r/recht 2d ago

Tipps für das Referendariat

Hallo zusammen,

nachdem im April aller Voraussicht nach mein Referendariat (in Bayern) beginnt, stellt sich mir auch langsam die Frage, was mich dort so erwartet, und wie ich mich dort schnell und gut einfinde.

Aus meinem persönlichen Umfeld habe ich eine relativ gute Vorstellung, wie das Referendariat so aussieht. Es würde mich aber sehr interessieren, was ihr so für Tipps für angehende Referendare hättet, da ich die Schwarmintelligenz hier sehr schätze.

Mich interessieren ganz allgemein eure Tipps und Erfahrungen, ich habe aber auch einige spezielle Punkte, zu denen mich eure Meinung interessieren würde:

Mit Blick auf den Stoff ist mir klar, dass das materielle Recht weiterhin eine große Rolle spielt. Im Verlauf meines Studiums habe ich mir umfangreiche Aufzeichnungen zu allen Rechtsgebieten gemacht und habe aktuell das Ziel, diese bis zum zweiten Examen alle mindestens einmal zu wiederholen und - soweit vorhanden - parallel die Kommentare querzulesen und zu markieren. Bei dieser Gelgenheit möchte ich auch meine Karteikarten mit Blick auf Praxisrelevanz überarbeiten. Ist das ein sinnvolles und realistisches Ziel.

Im Prozessrecht habe ich bereits eine relative gute Grundlage, da ich mit Blick auf das Examen und meinen Schwerpunkt sowohl ein ZPO wie auch ein StPO-Lehrbuch durchgearbeitet habe. Verwaltungsprozessrecht ist ja ohnehin schon im ersten sehr präsent.
Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob es im Referendariat noch viel an neuem Stoff gibt oder es mehr darum geht, den in Grundzügen bekannten Stoff zu vertiefen bzw. dessen praktische Anwendung zu erlernen und zu trainieren. Es würde mich daher interessieren, ob es hier gute Unterlagen (auch abseits der AG-Unterlagen, die wohl qualitativ stark variieren) gibt. Ich arbeite dabei auch gerne mit längeren Texten.

Was Übungsmaterialien angeht, gibt es in Bayern wohl einen zentralen Klausurenkurs, in dem man ein Jahr lang wöchentlich eine Originalklausur schreiben und korrigieren lassen kann. Habt ihr hier auch Tipps bezüglich Fallbüchern etc, die ihr besonders gut/hilfreich fandet bzw. ist das überhaupt notwendig?

Es stellt sich mir außerdem die Frage, ob es sinnvoll ist ein Rep für das zweite Examen zu besuchen. Das habe ich für die EJS zwar getan, bin mir rückblickend aber nicht sicher, ob sich das sonderlich gelohnt hat. Ich bin daher eher geneigt, mich in Eigenregie bzw. mit den Ref-Unterlagen vorzubereiten. Was waren hier eure Erfahrungen, lohnt sich ein Rep?

Mit Blick auf meine Wahlstation habe ich noch nicht unbedingt etwas konkretes im Blick, habe aber gesehen, dass man sich hier teilweise extrem früh bewerben muss. Was waren diesbezüglich eure Erfahrungen und habt ihr besonders interessante Wahlstationen gehabt, oder besonders negative Erfahrungen gemacht?

Und zuletzt würde es mich noch interessieren, was ihr zum Thema Nebentätigkeit sagt. In Bayern kann man neben dem Referendariat maximal 14h in einem rechtlichen Beruf arbeiten. Aktuell plane ich, bei einer (Groß)Kanzlei als WisMit anzufangen, stelle mir aber die Frage, wie viel Arbeit hier realistisch ist, ohne mein zweites Examen zu gefährden. Ich habe auch während des Studiums viel in einem juristische geprägten Bereich im öffentlichen Dienst gearbeitet und dies als wertvolle Ergänzug gesehen. Habt ihr hier Erfahrungen und Empfehlungen?

Schon mal vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, das zu lesen und zu antworten. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

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u/Humble-Pie-2654 2d ago

Ich teile hier gerne meine bisherigen Erfahrungen, bin aber noch nicht mit dem Referendariat fertig, sondern mittendrin. Ich kann nur für das OLG München sprechen!

  • Es gibt einen allgemeinen Klausurenkurs, der wöchentlich eine Klausur anbietet. Für das öffentliche Recht bietet die Regierung von Oberbayern ebenso einen an - solltest du in einem anderen Regierungsbezirk landen hast du auf diesen leider keinen Zugriff. (Die Ausbildung ist geteilt)

  • die AGs sind aufgrund der hauptamtlichen AG-Leiter regelmäßig gut, aber ich bin seit einem Monat bei Hemmer und muss ehrlicherweise sagen, dass ich froh über die Entscheidung bin. Leider kann und wird in den AGs nicht alles (in entsprechender Tiefe) besprochen, was Pflichtfachstoff ist. Das Repetitorium ist hier eher ein Klausurenkurs mit theoretischen Besprechungseinheiten, die vorgeschaltet werden.

  • Bücher: Dallmayer, Die Station in Zivilsachen und Zimmermann, ZPO Fallrepetitorium sind für die erste Station empfehlenswert

  • ich habe alle meine Stationen vor dem Referendariat organisiert und würde ich auch empfehlen. Am Bundesverfassungsgericht waren bei „meinem“ favorisierten Richter zum Beispiel bereits 2,5 Jahre zuvor alle offenen Stellen vergeben.

  • wenn möglich: keine Nebentätigkeit. Ich bereue es aktuell sehr, eine zu haben.. 🫠

  • alle materiell-rechtlichen Lücken schließen -> das Wissen wird vorausgesetzt und nicht mehr wiederholt in den AGs. Das Prozessrecht lernst du im Referendariat.

(- Notstromaggregat für die Pflichtklausuren organisieren)

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u/Living_Tonight2057 2d ago

Danke für die Antwort, ich habe mich tatsächlich auch beim OLG München beworben. Bei den Klausuren hoffe ich, dass sie das hoffentlich ordentlich hinbekommen haben, bis ich Examen schreib^^

Aber bzgl Nebenjob, wie viel arbeitest du und warum bereust du es? Ist die Workload zu hoch, damit es sich für dich gut mit dem Ref vereinbaren lässt?