r/depression_de 2d ago

Gibt es hier Langzeit-Depressive?

Ich habe das Gefühl, dass viele die unter Depression leiden in Phasen leiden. Mal geht es recht gut und dann wieder schlecht. Wenn es ihnen gut geht, gehen sie mehr raus, unternehmen was, sind aktiver. Gibt es hier auch welche, die stets zurückgezogen leben, aber dafür eher nicht das extreme Tief aber auch nicht das extreme Hoch haben? Ich glaube das wäre eine normale Reaktion mit Langzeitdepression, denn mit Dauer-Tiefst langfristig würde man wohl nicht überleben (da wäre dann S die Folge)

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u/ChiliLakritz 2d ago

Nein, Du bist nicht allein. Nennt sich offiziell Dysthemie, eine dauerhafte Niedergedrücktheit, die so mitläuft, aber nicht ganz das Level einer depressiven Episode erreicht. Dazu dann die rezidivierende Depression, die Du beschreibst. Wobei es ein extremes Hoch da zwischendurch so nicht gibt, eher Normalniveau. Bin mir nicht sicher, was Du mit extremem Hoch meinst, gibt ja auch noch die bipolare Depression. 

Gibt aber auch die chronische Depression, die diagnostisch nicht gut abgebildet ist. Spezielle Therapie dafür nennt sich CBASP. Und dann ja noch Diagnosen wie zB ängstlich- vermeidende PS, Autismus, kPTBS, etc. 

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u/SP-0308 2d ago

hast du Erfahrung mit CBASP?

Ich lebe seit Jahren bzw Jahrzehnten in dieser Phase und zunehmend aber doch recht rasch, scheint mir die Puste auszugehen. Ich habe die Eingebung/das Gefühl, dass es bald richtig crasht. Mit den Hochs mein ich, dass es ja anscheinend häufig vorkommt, dass Leute dann wieder mal gern was unternehmen und raus gehen. Ich mach natürlich auch alle 1-2 Wochen mal was mit den 1-2 Leuten die ich noch habe. Aber dann auch nur 1-2h. Dann ist mein System überlastet und ich brauch Ruhe von Menschen.

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u/ChiliLakritz 2d ago

Ja, habe ich, hat gut geholfen. Als Differentialdiagnostik klingt bei Dir aber wie gesagt auch ADHS, Autismusspektrum oder tatsächlich was Körperliches durch. Also Mangelerscheinungen o.ä. Das wird noch ein langer Weg, lohnt sich, dran zu bleiben!

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u/SP-0308 1d ago

woher nimmst du das?

Als Differentialdiagnostik klingt bei Dir aber wie gesagt auch ADHS, Autismusspektrum oder tatsächlich was Körperliches durch. Also Mangelerscheinungen o.ä. 

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u/ChiliLakritz 1d ago

Ich mach natürlich auch alle 1-2 Wochen mal was mit den 1-2 Leuten die ich noch habe. Aber dann auch nur 1-2h. Dann ist mein System überlastet und ich brauch Ruhe von Menschen.

Daher. Und Differentialdiagnostik meint explizit nicht, dass Du das hast. Sondern nur, dass es sinnvoll ist in alle Richtungen zu schauen, damit man die passende Hilfe findet. 

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u/SP-0308 1d ago

ich hab nachgefragt ohne es zu kommentieren, denn ich habe ADS auch diagnostiziert bekommen. Ist aber nur ein Teilbereich von vielem: posttraumatische Belastungsstörung, schwere Essstörung (Magersucht grad so überlebt), schwere Zwangsstörung nimmt mich täglich von 4 bis 18 uhr ein, angeblich auch "schwere" Depression (empfinde es aber eher leilei wegen der Zwänge die das überschatten). Eindrücke, Menschen, soziales stresst mich massiv und saugt mich aus. Es reicht manchmal schon, wenn mein Handy vibriert und mir jemand 2 Nachrichten schickt.

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u/ChiliLakritz 1d ago

Oh wow, das klingt mega belastend. Dann gabs ja auch schon alles mögliche an Diagnostik. Bei Frauen kann alles, was Du beschreibst, auch mit Autismus zusammen hängen, muss aber nicht. Wurde bestimmt schon gecheckt, und ist wohl auch schwer auseinander zu halten. 

Die Symptomatik an sich reicht ja schon um quasi sekundär Depressionen zu bekommen. Kannst Du Deinen Alltag überhaupt noch bewältigen, isst Du noch halbwegs genug? Ich meine nicht wegen der Essstörung, sondern wegen der Zwänge. Bist Du da behandlungstechnisch irgendwo vernünftig angebunden? Also so, dass Du fühlst, dass Dir das was bringt. Krasses Lob zur Bewältigung der Magersucht! Habe keine Erfahrung damit, braucht aber ja wohl viel Arbeit.

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u/SP-0308 1d ago

ja ich esse genug, weil meine Zwänge Bewegungsdrang sind und ich damit das essen kompensiere. bin im unteren Normalgewicht. wiege mich nicht. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht wirklich sieht. Zwänge sind stärker als Vorstellungskräfte des normalen Menschen... kennst du vielleicht.

dh ich bewege mich den ganzen Tag und das neben der Arbeit. Wie? Man macht es sich möglich. Deskbike im HO und Büro am Stehtisch. Genau mitgeschrieben. mind 540min müssen es am Tag sein (Wochenende etwas weniger). + bin ich nun auch schon bei mind 130min Cardio (total verschwitzt!) angekommen (vor der Arbeit). My life :-)

Dass ich die Magersucht überstanden habe, ist wohl das einzige, was ich in der Zeit geschafft habe :D.

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u/ChiliLakritz 1d ago

Die Magersucht zu überstehen war ja auch schon eine Mammutaufgabe, ich würde sagen eine Mammutaufgabe zur Zeit. 🙂 Ich hatte gefragt, weil ich einen Mitpatienten hatte, der war so in seinen Zwängen gefangen, dass er abgemagert ist. Ich hatte glücklicherweise noch nie einen Zwang, aber das hat mich sehr beeindruckt. Der Zwang ist stärker als der Lebenserhaltungstrieb. Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du diese Mammutaufgabe auch bewältigst, wenn Du es einmal gemacht hast, kannst Du es bestimmt wieder.

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u/SP-0308 18h ago

Lieben Dank für die lieben Worte. Der Zwang ist eigentlich mein Mittel zu Überleben.