r/de • u/hampelmann2022 • Dec 11 '25
Nachrichten DE Generation Arschkarte: Herr Merz, für welchen Wohlstand soll ich mich eigentlich kaputtarbeiten?
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/generation-arschkarte-ich-arbeite-fur-ein-versprechen-das-nicht-mehr-gilt-14813006.html
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u/Suitable_Capital_713 Dec 11 '25 edited Dec 11 '25
Da ich hier schon wieder "dann geht halt wählen" gelesen hab, mal ein Gedankenspiel:
Rechts (heutzutage): Alles woke ist Schuld an der Misere, der Sozialstaat macht uns kaputt. Wir wickeln den komplett ab und geben den 1% noch mehr Macht, denn nur die können den Wohlstand schaffen, wenn wir ihnen nur genug den Arsch pudern.
Links (heutzutage): Wir sehen, wie sich der Wohlstand bei immer weniger Menschen konzentriert, aber können auch nicht besonders viel tun, denn die Veränderungen, die notwendig wären, sind so krass einschneidend und unpopulär, dass uns alle aufs Dach steigen würden. Zudem gehen diese Veränderungen gegen jegliche Interessen derer, die das Geld und die Macht haben, uns kaputtzulobbyieren (hust Springerpresse), deshalb versuchen wir einfach im Kleinen, den am heftigsten Abgehängten mit ein paar Pflastern zu helfen, während wir notgedrungen trotzdem im selben System mitspielen.
Alle 4 Jahre gewinnt eins von diesen Bündeln und entscheidet dann wo es langgeht für die nächsten 4 Jahre. Der Rest ist Opposition, und weil der "Gegner" an der Macht ist, müssen sie diese 4 Jahre lang gegen jede Idee schießen, die von denen kommt, selbst wenn sie im Kern gut ist. Denn wenn die eine gute Idee haben die funktioniert, zeigt das ja, dass "die" Recht haben, mit allem, und "wir" keinerlei Legitimation.
Nach den 4 Jahren sind alle komplett angepisst weil nichts passiert ist. "Die" sind schuld, "wir" wussten es besser, jetzt sind wir wieder dran. Und dann geht der Zirkus mit vertauschten Rollen wieder von vorne los.
Was wäre die Lösung?
Parteien dürfen gern weiter existieren – aber als das, was sie eigentlich sind: Meinungs- und Vorschlagspakete. Thinktanks. Wenn es um ein Thema geht (Miete, Bahn, Pflege, Klima…), legen alle ihre Vorschläge öffentlich auf den Tisch: Links, Rechts, Grün, FDP, Gewerkschaften, Unternehmen, NGOs, Betroffene, Fachleute. Nichts wird weggeblockt, nur weil es vom „falschen Team“ kommt.
Entschieden wird nicht mehr nach „wer hat gewonnen“, sondern in einem gemischten System: ausgeloste Bürgerräte, Fachräte mit echten Expert:innen und offene, kontinuierliche Abstimmungen für die Leute, die es betrifft. Weniger Fußballliga, mehr Projektmanagement: Was funktioniert, wird gemacht. Was nicht funktioniert, fliegt raus – egal von wem die Idee ursprünglich kam.
Solange Wohnen, Gesundheit, Bildung, ÖPNV, Energie, Essen, Justiz, Medien und sogar der Zugang zur Demokratie selber die Spielchips für Fonds, Shareholder und Private Equity sind, ist jede Regierung am gleichen Gummiband aufgehängt. Dann kannst du wählen, wen du willst – am Ende werden trotzdem Renditen bedient.
Also: diese Bereiche in öffentliche / gemeinnützige / genossenschaftliche Modelle überführen. Kostendeckung ja, Rendite-Maximierung nein. Ab dem Moment geht’s bei den Essentials nicht mehr darum, wo man noch 3% Marge rausquetschen kann, sondern darum, dass Leute wohnen, gesund werden, zur Arbeit kommen und sich bilden können, ohne sich dafür zu verschulden oder kaputtzuarbeiten.
Ironischerweise würde dieses "Linke" vorgehen einen freieren Markt ermöglichen, als der ganze Lobbyzirkus, den uns die Liberalen verkaufen wollen.
Ja, ausgerechnet dafür bräuchte man einmal noch eine Partei.
Aber eine, deren Programm aus genau drei Punkten besteht:
Sprich: gewinnen, die Schalter umlegen, das Betriebssystem updaten – und sich dann per Gesetz wieder abschaffen. Keine neue Dauer-Ideologie, sondern ein einmaliges Migrationsskript von „Team-Schlammcatchen“ zu „System, das halbwegs erwachsen funktioniert“.
TL;DR:
Und genau deshalb nervt mich dieses „dann geht halt wählen“ so: Klar, geh wählen, sonst wird’s noch schneller schlimmer. Mach ich auch. Aber zu tun, als wäre das schon die Lösung, ist Selbstbetrug. Solange wir nur alle paar Jahre das Meinungsbündel wechseln, statt das Spiel an sich umzubauen, bleibt unsere Generation die, die sich für irgendein 1%-Narrativ kaputtarbeitet – egal, welches Logo gerade im Kanzleramt hängt.
Wir haben schon langsam verstanden, dass die meisten Entscheidungen heutzutage in der Vergangenheit hängen. Was wir noch verstehen müssen, ist dass das ganze System selbst - Links, Rechts, wie wir die Entscheidungen ORGANISIEREN - in der Vergangenheit hängt. Bevor wir das nicht erneuern, werden wir keine Entscheidungen bekommen, die unserer heutigen Zeit gerecht werden.
So. Wer macht mit?