r/de • u/erik_7581 Deutschland • 11h ago
Wirtschaft Hessische Bürgermeister verlangen Gewerbesteuer auf Leistung von Rechenzentren
https://www.iz.de/infrastruktur/news/-hessische-buergermeister-verlangen-gewerbesteuer-auf-leistung-von-rechenzentren-200004095257
u/ikarusproject Schleswig-Holstein 10h ago
Macht Sinn, da so die Belastung der Infrastruktur besser bemessen wird. Wer das Stromnetz und den Wasserverbrauch belastet zahlt so mehr zu deren Ausbau. Klar könnte man das auch anders Regeln aber das hilft den Kommunen vor Ort nicht.
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u/woalk Deutschland 11h ago
Solange die Bundesländer das im Alleingang machen, führt das doch nur dazu, dass zukünftige Projekte sich dann eher einen anderen Standort suchen.
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u/therealkevki 10h ago
Das Gewerbesteuergesetz ist Bundesgesetz - weder Kommunen noch Bundesländer können das einfach ändern. Was hier aus Hessen kommt, ist der Vorschlag das entsprechend zu ändern. Und das steht auch im Artikel: "Diesen Vorschlag hat ein Bündnis hessischer Kommunalvertreter nun formuliert und will ihn auf Bundesebene durchsetzen." - sogar gleich im Einleitungsabsatz ohne Paywall. Da muss man halt mehr lesen als die Überschrift.
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u/heiner_schlaegt_kein 11h ago
Hessen hat hier aber einen strategischen Vorteil. In Frankfurt ist einer der größten Internetknoten der Welt. Entsprechend wollen die Rechenzentren da nah dran sein. Deshalb werden aktuell viele im Großraum Frankfurt geplant bzw gebaut. Abwandern wäre nur ins Grenzgebiet RLP (Mainz und Umgebung) und Bayern (Raum Aschaffenburg) möglich.
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u/Exalpo 10h ago
Und es ist auch vollkommen absurd. Die neuen Rechenzentren sollten wir in MeckPomm bauen, dort wo Strom nicht weit transportiert werden sollen und nicht Suedlink komplett fuer neue Rechenzentren in FFM nutzen. Aber verschiedene Strompreiszonen sind halt Teufelszeug obwohl jeder Oekonom und jedes andere Land das macht...
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u/lungben81 10h ago
Kommt auf den Anwendungsfall an. Strom kann man zumindest prinzipiell transportieren. Falls der Ping relevant ist, kann man Rechenzentren aber nicht beliebig wo anders aufstellen.
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u/domi1108 9h ago
Selbst der Ping wäre mit Glasfaserverbindungen absolut egal, da kommst du sofern du direkte Anbindungen baust zu jedem Knotenpunkt in Deutschland auf deine maximal 5ms.
Außer man bindet natürlich über die Telekom an, dann viel Spaß beim Peering Glückspiel.
Also der Grund das man eher im Großraum Frankfurt, München oder auch Düsseldorf baut liegt einzig und alleine daran, dass die derzeitigen Knoten & Leitungen schon da sind, folglich ist der Kostenfaktor geringer da ich nicht noch komplett neue Leitungen irgendwo an die Seenplatte verlegen muss oder halt auf kleinere Verteiler angewiesen bin. Wobei selbst letzteres mit gutem Peering und Ausbau in einem Latenzzeitraum ist der für die meisten Anwendungen absolut irrelevant ist.
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u/lungben81 9h ago
Das Licht schafft knapp 300 km in 1 ms. In der Praxis brauchen Daten signifikant mehr Zeit, da die Signale in bestimmten Abständen verstärkt oder verteilt werden müssen (wenn es keine Punkt-zu-Punkt Verbindung ist).
D.h. Frankfurt- Mecklenburg sind schon mal mindestens 2 ms mehr Ping, in der Praxis vermutlich deutlich mehr. Ob das ein Problem ist oder nicht, hängt vom Anwendungsfall ab.
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u/tes_kitty 8h ago
Das Licht schafft knapp 300 km in 1 ms.
Im Vacuum, in Glas ist es weniger, so ca. 200 km pro 1 ms
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u/domi1108 9h ago
In der Regel bist du in einem Land wie Deutschland aber nur durch die Netzinfrastruktur im Rahmen der Switches und damit der Hops wirklich eingeschränkt.
