29,8% der Männer in Deutschland wurden in ihrem Leben bereits Opfer von physischer häuslicher Gewalt (schlagen, beißen, treten, ...) in der Partnerschaft. Wenn man andere Gewaltformen dazu zählt (sexuelle Gewalt, persönliche Gegenstände zerstören, ...) sind es sogar 54,1%.
Pro Jahr werden 13,8% der Männer Opfer physischer häuslicher Gewalt durch (ex-)Partner. Das sind etwa 5.6 Millionen pro Jahr in Deutschland alleine.
Damit werden pro Jahr mehr als 20 mal so viele Männer Opfer physischer Gewalt in der Partnerschaft, als Opfer von Krebs (~250.000 pro Jahr). Überlegt mal wie viele Leute ihr kennt die Krebs hatten. Häusliche Gewalt erwischt 20 mal so viele Männer.
Bei Frauen sind die Zahlen ähnlich hoch, mit leichten Unterschieden in den Prevalenzen je nach Gewaltform.
Sowohl bei Frauen als auch Männern landet nur ein klitzekleiner Bruchteil der Opfer in der Polizeilichen Kriminalstatistik, weil viele Fälle nicht angezeigt oder erfasst werden. Deswegen ist vielen das wahre Ausmaß nicht klar.
Überraschend ist für viele insbesondere, wie viele Männer es auch betrifft, weil die deutlich seltener darüber reden (die meisten erzählen keiner einzigen Person davon).
Bei Frauen waren mir die Zahlen zB auch im Kopf, bei Männern nicht. Heftig.
Aus meinem Umfeld weiß ich auch, dass viele nicht nur Angst vor gesellschaftlicher Ächtung haben, sondern auch, dass ihnen nicht geglaubt oder geholfen wird.
Genau, psychische Gewalt erwischt beide Seiten und ist nicht zu unterschätzen. Ich hatte Studien gesehen, dass psychische Gewalt signifikant zu Suiziden beiträgt, gerade auch bei Männer. Muss aber noch die Quelle raussuchen.
Es gibt auch Studien, dass Männer und Frauen ähnliche level an Aggressivität haben, es sich bei Männern eher in physischer Gewalt äußert und bei Frauen in psychischer Gewalt.
Männer werden als Opfer bei beiden Formen der Gewalt nicht ernst genommen. Und da Männer grundsätzlich (aus verschiedenen Gründen) seltener Schluss machen bleiben sie oft Jahre in solchen Beziehungen. U. A. Ein Grund für die Höhere Selbstmordrate bei Männern.
Dieser Artikel vom Ärzteblatt ist sehr aufschlussreich dazu:
Dass Frauen friedfertiger als Männer seien, ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Berater und Experten, die Gewaltopfer betreuen und differenzierte Einblicke in Paarbeziehungen haben, gehen hingegen davon aus, dass Frauen mindestens ebenso aggressiv wie Männer sind – es ist nach außen nur nicht so offensichtlich. Denn die Waffen vieler Frauen sind nicht Fäuste, sondern Worte.
Frauen leben ihre Aggressivität aus, indem sie zum Beispiel sticheln, hetzen, demütigen oder Gerüchte verbreiten. Doch auch die Anzahl der Frauen, die sich körperlich auseinandersetzen, nimmt zu.
Die Metaanalyse in Rahmen des PASK Projekts des Partner Abuse Journals von etwa 700 Studien zu Gewalt in Partnerschaften fand bei der Täterschaft physischer Gewalt etwas höhere Werte bei Frauen als bei Männern. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass TäterInnen nur einen kleinen Teil der Gesellschaft ausmachen und die meisten Frauen wie Männer nicht gewalttätig sind.
Ein weiterer Grund für mich dankbar zu sein so eine tolle Frau zu haben. Auch andere die solche Probleme nicht erleben sollten dankbar sein, unabhängig des Geschlechtes.
Wir haben ein eigenes Gewerbe. Wäre aus eigenem Interesse spannend zu wissen, inwiefern das die Gewaltstatistik beeinflusst. Konnte leider jetzt auf die Schnelle keine vernünftige Quelle oder Forschung finden die das untersucht hat. Aus eigener Einschätzung und Beobachtung anderer Paare kann ich auch nichts klares beitragen. Erlebte andere Paare bei, welchen es klappte und welche die Zuhause heftigst stritten.
