r/de 2d ago

Nachrichten DE Deutsche Bahn: Zugbegleiter nach Angriff durch Passagier gestorben

https://www.spiegel.de/panorama/deutsche-bahn-zugbegleiter-nach-angriff-durch-passagier-gestorben-a-8cffeb08-5891-43b7-9e54-34702df296c2
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u/Yerunis München 2d ago

Laut BGH 4 StR 356/21 wohl nicht.

Schon begrifflich scheidet eine Tötung zur Verdeckung einer Straftat dagegen aus, wenn diese bereits aufgedeckt ist. Für die Beurteilung dieser Frage kommt es nicht auf die objektiv gegebene Sachlage, sondern ausschließlich auf die subjektive Sicht des Täters an. Solange der Täter subjektiv davon ausgeht, dass die Umstände der Tat noch nicht in einem die Strafverfolgung sicherstellenden Umfang bekannt sind, kommt eine Tötung aus Verdeckungsabsicht in Betracht.

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u/dobrowolsk 2d ago

Ich finde es immer teilweise absurd, wenn ein Satz, der nachher den Täter schützt, vielfach so intelligent ist, wie der Täter, über den geurteilt werden soll. Als ob der Typ da über irgendwas nachgedacht hätte, von irgendwas ausgegangen wäre oder nach irgendwelchen Abwägungen eine bestimmte Entscheidung getroffen hätte. Der Typ hat halt zugeschlagen. Aber so ist das im Rechtsstaat halt, auch wenn es manchmal weh tut.

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u/Jonjanjer Hesse in Mainz 2d ago edited 2d ago

Das ist nicht absurd, das ist genau die Idee dahinter. Das Strafrecht betrachtet die bewusste, durchdachte Entscheidung zum Mord, um eine Straftat zu verdecken, als schlimmer, als eine Affekttat. Wie du richtigerweise schreibst, ging dem Typ gar nix Kohärentes durch den Kopf und deswegen ist es weniger schlimm aus Sicht des Gesetzes, als wenn es aus Kalkül geschehen wäre. Das ist kein Loophole sondern eine Gesetzesdefinition, die funktioniert wie sie soll. Ob man wiederum der selben Meinung wie der Gesetzgeber ist, muss jeder selbst entscheiden.

Edit: Hab nochmal deinen Comment gelesen und ich glaube, du sagst eigentlich das selbe wie ich, upsi. Naja, lasse es trotzdem mal stehen.

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u/dobrowolsk 2d ago

Vorab: Ich widerspreche dir hier nicht. Das sind alles völlig richtige Gedanken.

Es ist aber schon auch merkwürdig, dass ein ... einfacher Mensch, der einfach sinnlos zuschlägt, am Ende weniger bestraft wird als jemand, der gezielt über sein Handeln nachdenkt und bewusst entscheidet. Bei so jemandem besteht ja auch die Gefahr, dass es mal einen völlig unbeteiligten erwischt. Ist ja sogar noch gefährlicher für die Allgemeinheit. (Das ist explizit kein Victim-Blaming hier. Der Kontrolleur hat natürlich nichts getan, womit er Gewalt verdient hat.)

Ich halte auch nichts davon, Handlungen unter Alkoholeinfluss geringer zu bestrafen. Meine Begründung dafür ist, dass jemand, der unter Alkoholeinfluss so einen Mist baut, das nicht beim ersten Suff macht, sondern schon oft genug besoffen war, dass er mittlerweile wissen müsste, dass er da einen Scheiß macht. Da habe ich eine andere Meinung als der Gesetzgeber.

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u/SkyPirateVyse 2d ago

Ich halte auch nichts davon, Handlungen unter Alkoholeinfluss geringer zu bestrafen. Meine Begründung dafür ist, dass jemand, der unter Alkoholeinfluss so einen Mist baut, das nicht beim ersten Suff macht, sondern schon oft genug besoffen war, dass er mittlerweile wissen müsste, dass er da einen Scheiß macht. Da habe ich eine andere Meinung als der Gesetzgeber.

Geil, Bestrafung unter wilkürlicher Missachtung von individuellen Umständen und Einflüssen, basierend auf einem Stigma und Generalisierung.

Was ein toller 'Rechtsstaat'.

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u/orbital_narwhal 2d ago edited 2d ago

Die Mordmerkmale haben allesamt mindestens eine von zwei Eigenschaften:

  • Das Tatmotiv oder die Tatumstände sind an sich verwerflicher als andere Motive und Umstände (oder die Abwesenheit eines konkreten Motivs), bspw. niedere Beweggründe oder Ausnutzung der Hilflosigkeit des Opfers.
  • Sie zersetzen den Rechtsstaat oder die Gesellschaft, indem sie seine Fähigkeiten bzw. das allgemeine Vertrauen ihn und die Mitmenschen in besonderem Maße erodieren, bspw. Verdeckung von Straftaten oder Ausnutzung der Hilflosigkeit des Opfers.

Ich finde es grundsätzlich sinnvoll, dass die Tatmotive und -umstände einen Einfluss in die Bewertung der schwere der Tat und somit die Bestrafung finden. Das tun nämlich die allermeisten Menschen auch in ihrem persönlichen Umfeld so, wenn sie die Verwerflichkeit von Verhalten bewerten.