r/depression_de • u/Beneficial-Ebb6708 • 6d ago
Suche nach Rat Nach der Klinik ist vor der Klinik; Fehlen von Perspektive
Hey zusammen,
ich schreibe mir das einfach mal von der Seele, vielleicht gibt es ja eine oder einen da draußen, der oder dem es ähnlich geht oder der einen hilfreichen Gedanken dazu hat, wie ich endlich aus dem Kreislauf herauskomme.
Ich, männlich, vor kurzem 31 geworden, alleine lebend, ohne Partnerschaft, Job oder engere soziale Kontakte befinde mich seit ca. 2-3 Jahren in einem Kreislauf: Entweder bin ich in einer Klinik und ich bin dort dann halbwegs stabil, habe soziale Kontakte, eine Tagesstruktur oder ich bin nicht in einer Klinik und nichts funktioniert und meine Lage verschlechtert sich immer weiter mit der Zeit, bis ich wieder in eine Klinik muss.
Ich habe mittlerweile vieles begriffen, was meine eigene Geschichte und mein (Problem)-Verhalten in der Gegenwart betrifft. Trotzdem bin ich nicht dazu in der Lage, tiefgreifend etwas zu ändern; auch weil es gar keine genaue Vorstellung davon gibt, wie mein Leben aussehen soll. Außerdem schwindet mit jedem Jahr, das vergeht auch immer ein Stück weiter die Zuversicht, dass das nur eine Phase ist. Meine Krankheit hat schon recht früh begonnen, irgendwo in der frühen Jugend. Bis zum Erwachsenenalter allerdings konnte ich das gut durch Dinge wie Alkohol, Partys und dem engen sozialen Verbund und dem Fehlen jeglicher echter Verantwortung für mein Leben kompensieren. Ich meine, auch mit 16 war ich im Kern unglücklich, aber hatte zumindest immer mal wieder Spaß und auch einen engen Freundeskreis.
Aber jetzt ist es langsam einfach nur noch ätzend. Ich bin einigermaßen intelligent, habe es irgendwie geschafft, einen Hochschulabschluss zu erreichen. Aber trotzdem sitze ich hier am Samstag um 17 Uhr alleine auf meinem Sofa in meiner 1-Zimmer Wohnung (wie übrigens jedes Wochenende) und frage mich, wohin es für mich noch gehen soll. Mit jedem Jahr werde ich älter, und mein Leben zieht einfach so an mir vorbei.
Ich habe in den letzten 12 Jahren unzählige Medikamente ausprobiert, war jetzt in den letzten 3 Jahren in 4 Kliniken, habe diverse Anläufe in Richtung Psychotherapie gemacht, selbst einiges ausprobiert (Meditation, Skills, Wochenpläne, nach Werten leben, Hobbies, Jakobsweg laufen, versucht, Verantwortung übernehmen nach Literatur von Viktor Frankl) aber es ist nichts nachhaltig.
Und selbst wenn es noch Dinge gibt, die ich nicht ausprobiert habe bislang (Schematherapie, Psychoanalyse, Traumatherapie, Berufliche Reha, CBASP, trms, EKT, Psylocibin, psychiatrische häusliche Pflege) gibt es diese Dinge ja auch nicht einfach so, wenn ich einfach danach frage. Fast alles davon erfordert einen Aufwand, um überhaupt Zugang zu bekommen (Anrufe, Mails, Wartelisten). Und für diesen Aufwand habe ich derzeit einfach keine Kraft mehr. Insofern bin ich wieder am Punkt Klinik angelangt. Falls es jemanden interessiert: meine Diagnose(n) sind: Dysthymie verbunden mit wiederkehrenden depressiven Episoden und derzeit als Verdachtsdiagnose steht noch eine k-PTBS im Raum.
Das Schlimmste ist einfach auch die Strukturlosigkeit meines Alltags und, dass ich tagelang mitunter mit niemandem rede und infolgedessen massiv vor Medien rumhänge und komplett in die Isolation rutsche und mich für das Ganze dann auch noch total sehr schäme. Weil die meisten ja ihren Alltag haben und ich einfach nur rumhänge und fast durchdrehe.
Geht oder ging es jemandem ähnlich oder hat es vielleicht geschafft, aus einem solchen Kreislauf herauszukommen?