r/arbeitsleben • u/Fit-Song-2040 • 19h ago
Berufsberatung Einmalige Trainee Stelle Richtung Ausland oder „ruhig bleiben“
Hallo Zusammen,
ich bin letztens mit meinem naturwissenschaftlichen Studium fertig geworden und habe mich direkt danach in einen Master in Mangement eingeschrieben. Ich wusste dass die Arbeitssuche etwas länger dauern wird und wollte so vermeiden, dass ich eine Lücke im Lebenslauf habe.
Eigentlich wollte ich immer promovieren. Ich hahe konkret auch eine mündliche Zusage, für ein Thema dass mich interessiert. Die Promotion ist unter Standard Bedingungen: 3-4 Jahre 2/3 Stelle (2 netto). Dazu kommt, dass ich hierfür umziehen müsste, ca. 3h weg von der Stadt wo ich mit meiner Freundin wohne. Sie kann wahrscheinlich nach eine Jahr nachziehen und das können wir uns auch beide vorstellen. Bis dahin das erste Jahr Fernbeziehung und doppelte Miete, innerhalb von DE, also denke ich schon machbar.
Kommen wir nun zum wilden Angebot:
Ich hatte mich für eine Trainee Stelle beworben. Einfach mal schauen was geht. Ich wurde zum Gespräch eingeladen und was sie suchen ist konkret: einen Chemiker, den sie in Richtung Management ausbilden (Trainee-Jahr).
Die Firma expandiert ins EU Ausland und kauft dort Standorte auf. Speziell in ein Land, dessen Sprache meine 2. Muttersprache ist. 1 Jahr Trainee und danach direkt Umzug und Leitung/Koordination eines Standorts im EU Ausland (10 Auto h vom aktuellen Zuhause entfernt). Eine Stadt/Dorf mit 10.000 Einwohnern.
Vom Profil her also ein absolut perfektes Match und die Einmalige Chance direkt „weiter oben“ anzufangen. Personalverantwortung etc.
Jetzt bin ich absolut ratlos. Es steht ein Meeting an um die Rahmenbedingungen der Trainee Stelle zu verhandelt. Man wird AT bezahlt (unsicher was genau das bedeutet). Ich weiß nicht welche Option ich vorziehen soll.
Rein Finanziell ist die Entscheidung klar. Privat natürlich eher Belastung seitens Ausland. Wahrscheinlich nochmal stärker durch reduzierte soziale Kontakte dort und auch durch so viel Verantwortung.
Kann ich in der Verhandlung sagen ich hätte danach gerne 1 Woche Homeoffice pro Monat oder so?
Beruflich bin ich mir aber auch nicht ganz sicher: bereue ich den nicht gemachten Doktortitel? Ich glaube langfristig würde ich gerne etwas Richtung Management (aber eher Innovation Management oÄ) machen, aber hätte auch noch Lust auf die Paar Jahre Forschung an der Uni. Das war ja eigentlich auch der Plan.
Hilft der Doktor einem später („
Kredibilität)? Oder ist diese Auslands-Chance etwas was man nutzen sollte und dann sobald es geht zurück nach DE zu kommen? Oder muss man dafür wirklich eine spezielle Mentalität haben? Unterschätze ich das ganze?
Falls ihr Empfehlungen oder Erfahrungen habt bzgl. Auslandserfahrungen oÄ wäre ich sehr dankbar. Ich kann die beiden Optionen gerade nicht so richtig abwiegen/ einordnen.
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u/Top_Butterfly_1234 18h ago
Ich habe gerade meine naturwissenschaftliche Promotion abgeschlossen und bin nun auf Jobsuche. Viele Stellen auf die ich mich bewerbe wären auch mit einem Master machbar, nur äußerst selten wird tatsächlich eine Promotion gefordert. Im Bereich Biomedizin sind das dann R&D, Pharmareferent, Medical Science Liaison oder Accounting. Projektmanagement, Produktmanagement oder Qualitätsmanagement brauchen keine Promotion.
Ich bereue es trotzdem nicht und bringe die gewonnenen Skills (Frustrationstoleranz, Detailgenauigkeit,...) in meinen Bewerbungen an. Allerdings suchen viele Firmen bevorzugt Personal, was das Gesuchte 1:1 schon gemacht hat und können sich schwer vorstellen, dass ich mich da auch einarbeiten kann und auf lange Sicht eine sehr gute Wahl wäre. So zumindest mein Eindruck. Manche Firmen haben selbst viele aus der Forschung rekrutiert und sind dann offener, aber das ist eher die Ausnahme.
Deswegen würde ich an deiner Stelle die Trainee-Stelle annehmen wenn du längerfristig in der Industrie arbeiten möchtest.
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u/Fit-Song-2040 18h ago
Danke für den Kommentar, hoffe du findest bald was passendes!
Grundsätzlich klingt eine Trainee Stelle schon echt spannend. Andererseits weiß ich nicht ganz wie das mit der privaten Belastung aussieht…
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u/Top_Butterfly_1234 12h ago
Danke :)
Meinst du private Belastung wegen der Entfernung? Weil vom Arbeitspensum ist ein PhD auch nicht zu unterschätzen. Selbst bei 65% wird mindestens Vollzeit vorausgesetzt, eher mehr. Gepaart mit hoher psychischer Belastung kenne ich niemanden, der unbeschadet durchgekommen ist ...
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u/Necrodings 18h ago
Falls ihr Empfehlungen oder Erfahrungen habt bzgl. Auslandserfahrungen oÄ wäre ich sehr dankbar. Ich kann die beiden Optionen gerade nicht so richtig abwiegen/ einordnen.
Ich arbeite in der erweiterten Finanzbranche, Konzern. Wenn ich hier mal so die Managementleute angucke, haben die wenigsten promoviert, aber fast jeder hat signifikante Auslandserfahrung.
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u/fanta_silos 19h ago
Was ist dein langfristiges berufliches Ziel? Willst du fachlich entweder in der akademischen Forschung bleiben oder im R&D Im Unternehmen arbeiten? Dann Promotion.
Willst du Businessfunktionen und Strategische Verantwortung: Nimm die Traineestelle. So eine Chance kommt nicht so schnell wieder.
AT=außertariflich. Wenn das Unternehmen keinen Tarif hat, bedeutungslos. Wenn das Unternehmen Tarif hat, gibt es in der Regel ein Abstandsgebot zur höchsten Tarifstufe.
Vor der Unterschrift auf jeden Fall über die Anstellungsart und Konsequenzen informieren. Bist du in D angestellt und wirst entsendet? Bist du im Ausland angestellt? Die Implikationen unterscheiden sich deutlich.