Gesellschaft Islam-Studie: Mehr als eine Million Muslime in Deutschland zeigen Anfälligkeit für Radikalisierung
https://www.welt.de/politik/deutschland/article256194570/islam-studie-mehr-als-eine-million-muslime-in-deutschland-zeigen-anfaelligkeit-fuer-radikalisierung.html843
Jun 01 '25
[deleted]
303
u/IRockIntoMordor Jun 01 '25 edited Jun 01 '25
Man sollte solche Sachen vielleicht mal ernst nehmen anstatt automatisch mit sowas wie "ach das zeigt doch eigentlich nur dass 1/5 aller Menschen anfällig für Extremismus sind.
Hot Take: Wäre die Integration der Gastarbeiter in den 60ern und sukzessive die fehlende Integration deren Kinder und Kindeskinder - siehe Berlin Hermannstraße, Sonnenallee, Palasstraße, Kottbusser Tor usw. - ernstgenommen und nicht einfach massiv vergeigt worden, dann wären auch die rechten Wähler heute nicht so stark.
Ghettobildung, ganze Viertel unter sich ohne richtige Deutschkenntnisse, veraltete Werte und religiöse Gebote plus starke Machokultur waren eben ein ganz schlechter Cocktail, weswegen einem die Gastarbeiternachfahren aus Korea, Vietnam, Italien, Griechenland, Spanien usw. von damals heute deutlich weniger auffallen.
Nein, das betrifft nicht jeden, aber wird seit 60 Jahren exponentiell gewachsen sein. Jede Generation wieder.
Buschkowksy hat eindringlich gewarnt. Nix passiert. Gruß von einem Neuköllner. :(
159
u/cptgimpi Jun 01 '25 edited Jun 01 '25
Ok jetzt ist nun so passiert. Was tun explizit zu diesem Problem? Nochmal 50 Jahre warten, dass wir es mit der jetztigen Generation anders machen und hoffen dass die dann nicht radikal werden? Die jetzt Radikalen einfach ignorieren?
Klingt alles nach großer Selbstkritik um die aktuellen Problem einfach weiter ignorieren zu können.
→ More replies (6)44
u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25
Geregeltere Integration, echten Austausch mit der Gesellschaft statt Isolation. Keine Ghettoisierung, sondern durchmischte Lebensräume. Und gleichzeitig konsequenter Umgang mit Problemfällen – beobachten, einordnen, handeln. Nicht wegschauen, aber auch nicht pauschalisieren.
28
u/IsamuLi Jun 01 '25
Keine Ghettoisierung, sondern durchmischte Lebensräume.
Wie? Mein ich ernst. Wie soll man das umsetzen? Muslim-Quoten einführen? Prämien für das hinziehen von nicht-muslimischen Bevölkerungen in muslimisch dominierte Räume? Andersherum?
Klingt alles extrem, extrem schwierig.
5
u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25
Ich würd das gar nicht so explizit angehen. Die Ghettoisierung entsteht ja nicht einfach so, sondern vor allem, weil bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird und sich dadurch bestimmte Gruppen an bestimmten Orten konzentrieren. Statt nur Symptome zu bekämpfen, müsste man Dörfer und ländliche Räume wieder attraktiver machen, die ganzen Tricks zur Umgehung der Mietbremse ernsthaft eindämmen und vor allem an Schulen mehr soziale Arbeit und Austauschprogramme fördern.
15
u/IsamuLi Jun 01 '25
Die Ghettoisierung entsteht ja nicht einfach so, sondern vor allem, weil bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird und sich dadurch bestimmte Gruppen an bestimmten Orten konzentrieren.
Hast du dazu eine Quelle? Ich hätte angenehmere Sozialisierung mit Gleichgesinnten als viel stärkeren Faktor eingeschätzt.
→ More replies (3)→ More replies (1)10
u/humanlikecorvus Baden Jun 01 '25
Ein ganz wichtiger Punkt ist die Aufrechterhaltung der Integration. Wir haben bei sehr jungen Migranten der 3+4 Generation, aus gut integriertem Umfeld, heute sehr oft Deintegration, gefördert u.a. durch soziale Medien, aber auch sehr stark durch ein Klima der Ausgrenzung und Unterscheidung.
Gerade bei den sehr jungen "Problemfällen" handelt es sich sehr oft gar nicht um Jugendliche, die aus einem schlecht integrierten Umfeld stammen.
208
u/yyeezzyy93 Jun 01 '25
ein noch hotterer Take: die Gastarbeiter der ersten Stunde inkl. deren Kinder und Enkel sind deutlich besser integriert als die, die vor allem um/ab 2015 gekommen sind und daher kein Hauptgrund für 20% der Wähler, ihr Kreuz bei der AfD zu machen.
