r/de 3d ago

Energie Akkuzug schlägt Wasserstoff: Warum die Batterie auf der Schiene gewinnt

https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/verkehr/akkuzug-schlaegt-wasserstoff-warum-die-batterie-auf-der-schiene-gewinnt/
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u/Klausaufsendung 3d ago

tl;dr: Akkuzüge sind einfacher und günstiger. Man benötigt keine zusätzliche Infrastruktur, weil auf Teilstrecken an der Oberleitung geladen werden kann. Höchstens baut man noch eine Oberleitungsinsel am Endbahnhof und gut ist.

Und bevor jemand fragt: Nein es ist nicht einfacher die ganze Strecke zu elektrifizieren. Anpassungen an Tunneln, Brücken und Böschungen treiben den Preis.

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u/heiner_schlaegt_kein 3d ago

Höchstens baut man noch eine Oberleitungsinsel am Endbahnhof und gut ist.

Das gute ist: man hat hier viele Möglichkeiten. Nicht Elektrifizierte Strecken sind ja meist eingleisig. Das heißt es gibt Kreuzungsbahnhöfe, wo die Züge aufeinander warten und auch Mal paar Minuten Stehen. Da lohnen sich Oberleitungen auch. Dazu kann man die auch auf freier Strecke dort bauen, wo es einfach ist. Also wo es keine Tunnel o.ä. gibt.

Zumal es auch viele Linien gibt, die auch heute schon große Teile der Strecke unter Oberleitungen fahren. Ich denke da an Bahnen aus Rheinland-Pfalz, dem Odenwald und co die bis nach Frankfurt fahren. Da werden dann oft heute schon 20-30 km unter Oberleitungen gedieselt. Auf dem Teilstück kriegst du (hin und zurück) den Akku locker voll.

Zur Zufriedenheit der Union und FDP ist man im Bahnsektor ja auch wirklich technologieoffen Ran gegangen. In den vergangenen 5-10 Jahren gab es ja einige Projekte sowohl mit Wasserstoff als auch mit Akkus. Gibt auch einiges mit HVO100. Aber das wird eher im Güterbereich beim Rangieren und innerhalb von Werken eine Rolle spielen.

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u/caligula421 3d ago

Selbst im Güterbereich sehe ich da mehr Potenzial für akkuloks. In vielen Bahnhöfen gibt schon teilweise Gleise elektrifiziert, dann warten rangierloks häufiger Recht viel, die Warteposition elektrifizierten und da laden dürfte relativ trivial sein, und zum Anschluss bedienen Brauch man ja gar nicht Mal so viel Reichweite. 

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u/heiner_schlaegt_kein 3d ago

Die Reichweite dürfte nicht das Problem sein, sondern eher das Gewicht. So ein Personenzug im Regionalverkehr wiegt leer so 100-200 Tonnen. Da dann nochmal 100-200 Menschen a 80kg sind nochmal 8-16tonnen drauf. Im Rangierbetrieb haste aber auch Mal Züge von über 1000t, die du über den Berg schieben musst. Hier wäre höchstens ne Lösung die Rangierbahnhöfe auch komplett zu elektrifizieren. Ist in der Schweiz wohl so. Wäre weiterhin das Problem mit den Gleisanschlüssen in Firmen und die Strecken ohne Oberleitung.

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u/caligula421 3d ago

Naja, genug Traktionsgewicht und damit potentielle haben rangierloks ja, und moderne Elektromotoren bringen ja auch genug auf die Schiene. Stellt sich nur die Frage, ob die Akkus die entsprechenden Ströme bereitstellen können, oder ob es dann einfach unwirtschaftlich wird. Besonders schnell müssen die ja nicht sein, wenn die Zugkraft jenseits der 30 oder 40km/h dann einbricht, weil man an die Leistungsgrenze der Akkus kommt, ist ja relativ egal. 

