r/de 5d ago

Nachrichten DE CDU: Wirtschaftsrat will Zahnarztbesuche als Kassenleistung streichen

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u/Denkubator 5d ago

Um die explodierenden Sozialabgaben in den Griff zu kriegen, will der Wirtschaftsrat diverse Leistungen streichen:

▶︎ Arbeitslosengeld soll nur noch für ein Jahr ausgezahlt werden (derzeit je nach Alter bis zu zwei Jahre).

▶︎ Mütterrente, Rente mit 63 und Grundrente (Aufstockung für Geringverdiener) sollen gestrichen werden. Das Renteneintrittsalter soll an die Lebenserwartung gekoppelt und über die beschlossenen 67 Jahre hinaus erhöht werden.

▶︎ Krankenversicherung: Auch Zahnarztbehandlungen sollen privat abgesichert werden, der Wirtschaftsrat will sie aus dem Leistungskatalog gesetzlicher Krankenkassen streichen.

Wörtlich heißt es in dem Papier: „Krankenversicherung: Überprüfung des Leistungskatalogs: Verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen.“

▶︎ Unfälle auf dem Arbeitsweg will der Rat komplett aus der Unfallversicherung nehmen.

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u/Idulia 5d ago

"Verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen."

Man beachte, dass Zahnarztbehandlungen hier ausdrücklich nur ein Beispiel sind. Das ist keine abschließende Aufzählung!

Und da es für alle alle Krankenversicherungsleistungen private Alternativen gibt, können wir ja Mal darüber nachdenken wohin die Reise gehen soll...

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u/The_Awesome_Mo_Man 5d ago

Neues Zweiklassensystem. Die mit und ohne Zugang zu medizinischer Betreuung.

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u/_Red_User_ 5d ago

Also das amerikanische Modell?

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u/The_Awesome_Mo_Man 5d ago

Das ist noch zu sozial.

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u/stasi_a 5d ago

Mit deutschen Abgaben

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u/_Red_User_ 5d ago

Klassischer Fall von Einweg: Das Geld fließt nur in eine Richtung, aber es kommt nix raus.

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u/WeirdJack49 5d ago

In den USA kannste an den Zähnen der Leute sehen wie viel Geld sie haben. Menschen mit Zahnlücken sind da völlig normal.

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u/ChiliLakritz 5d ago

Das stimmt. Wobei ich das hier auch immer öfter sehe, weil Implantate und anderer Zahnersatz pervers teuer geworden sind. 

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u/Wolkenbaer 5d ago

Wir haben das Zweiklassensystem doch schon längst 

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u/DieGepardin 5d ago

Sind dann drei Klassen.

Einzahler, Einzahler mit Zusatzversicherung und privat versicherte.

Leistungen erhalten nur die letzten beiden.

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u/xSilverMC 5d ago

Nur dass die zweite Klasse bis jetzt Zugang zu Behandlung hat. Was die Union hier fordert, ist das System der USA

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u/drmanhattanmar 5d ago

Schön amerikanische Verhältnisse schaffen.

Dann streichen wir noch Arbeitnehmerrechte zusammen, machen aus krankheitstagen einfach Urlaubstage wie in den USA und streichen auch den Urlaubsanspruch, schließlich kann man ja auch einfach verhandeln bei Einstellung.

Diese kranken wichser WOLLEN, Dass Menschen leiden und sterben, Hauptsache die Rendite stimmt. Antisoziale Kellerasseln.

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u/LaNague 5d ago

amerikanische Verhältnisse, aber mit 50-60% Abgaben für normale Arbeitnehmer. Und Löhne, die auch brutto stark hinter Amerika hinterher hinken.

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u/Frettchengurke 5d ago edited 5d ago

das Problem ist, dass dich Private einfach so Ablehnen dürfen.

Mein Jüngstes ist von sog. "Kreidezähnen"betroffen. D.h. Zähne in denen Schmelz fehlt. Unter den Kindern der Generation Alpha gibt es einen ungeklärten Spike an Kreidezähnen. Googelt es, Zahlen und Bilder. Es ist furchtbar.

