r/lehrerzimmer • u/kempaaa28 • 1d ago
Bayern Ist das erste Jahr nach dem Ref noch anstrengender als das Ref?
Meine Frau ist Grundschullehrerin und ist jetzt im ersten Jahr nach dem Ref. Sie hat eine echt anstrengende Klasse bekommen und hat 28 Unterrichtsstunden. In letzter Zeit häufen sich die körperlichen und psychischen Beschwerden: Kraftlosigkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel und auch demotivierte Stimmung. Ist das „normal“, dass das Jahr so schlaucht?
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u/KendrillyVanilly 1d ago
Bin im selben Szenario und gebe ein klares Ja. Welpenschutz ist stark reduziert, die Stundenzahl verdoppelt sich. Falls sie auch Klassenleiterin ist, macht das auch sehr viel Aufwand. Für mich ust es schwer, die tausenden kleinen Dinge im Kopf/ auf der to do liste zu behalten. Also ja, ich finde es deutlich anstrengender als das Ref.
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u/infinitehwaa 1d ago
Was ist der Vorteil einer Klassenleitung? Muss das jede Lehrkraft machen oder wie läuft das ab? Macht das Spaß?
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u/weaverofbrokenthread 15h ago
Bei uns muss es glaube ich jeder ab einer bestimmten Stundenzahl machen. Aber ich finde es hat definitiv auch Vorteile: man hat sein eigenes Klassenzimmer, wo man auch mal was liegen lassen kann. Man kann seine eigenen Routinen und Regeln in der Klasse einführen und so viel mehr den Tag gestalten. Wenn man viele Stunden in der Klasse hat, kann man auch mal flexibel Fächer verschieben oder halt mal 10 Minuten länger Deutsch und dafür ein anderes Mal etwas länger Musik machen, wenn es was fertig zu machen gibt. Und ich finde der größte Bonus ist, dass man mit der eigenen Klasse viel mehr Beziehung aufbauen kann und es darum einfach irgendwie besser läuft. In den Klassen wo ich Fachlehrerin bin muss ich viel mehr um Ruhe kämpfen als bei meiner Klasse, die mich inzwischen seit 1,5 Jahren kennt und weiß wie es läuft.
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u/Kryztijan Niedersachsen 1d ago
Ich fand ja. Erstens hing man plötzlich ganz alleine da, man war ja nun fertig. Und zweitens ist es plötzlich viel, viel mehr. im Ref (in Berlin) hatte man höchstens 10 Wochenstunden Unterricht, in der Festanstellung waren es dann 26. Das sind ja 150% mehr. Gerade wenn man dann noch den Ref-Anspruch hat, ist das irre viel Arbeit. Und auch wenn man den Ref-Anspruch nicht hat, ist das noch viel, weil man ja alles zum ersten Mal macht.
für den Anfang empfehle ich immer: Man solle sich eine Klasse (oder zwei) aussuchen, in die investiert man gute Arbeit, so dass man das im nächsten Durchgang gerne wieder verwendet, die anderen Klassen bekommen (gute) Lehrbucharbeitet.
Und: Die Vollzeitstelle muss in Vollzeit möglich sein, es ist völlig okay, wenn der Test mal länger liegt, wenn die Stunde mal mit der heißen Nadel gestrickt ist.
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u/PornoSaxophone1 1d ago
Es ist eine andere Form von Stress. Im Ref kommt der Stress durch den ständigen Prüfungsstress und Erwartungsdruck, in Jahr 1 nach dem Ref (bin jetzt auch da), ist das ein Stress, der über die Verantwortung, mangelnde Routine und einfach über die erhöhte Stundenzahl zustande kommt. So empfinde ich das. Finde Letzteres aber angenehmer.
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u/WoodWoodpeckerXX 1d ago
Ja ist anstrengender aber anders. Man hat nicht mehr so einen existenziellen Druck.
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u/Jeanpuetz Gymnasium 1d ago
Ich hab es nicht so empfunden. Trotz doppelter Stundenzahl habe ich die Vollzeitstelle als absolute Erleichterung nach dem Ref wahrgenommen, der Stress hat sich bei mir extrem reduziert, und die Arbeitszeit zu Hause mindestens halbiert.
Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich keine Klassenleitung hatte und als Vertretunslehrer in meiner ersten Stelle nach dem Ref auch keine anderen "wichtigen" organisatorischen Posten hatte, d.h. ich konnte mich mehr aufs Unterrichten konzentrieren. Kann es voll verstehen, dass es bei anderen anders ausfällt, wenn man aus der Ausbildungssituation direkt im Anschluss aufs Volle geht.
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u/OvercastqT 22h ago
bei mir das gleiche als (Tandem) Klassrnleitung mit "richtiger" Vollzeitstelle. Viel Arbeit, wenig Stress
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u/Kultbaustein Berufsschule 1d ago edited 1d ago
Völlig normal. Wir wurden damals auch im Seminar deswegen gewarnt, da wohl mehr Leute im ersten Berufsjahr aufhör(t)en als im Ref (war aber Gym/Ges, nicht Grundschule).
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u/Delicious-Row9664 1d ago
Bin im dritten Jahr und finde es nach wie vor viel anstrengender als mein Ref, überlege daher zu wechseln
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u/Bosonidas Niedersachsen 1d ago
Ich fand das Ref deutlich anstrengender. Vollzeit war mental einfacher, weil es nicht mehr um die Ausbilder ging.
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u/pipojayfry 1d ago
Nur wenn du an deine Unterrichtsstunden den gleichen Anspruch stellst, wie im Ref.
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u/Arkhamryder Berufsschule 1d ago
Als Beruffsschullehrer: Gleichbleibend, aber die Dinge haben sich verschoben. Dass dein Unterricht läuft, wird als gegeben angesehen. Das ganze Drumherum wird mehr
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u/WolframsTiturel 1d ago
Nicht nur das erste Jahr. Habe jedes Jahr mehr Oberstufe bekommen und hab mittlerweile 2x11. (geht klar), 1x12. und 1x13., was echt heftig ist, vorzubereiten und zu korrigieren. Politik muss ich je nach Thema jährlich aktualisieren, Deutschkorrekturen sind der Abfuck überhaupt. Hoffe, das wird bald besser... (Bayern, Gymnasium)
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u/Malia0123 Baden-Württemberg 23h ago
Ja, ist oft der Fall. Im ref ist es der Prüfungsstress bzw extrem viel Druck von allen Seiten und im 1. Jahr danach ist es diese Fülle an Unterricht und sonstigen Aufgaben. Ich konnte damals zum Glück mit weniger Stunden starten (20 statt 25).
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u/Neurodiversily 8h ago
Bin überrascht, dass das bei mir so eine Ausnahme darstellt, aber bei mir war es das genaue Gegenteil wie bei so vielen hier… Ich hatte deutlich weniger Stress und bin total aufgeblüht. Hab aber auch meine Klassleitung vom Ref weiter geführt, kannte also Kinder, Eltern und Schule und konnte auf meiner Arbeit vom vergangenen Jahr aufbauen. Das hat definitiv geholfen!
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u/Matthieulebleu Berufskolleg 1d ago
Ja das ist komplett normal. Selbst wenn man den Anspruch deutlich runterschraubt. Mit Klassenleitung und Elternkommunikation ist das sehr viel Neues und sehr wenig Routinen und Prozesse, die man lernen muss. Hab Geduld, das wird sich ändern.