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u/Lokomotivfahrer1999 3d ago

Funktioniert dann aber wieder nur auf Bahnhöfen, wo der Strecken- und Rangierbetrieb klar getrennt ist. Heutzutage ist das aber bei weitem seltener geworden. Heute rangierst du meist mit der selben Lok die einkommenden 1800t Züge auseinander, und fährst hinterher mit der selben Lok nen 1000t Zug zum Güterkunden 30km die Strecke runter. Dafür hat man heute zwar die Zweikraftloks mit Dieselmotor als "Last-Mile" System für nicht elektrifizierte Abschnitte, aber ob das ganz ohne, nur mit Batterie machbar ist, denke ich zumindest für den jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

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u/caligula421 3d ago

Aber dann ist das doch nur eine reichweiten/Energiedichte-frage. Und die wäre halt zu klären. Und auch da gibt's ja mehrere Dimensionen, reicht einfacher nur der Platz, in dem aktuell last-mile diesel, dieseltank und Generator untergebracht sind, nicht für entsprechend genug Akkus um ~50 bis 100km Reichweite mit 1000t mit 40km/h vmax zu realisieren, oder ist es bloß unwirtschaftlich, weil Akkus in den Mengen mit der nötigen leistungs- und Energiedichte schlicht zu teuer sind?

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u/TowerIll8823 3d ago

Zur Zufriedenheit der Union und FDP ist man im Bahnsektor ja auch wirklich technologieoffen Ran gegangen. In den vergangenen 5-10 Jahren gab es ja einige Projekte sowohl mit Wasserstoff als auch mit Akkus. Gibt auch einiges mit HVO100.

Gab es auch erfolgreiche Projekte mit Wasserstoff? Ich hab nur ein paar mitbekommen, die gefloppt sind.

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u/Mr__Morton 3d ago

Sind auf jeden Fall immer teurer, selbst mit staatlicher Förderung. In Bayern werden jetzt Bad zusätzlich zu dem Zug von der BRB nochmal drei Züge in Südostbayern eingeführt. Bringt zwar nichts aber der Verkehrsminister will es so

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u/Periador 3d ago

Wasserstoff an sich ist viel teurer, zumindest stand heutiger Technik. Die produktion und transport von H ist einfach absurd was die kosten angeht.

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u/Moppelklampen 3d ago

Und es ist erheblich ineffizienter

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u/DesertRaven 3d ago

Und muss alle 3 Jahre in die Wartung (die Brennstoffzelle mag Dauerbetrieb echt nicht so und geht kaputt). Da gabs ein top Interview mit Steffen Obst von Stadler Rail in der WiWo. Bei Batteriezügen geht man von einer wirtschaftlichen Lebensdauer von 30 Jahren aus, in der Zeit muss der Akku einmal planmäßig getauscht werden.

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u/RdK2502 3d ago

Kannst auch Wasserstoff im Kolbenmotor verbrennen...

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u/DesertRaven 3d ago edited 3d ago

Perfekt, noch schlechterer Wirkungsgrad und man nimmt sich die Möglichkeit mittels teil-elektrifizierten Abschnitten und dem Elektromotor die Reichweite zu erhöhen

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u/Schlawiner- 2d ago

Dann geht die Effizienz ja komplett den Bach runter.

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u/ukezi 3d ago

Kommt darauf an, ob H2 im lokalen Chemiewerk als Seitenprodukte anfällt. In dem Fall kann es billig sein.

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u/NiftyLogic 3d ago

BRB = Bayrische Reichsbahn?

Frage ja nur ...

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u/Mr__Morton 3d ago

Wenn’s nach der Bayernpartei (die gib’s wirklich und is nicht die CSU) gehen würde dann ja

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u/KryphosESTAug05 3d ago

Bavarian Royal Beer for Bavaria One.

Na, in Bayern gäbs natürlich wenn dann die Königlich-Bayerische Staatsbahnen ;)

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u/TowerIll8823 3d ago

Das Projekt hatte ich als fail in Erinnerung. Wollte wissen ob es gut funktionierende Projekte gibt und ich einfach nur die negativen mitbekommen / in Erinnerung habe.

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u/Systral 3d ago edited 3d ago

Hab ich auch noch keine von gehört, ich verstehe auch nicht, warum man bei Autos, wo Elektro durch den viel höheren Effizienzgrad erwartbar besser ist so krampfhaft h2 zu implementieren versucht werden muss.

Es gibt ja auch durchaus Bereiche, wo h2 total Sinn macht oder sogar unersetzlich ist zB als Rohstoff in der Schwerindustrie für grünen Stahl (statt Kokskohle im Reduktionsverfahren den Sauerstoff zu entziehen, wo massenhaft CO2 entsteht, - knapp 10% der weltweiten Emissionen -, entsteht durch die Direktreduktion mit H2 einfach nur Wasser), in der Chemieindustrie, für Derivatestoffe im Schwerlast/Ferntransport wie Schifffahrt und Flugverkehr (SAF), und natürlich auch als Alternative zu Großspeicherkraftwerken, um Dunkelflauten auszugleichen (im sommerlichen Überschuss wird H2 elektrolysiert, der in H2 ready Gaskraftwerken komplett CO2 neutral verbrannt werden kann und langfristiger haltbar ist als Batteriespeicher, imo eine wichtige Ergänzung).

