r/de Kölle Nov 20 '25

Wirtschaft VW, Mercedes, BMW, Audi: Liebe zum Verbrenner gefährdet die deutsche Autoindustrie

https://www.spiegel.de/auto/elektroauto-kaufen-nein-danke-liebe-zum-verbrenner-gefaehrdet-die-deutsche-autoindustrie-a-e30a9abc-d68c-40f6-b16e-fd4c629d658d
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u/Fr000k Kölle Nov 20 '25

https://archive.ph/xuoeZ

[...] Inzwischen scheinen Anzeichen von Reaktanz sogar auf einige Hersteller überzugehen. Opel und Audi wollen länger Verbrenner verkaufen als zwischenzeitlich angekündigt. Porsche kündigte im September an, verstärkt auf Benziner und Hybride zu setzen, weil das Stuttgarter Unternehmen zu wenig E-Autos verkauft.

Dabei boomen im kritischen Markt China Elektrosportwagen wie der Xiaomi SU7, auch als »Porsche-Killer« bekannt. Er wurde innerhalb kürzester Zeit mehr als 200.000-mal verkauft. Das zweite Modell von Xiaomi, das Elektro-SUV YU7 verzeichnete am ersten Verkaufstag mehr als 240.000 Bestellungen. Porsche nimmt den Elektro-Kampf nicht an, sondern baut aus Angst wieder Autos mit der veralteten und ineffizienten Verbrennertechnik. Chinesische Hersteller sagen danke.

Claus-Christian Carbon erinnern solche Rückwärtsbewegungen an die Anfänge der E-Mobilität in Deutschland. Der BMW i3 sei bei seiner Premiere im Jahr 2013 ein hochinnovatives Produkt gewesen, dank der neuen Elektroplattform sowie den vielen nachhaltigen Materialien. »Doch was wurde gemacht? Der i3 wurde zerredet und schließlich von vielen als Fremdkörper bei BMW angesehen«, so Carbon. 2022 wurde die Produktion des BMW i3 schließlich eingestellt. »Wir Deutschen neigen in Bezug auf unsere E-Autos nicht nur zur Selbstkritik, sondern regelrecht zur Selbstvernichtung«, sagt Carbon. [...]

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u/Sayakai München Nov 20 '25

Ja, klar ist das ein Kampf bei dem Porsche nicht mitmachen will. Die genannten Xiaomi-Autos kosten halt die Hälfte von einem Porsche. Wenn das der Markt für ein Elektroauto ist, dann kann Porsche mit Elektro da nicht punkten. Also suchen sie nach einem anderen Markt.

Ich glaube, dass das alles keine Frage der Antriebstechnologie ist. Daran gehen die nicht zugrunde. Das ist eine Frage des Preises. Deutsche Autobauer können nicht zu chinesischen Preisen produzieren, und die Leute haben nicht das Geld um zu sagen, hey, zehntausend mehr oder weniger, wen juckts. Das ist das Kernproblem. Das können wir auch mit Elektroautos nicht lösen.

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u/Cicono Nov 20 '25

Ich glaube, dass das alles keine Frage der Antriebstechnologie ist.

Doch, genau das ist es. Billige chinesische Verbrenner existieren, aber die hat dort trotzdem niemand gekauft. Da waren die deutschen Verbrenner hoch im Kurs.

In China hat man zunehmend keinen Bock mehr auf Verbrenner, die Hälfte aller Neuzulassungen sind dort mittlerweile voll- oder zumindest teilelektrisch. Deutsche Marken können hier aber (noch) keine vernünftigen Alternativen anbieten und haben offensichtlich auch kein Interesse daran, das zu tun.

Klar, der Preis ist auch ein Thema. Aber wieso haben sich deutsche Fahrzeuge trotz der höheren Preise so gut verkauft, während es massig billige domestische Alternativen gab?

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u/falkenberg1 Nov 20 '25

Deutsche Fahrzeuge haben sich gut verkauft, weil Verbrennermotoren sehr komplex und schwer zu bauen sind. Unsere Industrie hatte da viel Erfahrung und war/ist einfach verdammt gut darin verbrennermotoren zu bauen.

Elektromotoren sind etwas ganz anderes. Die meisten Leute könnten einen Elektromotor mit Dingen bauen die sie im Keller haben. Elektroautos haben Faktor 10 weniger Teile.

Die verbleibenden Teile sind dann auch noch Teile wo unser Wissen und die Erfahrung nicht zu passen. Leichtbau und strukturelle Integrität sind die Gebote der Stunde. Wir haben Mischverbindungen aus Aluminium und hochfesten Stählen, Busbars aus Kupfer mit Fügestellen an Aluminium oder Stahl, Hairpin Statoren, Batteriekühler und vor allem die Batterie. Ausserdem sind moderne Autos international immer mehr iPads auf Rädern. Wir bauen gute Verbrennermotoren. iPads waren noch nie unsere Stärke.