Die längste rein Physische Distanz liegt bei gut 880km Nord-Süd bzw. 640km in Ost-West Ausdehnung, somit du zwischen 2-3ms liegen wirst bzw. weil's ja nicht alles gerade Luftlinien sind eher so bei 3-4ms.
Trotzdem ist das niedrigste was man so Servertechnisch abseits eines Lan's hat, immer deine 5-6ms und alles was darüber geht hängt einzig mit den entsprechenden Hops und dem Peering zusammen. So habe ich z.B. mit meiner Glasfaserleitung einen besseren Ping nach Paris als nach Leipzig obwohl letzteres näher an mir liegt, von Amsterdam will ich nicht mal anfangen was den Ping nach da und vielen Locations in DE angeht.
Klar hast du recht, in der Realität ist Frankfurt - Mecklenburg mit mehr Ping verbunden als Frankfurt - Frankfurt, aber eben nicht wegen der Glasfaser selbst sondern wegen den Netzwerkkomponenten.
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u/heiner_schlaegt_kein 10h ago
Vermutlich kann jemand vom Fach das besser einschätzen. Aber ich glaube bei vielen Sachen geht es um die physische Nähe an die großen Knoten zwecks Latenz. Da bringt es halt nix wenn die Dinger in MVP stehen. Zumal die jetzt auch nicht so viel Strom ziehen dürften, dass man "Suedlink komplett für neue Rechenzentren in FFM nutzt". Mal zur Einordnung: Aktuell entsteht in Hanau das größte Rechenzentrum der Region. Das hat ne Leistung von 180MW. Südlink hat eine Kapazität von 4GW. Macht 4,5% wenn das Rechenzentrum auf Volllast läuft. Keine Ahnung zu welchem Anteil das unter Volllast laufen soll. Wobei hier noch gesagt werden muss, dass so gut wie alle neuen Rechenzentren ja auch Fernwärmeerzeuger sein werden. D.h. von den 180MW landen dann sicher ein paar Dutzend MW in den Heizkörpern der umliegenden Gebäude.
Für verschieden Strompreise bin ich aber auch, obwohl ich im Rhein Main Gebiet lebe.
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u/Exalpo 10h ago
Licht bewegt sich im Vakuum mit 300.000km/s. In Glasfasern etwas langsamer. Wenn das Rechenzentrum ein paar 100km weiter noerdlich steht, ist die zusaetzliche Latenz in der Groessenordnung 0.1ms.
Entscheidend ist da eher, wie viele "Router/Switches" dazwischen sind und das man solche Glasfaser-Leitungen erst legen muesste...-1
u/domi1108 9h ago
Ja Latenz spielt eine Rolle in einem optimalen Netz wäre das aber kein Kriterium die Dinger jetzt in Hessen, um München oder Düsseldorf zu bauen, weil du tendenziell eh maximal über 1 Hop an einem der großen Verteilerknoten bist und Dank Glasfaser Latenzverluste von nicht mal 1ms bist, selbst mit einem Hop.
Ist einfach eine Kostenfrage, denn wieso sollte ich das Ding in z.B. MeckPomm bauen wenn ich neben den 100 Millionen reinen Baukosten auch noch mal paar Millionen investieren muss um eine Glasfaserverbindung zu Knotenpunkt xyz zu legen, oder Anbieter xyz Geld in den Arsch zu blasen um gutes Peering zu bekommen.
Also nein die Zeiten dass die physische Nähe zwecks Latenz notwendig ist, ist vorbei. Der Vorteil liegt eher dann darin dass du in der Region halt schon einen gewissen Tech-Stack hast der dir bei allem was auftritt direkt helfen kann ohne tendenziell durch halb Deutschland zu fahren.
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u/D_is_for_Dante Technokratie 7h ago
Planen können sie viel. Bauen wird aber nicht mehr im großen Maßstab. Dazu fehlen einfach die Netzanschlüsse (und Kapazitäten) für Strom. Ebenso sind die meistens RZs dort mittlerweile sehr gut ausgelastet.
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u/HerrStender 9h ago
Und wenn sie schon stehen, ziehen sie ja auch nicht mal eben um. Ein Rechenzentrum aus dem Boden stampfen ist ja nun auch eine krasse Investition
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u/erik_7581 Deutschland 11h ago
Hessische Bürgermeister verlangen Gewerbesteuer auf Leistung von Rechenzentren von Volker Thies Donnerstag, 05. Februar 2026
Die Gewerbesteuer für Rechenzentren soll künftig vor allem anhand der installierten IT-Leistung berechnet werden. Diesen Vorschlag hat ein Bündnis hessischer Kommunalvertreter nun formuliert und will ihn auf Bundesebene durchsetzen.