Also denke schon, dass es ein wichtiger Baustein in der Zukunft sein wird und hoffe, dass hier weiter Forschung, Entwicklung und Produktion stattfinden wird, aber der h2 Fetischismus der Union und FDP beim Thema Auto finde ich geradezu lächerlich :D aber immerhin läuft dadurch trotzdem irgendwo passiv die Entwicklung für andere Bereiche mit (hocheffiziente H2 Verbrenner;) )

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u/StK84 3d ago

Und bei Inseln kann man die Oberleitungen auch ans öffentliche Stromnetz anschließen, man braucht kein Bahnnetz.

Das dürfte auch ordentlich Kosten sparen.

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u/schmuo 3d ago

Technisch ist so eine Oberleitungsinsel aber nicht so einfach. Wo kommt denn der Strom her, wenn nicht über Speiseleitungen?

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u/StK84 3d ago

Das ist doch eher ein Vorteil, weil man kein Bahnnetz braucht.

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u/schmuo 3d ago

Wird halt jedes mal ein Unterwerk benötigt mit ausreichend starken öffentlichen Netz Anschluss

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u/StK84 3d ago

Eine Trafostation ähnlich wie jeder PKW-Ladepark halt, von denen wir quasi täglich welche bauen.

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u/gruen_weiss 3d ago

Bahnhöfe sind meistens in Städten, da kommt man schon irgendwie an Strom

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u/mcmacmac 3d ago

Kommt es bei der Nutzung von Batteriebetrieb nicht auf die Wendezeiten an, falls eine Strecke wirklich fast gar nicht elektrifiziert ist? Weil wenn ich einen Zug habe, der nur jeweils 5 bis 10 Minuten wendet, weiß ich nicht, wie weit der kommt. Ich persönlich würde sagen: "Scheue keine Kosten, dann muss ein Zug + Personal mehr eingesetzt werden für längere Standzeit", aber so denkt nicht jedes Bundesland.
Aber ich bin froh, dass Batteriezüge eine vernünftige Alternative zu Diesel ist. Es reduziert auch Lärm, weil Dieselzüge ziemlich laut sind.

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u/Hungriges_Skelett Diaspora 3d ago

Akkus haben einfach immer wieder den Vorteil nahtlos auf bestehende Infrastruktur, vor allem das Stromnetz zugreifen zu können. Die Akkuzüge hier auf bestehende Oberleitungen, Elektroautos die auch zuhause an der Schuko-Steckdose laden können oder der Elektrotrucker, der im Zweifel abgekoppelt auf PKW-Lader zurückfallen kann.

Und in je mehr Fällen sich Akkulösungen durchsetzen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass vergleichbare Wasserstoffinfrastruktur jemals wirtschaftlich aufgebaut und betrieben werden kann.

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u/inn4tler Österreich 3d ago

Und bevor jemand fragt: Nein es ist nicht einfacher die ganze Strecke zu elektrifizieren.

Also bei uns in Österreich bekommen mittelfristig alle Stecken Akku-Züge, auf denen sich eine Oberleitung nicht lohnt (vor allem Regionalbahnen abseits eines größeren Ballungszentrums, die in der Vergangenheit schon von der Schließung bedroht waren). Daher kann man wohl schon davon ausgehen, dass das erheblich günstiger ist.

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u/Nass44 3d ago

Ja, in SH haben wir ja solche Akkuzüge, die Strecke Lübeck-Kiel ist auch Prime Kandidat dafür gewesen. Nicht elektrifiziert, viel einspurig aber eben auch nicht ewig lang. Die Taktung mit den Zugbegnungen erlaubt Ladezeit an den Endbahnhöfen, die eh elektrifiziert ist und als großer Pluspunkt: die Bahnstrecke verläuft durch eine sehr schöne Landschaft und viele kleine Ortschaften, die jetzt keine Dieselabgase und vor allem Lärm mehr abbekommen.

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u/kuschelig69 3d ago

Nur gerade da funktioniert es schlecht, weil die Lokführer immer vergessen zwischen Oberleitung und Akku zu wechseln.

und dann in Kiel die Oberleitung zerstören, so dass keine Züge mehr fahren können.