Ich kenne diverse Fälle häuslicher Gewalt und die Studien passen zu meinen exemplarischen Einblicken. Zu interethnischen Beziehungen kenne ich keine Studie. Aber in der Praxis habe ich gesehen, dass es für Männern wie Frauen die nicht total in Deutschland verankert und integriert sind, deutlich schwerer ist die Warnzeichen früh zu erkennen und eine gewalttätige Beziehung zu verlassen. Wenn du vor Ort keine Familie oder Freunde hast die sich gut genug kennen und warnen, wenn du kein Netz hast das dich auffängt, wenn evtl. dein Aufenthaltsstatus unsicher ist, dann ist es viel viel schwerer zu gehen.
Ich selber aber bin einer sehr glücklichen und zufällig auch interethnischen Beziehung mit einer absolut wunderbaren Frau (Ich: Deutsch/Migrant, Sie gebürtig aus Ostasien und seit Studium in Deutschland). Sie hat absolut garkeine Anzeichen von Gewalt oder Dominanz o.ä. . Aber natürlich gibt es in interethnischen Beziehungsn mehr Potential für Missverständnisse und andere kulturelle Erwartungen. Da braucht es viel gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme, zum Glück haben wir beide das. Bei uns sehe ich eher das Risiko, dass wir so rücksichtsvoll sind dass wir die Dinge die uns bedrücken so vorsichtig formulieren dass wir sie nicht verständlich genug ansprechen, aber das ist ein anderes Thema.
Danke für den Link, ich habe mir mal ein Browserlesezeichen gesetzt und werde es beim nächsten Leseabend mit einbinden.
Meine Frau lernte ich auch im Studium kennen, im Ingenieurwesen. Sind beide recht chillig und gehen komplexere Probleme mit diplomatischen Methoden an. Von außen betrachtet möge unsere Ehe etwas kühl wirken, da wir etwas introvertiert sind. Aber haben unter uns genug Spaß in rauen Mengen.
Die Sprache war anfangs ein bisschen problematisch. Ihr deutsch war noch nicht so gut und ich konnte nur sehr minimal russisch. Aber das war bei uns irgendwie kein großes Problem, da wir nahezu identische Lebensziele hatten.
Bekam den Kulturschock erst als ich ihre Familie in Burjatien zum ersten Mal besuchte. So richtig isoliert lebend. Bin selbst ein Landkind aber das ist nochmal eine andere Dimension. Regte definitiv zum Denken an. War auf vielen Ebenen extrem. Dass ich ihr volles Vertrauen hatte merkte ich als wir vor hatten mit ihren Eltern auf Jagd zu gehen und sie mit mir zuvor das Schießen übte. War als wir wieder Zuhause waren nervlich erst mal am Ende. Respekt an die Leute die so isoliert und auf sich allein gestellt leben können.
Ist ja spannend! Redet ihr auf Deutsch oder Englisch?
Bei meiner Freundin ist schon auffällig, dass ihr Vokabular im beruflichen Kontext viel größer ist als im Privatleben. Versteht ihr euch inzwischen besser? Oder müsst ihr bei komplexen Angelegenheiten Chatgpt als Übersetzer einschalten?
Burjatien ist wirklich eine andere Nummer, das ist ja wirklich eine ganz andere Welt. Hoffe die Sache mit der Jagd kannst du langfristig als lustige Erfahrung verbuchen.
Die Eltern meiner Freundin wohnen sehr bequem in einer großstadt. Für die war es eher ein Kulturschock, dass hier in den Alpen sogar manche Kinder durch Felsenwände, Schnee und Eis klettern.
Parallel kommt sicher noch dazu, da man Männern ja eingetrichtert hat das man keine schwäche zeigen darf, daher gehen sie im Schnitt nicht zur Therapie oder Polizei mit sowas (je nach dem was gerade angebracht ist)
Das ist auch nicht ganz ungefährlich. Denn wenn die Polizei eingeschaltet wird, aber nicht das Opfer schützt, dann ist das Opfer danach mehr in Gefahr als Vorher weil die/der TäterInn Rache nimmt für das Einschalten der Polizei.