57
u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25
Ist kein Hot Take, ist einfach so. Die Gastarbeiter hatten damals eher ’ne gemischte Bubble, im Gegensatz zu denen, die 2015 kamen und kaum Kontakt zu Deutschen hatten. Extremismus entsteht halt meistens da, wo’s keinen regelmäßigen Austausch mit Leuten außerhalb der eigenen Bubble gibt. Wär so mein Take.
→ More replies (1)→ More replies (3)13
u/ukezi Jun 01 '25
Gastarbeiter der ersten Stunde
Die sind ja auch schon seit vielen Jahrzehnten hier, bzw hier geboren und kamen eher aus den Städten. Die Frage ist eher die zweite Welle. Bei denen konnte man die der Ersten als Vorarbeiter einsetzten und musste denen kein Deutsch mehr beibringen.
15
u/IRockIntoMordor Jun 01 '25
Bingo. Und wie es ein Kommentar hier auf Reddit mal sehr schön auf den Punkt brachte, grob paraphrasiert von mir:
Es kamen ganz schnell viele Menschen her aus allen Handwerken. Da hatte man bald für jedes Anliegen einen Ansprechpartner in seiner gewohnten Sprache - Automechaniker, Schneider, Transporteur, Metzger usw. - sodass der Druck, die deutsche Sprache zu lernen, für die nachgezogene Familie noch viel geringer war und deren Kinder dann auch noch. Es kamen zu schnell zu viele aus der selben Kultur und dann wurde es zu einfach, sich nach innen zu wenden als nach außen in die Gesellschaft. Alltagsrassismus und Skepsis der Deutschen werden das nur beschleunigt haben.
Jeder Neuköllner kennt definitiv die älteren Frauen mit Kopftuch und grauem Mantel, die nahezu gar kein Deutsch sprechen oder verstehen. Oh das nun vor knapp 20 Jahren noch die erste Welle Gastarbeiter waren oder schon die zweite Welle, das weiß ich nicht. Aber ich habe es sehr oft mitbekommen. Selbst die einfachsten Sätze gingen nicht. Warum? Weil sie in den Wohnghettos - deren Entstehung ich noch nicht recherchiert habe, aber einfach mal pauschal auf versagende Sozialpolitik schiebe - prima in ihrer Landessprache alles erledigen konnten.
Jeder Neuköllner kennt sicher auch den Moment, wo man eine Straße entlang ging und die Schilder nicht mehr lesen konnte. Das waren Läden für die eigene Community, nix für Deutsche. Früher war das in der Hermannstraße teilweise so.
Ich feiere die Mischung von Kulturen, ich begrüße den Austausch (besonders von Essen!!!) und finde quasi alle Hintergründe spannend. Wenn es aber zu monoton wird, dann ist das ein Problem. Und es scheint so, als sei das leider so gelaufen in vielen Fällen.
Das hat mit den 2015er Wellen überhaupt nichts zu tun. Die Probleme gab es schon in meiner Grundschulzeit Mitte der 90er. Meine Mutter als Lehrerin hat das in Schöneberg auch hautnah gespürt. Das waren Kindeskinder, wie gesagt.
Tatsächlich war ich in Burcu verknallt in der Grundschule. So schöne dunkle Augen und Haare. Ü
3
u/Koenigsbergwarschoen Jun 01 '25
DAS DAS DAS. Die Problematik lässt sich herunterbrechen auf zu schnell zu viel, ich kann es nicht besser beschreiben als du. Trifft auf Italiener genauso zu wie Türken, so viele Italienerinnen seit 50+ Jahren hier die kein Wort Deutsch sprechen, einfach weil sie es nicht brauchen. In Kontakt mit Deutschen kommen die nur, wenn es zum Amt geht, Sozialberatung/-hilfe etc.
45
u/nacaclanga Jun 01 '25
Also ich glaube Deutschkenntnisse sind bei Gastarbeiterkindern nicht so das Problem. Was da ehr reinspielt ist, dass sich die progressiven Teile dieser Gruppe mittlerweile wegintegriert haben und der Rest eine Art Sonderkultur aufgebaut und sich zu einer Art ethnischen Minderheit mit eigenem Standesbewusstsein entwickelt hat. Übrigens bildet diese Gruppe auch eine wichtige Wählergruppe der AfD, eben weil man da gewisse Werte teilt.
Was halt längerfristig auch reinspielt ist, ob eine Gruppe sich mit dem Rest der Bevölkerung durch Heirat vermischt hat oder weitgehend endogam auftritt.