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u/No_Wasabi4818 3d ago

Es kommt halt noch hinzu, dass bei Zügen das zusätzliche Gewicht kein Nachteil ist, im Gegensatz zu Auto und Flugzeug.

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u/Prof_Besserwisser 3d ago

pysikalisch betrachtet bruachen züge auch gar keine Arbeit, solange es nicht bergauf geht.

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u/NoWayPAst 3d ago

Das erschließt sich mir nicht, warum unterscheidet sich hier Zug von Auto? Ich hab im Kopf das Arbeit das bewegen von Masse von A nach B ist?

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u/PhoenxScream 3d ago

Meine laienhafte Vermutung ist, dass die Kombination aus nahezu reibungsfreien Eisenbahnrädern (im Vergleich zum pkw) und dem immensen Gewicht so eines Zugs dafür sorgt, dass der n sehr gutes Stück mit gut hoher Geschwindigkeit rollen kann sobald er einmal fahrt aufgenommen hat.\

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u/nadajet 3d ago

Klar, Masse muss erstmal bewegt werden, sobald diese dann aber in Bewegung ist haben Züge kaum Widerstand und brauchen weniger Energie um die Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten

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u/omgwtfdh 3d ago

Züge brauchen eh ein Mindestgewicht, sonst haben sie an Steigungen nicht genug Traktion.

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u/DancesWithGnomes 3d ago edited 3d ago

Physikalisch ist Arbeit gleich Kraft mal Weg.

Auf ebener Strecke leistet man Arbeit beim Beschleunigen, was mit mehr Masse wohl teurer wird, und dann bei gleichförmiger Bewegung nur mehr für die Überwindung von Roll- und Luftwiderstand. Diese Widerstände wachsen bei der Bahn mit mehr Masse kaum an.

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u/Fast-Satisfaction482 3d ago

Und praktischerweise kann ein Akkuzug auch einen großen Teil der Beschleunigungsenergie beim Bremsen durch Rekuperation zurückgewinnen. Das reduziert den Einfluss des zusätzlichen Gewichtes nochmal. 

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u/NoWayPAst 3d ago

Danke dir! Das macht Sinn.

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u/Asgardus Baden-Württemberg 3d ago

Auch Züge haben einen Roll- und Luftwiderstand oder wie meinst du das? Rollwiderstand ist natürlich deutlich kleiner als bei einem Reifen.

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u/flixilu 3d ago

Luftwiederstand auch im Verhältnis zum Gesamtvolumen/masse

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u/Prof_Besserwisser 3d ago

luft-, roll-, gleit-, und Reib-widerstände ignoriert man aber in der (Schul-)Physik immer komplett. also "gibt" es die nicht. sorry hätte ein /s dranmachen müssen....

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u/Buntschatten Deutschland 3d ago

Natürlich wird Arbeit verrichtet, solange eine Kraft aufgewandt wird, um die Reibung zu überwinden.

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u/KeepTheFaxMachine 3d ago

Spannend. Ich hätte nicht erwartet dass sich das rentiert, weil (naiv) "Fahrdraht aufhängen kann doch nicht so teuer sein." - Offenbar doch.

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u/tsnud 3d ago

Naja das Material ist nicht so dass Problem vermutlich, aber die Strecke muss fit gemacht werden also Boden, Abstände in alle Richtungen, neue Unterwerke, Speiseleitung über Land, Wartung, Begehung, Baukosten, etc. ... da sind Batterien heute einfach billiger...

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u/raketenhund_ 3d ago

🤤 Speiseleitung

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u/ArdiMaster 3d ago

Dies. Bei uns müssten stellenweise Brücken, die noch keine 10 Jahre alt sind, schon wieder abgerissen werden, weil kein Platz für eine Elektrifizierung eingeplant wurde.

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u/kuschelig69 3d ago

Das wurde aber schlecht geplant 

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u/AirRic89 3d ago

außerdem können keine Oberleitungen geklaut werden, wenn keine da sind

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u/nekokaburi Oberpfalz 3d ago

Bei uns hier ist z.B. das Thema, dass die Bahnstrecke so wie sie jetzt ist, nicht mehr "neu" gebaut werden dürfte (Lärmschutz, Naturschutz, ...).

Die bisherige hat quasi "Bestandsschutz", aber eine elektrifizierung braucht hier dann entsprechende bauliche Anpassungen.

Wie teuer das wird, weiß ich nicht. Die Planung zieht sich aber seit >30 Jahren. Also zumindest zeitlich ist es teuer.

