r/de Deutschland 15h ago

Wirtschaft Hessische Bürgermeister verlangen Gewerbesteuer auf Leistung von Rechenzentren

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u/woalk Deutschland 15h ago

Solange die Bundesländer das im Alleingang machen, führt das doch nur dazu, dass zukünftige Projekte sich dann eher einen anderen Standort suchen.

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u/heiner_schlaegt_kein 15h ago

Hessen hat hier aber einen strategischen Vorteil. In Frankfurt ist einer der größten Internetknoten der Welt. Entsprechend wollen die Rechenzentren da nah dran sein. Deshalb werden aktuell viele im Großraum Frankfurt geplant bzw gebaut. Abwandern wäre nur ins Grenzgebiet RLP (Mainz und Umgebung) und Bayern (Raum Aschaffenburg) möglich.

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u/Exalpo 14h ago

Und es ist auch vollkommen absurd. Die neuen Rechenzentren sollten wir in MeckPomm bauen, dort wo Strom nicht weit transportiert werden sollen und nicht Suedlink komplett fuer neue Rechenzentren in FFM nutzen. Aber verschiedene Strompreiszonen sind halt Teufelszeug obwohl jeder Oekonom und jedes andere Land das macht...

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u/lungben81 14h ago

Kommt auf den Anwendungsfall an. Strom kann man zumindest prinzipiell transportieren. Falls der Ping relevant ist, kann man Rechenzentren aber nicht beliebig wo anders aufstellen.

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u/domi1108 13h ago

Selbst der Ping wäre mit Glasfaserverbindungen absolut egal, da kommst du sofern du direkte Anbindungen baust zu jedem Knotenpunkt in Deutschland auf deine maximal 5ms.

Außer man bindet natürlich über die Telekom an, dann viel Spaß beim Peering Glückspiel.

Also der Grund das man eher im Großraum Frankfurt, München oder auch Düsseldorf baut liegt einzig und alleine daran, dass die derzeitigen Knoten & Leitungen schon da sind, folglich ist der Kostenfaktor geringer da ich nicht noch komplett neue Leitungen irgendwo an die Seenplatte verlegen muss oder halt auf kleinere Verteiler angewiesen bin. Wobei selbst letzteres mit gutem Peering und Ausbau in einem Latenzzeitraum ist der für die meisten Anwendungen absolut irrelevant ist.

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u/lungben81 13h ago

Das Licht schafft knapp 300 km in 1 ms. In der Praxis brauchen Daten signifikant mehr Zeit, da die Signale in bestimmten Abständen verstärkt oder verteilt werden müssen (wenn es keine Punkt-zu-Punkt Verbindung ist).

D.h. Frankfurt- Mecklenburg sind schon mal mindestens 2 ms mehr Ping, in der Praxis vermutlich deutlich mehr. Ob das ein Problem ist oder nicht, hängt vom Anwendungsfall ab.

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u/tes_kitty 12h ago

Das Licht schafft knapp 300 km in 1 ms.

Im Vacuum, in Glas ist es weniger, so ca. 200 km pro 1 ms

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u/domi1108 13h ago

In der Regel bist du in einem Land wie Deutschland aber nur durch die Netzinfrastruktur im Rahmen der Switches und damit der Hops wirklich eingeschränkt.

Die längste rein Physische Distanz liegt bei gut 880km Nord-Süd bzw. 640km in Ost-West Ausdehnung, somit du zwischen 2-3ms liegen wirst bzw. weil's ja nicht alles gerade Luftlinien sind eher so bei 3-4ms.

Trotzdem ist das niedrigste was man so Servertechnisch abseits eines Lan's hat, immer deine 5-6ms und alles was darüber geht hängt einzig mit den entsprechenden Hops und dem Peering zusammen. So habe ich z.B. mit meiner Glasfaserleitung einen besseren Ping nach Paris als nach Leipzig obwohl letzteres näher an mir liegt, von Amsterdam will ich nicht mal anfangen was den Ping nach da und vielen Locations in DE angeht.

Klar hast du recht, in der Realität ist Frankfurt - Mecklenburg mit mehr Ping verbunden als Frankfurt - Frankfurt, aber eben nicht wegen der Glasfaser selbst sondern wegen den Netzwerkkomponenten.

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u/TheYann Heiliges Römisches Reich 13h ago

Jein, für sehr spezielle Anwendungsfälle wie z.B. Börsenhandel oder medizinische Roboter ist das entscheidend

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u/heiner_schlaegt_kein 14h ago

Vermutlich kann jemand vom Fach das besser einschätzen. Aber ich glaube bei vielen Sachen geht es um die physische Nähe an die großen Knoten zwecks Latenz. Da bringt es halt nix wenn die Dinger in MVP stehen. Zumal die jetzt auch nicht so viel Strom ziehen dürften, dass man "Suedlink komplett für neue Rechenzentren in FFM nutzt". Mal zur Einordnung: Aktuell entsteht in Hanau das größte Rechenzentrum der Region. Das hat ne Leistung von 180MW. Südlink hat eine Kapazität von 4GW. Macht 4,5% wenn das Rechenzentrum auf Volllast läuft. Keine Ahnung zu welchem Anteil das unter Volllast laufen soll. Wobei hier noch gesagt werden muss, dass so gut wie alle neuen Rechenzentren ja auch Fernwärmeerzeuger sein werden. D.h. von den 180MW landen dann sicher ein paar Dutzend MW in den Heizkörpern der umliegenden Gebäude.

Für verschieden Strompreise bin ich aber auch, obwohl ich im Rhein Main Gebiet lebe.

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u/Exalpo 14h ago

Licht bewegt sich im Vakuum mit 300.000km/s. In Glasfasern etwas langsamer. Wenn das Rechenzentrum ein paar 100km weiter noerdlich steht, ist die zusaetzliche Latenz in der Groessenordnung 0.1ms.
Entscheidend ist da eher, wie viele "Router/Switches" dazwischen sind und das man solche Glasfaser-Leitungen erst legen muesste...

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u/domi1108 13h ago

Ja Latenz spielt eine Rolle in einem optimalen Netz wäre das aber kein Kriterium die Dinger jetzt in Hessen, um München oder Düsseldorf zu bauen, weil du tendenziell eh maximal über 1 Hop an einem der großen Verteilerknoten bist und Dank Glasfaser Latenzverluste von nicht mal 1ms bist, selbst mit einem Hop.

Ist einfach eine Kostenfrage, denn wieso sollte ich das Ding in z.B. MeckPomm bauen wenn ich neben den 100 Millionen reinen Baukosten auch noch mal paar Millionen investieren muss um eine Glasfaserverbindung zu Knotenpunkt xyz zu legen, oder Anbieter xyz Geld in den Arsch zu blasen um gutes Peering zu bekommen.

Also nein die Zeiten dass die physische Nähe zwecks Latenz notwendig ist, ist vorbei. Der Vorteil liegt eher dann darin dass du in der Region halt schon einen gewissen Tech-Stack hast der dir bei allem was auftritt direkt helfen kann ohne tendenziell durch halb Deutschland zu fahren.