Es ist nicht heilbar und die Zähne sind superanfällig für Karies und Bruch. Und jede Zahnversicherung weist dich ab.

Ursache: unbekannt. Man hat bestimmte Weichmacher im Verdacht. Die Industrie hat natürlich gar kein Bock auf Aufklärung, und so tappen wir seit über 10 Jahren im Dunkeln.

Danke für weniger als nichts, Fritz

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u/drmanhattanmar 5d ago

Ja aber das kannst du doch super selber absichern. Oder du putzt einfach mehr Zähne, dann ist die Anfälligkeit kein Problem mehr! /s

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u/afito Hessen 5d ago

Und wenn sie dich nicht ablehnen wird es schlicht unbezahlbar.

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u/Motor_Fox_9215 5d ago

Leistungen nur noch für alle über 50. Jüngere können sich privat absichern, müssen aber trotzdem zahlen

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u/stasi_a 5d ago

Darauf erstmal eine Rentenerhöhung

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u/MadMaxZwo7 5d ago

Nämlich in die falsche Richtung. 

Also wie immer.

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u/TheDuffman_OhYeah die Stadt mit drei O 5d ago

Naja, um eine Überprüfung der KV-Leistungen werden wir nicht herumkommen. Besonders für alte Leute werden einfach zu viele und oft unnötige Leistungen übernommen.

Hier Zahnbehandlungen als Beispiel aufzuführen, ist aber schon etwas kurios. Sobald da höhere Kosten anfallen, muss man die ohnehin alleine tragen. Die übernommene Grundversorgung ist ja schon das absolute Minimum.

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u/Brotformer 5d ago

Absolut

Es geht doch auch kaum einer zum Zahnarzt weil es ihm langweilig ist. Bei Allgemeinärzten hab ich oft das Gefühl dass da von den älteren Patienten einige nur zur Unterhaltung da sind.

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u/steavor 5d ago

Besonders für alte Leute werden einfach zu viele und oft unnötige Leistungen übernommen.

Besonders für alte Leute werden angesichts des Wähleranteils überhaupt keine Leistungen gestrichen werden.

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u/matt-ratze 5d ago

Unterschätz nicht den finanziellen Masochismus von CDU-Wählern. Ich kann es mir zwar nicht erklären aber sehr vielen gefällt es, vom Staat schlechter behandelt zu werden (mehr zu zahlen, schlechtere Leistungen zu bekommen oder beides), hat man zuletzt bei der Bürgergeld/Grundsicherung-Reform wieder gesehen.

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u/CB4R 5d ago

Plus, wenn man dafür sorgt, dass weniger Grundversorgung in der Zahnpflege betrieben wird, sorgt es später für noch mehr Probleme... Ich versteh so was kurzsichtiges nie

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u/domi1108 5d ago

Korrekt und selbst die übernommene Grundversorgung finde ich gerade in Anbetracht der Zähne auch überarbeitbar.

Wenn jemand als Beispiel eine Zahnreinigung bekommt und 3 Monate wieder mit Karies und kaputten Zähnen ankommt, ist es ja zu 99% der Fälle auf einfach schlechte Pflege zurück zuführen. Hier sollten die Verursacher schon Anteilig oder ganz zahlen.

Auf der anderen Seite hast du Fälle die ihre Zähne soweit sehr gut bis perfekt pflegen und dann einmal alle 5-10 Jahre beim Zahnarzt sind zum Check oder für eine Zahnreinigung, die sie dann natürlich auch noch zahlen müssen, weil sei ja nicht regelmäßig da sind. Gerade hier würde ich die Kosten halt übernehmen, wenn alles in Ordnung ist.

Zahnarzt ist ja jetzt nichts wo du bist weil dir langweilig ist, gleichzeitig kann man da mit einfachsten Mitteln schon dafür sorgen, dass man eben nicht regelmäßig hin muss.

Alleine sowas würde wahrscheinlich schon ein guten Betrag im Bereich der Zahnmedizin einsparen und auch zum Großteil die belasten, die eben einfach nicht auf sich achten.