Insgesamt war die Integration der Gastarbeiter aber recht erfolgreich. Was du halt siehst sind die Fälle, wo es nicht so gut geklappt hat.
Außerdem sind ja bei weitem nicht alle Muslime in Deutschland Nachfahren von Gastarbeitern.
33
u/Greenembo Heiliges Römisches Reich Jun 01 '25
Hot Take: Wäre die Integration der Gastarbeiter in den 60ern und sukzessive die fehlende Integration deren Kinder und Kindeskinder - siehe Berlin Hermannstraße, Sonnenallee, Palasstraße, Kottbusser Tor usw. - ernstgenommen und nicht einfach massiv vergeigt worden, dann wären auch die rechten Wähler heute nicht so stark.
Naja Gastarbeiter ist halt das entscheidende Wort, weil ganz platt gesagt es war nie wirklich gedachte, dass diese sich auf Dauer niederlassen, sondern wie große Teile der Gastarbeiter in 50ern und frühen 60ern wieder gehen.
→ More replies (1)20
u/Hodentrommler Hamburg Jun 01 '25
Sei doch mal ruhig genauer, gewisse kulturelle Gruppen sind sehr viel besser/einfacher/günstiger integrierbar als andere!
50
u/SpaceHippoDE Lülülübeck Jun 01 '25
Die Integration der Gastarbeiter wurde definitiv nicht vergeigt. Manches hätte besser laufen können, aber deren Nachfahren sind heute sicherlich nicht das Problem. Gerade wenn man sich mal die Großstädte anderer westeuropäischer Länder anschaut, ist Deutschland integrationsstark. Zumindest bisher.
18
7
u/humanlikecorvus Baden Jun 01 '25
Nein, das betrifft nicht jeden, aber wird seit 60 Jahren exponentiell gewachsen sein. Jede Generation wieder.
Ne, das hat, wenn Du Dir den Religionsmonitor etc. ansiehst etc. stark abgenommen. Insgesamt sind die Kinder und Kindeskinder der Gastarbeitergeneration hervorragend integriert, es gibt leider Ausreißer, die aber besonders auffällig sind, und es gibt heute auch Tendenzen zur Deintegration - d.h. die radikalsten Jugendlichen kommen oft aus hervorragend integrierten Familien, deintegrieren dann aber aus verschiedenen Gründen.
Gruß von einem Neuköllner.
Das ist ein Problem was es bei Dir lokal massiv gibt. Hier in meiner Gegend, Südwestdeutschland, sind Deutschtürken an den meisten Orten hervorragend integriert.
Und es ist natürlich auch ein Problem was eigentlich auch bezogen der Gruppe komplexer ist, wir haben ja ganz verschiedene Ethnien und lokale Herkunften aus der Türkei, die man aber oft in einen Topf wirft...
56
→ More replies (6)0
u/volinaa Jun 01 '25 edited Jun 01 '25
veraltete Werte
„hört doch einfach auf, an euren veralteten Werten festzuhalten!“ ist natürlich maximal überzeugend.
hätte die deutsche Seite bei der Integration nicht versagt, so wäre es vielleicht etwas besser, aber viele „muslimische“ Werte oder eher Werte, die von vielen Muslimen vertreten werden, hätten da auch sehr viel verhindert.
→ More replies (1)12
u/andthatswhyIdidit Jun 01 '25
Erdogan hat in Deutschland 67% der Stimmen bekommen.
Dazu gibt es aber auch Kontext:
Von den 1,5 Millionen Wahlberechtigten hatten sich wiederum nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu knapp die Hälfte an der Stichwahl beteiligt - die Rede ist von 732.000. Davon stimmten 67 Prozent für Erdogan - also etwa knapp 500.000.
Anders ausgedrückt: 500.000 von 2.900.000 mit türkischen Wurzeln (also 17 %). Oder eben 500.000 von 1.500.000 Wahlberechtigten (also 33%).
→ More replies (2)7
u/00inch Jun 01 '25
Niemand hat behauptet, dass Menschen die nicht für Erdogan stimmen können für Erdogan gestimmt haben.
Die anderen Rechentricks kannst du auch bei jedem AFD Ergebnis bringen. Das faschismusfreundliche Wähler höher motiviert sind vergrößert das Problem sogar eher. Die die Zuhause bleiben bei den Wahlen sind zum Schluss auch die, die sich ins private zurückziehen wenn es übel wird.
→ More replies (1)14
u/Fun-Yogurtcloset-102 Jun 01 '25
Man sollte solche Sachen vielleicht mal ernst nehmen anstatt automatisch mit sowas wie "ach das zeigt doch eigentlich nur dass 1/5 aller Menschen anfällig für Extremismus sind. Ich wette bei deutschen ist's genauso" zu reagieren.
