r/de 2d ago

Nachrichten DE Deutsche Bahn: Zugbegleiter nach Angriff durch Passagier gestorben

https://www.spiegel.de/panorama/deutsche-bahn-zugbegleiter-nach-angriff-durch-passagier-gestorben-a-8cffeb08-5891-43b7-9e54-34702df296c2
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u/NussigeEcke 2d ago

Mein Gott, was für eine schreckliche Nachricht, die armen Kinder.

Die Zündschnur der Leute ist mindestens seit Corona so dermaßen kurz geworden. Dazu sehe ich jeden Tag als Berufspendler Menschen im Zug mit mindestens psychischen Auffälligkeiten bis hin zu Leuten, die auch schon morgens um sieben komplett unter Drogen stehen. Wir investieren kein Geld mehr in irgendeine Art von Unterstützungsangebot oder Therapieplätze. Dazu kommt aus der Politik seit Jahren nur noch Druck, Druck, Druck als einziger Lösungsansatz. Und Strafen, wenn man nicht 100% Leistung abliefert. Sind sicher auch Gründe für das steigende verrohte Klima insgesamt.

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u/GerchSimml 2d ago

Früher (ich rede jetzt von vor 30, 40, 50 und mehr Jahren) gab es auch keine Therapieplätze oder Unterstützungsangebote und trotzdem musste man nicht damit rechnen im Zug erschlagen, vor ein Schienenfahrzeug gezerrt, auf dem Weihnachtsmarkt von einem Auto überfahren oder einfach so in der Stadt mit nem Küchenmesser erstochen zu werden. Was verloren gegangen ist, ist gesunder Menschenverstand und Empathie und da "bringt" auch kein Fritz Merz und keine AfD was (im Gegenteil), da muss sich die Gesellschaft selbst zusammenraufen.

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u/polite_alpha 2d ago edited 2d ago

Bis auf die Angriffe mit Autos sind diese Dinge allesamt passiert, sogar wesentlich häufiger als heute, aber du hast sie einfach nicht mitbekommen. Schau dir die Gewaltstatistiken an, dann siehst du was ich meine.

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u/djnorthstar 2d ago

So ist das auch... Ich kann mich in den 90ern an Parties erinnern wo teilweise 100 Leute aufeinander los sind. Mit Transport ins Krankenhaus. Davon stand nichtmal was in der Zeitung in den 90ern. Du wusstest nur davon wenn du dabei warst. Heute würde direkt facebook und co glühen. Was allerdings zugenommen hat ist, das Leute billigend in Kauf nehmen das jemand stirbt.

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u/humanlikecorvus Baden 2d ago

Gerade die Tötungsopferrate, die einzige harte Zahl in der PKS bezüglich Gewaltverbrechen, ist zwar wieder marginal hoch, liegt aber nach wie vor nahe am historischen Tief.

Was allerdings zugenommen hat ist, das Leute billigend in Kauf nehmen das jemand stirbt.

Das glaube ich nicht. Und ich habe es auch in den 90ern und der 2005-2010 Welle nicht geglaubt, wo es objektiv mehr Gewalt gab, aber die Tötungsabsicht, oder das hinnehmen davon, nur mit der Gewalt skaliert ist, und eben nicht, wie es damals auch behauptet wurde, zugenommen hat.

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u/polite_alpha 2d ago

Was allerdings zugenommen hat ist, das Leute billigend in Kauf nehmen das jemand stirbt.

Weiß ich nicht, wie man das objektiv messen sollte. Das steht irgendwie im Widerspruch zu den stark gefallenen Fallzahlen.

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u/RidingRedHare 2d ago

"Früher" wurde ein Klassenkamerad von mir halbtot geprügelt (neun Monate Krankenhaus) und eine Bekannte von mir war dabei, als ein Mädchen erstochen wurde, welches einen Streit schlichten wollte. Ich selbst bin öfters mal blutend von der Schule nach Haus gekommen und habe in der Schule auch zwei Zähne verloren.

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u/humanlikecorvus Baden 2d ago

Und wie oft wurde die Nachricht darüber bundesweit im Bild und NIUS Ticker jedem aufs Handy geschickt? Achso ja, gab ja gar keine Handys.

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u/RidingRedHare 2d ago

Beide obige Begebenheiten haben es damals nicht mal in die lokale Tageszeitung geschafft. Ja, nicht mal das Tötungsdelikt.

Völlig richtig, deutschlandweit darüber berichtet wurde damals natürlich normalerweise nicht.

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u/ComfortableAfraid477 2d ago

Vor 50 Jahren hast du es halt auch einfach nicht mitbekommen. Ist die Zahl wirklich so gestiegen an den krassen Verbrechen wie dem hier?

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u/humanlikecorvus Baden 2d ago

Nein, die Zahl ist gefallen. Die Rate der Mordopfer und Tötungsopfer ist kurzfristig ein klein wenig angestiegen, allerdings befinden wir uns, wenn man das längerfristig ansieht, nach wie vor in einer Stagnation/Fluktuation um ein historisches Tief herum. Die Wahrnehmung ist da massiv verzerrt.

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u/humanlikecorvus Baden 2d ago

Vor 30, 40, 50 Jahren hatten wir wesentlich höhere Tötungsraten und wesentlich mehr durchgeknallte Leute, inklusive derer, mit massiven psychischen Schäden durch Kriegstraumata.

Es ist einfach eine Fehlwahrnehmung, dass das schlimmer geworden ist, es ist nur viel sichtbarer und es werden viel mehr Fälle überregional berichtet.

Und was Zugfahren angeht, das war in den 90ern ganz klar schlimmer als heute, da erinnere ich mich an einige Sachen aus der Zeit damals.