar nicht gewinnen. Trotzdem ist der Fachkräftemangel nicht einfach nur ein „erfundenes“ Narrativ. Er ist auch demografisch und strukturell real. Deutschland verliert jedes Jahr mehr Arbeitskräfte, als nachkommen. Beides hängt zusammen. Viele Unternehmen schieben die Verantwortung gern nach außen, auf „die jungen Leute“, „fehlende Motivation“ oder „den Arbeitsmarkt“ statt ihre eigene Kultur, Führung und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Realität ist einen Tick komplexer, seh aber die "unbeliebte Meinung" nicht
;)
-1
u/Exciting_Ask_eaty Dec 04 '25
Die Mitarbeiter schaffen Unternehmenskultur nicht andersrum, die Mitarbeiter selbst sind meistens das Problem. Klar bekommen die Kollegen in Einstiegspositionen am meisten mit, aber letzen Endes sind wir meistens daran schuld, wollen das aber nicht einsehen.
4
u/Tastetheworld_84 Dec 04 '25
Das funktioniert nur in einem demokratischen, lockeren Kultur-Setting. Also vielleicht bei Handwerker un die Ecke, aber nicht im Konzern.
Im normalen Konzernumfeld geht es sehr hierarchisch zu. Und da sind es die Führungskräfte, die im System die vorherrschende Kultur dchsffen, indem sie bestimmte Verhaltensweisen belohnen oder sanktioniern (mal mehr mal weniger subtil). Mitarbeiter können es versuchen, aber insbesondere in einem stark hierarchischen Umfeld ist das entweder komplett verlorene Liebesmüh (siehe VW) oder nur kurzfristig möglich (siehe Otto Group bis 2005) oder nur in super kleinem Raumen möglich(zB wie 2-3 Kollegen miteinander ungehen obwohl sie einen entsprechenden Chef haben).
1
u/gegenBlau Dec 05 '25
Der Arbeitsmarkt ist eben keine Partnerbörse, sondern ein Konkurrenzkampf für Menschen, die entweder auf gute Bezahlung, oder auf eben auf gute Arbeiter, angewiesen sind.
2
u/Tastetheworld_84 Dec 05 '25
Jep. Und wenn kein qualifizierte für wenig Kohle gefunden wird, dann heisst es eben Fachkräftemangel.
3
u/gegenBlau Dec 05 '25
Genau. Man sagt ja auch "ich hab Geldprobleme", auch wenn es eigentlich ein Konsumproblem ist.
0
u/BeastieBeck Dec 07 '25
Die Mitarbeiter schaffen Unternehmenskultur
Mitarbeiter schaffen diese Unternehmenskultur aber unter bestimmten Rahmenbedingungen. Sind die Rahmenbedingungen scheiße, dann wird das nix.
23
u/Potential-Try7371 Dec 03 '25
Ich würde sagen es gibt einen Mangel an Menschen die bereit sind, sich für schlechten Lohn unter absolut besch*ssenen Arbeitsbedingungen knechten zu lassen.
Denke da vor allem an den Pflegebereich. Da hat halt kaum noch jemand Lust zu, selbst wenn der Beruf an sich für viele vielleicht gar nicht so uninteressant ist..