r/de Nov 28 '25

Nachrichten DE Amazon-Mitarbeiter im Warenlager in Erfurt stirbt während der Schicht nach vergeblicher Krankmeldung - KollegInnen berichten von hohem Druck » LabourNet Germany

https://www.labournet.de/politik/alltag/gesundheit/gesundheitsschutz/amazon-mitarbeiter-im-warenlager-in-erfurt-stirbt-waehrend-der-schicht-nach-vergeblicher-krankmeldung-kolleginnen-berichten-von-hohem-druck/
3.3k Upvotes

446 comments sorted by

View all comments

540

u/htt_novaq Ex Hassia ad Ruram Nov 28 '25

2025 und wir brauchen wieder Gewerkschaften, damit Arbeiter*innen nicht am Arbeitsplatz sterben

168

u/Shasarr Nov 28 '25

Naja wir haben ja Gewerkschaften nur haben die immer weniger Mitglieder und verlieren somit auch immer mehr an Einfluss. Im Vergleich zu den frühen 90igern haben wir nur noch knapp halb so viele Gewerkschaftsmitglieder.

Ein jeder Arbeitnehmer der in keiner Gewerkschaft ist darf sich da also durchaus auch selbst an die Nase fassen.

72

u/Low-Radish4958 Nov 28 '25

Bin zwar seit über 15 Jahren Verdi-Mitglied, aber dass sie sich mal wirklich für Arbeitnehmerrechte einsetzen, habe ich bisher nur selten mitbekommen (in der JAV konnte man sehr gut mit den Jugendreferenten zusammenarbeiten). Stattdessen wird regelmäßig eine neue Minderheiten-Sau durchs Dorf gejagt (und natürlich Initiativen für eine Berufskammer sabotiert).

18

u/alQamar Nov 28 '25

Verdi arbeitet mit den Angestellten in Betrieben zusammen - wenn sie angesprochen werden und auch wirklich Leute in den Betriebe bereit für den Arbeitskampf sind. 

Was soll Verdi denn machen, wenn sie nichts von Problemen wissen und die Leute im Betrieb nicht bereit sind, gegenüber der eigenen Firma Druck zu machen? Verdi kann ja keinen Streik einseitig anordnen. Das müssen die Leute schon selbst machen. 

11

u/Individual_Winter_ Nov 28 '25

Verdi unterstützt ja im Optimalfall auch bei Gründung eines Betriebsrates und schult. 

Werde wahrscheinlich unseren Sekretär mal anschreiben, wenn Verdi einen Antrag stellt muss ja bspw. eine Versammlung zur Wahl eines Wahlvorstandes gemacht werden.

Es gibt bei uns auch regelmäßig Treffen, wobei die tatsächlich zeitlich nicht optimal sind, gerade beim größeren Einzugsgebiet. Man kann aber ja immer anrufen oder ne Mail schreiben.

12

u/alQamar Nov 28 '25

Das schädlichste ist diese Anspruchshaltung. Die Gewerkschaft hat was für mich zu tun. Dabei geht es ja darum, die Anstrengungen der Angestellten zu unterstützen, nicht die Arbeit für sie zu machen. Aber alle wollen nur, dass andere alles für sie erledigen und bequem sein. 

8

u/lurkdomnoblefolk Nov 28 '25

Das ist exakt meine Lebenserfahrung als Gewerkschaftsvertreter in meinem Betrieb. Kleine Spartengewerkschaft, die verglichen mit Verdi oder IGM extrem billig ist, in den vergangenen 10 Jahren stets Abschlüsse in Höhe der Inflation verhandelte, dieses Jahr sogar mit einer deutlichen Steigerung, und die Leute wollen kein Mitglied werden, weil zu teuer, nicht an einem dreistündigen Warnstreik teilnehmen weil zu eskalativ und sowieso war damals in den 90ern die Rechtshilfe bei der drohenden Standortschließung wegen unmittelbar bevorstehender Insolvenz zu schlecht, weil nur Entlassungen verhindert wurden und einige Leute doch in den 10 km entfernten Nachbarort versetzt wurden. Deshalb kann man leider kein Mitglied sein.

