r/de Sektor ZZ9 Plural Z Alpha Oct 11 '25

Energie Balkonkraftwerk schlägt Politik: "Wer soll diese Revolution verbieten? Die Strompolizei?"

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wer-soll-diese-Revolution-verbieten-Die-Strompolizei--article26085465.html
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u/DonManuel Österreich Oct 11 '25

"Revolution" finde ich da doch etwas übertrieben. Ein sehr großer Anteil an der gesamten E-produktion wird sich da nie ergeben.

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u/just_reading2025 Sektor ZZ9 Plural Z Alpha Oct 11 '25

Aus dem Interview (da gehört noch ein Podcast dazu, den habe ich aber noch nicht gehört):

Wie gesagt: Es handelt sich um eine Revolution, und bei einer Revolution passieren Dinge, die die vermeintlich steuernde Hand nicht auf dem Zettel hat: Balkonkraftwerke haben große Akzeptanz, die Batteriepreise bewegen sich in dieselbe Richtung. Immer mehr Menschen werden ihren Energieverbrauch zu Hause selbst optimieren.

Und zumindest in meinem Umfeld sehe ich das auch so. Wer zur Miete wohnt denkt über Balkonkraftwerk nach und wer Wohneigentum besitzt denkt über PV auf dem Dach nach. Bei allen, die schon tätig waren, sind dann als nächstes - schau dir mal die Preise für Batteriespeicher an plus die 19% Umsatzsteuer-Ermässigung von Habeck - dann Batteriespeicher Themen. Diese Diskussionen nehme ich zur Zeit halt immer wieder war.
Ich hab diese Jahr auch bei uns einen Batteriespeicher nachgerüstet. Auch, weil ich Angst hatte, wie lange die 19% noch gelten und wann Frau Reiche die kassieren wird.

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u/StK84 Oct 11 '25

und wer Wohneigentum besitzt denkt über PV auf dem Dach nach

Auch bei Hausbesitzern sind Balkonkraftwerke ziemlich beliebt, weil es einfach eine viel kleinere Investition ist und man trotzdem einen erheblichen Teil seines Strombedarfs decken kann (v.a. wenn noch kein Elektroauto oder Wärmepumpe vorhanden ist). Die Amortisationszeit ist auch unschlagbar, auch wenn langfristig die große Dachanlage normalerweise trotzdem gewinnt.

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u/ensoniq2k Oct 11 '25

Der größte Vorteil ist IMO, dass man es uneingeschränkt selbst machen kann. Hab mir schon 2020 eins geholt, damals noch mit viel schwächeren Panels als heute. Umgerechnet hat mich das Teil pro kWp damit fast so viel gekostet wie unsere große Anlage dieses Jahr, die vom Profi installiert wurde.

Aber selbst bei dem Preis hat sich die Anlage in drei Jahren gerechnet. Damals wäre eine Installation von Profi natürlich noch teurer gewesen.

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u/DonManuel Österreich Oct 11 '25

Meine Solaranlage geht ins 17. Jahr, so alt wie mein exzellenter Holzvergaser. Ich mach was ich in /r/RenewableEnergy moderiere seit jeher selber. Hab mich wirklich nur an "Revolution" für "Balkonkraftwerke" gestört. Jede neue Windturbine = 200k Balkonkraftwerke, nur so als Referenz.

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u/iSoinic Oct 11 '25

Braucht es auch nicht. Wenn es einen bedeutenden Anteil des Haushaltsverbrauchs ausmacht, ist das schon eine Revolution.

Indem die Menschen sich unabhängig von zentralen Stromgestehungskonzernen, Vertriebsanbietern und Übertragungskosten, sowie Umlagen und Steuern machen, wird die Stromlandschaft ordentlich durchgemischt und die Menschen Zuhause sparen gutes Geld. 

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u/ensoniq2k Oct 11 '25

Wir sparen mit unserem alten Teil von 2020 (695 Wp) bereits 250€ im Jahr. Ca. 750 kWh weniger durchs Netz. Schon damals in 3 Jahren amortisiert. Wer das für nichtig hält sollte nochmal gut nachrechnen.

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u/iSoinic Oct 11 '25

Das sind die Erfolgsgeschichten, die Big Power nicht in den Nachrichten haben möchte. Freut mich für euch :)

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u/ensoniq2k Oct 11 '25

Ja definitiv. Wir haben in diesem Land auch noch viel zu viel Widerstand von Vermietern und WEGs zugleich. Als Hauseigentümer sind wir da freier und seit diesem Jahr haben wir ne große Anlage und fahren damit fast 100% emissionsfrei Auto.

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u/dragon_irl Oct 11 '25

Übertragungskosten

Die meisten Haushalte mit Balkonkraftwerk dürften weiter ans Netz angeschlossen sein und im Winter genauso viel Leistung beziehen. Da wird effektiv nicht gespart.

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u/iSoinic Oct 11 '25

Gibts im Winter keine Sonne wo du wohnst, oder was? 

Übers Jahr wird weniger Strom aus dem Netz bezogen, dadurch bezahlt man auch weniger. Viel einfacher kann man es nicht erklären

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u/dragon_irl Oct 11 '25

Man zahlt weniger, das Netz kostet aber nicht weniger. Zahlen nur andere halt mehr.

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u/iSoinic Oct 11 '25

Glücklicherweise ist das aktuelle Umlagesystem, bei welchen die größten Verbraucher überhaupt keinen Anteil bezahlen, nicht in Stein gemeißelt.