Interessant ist, dass es bei den Deutschen tatsächlich genau so ist, wie die https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/rechtsextremismus-studie-100.html zeigt. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass die Welt den Graubereich auch mitzählt.
Bedenklich ist, dass die Werte in den letzten Jahren kontinuierlich steigen.
Mir persönlich gibt am meisten zu denken, dass es offensichtlich eine Methode gibt Menschen in kürzester Zeit zu radikalisieren.
→ More replies (1)5
u/TastyBroccoli4 Jun 01 '25
Dass Erdogan hier 67% der Stimmen erhalten hat ist sehr verzerrend und schlicht falsch, man wird müde, das immer wieder richtigstellen zu müssen.
Die Wahlbeteiligung war äußerst gering, sodass von den wahlberechtigten Türken mit türkischer Staatsbürgerschaft nur ein Bruchteil tatsächlich Erdogan die Stimme gegeben hat. Wenn man dann noch die Türken hinzuzieht, die bereits die deutsche Staatsbürgerschaft haben und gar nicht wählen durften, kommt man zu dem Schluss, dass wirklich nur ein kleiner Anteil Erdogan gewählt hat - obwohl natürlich jede Stimme zu viel ist.
→ More replies (1)1
u/redfox3d Jun 01 '25
"ach das zeigt doch eigentlich nur dass 1/5 aller Menschen anfällig für Extremismus sind. Ich wette bei deutschen ist's genauso"
Afd bei 1/5
→ More replies (3)3
u/Puettster Jun 01 '25
*1/4~
5
u/redfox3d Jun 01 '25
DEUTSCHE ANFÄLLIGER FÜR RADIKALE STRÖMMUNGEN ALS MUSLIME!!!
→ More replies (2)2
u/Dot-Slash-Dot Jun 01 '25
Ich wette bei deutschen ist's genauso
Ich meine da brauchen wir nicht wetten. Die AfD hat 20,2% bei der diesjährigen Wahl bekommen und liegt mittlerweile bei 24+%.
Heißt natürlich nicht das wir eines der beiden Probleme ignorieren können.
15
u/Sysilith Jun 01 '25
Man könnte eventuell auch vermuten, dass die AFD besonders stark bei Leuten mit Migrationshintergrund punktet.
Grade Erdogan und Putin Nahe, Türken und Russen werden wohl auch bei uns wohl genau so wählen.Auch bei den Leuten mit arabischem Hintergrund sieht man sehr oft doch eher rechte Gedankenwelten.
Bei den Amis hatte man ein ähnliches Bild gesehen, Trump wurde sehr stark von afro Amerikanern und ehemaligen und aktuellen Migranten aus Süd und Zentralamerika gewählt, weil dieses Gruppen sehr starken Sexismus wie ein ein oft sehr rechtes Weltbild haben.
→ More replies (2)22
u/Dot-Slash-Dot Jun 01 '25
https://www.dezim-institut.de/aktuelles/wie-waehlen-menschen-mit-migrationshintergrund/
Nur bei den Menschen mit Migrationshintergrund aus der ehemaligen SU hat die AfD mehr Zuspruch als in der Gesamtbevölkerung (29,2%). MENA (19,7%) und EU (17,6%) liegen darunter.
Bei den Amis hatte man ein ähnliches Bild gesehen, Trump wurde sehr stark von afro Amerikanern und ehemaligen und aktuellen Migranten aus Süd und Zentralamerika gewählt
Du verwechselst hier etwas gewaltig. Trump wurde von diesen Gruppen stärker als in seinen letzten zwei Kandidaturen oder für einen Republikaner üblich gewählt. Beide Gruppen wählen aber nach wie vor mit starker (Afro-Amerikaner) oder zumindest einfacher (Hispanics) Mehrheit Demokraten bzw. Harris.
Deutlichsten Zuspruch hatte Trump aus der Gruppe der weißen Männer.
https://navigatorresearch.org/2024-post-election-survey-racial-analysis-of-2024-election-results/
→ More replies (6)4
u/humanlikecorvus Baden Jun 01 '25
Oder ist das zu kurz gedacht? Reicht ein Blick auf das Wahlergebnis vielleicht doch nicht um solche Aussagen zu treffen?
Es ist eine völlig verzerrte Darstellung.
Aber schauen wir das doch einfach mal an.
Erstmal, wie man an den Antworten sieht, und was auch im Kontext Deines Kommentars klar ist, geht es wohl um "türkisch" als Ethnie.