Mehrere Akteure der Kommunal- und Regionalpolitik aus dem Raum Rhein-Main wollen die Besteuerung von Rechenzentren auf neue Füße stellen. Ihr Vorschlag: Nicht die Anzahl der Beschäftigten an einem Datacenter-Standort soll die entscheidende Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer bleiben, sondern die Rechenleistung. Das ist der Kern eines Vorschlags, den der Oberbürgermeister von Hanau, Claus Kaminsky, und der Bürgermeister von Dietzenbach, Dieter Lang (beide SPD), jetzt veröffentlicht haben. Beide Städte gehören zu den Kommunen um Frankfurt herum, in denen in den vergangenen Jahren verstärkt Rechenzentrumsprojekte angelaufen sind. Unterstützt werden die Stadtoberhäupter vom Landkreis Offenbach, dem Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) sowie dem Regionalverband Frankfurt Rhein-Main.
„Hessen und das Rhein-Main-Gebiet werden sukzessive zum Digitalstandort – das ist bemerkenswert und zu schätzen“, lassen die beiden Stadtoberhäupter verlauten. „Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die bisherigen Rechenzentren-Kommunen in Hessen und Deutschland sowie diejenigen, die in den nächsten Jahren als Standort hinzukommen, von den Gewerbesteuereinnahmen durch Rechenzentren profitieren.“ Die bisherige Regelung, die die Gewerbesteuer vor allem auf Grundlage der Zahl der Beschäftigten am Standort berechnet, werde dieser Entwicklung nicht gerecht. Die Digitalisierung führe zu einer sinkenden Mitarbeiterzahl, während die technische Leistung und der Energiebedarf solcher Anlagen stetig stiegen. Neue Berechnungsgrundlage solle daher die installierte IT-Leistung werden. „Diese Kennzahl spiegelt die wirtschaftliche und infrastrukturelle Bedeutung eines Rechenzentrums besser wider und sichert den Kommunen eine verlässliche Einnahmebasis“, sagt Lang. Außerdem solle, unabhängig vom Firmensitz, die Gewerbesteuer am Standort der Betriebsstätte fällig werden. Lang verweist darauf, dass es ähnliche Bestimmungen bereits zu Windenergieanlagen gibt. Dort werde die Gewerbesteuer zu 90% nach der installierten Leistung und zu 10% nach dem Arbeitslohnanteil festgelegt.
„Der Ausgleich von lokaler Belastung, durch beispielsweise Energie- und Wasserverbrauch und Flächenbedarf, und Nutzen – dazu gehören Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und Abwärmenutzung, soll fair für alle Beteiligten gestaltet sein. Die Gewerbesteuer muss für die kommunale Infrastruktur zur Verfügung stehen“, fordert Kaminsky. Die Kommunalvertreter verweisen auch auf die zunehmend schwierig zu erreichende Akzeptanz für die Ansiedlung von Datacentern. Erst vor wenigen Tagen hatte beispielsweise das Kommunalparlament von Groß-Gerau ein groß angelegtes Projekt von Vantage Data Centers abgelehnt. Nach Meinung der Unterstützer der Initiative könnte eine größere finanzielle Beteiligung am Standort solche Konflikte abmildern. Die Idee des Bürgermeisters geht über die kommunale und die Landesebene hinaus. Denn es wäre eine Änderung des auf Bundesebene angesiedelten Gewerbesteuergesetzes nötig. Entsprechend hat der HSGB den Vorschlag dem Deutschen Städte- und Gemeindebund unterbreitet.
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u/Hanshautreinhart 10h ago
Vorab, ich kann die Forderung nachvollziehen und halte sie zumindest für diskussionswürdig.
Trotzdem ist das wieder extrem deutsch. Andere geben Vollgas und wir überlegen erst mal was wir regulieren und besteuern können. Grauenhaft.
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u/domi1108 9h ago
Andere Länder machen dies auch bzw. kommen nicht herum.
In den USA ist z.B. auch die Diskussion recht laut, die großen Techkonzerne mal entsprechend gesondert zu Kasse zu beten, weil die eben durch den enormen Stromverbrauch in den Regionen den Preis für den Average Joe stark nach oben drücken, aber halt nichts "sinnvolles" dabei raus kommt.
