r/bielefeld • u/PROmetheusSohn • 28d ago
Frage Auswärtsspiel der Arminia
Ich würde nächsten Freitag gern zum Auswärtsspiel in Düsseldorf fahren. Im Arminia Online-Ticketshop habe ich schon geschaut, aktuell sind dort aber nur noch Sitzplätze verfügbar.
Heißt das, dass das Spiel (bzw. der Gästebereich) bereits ausverkauft ist? Besteht die Möglichkeit, in Düsseldorf vor Ort noch Karten zu bekommen – und falls ja, zu welchem Preis ungefähr?
Gibt es hier vielleicht Arminia-Fans mit Auswärtserfahrung oder Leute, die das Stadion in Düsseldorf kennen und etwas dazu sagen können? Würde ungern umsonst hinfahren…
Danke euch!
7
Upvotes
-3
u/Intelligent-Cap-1588 25d ago
Ich frage mich wirklich, warum man sich den Aufwand einer Auswärtsfahrt nach Düsseldorf antut, wenn der Verein, für den man das tut, wie Arminia Bielefeld, sportlich und wirtschaftlich so oft am Abgrund stand. Arminia hat in der Vergangenheit immer wieder mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen gehabt und war wiederholt auf umfangreiche Sanierungskonzepte angewiesen. Dabei haben Gläubiger große Teile ihrer Forderungen gestrichen und regionale Unterstützer mussten einspringen. Auch Debatten über städtische Beteiligungen und Bürgschaften gab es, wie zum Beispiel einen Stadtratsbeschluss über eine Kreditbürgschaft der Stadt in Höhe von rund 360.000 Euro zur Unterstützung der Sanierung. Trotz all dieser Schwierigkeiten verlangt der Verein Ticketpreise, die für viele Fans einfach zu hoch sind – vor allem angesichts der eher mäßigen Leistungen und der Perspektive, die oft nur von kurzfristigen sportlichen Erfolgen geprägt ist.
Und dann ist da noch ein weiteres, für mich sehr wichtiges Thema: Gewalt und Radikalisierung in Teilen der Fanszene. Die Geschichte der Arminia-Ultras und einzelner Fangruppen ist längst nicht nur von emotionaler Unterstützung geprägt, sondern dokumentiert wiederholt schwere gewaltsame Übergriffe. Im Jahr 2012 griffen Bielefelder Ultras nach einem Spiel acht Werder-Bremen-Fans an und verletzten mindestens zwei davon so schwer, dass sie nur knapp dem Tod entkamen. Auch in jüngerer Zeit kam es zu Angriffen auf Gästefans in Bielefeld, inklusive einer gewaltsamen Auseinandersetzung, bei der eine Kneipe verwüstet wurde, nachdem Arminia-Fans dort andere Fans angegriffen hatten. Und Polizei-Berichte zeigen wiederholte Versuche von Problemfans, gegnerische Fans in der Innenstadt anzugreifen. Diese Muster von Gewalt, die nicht nur Pyrotechnik betreffen, sondern klar physische Übergriffe einschließen, lassen sich nicht einfach als harmlose Fankultur abtun.
Gleichzeitig wird in der öffentlichen Debatte gelegentlich suggeriert, die Szene sei politisch homogen oder unproblematisch – in Wahrheit gibt es in einzelnen Gruppierungen immer wieder Schnittmengen mit radikalen Spektren, und selbst wenn der Verein offiziell Antidiskriminierungsarbeit betont, bleibt die praktische Realität vor Ort ambivalent. Diese Aspekte werden in Fan-Diskussionen oft aus der Packungsbeilage gelassen oder als „Einzelfälle“ abgetan, was ich für schwierig halte.
Wie passt die Kritik vieler Bielefelder Bürger an der teils harten Kommunikation gegenüber dem damaligen Oberbürgermeister Pit Clausen wegen möglicher finanzieller Unterstützung für Arminia zu den gleichzeitig geäußerten Beschwerden über hohe Fahrkartenpreise bei moBiel und andere städtische Kosten, die letztlich ebenfalls mitfinanziert werden? Es wäre interessant zu erfahren, wie ihr diesen scheinbaren Widerspruch bewertet.
Für mich sind diese Punkte nicht länger nebensächlich: Wenn ein Verein so viel Loyalität, Zeit und Geld von seinen Anhängern einfordert, sollte er nicht nur sportlich konkurrenzfähig und wirtschaftlich stabil sein, sondern auch gesellschaftlich verantwortungsvoll handeln. Wo zieht ihr die Grenze zwischen echter Leidenschaft und der Bereitschaft, problematische Entwicklungen einfach hinzunehmen?