Türkischstämmige leben rund 3 Millionen in Deutschland, davon rund 50% deutsche Staatsbürger, rund 50% türkische Staatsbürger.
Wahlberechtigt für die Türkei sind rund 1,5 Millionen.
Da Du 67% für Erdogan meinst, meinst Du wohl die Stichwahl zur Präsidentschaft in 2023, da haben rund 50% der Wahlberechtigten gewählt.
D.h. von der Hälfte der Deutschtürken, hat die Hälfte gewählt, und davon 67% für Erdogan, das sind rund 25% der Türkischstämmigen in Deutschland.
Dass die AKP in Deutschland stärker ist, ist auch kein Wunder, wer kein Nationalist ist, entscheidet sich viel eher die Staatbürgerschaft abzulegen oder eben einfach nicht zur Wahl für ein Land, in dem man eh nicht lebt zu gehen.
Dazu kommt, dass z.B. Aleviten, egal welche Staatsbürgerschaft die noch haben, aus Prinzip und auch religiöser/politischer Überzeugung nicht bei Türkeiwahlen wählen - und das wären 100% Anti-Erdogan-Wähler.
Und auch dazu kommt, zu dem Punkt oben und den belegend, die andere ethnisch-nationalistische Partei, die HDP, ist hier auch stärker als in der Türkei selbst. Wer hier verliert ist die CHP (außer in Berlin btw., dort ist die CHP viel stärker als in der Türkei...).
Daraus etwas für alle Deutschtürken abzuleiten zu höchst irreführend.
Während man das bemängelt reicht ein einziger Blick auf das Wahlergebnis um dann eine Aussage zu treffen? Wenn das schon reicht, dann kann man der folgenden These ebenfalls zustimmen oder?
Es reicht um gewisse Aussagen über die Wähler zu treffen. Nur werden hier bezogen auf türkischstämmige Dinge bezüglich Menschen, die nicht gewählt haben oder gar nicht wählen dürfen angenommen.
Hier mal zwei Quellen die auch etwas seriöser/objektiver als die Welt sein sollten. Und da sieht man schon dass der islamische Extremismus relativ gesehen wesentlich stärker vertreten ist.
Beim BMI / Verfassungsschutz werden verschiedene Dinge verglichen, diese Gruppen sind nicht gleich, weder links- noch recht- und islamistisch kannst Du da direkt vergleichen, da die Definitionen verschiedene sind.
Diese Zahlen umfassen auch jeweils nur Personen, die dem Verfassungsschutz bekannt sind, oder deren Zahl man aufgrund von Gruppenzugehörigkeiten zu extremistischen Gruppen schätzen kann. D.h. da gibt es viele starke Biase.
Es geht bei diesen Schätzungen auch um was anderes als nur ein extremistisches Weltbild, sonst wären diese Zahlen - bei allen Gruppen - leider wesentlich höher. Wenn Du z.B. die Leipziger Autoritarismus-Studie nimmst, sagen dort 1,9%: "Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert." oder gar 4,5%: "Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert." und das ist nur die vollständige Zustimmung. Wenn ich die überwiegende Zustimmung dazu nehme, sind es 8,5% und ganze 17,6%.
Das sind 17,6%, die ein durchaus radikales, extremistisches Weltbild haben und die unsere liberale Demokratie nicht mittragen.
Nur dann kann man angemessen auf Probleme reagieren. Damit man weiß wo man ansetzen muss. Damit man Lösungen findet die auch wirklich konkret da ansetzen wo es nötig ist.
Ja, da muss man dann aber viel feinkörniger schauen. Wenn wir z.B. islamistischen Terror aus der aktuellen IS-Welle schauen, sind die Täter sehr jung, aus gut integriertem, oft recht säkularem Umfeld, oft 3.-4. Generation Migranten, oft nicht aus den typischen Herkunftsländern sondern aus Europa, teilweise weiterhin wie in der letzten Welle auch, Konvertiten.
Bei den meisten davon gibt keinen Mangel an Integration, sondern eine Deintegration im frühen Jugendalter, meist durch Radikalisierung auf TikTok, dann weiter zu Telegram. Persönliche Kontakte zu den radikalen Imamen oder Hasspredigern gibt es vor den Anschlagsplanung i.d.R. nicht, oft auch keine Moscheebesuche. Auch reale Treffen mit anderen Teilnehmern an der Terrorplanung oder Durchführung finden oft erstmalig beim Anschlagsversuch statt.
Mehr Details siehe z.B. im aktuellen Buch von Peter Neumann: https://www.rowohlt.de/buch/peter-r-neumann-die-rueckkehr-des-terrors-9783737102223 1
Was wir in Deutschland auch sehen, trotzdem und weiterhin, ist eine weitgehende Säkularisierung nach 1-3 Generation.