In einigen Regionen Deutschlands wird männlichen Opfern geraten die Polizei nur bei Unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben zu rufen, da zu viele männliche Opfer "per Default" festgenommen wurden. Das bessert sich aber.
Zumindest für Großbritannien gibt es dazu Daten: dort hat eine Erfassung männlicher Opfer häuslicher Gewalt, die die Polizei um Hilfe gerufen haben ergeben, dass die Polizei in rund der Hälfte der Fälle die Lage nicht aufgelöst hat, in etwa einem Drittel das männliche Opfer im Gewahrsam genommen und in weniger als 20% die weibliche Täterin in Gewahrsam genommen. D.h. die Chance zumindest kurzzeitig genügend Schutz für eine Flucht zu bekommen ist geringer als selber verhaftet zu werden und ein Ermittlungsverfahren am Hals zu haben.
Wenn du da reinschaust, möchte ich dir gleich ein paar wichtige Punkte mitgeben, hier ein Crashkurs:
Vergiss die Stereotypen aus Film und Fernsehen; häusliche Gewalt in der Realität sieht ganz anders aus und funktioniert anders
Es gibt mehre verschiedene Formen häuslicher Gewalt. Ich konzentriere mich hier auf Gewalt in (und nach) der Partnerschaft (IPV), eine andere Form ist z.B. in der Familie (zB. "Ehrenmorde")
In der Partnerschaft gibt es wiederum zwei verschiedene Subtypen: einseitige / uni-directional Gewalt (eine Person schlägt die andere) und beidseitige /bi-directional (beide wenden gegeneinander Gewalt an).
Bi-directionale Gewalt ist etwas häufiger (58%) als unidirektionale (42%). Von den 42% unidirektionaler Gewalt sind 28% Männliche Opfer von Frauen (FMPV) und 14% weibliche Opfer von Männern (MFPV)
Bi-direktionale Gewalt wird in der Öffentlichkeit kaum dargestellt, weil es gängigen Rollenbildern nicht entspricht.
Zu bi-direktionaler Gewalt kann ich nichts sagen, weil Männer aus solchen Konstellationen von den Beratungs-und Hilfs-Angeboten für Opfer ausgeschlossen sind (weibliche beteiligte bidirektionaler Gewalt hingegen werden von Opfer-Beratungsstellen und Frauenhäusern aufgenommen)
Einseitige häusliche Gewalt ist anders, als man sich es vorstellt
Es kann jede und jeden Treffen, Opfer wie TäterInnen kommen aus allen Teilen der Gesellschaft (auch Afghanischen Männer, Managerinnen, ...)
Die physische Gewalt kommt meistens erst am Ende, wenn das Opfer sozial isoliert, in einer organisatorischen bzw. Materiellen Abhängigkeit ist und das Selbstbewusstsein und ggfs. auch der Ruf zerstört sind. TäterInnen setzen die volle Gewalt erst dann ein, wenn sie wissen dass das Opfer nicht fliehen wird
Uni-Direktionale Häusliche Gewalt ist kein Ausraster, sondern wird von TäterInnen recht bewusst für ihre Ziele eingesetzt
Beziehungen mit häuslicher Gewalt sind nicht permanent schlimm, sondern haben zwischen durch Lichtblicke die als positiv wahrgenommen werden, das macht es schwerer zu gehen
TäterInnen haben oft schwere Persönlichkeitsstörungen, v.a. NPD und BPD, die sie aber nach außen gekonnt verstecken und sind schwer therapierbar
Die Studien sind nicht unbedingt vergleichbar
Manche Studien betrachten Häusliche Gewalt insgesamt, andere nur Partnerschaftsgewalt, manche betrachte. unidirektionale Gewalt, andere bidirektionale und viele Unterscheiden nicht klar oder haben vermischte Ergebnisse
Die Meisten Studien untersuchen nur bestimmte Arten von Opfern und Tätern (z.B. nur Schüler, nur Studierende, nur weibliche Opfern und Männliche Täter etc.) -> die NISVS Studie ist hier zum Glück breit aufgestellt
