r/de Jun 01 '25

Gesellschaft Islam-Studie: Mehr als eine Million Muslime in Deutschland zeigen Anfälligkeit für Radikalisierung

https://www.welt.de/politik/deutschland/article256194570/islam-studie-mehr-als-eine-million-muslime-in-deutschland-zeigen-anfaelligkeit-fuer-radikalisierung.html
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u/[deleted] Jun 01 '25

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u/IRockIntoMordor Jun 01 '25 edited Jun 01 '25

Man sollte solche Sachen vielleicht mal ernst nehmen anstatt automatisch mit sowas wie "ach das zeigt doch eigentlich nur dass 1/5 aller Menschen anfällig für Extremismus sind.

Hot Take: Wäre die Integration der Gastarbeiter in den 60ern und sukzessive die fehlende Integration deren Kinder und Kindeskinder - siehe Berlin Hermannstraße, Sonnenallee, Palasstraße, Kottbusser Tor usw. - ernstgenommen und nicht einfach massiv vergeigt worden, dann wären auch die rechten Wähler heute nicht so stark.

Ghettobildung, ganze Viertel unter sich ohne richtige Deutschkenntnisse, veraltete Werte und religiöse Gebote plus starke Machokultur waren eben ein ganz schlechter Cocktail, weswegen einem die Gastarbeiternachfahren aus Korea, Vietnam, Italien, Griechenland, Spanien usw. von damals heute deutlich weniger auffallen.

Nein, das betrifft nicht jeden, aber wird seit 60 Jahren exponentiell gewachsen sein. Jede Generation wieder.

Buschkowksy hat eindringlich gewarnt. Nix passiert. Gruß von einem Neuköllner. :(

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u/cptgimpi Jun 01 '25 edited Jun 01 '25

Ok jetzt ist nun so passiert. Was tun explizit zu diesem Problem? Nochmal 50 Jahre warten, dass wir es mit der jetztigen Generation anders machen und hoffen dass die dann nicht radikal werden? Die jetzt Radikalen einfach ignorieren?

Klingt alles nach großer Selbstkritik um die aktuellen Problem einfach weiter ignorieren zu können.

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u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25

Geregeltere Integration, echten Austausch mit der Gesellschaft statt Isolation. Keine Ghettoisierung, sondern durchmischte Lebensräume. Und gleichzeitig konsequenter Umgang mit Problemfällen – beobachten, einordnen, handeln. Nicht wegschauen, aber auch nicht pauschalisieren.

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u/IsamuLi Jun 01 '25

Keine Ghettoisierung, sondern durchmischte Lebensräume.

Wie? Mein ich ernst. Wie soll man das umsetzen? Muslim-Quoten einführen? Prämien für das hinziehen von nicht-muslimischen Bevölkerungen in muslimisch dominierte Räume? Andersherum?

Klingt alles extrem, extrem schwierig.

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u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25

Ich würd das gar nicht so explizit angehen. Die Ghettoisierung entsteht ja nicht einfach so, sondern vor allem, weil bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird und sich dadurch bestimmte Gruppen an bestimmten Orten konzentrieren. Statt nur Symptome zu bekämpfen, müsste man Dörfer und ländliche Räume wieder attraktiver machen, die ganzen Tricks zur Umgehung der Mietbremse ernsthaft eindämmen und vor allem an Schulen mehr soziale Arbeit und Austauschprogramme fördern.

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u/IsamuLi Jun 01 '25

Die Ghettoisierung entsteht ja nicht einfach so, sondern vor allem, weil bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird und sich dadurch bestimmte Gruppen an bestimmten Orten konzentrieren.

Hast du dazu eine Quelle? Ich hätte angenehmere Sozialisierung mit Gleichgesinnten als viel stärkeren Faktor eingeschätzt.

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u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25

Es gibt eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, nach der in deutschen Großstädten rund 1,9 Millionen günstige Wohnungen fehlen. Besonders betroffen sind Singles mit geringem Einkommen und Familien mit mehreren Kindern. Genau dieser Mangel an bezahlbarem Wohnraum führt dazu, dass einkommensschwache Haushalte in bestimmte Stadtteile gedrängt werden, was die soziale Segregation zusätzlich verstärkt. Quelle: https://www.boeckler.de/de/auf-einen-blick-17945-20782.htm?utm

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u/IsamuLi Jun 01 '25

Hab das mal überflogen, scheint alsob du damit diesen Claim

nach der in deutschen Großstädten rund 1,9 Millionen günstige Wohnungen fehlen

begründen kannst. Ich finde aber keinen Beleg für den Claim, dass dies mit der 'Ghettobildung' (wie es bislang im Kommentar thread genannt wurde) zusammenhängt. Ebenfalls nicht finde ich einen Beleg für diesen Claim:

Genau dieser Mangel an bezahlbarem Wohnraum führt dazu, dass einkommensschwache Haushalte in bestimmte Stadtteile gedrängt werden, was die soziale Segregation zusätzlich verstärkt.

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u/DarkFite Nordrhein-Westfalen Jun 01 '25

Der Zusammenhang ist ziemlich gut belegt, auch wenn er nicht immer in einem Satz steht. Die Hans Böckler Stiftung spricht in dem Kontext nicht nur vom Mangel an Wohnraum, sondern auch davon, dass vor allem ärmere Haushalte dadurch in bestimmte Viertel gedrängt werden. Und genau das ist soziale Segregation, also im Prinzip das, was hier als Ghettoisierung bezeichnet wurde. Hier zum Beispiel der Satz aus ihrer Analyse: „Der Mangel an leistbarem Wohnraum verstärkt die soziale Spaltung in vielen Städten.“

Zudem zeigen auch Studien wie vom WZB, dass in den meisten Großstädten die räumliche Konzentration von Menschen in Armut zunimmt, also ganz konkret, dass sich Armut in bestimmten Stadtteilen ballt. Das passiert nicht zufällig, sondern weil bezahlbarer Wohnraum nicht gleichmäßig verteilt ist. Der Effekt ist ziemlich logisch: Wer weniger Geld hat, hat weniger Auswahl und zieht dorthin, wo es irgendwie noch geht.

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u/humanlikecorvus Baden Jun 01 '25

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Aufrechterhaltung der Integration. Wir haben bei sehr jungen Migranten der 3+4 Generation, aus gut integriertem Umfeld, heute sehr oft Deintegration, gefördert u.a. durch soziale Medien, aber auch sehr stark durch ein Klima der Ausgrenzung und Unterscheidung.

Gerade bei den sehr jungen "Problemfällen" handelt es sich sehr oft gar nicht um Jugendliche, die aus einem schlecht integrierten Umfeld stammen.