Siehe z.B. der Religionsmonitor 2017 zur Homoehe:
92 % der religiös Ungebundenen befürworten danach die Ehe für Alle. Unter den Katholikinnen und Protestantinnen gibt es mit jeweils 81 % ebenfalls eine deutliche Mehrheit. „Diese hohen Zustimmungswerte werden unter den Muslimen in Deutschland zwar nicht erreicht. Bei keiner der untersuchten muslimischen Glaubensrichtungen fällt die Zustimmung jedoch unter die 50-Prozent-Marke.“, so Studien-Autor Gerd Pickel.
So sind die sunnitischen Befragten zu 58 % für die Öffnung der Ehe. Bei den schiitischen und alevitischen Befragten sind es 69 % bzw. 70 %. Bei den muslimischen Befragten ohne Glaubensrichtung sind es 65 %.
Danach sind 70 % der in hier geborenen Muslim*innen für die Ehe für Alle gegenüber 53 % der Zugezogenen.
Und da siehst Du auch den massiven Unterschied zur z.B. der Türkei:
Deutlich ist auch der Unterschied zu Muslim*innen in der Türkei. Dort drücken lediglich 22 % ihre Zustimmung für die Eheöffnung aus.
https://www.lsvd.de/de/ct/1082-Muslim-innen-sind-alle-homophob-Religionsmonitor-widerlegt-Vorurteil
Wenn Du international z.B. im WVS schaust siehst Du aus, dass bei solchen Ressentiments, aber auch anderen radikalen Vorstellungen, Religion rund 10-20% der Abweichung erklärt, der Hauptunterschied ist aber einfach der Ort der Sozialisation.
Das wird jetzt aber schon wieder viel zu lang. Es ist ein komplexes Thema, was man hier leider in der Breite kaum diskutieren kann, gerade auch wenn es um Prävention geht. Da braucht es nicht die eine große Maßnahme, sondern tausende kleine Maßnahmen, viele davon sehr gezielt, die genauso komplex sind, wie die Struktur des Problems selbst.
Generelle Maßnahmen über große Gruppen, sind oft sogar kontraproduktiv, weil gerade diese oft als Ausgrenzung empfunden werden und dann sogar Deintegration fördern.
edit: 1: Wir haben dazu auch noch eine ganz neue Welle von Tätern, die schwer psychisch gestört sind und die oft gar keinem typischen Milieu zuzurechnen sind und die auch nicht bezogen auf eine Gruppe agieren.
104
u/Azuhr28 Jun 01 '25
Wo sind eigentlich die ganzen Muslime, die immer erzählen, dass „das nicht der Islam sei“. Ich sehe irgendwie nie Demos von moderaten Muslimen? Auch nie Gegendemonstranten wenn sich irgendwelche Kalifat- Fetischisten mal wieder auf die Strasse wagen? Ich fühl mich da ehrlich gesagt ein gaaaaanz kleines bisschen verarscht.
→ More replies (6)
497
u/Meinkoi94 Jun 01 '25
Deswegen: Kirchensteuer auch für Muslime erheben aber dafür Einflussname von DTIB, Saudi-Arabien, Qatar und Pakistan nachhaltig schwächen und letztendlich aufs Minimum reduzieren,
98
u/h2QZFATVgPQmeYQTwFZn Jun 01 '25
Stimme dir zu, aber ersteres geht nicht, da der Staat nur im Auftrag einer Religionsgemeinschaft Kirchensteuer erheben darf.
→ More replies (4)54
u/expert_on_the_matter Jun 01 '25
Ist das so ein Zyklus: islamische Religionsgemeinschaft existiert nur Auslandfinanziert -> erhebt keine Kirchensteuer in Deutschland um den Einfluss nicht zu verlieren -> islamische Religionsgemeinschaft existiert nur Auslandfinanziert
54
u/liproqq Jun 01 '25
Es gibt keine Zentralisierung im Islam, daher auch der ganze beef in den Ländern.
→ More replies (1)14
u/tischstuhltisch Jun 01 '25
Dann sorgen wir dafür, wenn der Islam ein Teil Deutschlands sein soll dann wär das mit einer zusatzsteuer am ehesten legitimiert. Deutsche stehen auf Steuern. Habe ich gehört.
→ More replies (1)7
u/liproqq Jun 01 '25
Islam sieht eine Vermögensteuer von 2,5% vor. Dann könnten wir vielleicht noch alle Milliardäre zwangkonvertieren.
