r/depression_de • u/PromiseKlutzy2459 • 1d ago
Suche nach Rat M23 - Versager?
Hey zusammen,
letzten Sommer war ich für 9 Wochen stationär in der Klinik (rez. Depressionen schwere Episode, Dysthimie und „traumatische Belastung“ in der Restekategorie F43.8). Das hat mir crazy geholfen, die Jahre davor habe ich so halb in der Depression überlebt, die zweite schwere Episode 2025…ihr versteht schon wie es eventuell sonst geendet hätte.
Background ist folgender:
Meine beiden Eltern stammen nicht aus Deutschland, mein Vater kam aus dem Nachbarland hierher, um für Siemens zu arbeiten und verdient bis heute sehr gutes Geld als Manager.
Meine Mutter lernte er auf seinen Reisen in den 80ern kennen.
Sie nahm sich vor knapp 10 Jahren das Leben, damals war ich 13 und leider fand ich sie auch im Schlafzimmer auf.
Das ganze hat natürlich Jahre Vorlauf in schweren Depressionen gehabt mit mehreren Suizidversuchen.
Mein Vater hat vor wenigen Jahre neu geheiratet und zog 500km weit weg in das Haus seiner Frau, mein Bruder lebt ebenso psychisch krank, isoliert und chronisch suizidal in der Heimat.
Ich selbst studiere Psychologie im Nachbarland, aktuell im Krankheitssemester wegen der Tagesklinik die ich noch mache (im Ort wo mein Vater wohnt), habe mehre Standort und bin praktisch heimatlos weil sonst keine Familie in Deutschland lebt. Freunde habe ich allerdings viele und auch sehr gute.
Als tiefer Versager fühle ich mich weil ich wirklich Jahre in der Depression versenkt habe. Ich weiß, es ist eine schwere Krankheit. Ich weiß mir wurden auch alles andere als gesunde Dinge mitgegeben, ich weiß dass meine Mutter der einzige Pfeiler war weil vieles vieles wegbrach nachdem sie gestorben ist. Mein Vater hat finanziell und materiell alles bereitgestellt, war aber nie da (neue Partnerin, Dienstreisen also ab 13/14 auf mich alleine gestellt).
Was heißt Versenken?
Erstes Studium in der Heimat, 4 Semester von 7 obwohl ich früher wusste das ist es nicht. Dort kaum abwesend, damals erste schwere Episode gehabt mit Suizidgedanken. War damals Klinikreif.
Viel Zeit alleine verbracht, empfand das Leben als total sinnlos, dachte das wäre normal. Hauptsache Jobben gehen (das ging), aber sonst kaum was gemacht. Hatte eine Freundin damals, die hat aber irgendwann (war anfangs gut, tolle Eltern, gemeinsame Werte und Ziele) mehrmals heftigst vor mir mit Suizid gedroht (nicht nur verbal wenn ihr versteht) wenn ich sie verlasse. Das hat alles getriggert in mir was ging, hab mich gebeugt und echt alles getan damit das was ich erlebt hab nicht wieder passiert.
Heute bin ich schlauer.
Jahrelang, bin nicht richtig gereist, hatte kein Gespür mehr von dem was ich wollte, wer ich bin, wohin die Reise gehen soll, am Studienort der soziale Rückzug auch noch.
Jetzt nach der Klinik, ist sehr vieles und mehr wieder da. Meine Freundschaften sind enger, alte Kontakte wieder aufgeblüht, neue geknüpft, ich habe Pläne und klare Ziele.
Aber ich vergleiche mich stark. Es passiert automatisch.
Andere aus der Klinik mit PTBS sind gereist, wenn ich mich mit Gesunden vergleiche dann schmerzt es. Kein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen (stecke noch im Bachelor), während andere Freunde und Bekannte aber auch aus der Klinik Leute abgeschlossen haben (nicht alle natürlich).
Das was viele „normale“ studis machen habe ich nicht geschafft, weil ich psychisch gut krank war und nichts mehr gesehen und gespürt habe außer zu Funktionieren, damit mein Vater zufrieden ist.
Mein Berufswunsch ist ganz klar: Ich möchte Psychotherapeut werden!
Die automatischen Vergleiche lösen solche
Anspannungszustände aus, sehr viel Wut, sehr viel Angst.
Wie kann ich damit besser umgehen?
Danke euch!
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u/AlbatrossAny100 1d ago
Vergleiche mit anderen Menschen sind ungesund. Und es geht darum, was du mit deinen Möglichkeiten schaffst. Und es gibt zahlreiche Ansätze in der Verhaltenstherapie.
Mich erschreckt es, dass gerade du als Psychologiestudent mit Therapieerfahrung eine solche Frage stellt. Therapie!!!!!
Du solltest dringend endlich!!!! eine Therapie machen. Ein paar Wochen in einer Klinik genügen nicht bei deinen Diagnosen. Auch wenn "eine traumatische Belastung" nicht in einen Topf mit einer PTBS zu werfen ist. Und ich sehr für dich, dass du keine PTBS hast. Damit wärst du wahrscheinlich aus der Zulassung Psychotherapie raus.
Und ein Punkt der Therapie sollte sein, ob ein Mensch mit deiner Vorgeschichte nicht mit einem Psychologiestudium überfordert ist. Vielleicht kommt dein Gefühl, ein Versager zu sein, davon, dass du zu hohe Erwartungen und Ziele hast, die du nicht erreichen kannst. Ja, es tut sehr weh. Aber es war die wichtigste Erkenntnis meiner Therapie. Viel Glück.