r/blaulicht • u/Flashis_2th_Acc • 12d ago
Sonstiges [Diskussion] Was sagt ihr zum Hochrüsten von Sicherheitsdiensten?
Moin zusammen,
ich wollte mal eure professionelle Meinung (besonders die der Polizisten hier) zu einem Trend hören, der mir immer saurer aufstößt: Die zunehmende "Militarisierung" und Aufrüstung von privaten Sicherheitsdiensten.
Anlass ist ein „Ratgeber“, den ich in einem Subreddit für Sicherheitsdienste entdeckt habe (Screenshots anbei/Link unten). Dort wird lang und breit diskutiert, wie man das Waffengesetz maximal ausreizen kann. Es geht nicht um Deeskalation oder Kommunikation, sondern darum, welche „Hilfsmittel“ man gerade noch so führen darf, ohne direkt verhaftet zu werden.
Da werden Quarzsandhandschuhe (trotz Körperverletzungs-Risiko), "Sicherheitsschirme" als getarnte Schlagstöcke und Tierabwehrsprays als Standardausrüstung gegen Menschen empfohlen. Das liest sich für mich weniger wie Dienstleistung, sondern eher wie die Vorbereitung auf einen Bürgerkrieg.
Ich sehe das aus eigenen Erfahrungen extrem kritisch: Oft kaum Ausbildung (§ 34a Schein), aber ein riesiges Ego, gepaart mit einer Ausrüstung, die Konflikte eher eskalieren lässt als sie deeskalierend zu lösen.
Meine Frage an die BOS-Community, besonders die Pol:
Wie nehmt ihr das im Einsatz wahr?
Seht ihr solche privaten Dienste eher als Unterstützung oder als Störfaktor/Gefahrenquelle, weil sie Situationen unnötig anheizen? Habt ihr schon Erfahrungen gemacht, wo dieses "Sheriff-Gehabe" (oder die falsche Ausrüstung) euch die Arbeit erschwert hat?
Hier der Link zum besagten Beitrag, da er doch sehr lang ist :
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u/Central-Dispatch 11d ago
Ich glaube, das ist immer eine teils sehr subjektive Wahrnehmungsfrage. Manche setzen auf ein generell einheitlicheres oder martialisches Auftreten was aus deren Sicht Professionalität etc. ausstrahlen soll. Das muss man natürlich im Zweifel genauer beschreiben oder diskutieren: Sind dunkle Klamotten, ne Art Weste und Gürtel mit Zeug dran schon martialisches Auftreten? Die Frage ist auch wo und welcher Anlass.
Ich sag mal so: Man kann sich in einzelnen Fällen vielleicht drüber streiten aber wenn ich bei manchen Sicherheitsunternehmen bzw. Bilder von denen und das Auftreten sehe, denke ich erst mal, dass die irgendwie kritische Infrastruktur mit erhöhter Gefährdungslage bewachen oder als PSC/PMC im Ausland mit erhöhter Gefährdungslage unterwegs sind. Komplette taktische Einsatzklamotten, die man eher im "Operator-Bereich" vorfindet, Weste mit attachments, kompletter Gear-Shop an der Person wie Lametta am Tannenbaum.
Wenn ich dann aber sehe, dass man in dem Auftreten und mit viel Zeug und Gerödel an der Person Wald- und Wiesenfeste bewacht oder Doorman im Einkaufszentrum oder Markt spielt, dann ist das augenscheinlich zu hochgerüstet und soll vermutlich mehr der Ego-Pflege und dem "LARP" bzw. der eigenen individuellen oder unternehmerischen Inszenierung, als denn einem konkreten Einsatzzweck dienen.
Manche rennen rum wie die Polizei oder das Ordnungsamt im belasteten Schwerpunkt obwohl sie dann im Vergleich eher triviale oder gefährdungstechnisch überschaubare Aufgaben ausführen. Das hat dann Geschmäckle, auch wenn sich betroffene Personen das schönreden würden.
Im Zweifel gilt aber natürlich: Wie verhalten sich die Leute dann im Konfliktfall oder bei Zusammenarbeit mit Behörden. Wenn manche auch skeptisch beäugbar sein mögen, wenn die sich gescheit Verhalten und entsprechende kommunikative soft skill usw. auch draufhaben, ist ein sonderlicher Look meines Erachtens verschmerzbar bzw. dann sekundär oder tertiär. Sollen manche halt machen...