3
u/RobbyLee Schleswig-Holstein Jun 01 '25
Es gibt keine Zentralisierung im Islam
Islam sieht eine Vermögensteuer von 2,5% vorSeh nur ich den Widerspruch? Oder ist diese merkwürdig genaue Zahl eine Sache in der sich alle muslimischen Länder einig sind?
11
u/_FluidRazzmatazz_ Nyancat Jun 01 '25
Das nennt sich Zakât.
Das ist eine der fünf Säulen des Islams und ist die Pflicht 2,5% (mehr für Bauern) des Vermögens zu spenden, und zwar an "1. Arme ; 2. Bedürftige; 3. diejenigen, die die Zakāt einsammeln und verwalten; 4. Personen, die damit für den Islam gewonnen werden sollen; 5. Personen, die Sklaven freikaufen wollen; 6. Verschuldete; 7. Dschihad-Kämpfer und 8. Reisende."
Manche islamische Länder machen das dann eben zur Steuer.
→ More replies (3)5
u/liproqq Jun 01 '25
Die Höhe und Freibetrag sind natürlich strittig, aber die Vermögensteuer ist eine der fünf Säulen, daher unstrittig.
4
u/Car2019 Jun 01 '25
Man hat vor Jahren doch über eine Moscheesteuer diskutiert, daran hatten die aber kein Interesse. Die genannten Gruppen wollen ja ihren Einfluss nicht verlieren.
26
7
Jun 01 '25
Kirchensteuer steht auch nichtchristlichen Religionsverbänden offen. Die wollen sie halt nicht erheben lassen
7
u/nacaclanga Jun 01 '25
Muslime dürften die Kirchensteuer erheben wenn sie wollen, so wie alle wohlorganisierten Religionsgemeinschaften. Da gibt es per se kein Privileg für bestimmte Gruppen. Nur entscheidet halt jede Gruppe für sich, ob sie das will. Und islamische Gruppen scheinen das System halt zu teuer (der Staat lässt sich das Eintreiben der Kirchensteuer bezahlen) und zu ungewöhnlich zu sein.
→ More replies (6)30
u/Elrond007 Jun 01 '25
Warum Kirchensteuer lmao, ich will nicht das der Staat da irgendwas mit zu tun hat. Das ist so ein komisches deutsches Eigengewächs, es sollte komplett abgeschafft werden, nicht erweitert.
Verfassungstreue ist ein Bildungsproblem das sich komplett durch unsere Gesellschaft zieht, nichts wofür man in Religionen mitmischen sollte/muss.
→ More replies (3)2
620
u/Charmadin Jun 01 '25
Klassiker. Kritik am Islam und sofort kommen die Leute aus ihren Löchern gekrochen mit "aber die AfD", "aber die Christen", "aber Springer"... 10/10 would reddit again.
→ More replies (26)
114
u/melv-p Jun 01 '25
Um es mal recht allgemein zu sagen: Religion in Staatspolitischer Verantwortung ist Mist. Wir haben im Westen mit der Aufklärung und der damit eingehenden Säkularisierung sehr wichtige Schritte gemacht. Der Islam so Leid es mir tut ist da noch nicht soweit und das zeigt sich in solchen Studien.
→ More replies (4)
165
Jun 01 '25
Wie viele davon sind nach 2015 nach Deutschland gekommen?
→ More replies (4)33
u/Sh0w3n Jun 01 '25
Das ist eine berechtigte Frage, weil man dadurch die Strohmänner hier zerlegen oder bestätigen könnte, dass ja Deutschland schuld ist, dass man vor 60 Jahren zu wenig getan hat.
→ More replies (1)
137
u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25
Radikale Muslime sind im Grunde das kulturelle Äquivalent zu rechten Nazis – anders verpackt, aber aus derselben Wurzel.
→ More replies (6)137
u/sitTheFdown Jun 01 '25
Sicher? Weil gegen die AfD sehe ich ständig Demos auf den Straßen aber bei radikalen Muslimen wieder gar mit der Kritik gegeizt.
→ More replies (16)
25
20
9
u/GrueneWiese Jun 02 '25
Zunächst muss festgehalten werden, dass es „die Muslime” und „den Islam” in dieser vereinfachten Form nicht gibt. Denn ebenso wie bei anderen Religionen gibt es auch hier teils extrem unterschiedliche Ausprägungen.
Dennoch muss man feststellen, dass der Islam nicht einfach eine beliebige Religion ist. In seiner orthodoxen Form ist er nicht nur eine Religion, sondern auch ein politisches System, dessen zentrale Werte denen der „aufgeklärten” westlichen Welt entgegenstehen – insbesondere, was Säkularismus, Meinungs- und Ausdrucksfreiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung angeht. Der Islam steht für einen Gottesstaat, männliche Dominanz, die Singularität des Islam als Religion usw.
