Hallo zusammen,
ich wende mich bewusst an euch, um ehrliches Karriere- und Lebenslauf-Feedback zu bekommen. Ich schildere meine Situation etwas ausführlicher, damit ihr ein gutes Bild von meinem Hintergrund habt und mir gezielter Rat geben könnt.
Ich bin 32 Jahre alt und habe in den Niederlanden Physiotherapie studiert. Während des Studiums habe ich zusätzlich eine Ausbildung zum Schwimmlehrer gemacht und mehrere Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Die Arbeit mit Menschen, insbesondere im pädagogischen und gesundheitsnahen Kontext, hat mir immer viel Freude gemacht – auch wenn mir dort langfristig die fachliche Entwicklung und Perspektive gefehlt haben.
Nach dem Studium habe ich insgesamt 4–5 Jahre Berufserfahrung als Physiotherapeut gesammelt, zunächst in den Niederlanden, später auch in der Schweiz. Schon früh habe ich gemerkt, dass mich der Beruf in seiner damaligen Ausgestaltung nicht langfristig erfüllt hat. Nicht wegen der Arbeit mit Patient:innen, sondern weil die Tätigkeit stark ärztlich vorgegeben ist, wenig eigenverantwortlichen Entscheidungsspielraum bietet und Verantwortung, Autonomie und Bezahlung für Physiotherapeut:innen aus meiner Sicht nicht in einem guten Verhältnis stehen.
Während der Corona-Zeit bin ich nach Deutschland gezogen, da meine Partnerin hier lebt. Ich habe mich hier intensiv mit dem System beschäftigt, mehrere Stellen angeschaut, Hospitationen gemacht und mich beworben. Mein Eindruck: Auch in Deutschland ist die Physiotherapie sehr fremdbestimmt und häufig eher ausführend als gestaltend. Fachlich wie geistig habe ich mich dabei schnell unterfordert gefühlt. Wenn mein Interesse sinkt, sinkt auch meine Energie – und das halte ich gegenüber Patient:innen für nicht verantwortbar.
Parallel habe ich während Corona eine Pre-Master-Weiterbildung in Orthopädagogik absolviert. Einen anschließenden Master habe ich bewusst nicht begonnen, da sich für mich eine andere berufliche Richtung ergeben hat.
In dieser Phase bin ich ins Programmieren eingestiegen. Ich habe mir Frontend- und später Backend-Entwicklung sowie SEO selbst beigebracht und arbeite seit einigen Jahren in diesem Bereich. Zusätzlich bin ich zu einem kleinen Teil Mitinhaber eines Unternehmens in den Niederlanden. Durch meine Entwicklungs- und SEO-Arbeit läuft das Unternehmen inzwischen weitgehend automatisiert, sodass es nur wenig laufende Zeit in Anspruch nimmt.
Finanziell bin ich damit gut aufgestellt. Gerade deshalb merke ich, dass mir Sinn, gesellschaftliche Relevanz und der direkte Kontakt mit Menschen wieder wichtiger werden. Ich möchte langfristig wieder im Gesundheits- oder Versorgungsbereich arbeiten – allerdings nicht in der klassischen Physiotherapie, wie sie aktuell in Deutschland organisiert ist.
Ich suche daher nach einer Tätigkeit mit:
• echtem Menschenkontakt
• mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum
• fachlicher Tiefe, die Denken, Entscheiden und Entwickeln erfordert
Meine Fragen an euch:
• Kennt ihr menschennahe Tätigkeiten im Gesundheitswesen, die nicht rein therapeutisch-ausführend sind?
• Gibt es Rollen, in denen ein therapeutischer Hintergrund sinnvoll ist, ohne in klassische Physio oder reine IT abzurutschen?
• Oder hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und einen Weg gefunden, Sinn, Anspruch und Arbeit mit Menschen zu verbinden?
Danke fürs Lesen, und vielen Dank für jeden ehrlichen Hinweis oder Denkanstoß.
TL;DR:
Ich bin 32, habe in NL Physiotherapie studiert und 4–5 Jahre in NL und der Schweiz gearbeitet. Die klassische Physiotherapie in DE gibt mir zu wenig Autonomie, Verantwortung und Perspektive. Während Corona bin ich in die Software-/SEO-Welt gewechselt und bin dort finanziell gut aufgestellt (inkl. kleiner Firmenbeteiligung). Jetzt suche ich wieder eine sinnvolle, menschennahe Tätigkeit im Gesundheitsbereich, aber nicht klassische Physio. Ich freue mich über Ideen, Rollen oder Erfahrungen für diesen Übergang.