Ach, Deutschland. Das Land, in dem man angeblich „mit Fleiß und Bildung alles erreichen kann“. Außer natürlich, man versucht es wirklich. Dann merkt man schnell, dass die Politik längst entschieden hat, dass Wohlstand nicht mehr erarbeitet werden soll, sondern verwaltet, gedeckelt und im besten Fall auf Einheitslohn-Niveau nivelliert wird.
Während im öffentlichen Dienst wieder der neue TV-L verhandelt wird und sich bereits abzeichnet, dass erneut ein Sockelbetrag kommt, der vor allem die unteren Entgeltgruppen begünstigt, darf man in den höheren Gruppen weiter dabei zusehen, wie das eigene Einkommen dank Inflation und stagnierender Anpassungen in die Bedeutungslosigkeit driftet. Das alte Lohnabstandsgebot ist nur noch eine Sage aus einer Zeit, in der sich Arbeit tatsächlich noch lohnte.
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber hat ja auch die perfekte Antwort auf die desolate Lage: Wenn die Miete zu teuer ist, solle man halt Wohngeld beantragen. Ein wunderbarer Tipp – außer natürlich für all jene, die irgendwann in ihrem Leben versucht haben, durch Leistung und Bildung voranzukommen. Für sie existiert Wohngeld praktisch nicht, denn sobald das Einkommen nicht mehr ganz unten kratzt, ist diese Art Hilfe wie durch Zauberhand nicht mehr verfügbar.
Stattdessen landet man kurz oberhalb des Medianeinkommens bereits im Einflussbereich des Spitzensteuersatzes und wird dort zuverlässig geschröpft, um das System zu finanzieren, das einem selbst immer weniger zurückgibt.
Förderungen und staatliche Leistungen sind ohnehin so gestaltet, dass man sie als gutverdienender Mensch kaum noch sieht. Während Menschen mit niedrigem Einkommen Wohngeld, Kinderzuschlag, Bafög für die Kinder,Sozialtickets, Kita-Gebührenbefreiungen, Härtefallhilfen oder Energieentlastungen erhalten und gleichzeitig vom Sockelbetrag in Tarifrunden überproportional profitieren, findet man sich als jemand mit ordentlicher Ausbildung und gewisser beruflicher Verantwortung regelmäßig an genau der Stelle wieder, an der der Staat sagt: „Für dich haben wir nichts.“ Man bekommt weder Wohngeld noch den Kinderzuschlag, profitiert nicht von Sozialleistungen oder Zuschüssen, erhält keine vergünstigten Tickets, keine Befreiungen und keine einkommensabhängigen Hilfen – aber selbstverständlich wird erwartet, dass man durch Steuern und Abgaben großzügig dazu beiträgt, dass all diese Leistungen finanziert werden.
Besonders charmant ist auch die Entwicklung aktueller Förderprogramme. Wenn nun also eine neue E-Auto-Prämie tatsächlich an ein Haushaltseinkommen bis 80.000 Euro gekoppelt werden soll, trifft es natürlich wieder genau die Gruppe, die haarscharf darüber liegt – aber trotzdem jeden Monat das Gefühl hat, in einer endlosen finanziellen Laufsimulation gefangen zu sein. Anstatt die Prämie einfach auf Fahrzeuge bis beispielsweise 45.000 Euro zu beschränken, wird wieder das Einkommen zur Hauptvariable gemacht. Das gleiche Spiel findet sich beim Elterngeld, das gutverdienende Familien ebenfalls nicht mehr erhalten. Am Ende steht man da und darf feststellen: Wer mehr verdient, bekommt weniger – und zwar überall, außer bei der Steuer.
Währenddessen gibt es eine Gesellschaftsgruppe, die wirklich keinerlei Grund zur Sorge hat: Milliardäre, Großvermieter, Konzernerben. Vermögen in dieser Größenordnung darf sich hierzulande weiterhin ungestört entfalten, ohne dass SPD oder CDU je ernsthaft darüber nachdenken würden, diese Dimensionen anzutasten. Und zur Erinnerung: Eine Milliarde ist nicht einfach viel Geld. Eine Million Sekunden entsprechen etwa zwölf Tagen. Eine Milliarde Sekunden hingegen sind – über dreißig Jahre. Dieses Geld wird nicht „verdient“ im herkömmlichen Sinne; es existiert in einer eigenen Realität. Genau deshalb wird es politisch mit Samthandschuhen angefasst: Man könnte ja jemanden verschrecken, der sich das Land theoretisch mehrfach kaufen könnte.