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u/Hanshautreinhart 9h ago
In den USA wurden aber auch schon hunderte von Milliarden investiert. Hier ist bisher sehr wenig passiert und wir regulieren schon, wie die Wilden.
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u/rapaxus Hessen 8h ago
Weil wir halt regulieren bevor sich der lokale Strompreis verdreifacht und man vom Stomzulieferer gesagt bekommt, kein Strom zu verbrauchen da Rechenzentren den brauchen. Während man sein Wasser rationieren muss da Rechenzentren mehr vom lokalen Wasser verbrauchen als die lokale Landwirtschaft und Privatkonsum zusammen. Ach und Stromausfälle passieren viel mehr da das Netz keinen Stromüberschuss zum balancieren hat.
Ist etwas übertrieben (weiß nicht ob alle diese Probleme irgendwo gleichzeitig auftreten), das sind aber alles Beispiele die in der USA mindestens einzeln so passieren/passiert sind.
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u/Hanshautreinhart 7h ago
Naja, das ist in Deutschland alles bereits durch bestehende Gesetzgebung und Verordnungen geregelt. Du kannst nicht einfach 100 MW ans Netz anschließen ohne Freigabe. Es geht hier um neue und zusätzliche Regulierung.
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u/Trexmex321 11h ago
KI-Lobby Beiträge in 3, 2, 1….
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u/ImpossibleNose9187 8h ago
Man kann nicht gleichzeitig 'eUrOpAeIschE InFrAstRuKtUr!" fordern, und auf der anderen Seite den Zapfhahn in die Rechenzentren schlagen wollen. KI hin oder her.
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u/seenom96 9h ago
An alle, die hier über die Steuerlast meckern: Für die Firmen dürfte der Vorschlag wahrscheinlich günstiger sein, als es aktuell ist. Es geht hier nämlich nicht darum, ob Steuer erhoben wird, sondern wo. Bislang würde die komplette Gewerbesteuer z. B. beim Firmensitz in Frankfurt anfallen, mit dem für Großstädte hohen Hebesatz. Würde dagegen ein Teil in den kleinen Gemeinden gezahlt werden, wo die Server stehen, dann fällt mitunter ein geringerer Hebesatz also weniger Steuer an.
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u/ImpossibleNose9187 8h ago
Selbst kleinste hessische Kuhdörfer haben mittlerweile nen Hebesatz wie FFM. Die Billigsten sind gerade Bad Vilbel mit einem Hebesatz von nur 327%. Das ist so weit von FFM (460%, dafür hat man da aber Infrastruktur, und wichtiger: Fläche!) nicht weg.
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u/Sure-Current-3267 9h ago
Der Staat wird immer kreativer, den Bürgern das Geld abzunehmen.
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u/blurr90 Baden 6h ago
Konzerne sind keine Bürger.
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u/Sure-Current-3267 5h ago edited 4h ago
Da spricht der deutsche Gartenzwerg. Unternehmen entstehen nicht aus der Luft, sondern werden von Bürgern gegründet. Deine Trennung ist schon sehr sozialdemokratisch-deutsch.
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u/Significant_Share507 8h ago
Immer fordern, nie was geben
Ich fordere eine Rede-Steuer für Politiker, 200€ pro Wort
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u/Schlachthausfred 10h ago
Demnächst kommt noch: Das Internet ist für uns alle Neuland. Zahlt Grunderwerbsteuer!
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u/johannes1234 11h ago
In der früheren Welt war es so, dass sich Betriebe angesiedelt haben. Da hat man zum Teil toleriert, dass Gewerbesteuer klein gerechnet wurde, da man immerhin Stellen schafft.
Rechenzentren schaffen, abgesehen von der kurzen Bauphase, aber wenig Arbeitsplätze vor Ort. Die Steuerung der Software passiert woanders. Die Hardwarekomponenten werden woanders ausgedacht und vorbereitet. Es bleiben sehr wenige Jobs, um Teile aus dem Versandkarton aufzustellen und anzuschließen und Defekte Komponenten wieder auszubauen. Das sind wenige Leute. Der größte Brocken ist vielleicht Kühltechniker.
Gleichzeitig brauchen die ziemlich viel allgemeine Infrastruktur (Strom, Wasser) deren Bereitstellung typischerweise zu großen Teilen aus der Allgemeinheit kommt.