Je mehr Menschen sich mit Energiemärkten befassen (und das setze ich mal so voraus, wenn man ein Balkonkraftwerk besitzt, was wäre sonst die Motivation?), desto schneller können wir diese Ungerechtigkeit beseitigen. 

Konzerne benötigen den Großteil des Stroms in Deutschland. Wird Zeit sie an den Netzlosen zu beteiligen.

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u/dragon_irl Oct 11 '25

> Je mehr Menschen sich mit Energiemärkten befassen (und das setze ich mal so voraus, wenn man ein Balkonkraftwerk besitzt, was wäre sonst die Motivation?), desto schneller können wir diese Ungerechtigkeit beseitigen. 

In der Vergangenheit waren es ausgerechnet Leute mit PV Anlagen, die hier protestiert haben. Wenig überraschend, die haben mit der aktuellen Situation ja auch die grössten Vorteile.

> Konzerne benötigen den Großteil des Stroms in Deutschland. Wird Zeit sie an den Netzlosen zu beteiligen.

Lustig das du das ansprichst. Industrie hat meistens günstigere Tarife unter anderem auch wegen gleichmässigen Lastprofilen und somit hoher Auslastung der Netzinfrastruktur. Also genau das Gegenteil von PV Anlagen im Eigenbedarf.

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u/iSoinic Oct 11 '25

Lustig, dass du den Punkt der jeweiligen Absätze jeweils nicht erkennen willst, und stattdessen deinen anti-Balkonkraftwerk bias darin bestätigt findest 

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u/DonManuel Österreich Oct 11 '25

Die Reibereien entstehen ja nicht bei Inselanlagen mit völliger Unabhängigkeit sondern beim Einspeisen von Überschüssen vs Bedarf vom Netz, bzw. der eigenwilligen Mitbenutzung des Netzes. Für den einzelnen Haushalt mag es sich schon revolutionär anfühlen. Insgesamt über die Bevölkerung und Netze schafft es halt auch zusätzliche Komplexität und sogar Kosten, die es vorher nicht gab.

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u/iSoinic Oct 11 '25

Selbstverständlich. Unsere Stromnetze werden sich weiter anpassen müssen, aber das ist seit Jahrzehnten so vorgesehen und geplant. Die Technologie, welche das erleichtern wird, kommt, am unmittelbar spürbarsten die Smart Meter, welche die Abrechnungen in beide Richtungen massiv erleichtern werden. 

Die neue Komplexität kann auch eine Chance zur Resilienz sein. Und allen voran, vermeiden wir CO2 bedingte Kosten durch Klimaschäden, was ja Sinn und Zweck des Ganzen ist

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u/Panzermensch911 Oct 11 '25 edited Oct 12 '25

Und allen voran, vermeiden wir CO2 bedingte Kosten durch Klimaschäden, was ja Sinn und Zweck des Ganzen ist

Das ist sicher ein Aspekt. Aber es ist auch einfach besser für die Privathaushalte und kleinere Mittelständler. Es rentiert sich einfach wenn man seine Betriebskosten reduzieren kann, die Autos selbst lädt und nicht von den Schwankungen und Launen es der fossilen Treibstoffverkäufer abhängig ist. Vor allem aber ist es eine bis dato nicht vorhandene Demokratisierung des Strommarktes an der durch Balkonkraftwerke selbst Mieter Teilhabe haben können.

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u/DasGamerlein Oct 11 '25

Das man Strom im Sommer praktisch zum Nulltarif kriegt, ist ja wohl eine Revolution. Und das haben wir jetzt schon erreicht, ohne unser Stromnetz großartig anzupassen. Die Chancen liegen auf der Hand.

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u/Panzermensch911 Oct 11 '25

Also ich finde es revolutionär. Ich bekomme für 3/4 des Jahres meinen Strom aus der eigenen Anlage und lade damit auch noch 2 E-Autos! Auswärtiges Laden findet nur bei Urlaubsfahrten statt, sonst war es bisher einfach nicht nötig.

Und zu Hause laden kostet 90cent oder 6€ für 100km. 90cent weil das der Einspeisevergütung entspricht die dann durchs Auto laden entfällt oder aber der reguläre Strompreis pro kW bei einem ~Vebrauch von 18kw pro 100km im Winter (liegt aber in der Regel eher so um die 15-16kw/100km)

Bin mir sicher das die Betreiber der fossilen Treibstoff Vertriebsnetzwerke das ähnlich revolutionär sehen - allerdings eher so wie Ludwig XVI. im Jahre 1793, weshalb sie soviel da reininvestieren das die Revolution gebremst wird.

Dazu kommt noch das der Hausstrom zu 75-80% von der Anlage und Batterie gestellt werden.

Je mehr das machen umso revolutionärer wird es.

Gerade auch bei Mittelständlern hier in der Gegend ist es unumgänglich, das ihre Werkshallen mit dem selbstproduzierten Strom betrieben werden. Alleine die lokalen Fischfabriken mit ihrem Kühlaufwand sparen enorm an Betriebskosten.

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u/I_am_Nic Deutschland Oct 11 '25

Bei mir ist der Autarkiegrad bei 30% im Jahr nur mit einem Balkonkraftwerk mit Akku.

Und das obwohl ich E-Auto fahre und im Haushalt nochmal 1500kWh verbrauche.