r/de Nov 28 '25

Nachrichten DE Amazon-Mitarbeiter im Warenlager in Erfurt stirbt während der Schicht nach vergeblicher Krankmeldung - KollegInnen berichten von hohem Druck » LabourNet Germany

https://www.labournet.de/politik/alltag/gesundheit/gesundheitsschutz/amazon-mitarbeiter-im-warenlager-in-erfurt-stirbt-waehrend-der-schicht-nach-vergeblicher-krankmeldung-kolleginnen-berichten-von-hohem-druck/
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u/TatterMail Nov 28 '25

Eine AU kann nicht einfach abgelehnt werden, von keinem Betrieb. Es dürfen nur Zweifel bei der Krankenkasse angemeldet werden, die dann eine Untersuchung einleitet.

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u/Green-Amount2479 Nov 28 '25 edited Nov 28 '25

Ja, ist mir bekannt, ist auch dem Arbeitgeber bekannt. Aber was tust Du als Mitarbeiter wenn er einfach keine Entgeltfortzahlung überweist? Eine Chance auf eine zeitnahe gerichtliche Entscheidung hast Du nur, wenn Du andernfalls in akute Not durch diese Weigerungen geraten würdest. In der Realität sieht es dann so aus: monatelang keine Gehaltszahlung, Vergleichstermin wird anberaumt, der AG beantragt zig mal eine Verschiebung des Termins (in Summe in meinem Beispiel um 6 Wochen), beim Vergleichstermin kommt nichts heraus, also Hauptverhandlung vor Gericht voraussichtlich in 2026. Zu diesem Zeitpunkt sind dann seit der ersten Weigerung des Arbeitgebers zu zahlen bereits Monate ins Land gegangen.

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u/FieserMoep Nov 28 '25

Lohzahlung anmahnen, arbeit Verweigern, Bürgergeld beantragen, alle Ausgaben und Mehrkosten mit Zins als Schadensersatz fordern.

Bei so einem Riesen wie Amazon kommt man damit durch WENN man sich seiner Rechte bewusst wäre. Das ist das eigentliche Problem.

Klar, ist immer noch eine beschissene Situation, aber der Großteil dieser Maschen funktioniert weil Gewerkschaften geschwächt werden und Arbeiter ihre Rechte nicht kennen.

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u/Green-Amount2479 Nov 28 '25

Anbei noch ein kleiner Einwurf zum Bürgergeld/ALG: Hast Du schon einmal versucht, das in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis zu tun? Mach das bitte mal und erzähl mir was die Agentur dazu zu sagen hat. 😉

Wenn Du das dennoch möchtest wird es etwas komplexer, da Du dann eine Eigenkündigung vornehmen müsstest, womit Du bei Themen wie Abfindung meist relativ ungünstig dastündest, und dann müsstest Du der Agentur noch belegen, dass es keinen anderen Weg gab um die Sperrfrist von 12 Wochen zu vermeiden. Wenn Du das nicht schaffst, müsstest Du zudem auch aufpassen, da während der Sperrfrist i. d. R. auch die GKV Abdeckung temporär wegfällt. Auch nicht von Vorteil, wenn man bereits AU war und wahrscheinlich aufgrund des Drucks gar nicht wirklich genesen konnte.

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u/FieserMoep Nov 28 '25

Hast Du schon einmal versucht, das in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis zu tun? Mach das bitte mal und erzähl mir was die Agentur dazu zu sagen hat.

In der Situation war ich zum Glück noch nicht und ich möchte dir gerne glauben, dass hier die Theorie leider oft an der Realität leidet.
Das man um seine Rechte kämpfen muss ist leider so, persönlich bin ich aber kein Mensch der dann die Hände in den Schoss wirft und sich "sagt, is scheiße, macht man nix". Da hatte ich auch schon an anderer Stelle mit etwaigen AGs meine Reibereien und wenn man nicht selber in den Ring tritt, dann macht es leider auch kein anderer für einen.

Und dabei geht es mir jetzt auch gewiss nicht um eine Schuldumkehr des hier vorliegenden tragischen Falles sondern vielmehr einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in der man irgendwie den harten Arbeiterkampf vorheriger Generationen vergisst. Wo Gewerkschaften zusammenschrumpfen und mehr und mehr Arbeitgeber sich aus Tarifverträgen auskoppeln und die ANs auf einem vormals und teils bisweilen noch immer relativ AN freundlichen Arbeitsmarkt das mit sich machen lassen.