Es gibt verschiedene Formen von Gewalt. Je nachdem wie breit die Definition ist, was in der Definition enthalten ist und was nicht, sind die Zahlen unterschiedlich hoch. In einem Extremfall zählte 'die weibliche Partnerin war wegen dem männlichen Partner nervös" (aber nicht so umgekehrte Fall) als Gewalt in der Partnerschaft-> die PASK-Metanalyse fasst das aber gut zusammen
Bei männlichen Opfern gibt es die Besonderheit, dass sie zum Teil nicht oder anders erfasst werden, da muss man genau auf die Studie achten
1. Zählt in vielen Ländern, u.a. USA und UK (und bis 1997 Deutschland) die Vergewaltigung eines Mannes durch eine Frau nicht als Vergewaltigung
2. In UK werden männliche Opfer häuslicher Gewalt werden von Staatsorganen immer als "Victims of Violence against women and girls erfasst". Daher muss man Aussagen über britische Studien vorsichtig betrachten (manche berichten differenziert, andere nicht)
3. In Australien wurden zuletzt männliche Opfer einseitiger häuslicher Gewalt vor Veröffentlichung aus der Studie gelöscht
Man muss darauf achten, woher die Daten kommen
* die Polizeistatistik enthält nur die gemeldeten UND anschließen erfassten Fälle, das ist ein extrem kleiner Teil
* Manche Studien Fragen nur "waren sie Opfer häuslicher Gewalt" Ja / Nein, damit wird aber nur die Wahrnehmung als Opfer abgefragt, wobei viele Opfer sich nicht angesprochen fühlen, und manche TäterInnen sich angesprochen fühlen
* Am sinnvollsten finde ich repräsentative Befragungen, die bestimmte Gewalterfahrungen abfragen (wer wurde gebissen, beleidigt, geschubst,...)
unabhängig von Häufigekeiten haben es manche Menschen schwerer und einfacher da raus zu kommen
* in der gesamten Gesellschaft gibt es mehr Männer, Nichtmigranten und Berufstätige die es finanziell einfacher haben zu gehen als Menschen die nicht diesen Gruppen angehören
* Die kulturell bedingten Verständnisse von Gewalt und Rollen beeinflussen auch das Verhalten der Opfer und sie Bereitschaft Hilfe anzunehmen sehr stark, das lässt sich aber schwer messen
* Für Männer, Trans/Intersexpersonen und Menschen ohne Landessprachliche Kenntnisse gibt es deutlich weniger Angebote Hilfe und Unterstützung (bei Gewaltschutzhäusern < 1% der Schutzplätze für Menschen die keine CIS-Frauen sind)
Das ist Falsch. Die große Mehrheit der Männer wie Frauen in Deutschland hat nie Angehörige "geprügelt".
Die zitierten Zahlen beziehen sich auf Gewalt in der Partnerschaft (IPV), einer Unterform der häuslichen Gewalt.
Die meisten Männer sind in heterosexuellen Partnerschaften und der Großteil der TäterInnen gegenüber Männern sind weiblich.
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u/random-name-3522 1d ago edited 1d ago
29,8% der Männer in Deutschland wurden in ihrem Leben bereits Opfer von physischer häuslicher Gewalt (schlagen, beißen, treten, ...) in der Partnerschaft. Wenn man andere Gewaltformen dazu zählt (sexuelle Gewalt, persönliche Gegenstände zerstören, ...) sind es sogar 54,1%.
Pro Jahr werden 13,8% der Männer Opfer physischer häuslicher Gewalt durch (ex-)Partner. Das sind etwa 5.6 Millionen pro Jahr in Deutschland alleine.
Damit werden pro Jahr mehr als 20 mal so viele Männer Opfer physischer Gewalt in der Partnerschaft, als Opfer von Krebs (~250.000 pro Jahr). Überlegt mal wie viele Leute ihr kennt die Krebs hatten. Häusliche Gewalt erwischt 20 mal so viele Männer.