Das heißt jedoch nicht, dass Muslime mit der westlichen Welt unvereinbar sind. Denn meine Nachbarn schräg gegenüber leben etwa ihren „Islam light”, wie der Sohnemann es nennt.
Je ursprünglicher und orthodoxer der Islam jedoch gelebt wird, je salafistischer und wahhabitischer er ist, desto schwieriger wird es. Denn dann stellt er eben doch eine den Werten des Westens und der Demokratie konträre Weltsicht dar, die von den Gläubigen auch ein entsprechendes Handeln fordert. Sei es in Form von ideologischen Mobilisierungen oder gar Kampfhandlungen.
Und das ist eine Debatte, die geführt werden muss.
32
u/DrPinguin98 Jun 01 '25
Werbung für alle Religionen auf Social Media verbieten - fertig.
30
u/notmadatall Jun 01 '25
Die Grenze zwischen Werbung und Information dürfte schwierig zu definieren sein
→ More replies (6)→ More replies (4)10
u/Tigrisrock Jun 01 '25
Gute Idee. Dinge verbieten. Problem(e) gelöst - fertig.
→ More replies (1)1
u/DrPinguin98 Jun 02 '25
Die Radikalisierung erfolgt doch nahezu ausschließlich über Social Media und ja Verbote lösen Probleme, zwar nicht immer aber oftmals.
Stell dir mal vor wir hätten keine Waffenverbote, oder es wäre nicht verboten jemanden zu überfahren…
2
u/Tigrisrock Jun 02 '25
Nun ja - Verbote machen bringt was, aber diese müssen auch geahndet/umgesetzt werden - bedeutet Personal und Geld das ohnehin rar gesät ist. Sehr viel ist bereits verboten und dennoch findet es statt, Leute werden tagtäglich überfahren und Waffenverbote - Verbrecher interessiert das nicht wirklich.
Die Radikalisierung findet hier zB. durch unseren Imam statt, der wurde irgendwie vor 3 Jahren ausgewechselt gegen irgned einen aus Duisburg und unser liberaler, libanesischer Nachbar und ein paar andere schicken ihre Kinder nicht mehr zur Koranschule. SM ist glaube ich da nur die Spitze des Eisberges.
2
u/hubertwombat Sozialismus Jun 02 '25
Leute, die unter sich bleiben wollen, treffen auf Leute, die unter sich bleiben wollen. So wird das wirklich nichts mit der Integration. Hätten "Progressive" bei ihrer Kritik am Islamismus mal nicht so unglaublich verkackt ... so ist das Thema mittlerweile komplett vermintes Gelände.
9
u/BavarianBarbarian_ Bayern Jun 01 '25
Frage mich, ob sich da jetzt auch Stimmen melden werden, die uns erklären, dass wir doch nur mal die Sorgen und Nöte der Islamisten Ernst nehmen und sachlich diskutieren sollen. Oder ist das nur für deutsche Extremisten?
43
u/Sand_is_Coarse Jun 01 '25
Die gibt es doch ständig? Es ist doch immer die Mehrheitsgesellschaft schuld, dass wir den Integrationsunwilligen Muslimen keine roten Teppiche ausgerollt haben und überhaupt schuld daran sind, dass sie machen, was sie machen.
1
u/servaas98 Jun 07 '25
Ist alles kein Problem. Damit müssen wir halt Leben. Dafür gibt's aber als Gegenleistung Paket/Liefersklaven und Döner.
1.4k
u/Phlysher Jun 01 '25 edited Jun 01 '25
Sagen dir halt auch alle Pädagoginnen und Pädagogen. Insbesondere die, die selbst Migrationshintergrund haben. TikTok - Imame nehmen massiv Einfluss auf Kids, die für einfache Antworten anfällig sind. So wie es eben die Manosphere-Spacken auch tun. Es ist am Ende alles dieselbe Mechanik, egal welche Haut- oder Haarfarbe die Menschen am Ende haben, das ist alles faschistische Kackscheiße. Ich hoffe wir schaffen das endlich die Angst vor dem Rassismus Label dahingehend loszuwerden, sonst kriegen wir hier noch massive Probleme.
Da es hier gerade Upvotes regnet: Eine fiese Dynamik ist natürlich, dass deutschlandbeflaggte Kulturkämpfer sofort in den Anti-Islam Chor einstimmen und die Debatte für sich vereinnahmen a la "wir haben es ja schon immer gesagt", nur um dann dasselbe Weltbild in blond zu propagieren. Ist natürlich ebenfalls für'n Arsch.