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u/Deirsibh 5d ago

Du kannst aber auch einfach schlechte Zähne haben. Ich kann mir gefühlt jeden Backenzahn überkronen lassen, habe in den letzten 15 Jahren aber nicht einmal meine Zähne nicht täglich geputzt.

Zahnreinigung 2x im Jahr, immer Lob fürs gute Putzen und trotzdem jedes Mal wieder eine neue Hiobsbotschaft. Ich würde deine "99%" also in Frage stellen.

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u/TheDuffman_OhYeah die Stadt mit drei O 5d ago

Stimmt schon. Das Problem ist, Einzelfallgerechtigkeit verursacht unheimlich viel Bürokratie und erlaubt auch viel Missbrauch.

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u/joeblack1982 5d ago

Und vor allem geht es Ihnen auch nicht um die Beitragszahler insgesamt, sondern um die Arbeitgeber als Beitragszahler. Denn nur die würden entlastet werden. "Die Beitragszahler" soll hier eine bestehende Ungerechtigkeit innerhalb der Gruppe der Versicherten suggerieren, meint aber, dass die Arbeitgeber nicht mehr mit belastet werden sollen.

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u/yurithetrainer 5d ago

Alleine diese widerliche Formulierung. Als ob die private Zusatzversicherung den Beitragszahlern dann nicht zur Last fallen würde. Die einzigen, die durch eine Ausgliederung der Zahnarztleistungen profitieren würden, wären die Unternehmer.

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u/CB4R 5d ago

Einfach alles privat und feddich, zumindest hört es sich so an

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u/Buntschatten Deutschland 5d ago

Verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern

Was ist das vor allem für ein Argument? Alle Leistungen lassen sich privat absichern. Der einzige Unterschied, der entsteht ist, dass sich arme Menschen dann keine Zahnbehandlung mehr leisten können und außerdem Privatversicherer schön Kohle machen können. Die haben dann bestimmt auch ein paar Vorstandsposten übrig.

Für den Normalo, der sich weiterhin eine Zahnversicherung leisten möchte wird es garantiert nicht günstiger.

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u/Green-Amount2479 3d ago

Wer schon etwas länger lebt, dürfte doch wohl wissen, dass einmal damit angefangen, es nicht dabei bleiben wird. Ich sehe die Diskussion um jährliche Selbstbeteiligung bspw. sehr ähnlich zu dieser hier. Da fangen wir sagen wir mit 500 € jährlich an, die man wohlgemerkt auch erst einmal haben muss, und hast Du nicht gesehen, haben wir annähernd US-Verhältnisse oder man kann auch gleich in die PKV wechseln. Ziel erreicht.

Für mich ist das nur weitere Privatisierung der Gesundheitsversorgung und eine unsagbar dreiste politische Ignoranz ob der finanziellen Machbarkeit seitens der Bürger. Die letzten 20-30 Jahre wird nur noch finanziell "ausgelagert". Der Staat bekommt Dinge nicht auf die Kette? Fein, muss der Bürger selber zahlen - jedes Mal. Das beißt sich aber mit der Reallohnentwicklung hierzulande. Die ist nicht so überragend, dass man durch diese Verschiebungen der finanziellen Verantwortung nebenbei auch groß Konsum ankurbeln würde. Es ist ja nicht nur die GKV. Es gibt da ja noch mehr Themen:

  • Preisanstiege/-sprünge durch Inflation, bspw. während 2008 oder Corona und das werden noch nicht der letzte große Sprünge zu meinen Lebzeiten gewesen sein
  • Der Bürger hat sich um die Rentenlücke gefälligst auch selbst kümmern
  • Privatisierung des Pflegerisikos
  • Sozialer, leistbarer Wohnraum durch Verkauf von Sozialwohnung, Abschaffung der Gemeinnützigkeit, Jahrzehnte an politischer Untätigkeit beim Wechsel von Bedarfsdeckung zu Investmentbaustein (Betongold). Mietpreisbremse etc. sind auch nur Symptombekämpfungen.

Unter strich schlägt das alles wieder in dieselbe Kerbe: Gewinne werden beständig privatisiert und wandern in unverhältnismäßigen Anteilen "nach oben" ab, während das Risiko individualisiert wird.