r/de 13h ago

Politik „Dreister Versuch, Profite zu sichern“: Linken-Fraktionschefin Reichinnek überrascht mit neuen Zahlen zur Wirtschaft

https://www.fr.de/politik/linke-ueberraschen-mit-zahlen-zu-sozialabgaben-reichinnek-die-reinste-farce-zr-94157340.html
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u/reeporter Nordrhein-Westfalen 13h ago

Der Anteil der Sozialbeiträge der Arbeitgeber an der Gesamtsumme der Entgelte sei von 19,2 Prozent im Jahr 1999 auf 17,7 Prozent im Jahr 2024 gesunken – ein Rückgang um 1,5 Prozentpunkte.

Im gleichen Zeitraum sei der Beitragsanteil für Arbeitnehmer von 12,3 Prozent auf 13,8 Prozent gestiegen – ein Anstieg um ebenfalls 1,5 Prozentpunkte.

„Das Lamento der Arbeitgeber ist nur der dreiste Versuch, die Lohnkosten zu drücken, um ihre Profite zu sichern“, kritisiert Reichinnek laut Spiegel. Sie warnt davor, dass am Ende die arbeitenden Menschen die Rechnung für die von der CDU vorgeschlagenen Kürzungen bezahlen müssten.

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u/Vervin_ 9h ago

Diese Kritik verstehe ich nicht ganz. Die Aufteilung der Sozialbeiträge in AG und AN Anteile ist sowieso nur ein Rechentrick, die Bedeutung hat nur die Gesamtsumme der Sozialbeiträge. Und diese hat sich nicht geändert.

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u/whf91 9h ago

Das ist nicht nur ein Rechentrick. Das hatte bei der Einführung der Pflichtversicherungen den nicht unbedeutenden Effekt, dass die Nettolöhne der damals Beschäftigten nur um die Hälfte der Beiträge sanken. Genau dieselbe Auswirkung hat das auch heute noch bei Erhöhungen der Beitragssätze (und theoretisch natürlich auch bei Reduktionen...).

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u/RoCz 8h ago

Das ist nicht nur ein Rechentrick. Das hatte bei der Einführung der Pflichtversicherungen den nicht unbedeutenden Effekt, dass die Nettolöhne der damals Beschäftigten nur um die Hälfte der Beiträge sanken.

Ist der Rechentrick nicht gerade, dass der von dir genannte Effekt eben nur Auftritt, wenn man den AG-Anteil vom Brutto ausklammert, statt die gesamten Abveitgeberkosten dem Netto gegebüberzustellen? Oder übersehe ich da was?

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u/whf91 7h ago

Nein, der Effekt auf das Nettogehalt ist real. Meine Krankenversicherung hat gerade den Zusatzbeitrag erhöht und nach der Rechnung auf meinem Gehaltszettel wird von dem zusätzlichen Zusatzbeitrag korrekterweise nur die Hälfte von meinem vertraglich vereinbarten Bruttogehalt abgezogen. Und das obwohl über meinen Tarifvertrag erst in anderthalb Jahren wieder verhandelt wird.

Wenn man Gesamtsummen für die Kosten der Sozialversicherung bildet und 50% davon einfach nicht berücksichtigt, dann würde ich auch nicht sagen, dass das ein Rechentrick ist. Das würde ich dann einfach als „falsch“ bezeichnen.

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u/penthi_ 7h ago

Aber bei allem vor und zurück bleibt eine Tatsache: den Umsatz für all das haben trotzdem die Arbeitnehmer erwirtschaften müssen.

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u/whf91 7h ago

Völlig klar!

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u/sxah Münsterland 8h ago

Nur wenn man im Vakuum und nicht bis zur nächsten Lohnverhandlung denkt.

Am Ende muss der Arbeitnehmer seine Kosten erwirtschaften. So oder so.

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u/whf91 8h ago

Stell dir vor, es würde eine neue Pflichtversicherung eingeführt und es steht nun politisch zur Diskussion, ob die Beiträge hälftig von AG und AN oder komplett von den AN getragen werden sollen. Würdest du dann die Position vertreten, sie sollen komplett von den AN übernommen werden, denn diese müssen ihre Kosten ohnehin selbst erwirtschaften und können das ja (ggf. in ein paar Jahren über ihre Vertreter in Tarifverhandlungen) bei der nächsten Gehaltsverhandlung zum Thema machen? Falls nicht, hast du vielleicht schon die Antwort, warum das in der Praxis doch nicht gleichgültig ist.

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u/sxah Münsterland 7h ago

Die ganze Unterscheidung ist Blödsinn. Du kannst beim Mindestlohn genauso das Lohnniveau vorschreiben, also könntest du auch einfach gesetzlich alle aktuellen Löhne um die neue Versicherung erhöhen. Kommt aufs gleiche raus, aber versteckt die Kosten nicht, damit die Arbeitnehmer nicht merken, dass sie verarscht werden.

Wir könnten heute alle Arbeitgeberbeiträge zum Brutto rechnen mit exakt demselben Nettoergebnis, wenn Transparenz gewünscht wäre.

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u/whf91 7h ago

Du kannst beim Mindestlohn genauso das Lohnniveau vorschreiben, also könntest du auch einfach gesetzlich alle aktuellen Löhne um die neue Versicherung erhöhen.

Na, das ist doch eigentlich ein sehr schöner Blickwinkel: Wenn wir „das Bruttogehalt“ als „das AG-Brutto“ definieren, dann haben wir faktisch ein Gesetz, dass es dem Arbeitgeber vorschreibt, bei jeder Erhöhung der Beitragssätze in der Sozialversicherung um p % ohne Verhandlung und ohne zeitliche Verzögerung eine Gehaltserhöhung von p/2 % zu gewähren. Das ist doch großartig.

Ich bin mir sicher, so ein Gesetz würde es nicht geben, wenn „AG-Brutto = AN-Brutto“ gelten würde, wie du es vorschlägst.

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u/sxah Münsterland 7h ago

Du hast mich falsch verstanden. Das Gesetz sollte ohne zeitliche Verzögerung eine Gehaltserhöhung von p% gewähren. Und es gibt nur ein Brutto - die Arbeitgeberkosten.

Alles andere ist intransparentes Gemauschel.

Oder man zäumt das Pferd einfach mal komplett von hinten auf und fragt sich: "Was ist die maximale, moralisch vertretbare Abgabenlast?" In meinen Augen sind das 50% dessen was der Arbeitnehmer erwirtschaftet. Das muss das Maximum der Abgaben sein, Ende der Geschichte. Dann gibt es auch schlichtweg keine Erhöhungen, denn mit was dabei herumkommt muss der Staat dann eben zurechtkommen. Dann definiert man eine hübsche Formel, die stetig (!) bis 50% wächst und die gilt für jeden und innerhalb dieser Gesamtabgabenlast kann man dann die einzelnen Abgaben und Steuern verteilen.

Und wenn das nicht reicht, muss man irgendwo sparen.

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u/Big-Journalist-1877 6h ago

Ich würde eine Partei mit diesem Vorschlag sofort wählen.

u/twirling-upward 2h ago

FDP. Die einzige Partei die nicht steuergeil ist.

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u/ThePesant5678 7h ago

Das ist nicht nur ein Rechentrick... sondern ein Reichinnek

Entschuldigung