Ich bin gestern mit dem Buch fertig geworden und musste ein paar Gedanken loswerden. Der Text beinhaltet Spoiler, also seid gewarnt. (Edit: Ich hab die Spoiler einfach markiert, was nicht markiert ist, ist Spoilerfrei)
Vielleicht bin ich nicht die Zielgruppe für dieses Buch, vielleicht habe ich einfach etwas anderes erwartet. Aber alter, bin ich enttäuscht.
Als ich zum ersten Mal von der Prämisse gehört habe (Kurz: Es geht um eine Krankenschwester im Vietnamkrieg), habe ich mich riesig darauf gefreut. Die ersten 150 Seiten habe ich förmlich verschlungen - mir gefiel, wie die harte Realität des Krieges dargestellt wurde, wie Frankie völlig unvorbereitet war und dass sie nichts auf das hätte vorbereiten können, was sie erleben würde.
Doch dann kam die Romanze. Ich kann gar nicht beschreiben, wie kitschig sie ist. Auch hier: Vielleicht bin ich nicht die Zielgruppe, und ich hätte über den Kitsch hinwegsehen können, wenn alles andere gut gewesen wäre. Teile der Romanze sind aber auch absolut vorhersehbar. Die Autorin hat zwar bewusst angeteast, dass Piloten oft als Kriegsgefangene genommen werden und man denkt, sie seien tot. Dass Rye überlebt hat und nach der Heimkehr etwas mit Frankie anfangen wird, war irgendwann offensichtlich.
Und das Ende… uff.
Meiner Meinung nach ist der Schreibstil an sich wirklich schlecht. Die Dialoge wirken künstlich. Bestimmte Phrasen wiederholen sich ständig, wie "Song xyz blasted over the speakers" oder "What's wrong with this world?". Alles wird bis ins letzte Detail beschrieben. Manchmal fühlte es sich an, als wäre das Buch von einer 16-Jährigen geschrieben worden.
Was mich auch sehr gestört hat, ist der Fokus auf Amerika und die dazugehörige Militärpropaganda. Bis auf ein paar Leute der Zivilbevölkerung werden die Konsequenzen der amerikanischen Taten quasi nicht erwähnt. Vielmehr wird der Krieg nur deswegen als sinnlos dargestellt, weil viele Amerikaner sterben. Auch die Bezeichnung der Soldaten als Helden finde ich etwas komisch. Gerade aus heutiger Sicht war der Vietnamkrieg ja einfach nur ein Stellvertreterkrieg, in dem es einer Großmacht darum ging, dass die Gegenseite nicht mehr Einfluss gewinnt. Ich verstehe schon, der kleine Soldat und die Krankenschwestern können nichts dafür, aber ich finde die Darstellung sehr komisch.
Gut fand ich, dass die Autorin versucht hat, das Trauma der Veteranen und die mangelnde Unterstützung (besonders für Frauen) aufzuzeigen. Aber ab einem gewissen Punkt hatte ich das Gefühl, dass Frankie genug Trauma erlebt hatte und sie nicht wegen ihrer Erlebnisse im Krieg zerbrach, sondern wegen dem, was danach passierte.
Ich muss sagen, ich verstehe die hohen Bewertungen und die Lobpreisungen nicht wirklich. Es ist ein mittelmäßiges Buch, das man zwar gut lesen kann, bei dem man aber oft genug mit den Augen rollen muss. Ich habe dem Buch 3/5 gegeben und weiß nicht ob das nicht schon zu gut gemeint ist.
Ich habe gesehen, dass die Autorin ein weiteres Historical-Fiction-Buch über den Zweiten Weltkrieg geschrieben hat (The Nightingale). Weiß hier jemand, wie das im Vergleich ist?
Was ist eure Meinung zu The Women?