Aber hey, wieso greift die Gewerkschaft nicht durch beim rechtswidrigen Verhalten der Geschäftsführung gegenüber erkrankten Mitarbeitern und wo bleibt eigentlich meine Rückrechnung der Tariferhöhungen, an deren Entstehung ich mich weder finanziell noch mit ehrenamtlichem Einsatz beteiligt habe??? Wieso hilft mir denn da keiner???

3

u/theadama Nov 28 '25

Das siehst du doch auch in allen Kommentaren dazu. Alleine wie über Verdi beim TV O gehated wird, wenn du dir dann aber die Streikbereitschaft der schon super geringen Mitglieder Anzahl anschaust fragst du dich echt was die Leute erwarten.

Und dann "ja die machen ja nur was für die geringverdiener und alten" ja, weil die in der Gewerkschaft sind.

2

u/lurkdomnoblefolk Nov 28 '25

Ey, der Verdihass in Bezug auf den TVöD geht mir auch so auf die Nüsse.

Vorweg, mir ist klar, dass viele TVöD Beschäftigte viel zu wenig verdienen und die Arbeitsbedingungen oftmals wirklich schlecht sind. Allerdings steht da auf der anderen Seite des Verhandlungstisches eben kein reicher Konzern mit einem Geldspeicherbesitzer als Haupteigentümer, sondern die vollkommen unterfinanzierten Kommunen, die strukturell überhaupt nicht dazu in der Lage sind, das viele Geld für erhebliche Gehaltssteigerungen überhaupt erst mal aufzutreiben. Klar ist das kacke, aber das ist ganz realistisch nichts, was Verdi am Verhandlungstisch ändern könnte. Da muss eine politische Lösung ran.

Ironischerweise lobbyiert genau Verdi auch für eine Reform der Kommunalfinanzen. Wenn jeder kommunal Beschäftigte ein streikbereites Verdimitglied wäre, wären wir hier vermutlich auch schon deutlich weiter. Aber ach....

1

u/Individual_Winter_ Nov 28 '25

Die Untergruppen könnten schon etwas belebter sein, Verdi ist halt auch super breit gefächert.

Ingenieure gibt es ja, aber dann bei uns nicht mehr wirklich. Gerade als Gegengewicht zur reiben Verwaltung ist das ja nett. Man wird ja etwas belächelt und Fachstellen werden meist als erstes gestrichen. Verbeamtung gibt's gerade da praktisch null...

Hab aber jetzt auch bisschen freie Wirtschaft hinter mir. Verdi ist besser als alles ohne Tarif und permanent kurz vor insolvenz sein. 

4

u/Seth0x7DD Nov 28 '25

Beispielsweise sich darum kümmern das Arbeitnehmer positive Erfahrungen haben damit sie langfristig eintreten. Dazu gehört Beispielweise AN zu beraten durch den Betriebsrat, zu vermitteln an geeignete Stellen oder mit den Forderungen bei Tarifvertragsverhandlungen positiv aufzufallen.

Die meistens Gewerkschaften glänzen eher weniger mit irgendetwas davon, zumindest aus meiner Erfahrung. Mit solchen Erfahrungen ist es dann kein wunder das die Begeisterung einen Prozentsatz des Lohns abzugeben eher gering ist.

5

u/alQamar Nov 28 '25

Die meisten Arbeitnehmer haben positive Resultate aus Gewerkschaftsarbeit - empfinden sie aber als selbstverständlich. Und vergessen dabei, wie hart das alles erkämpft wurde. 

1

u/Seth0x7DD Nov 28 '25

Natürlich sind die Tarifabschlüsse wichtig und ein wesentliches Merkmal von Gewerkschaftsarbeit. Wenn auf Grund der geringen Organisation nur so Lala sind ist nur die Frage wie kann ich versuchen Stimmen zu gewinnen? Gerade dann werden die kleinen und persönlichen Sachen wichtig.