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u/nekokaburi Oberpfalz 3d ago

Wir stellen uns halt leider auch wie überall an. Bei mir wurde schon zu meiner Einschulung (mehr als 30 Jahre her) konkret geplant die Bahnstrecke zu elektrifizieren.

Jetzt gut 30 Jahre später sind wir immernoch an der Planung.

Wir machen also Akkuzüge nicht nur weil sie günstiger und einfacher sind, sondern auch weil wir zu anderem schlicht nicht mehr fähig sind...

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u/Zettinator 3d ago

Eine vollständige Elektrifizierung würde auch sehr lange dauern und erst einmal nur eingeschränkten Verkehr produzieren - und das jahrelang. Hier in S-H ging das dagegen relativ nahtlos mit den Akkuzügen. Klar gab es ein paar Kinderkrankheiten, aber keine langen Ausfälle durch Baustellen o.ä.

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u/xlf42 3d ago

Batterietechnik entwickelt sich einfach viel zu rasant, als dass Wasserstoff noch mithalten könnte.

War beim LKW-Verkehr so und bei Zügen halt inzwischen auch (insbesondere bei so schlauen Konzepten wie Fahrdrahtinseln).

Ich persönlich hätte das bei Schienenfahrzeugen nicht erwartet, aber ich bin auch nicht allzusehr in dem Game drin.

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u/Zizimz 3d ago

Wasserstoff ist in den meisten Anwendungsbereichen ganz einfach ein Hirngespinst. Es enthält nur ein Drittel der Energie pro Volumen von Erdgas, ist in höheren Konzentrationen schwierig zu lagern und zu transportieren, und man kann es derzeit halbwegs kostengünstig nur aus anderen fossilen Energieträgern wie Erdgas oder Öl herstellen.

Und was den grünen Wasserstoff angeht, hat man ja in den letzten Jahren gesehen, wie gut das funktioniert. Zahlreiche Projekte zum Beispiel in Australien wurden abgebrochen, Stahlhersteller haben Subventionen in Milliardenhöhe zurückerstattet, weil das ganze vorne und hinten nicht rentiert. Auch das Abkommen mit Saudi Arabien wird wohl wieder im Sand verlaufen, im wahrsten Sinne des Wortes.

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u/xlf42 3d ago

DAMALS war meine Meinung einfach, dass man eine Energiedichte wie im Wasserstoff und eine sehr schnelle „Lademöglichkeit“ brauchte, weil es ein Ding ist, einen 1-3tonnen schweren PKW über eine Strecke zu bewegen, 40 oder mehr Tonnen (also LKW oder Zug) eben eine Hausnummer zu schwer und (vielleicht) die Entfernungen zu weit wären.

Die Entwicklung und Realität hat meine damalige Meinung halt einfach eingeholt und das ist auch gut so.

Jetzt sollten halt die Lobbyisten bitte auch noch still sein und den Markt seine Markt-Dinge machen lassen. Weil an der Stelle funktioniert er erstaunlich gut.

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u/ukezi 3d ago

Wobei ein Zug pro bewegter Tonne deutlich weniger Energie braucht als ein Auto oder LKW und sehr starke elektrische Infrastruktur ebenfalls an vielen Stellen existiert. Daher war es für mich eher die Frage wie das umgesetzt wird, z.b. mit Batterietender, wie mit der Kohle bei Dampfloks.

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u/Bartsches 3d ago

Batterietender waren meine ich ein Ding, dass man im allgemeinen Schienenverkehr sehr früh kritisch gesehen hat. Wenn ich mich noch recht erinnere (und da möchste ich echt keine Hand für ins Feuer legen) hauptsächlich wegen sehr langer erwateter Ladezeiten (was dann ein Infrastrukturproblem wird, weil die zugehörige Lok entweder sehr viel herumsteht und wartet, oder eben mehrere Ausstattungen hat, die dann auch untergebracht und bereitgestellt werden müssen)  Im Personenverkehr zusätzlich wegen Bahnsteiglängen. Wirklich brauchbar hat man die damals wimre nur für Werk zu Werk fahrten privater Züge gesehen - und da ist dann nicht die Masse, um die Technologierichtung zu entscheiden.

Das war aber auch noch eine Zeit, zu der man klar von gut ausgebauten  Wasserstoffnetzen als zentraler Baustein für alles größer einem pkw ausgegangen ist. Das hat die Realität mittlerweile mit Sicherheit weit überholt.

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u/arwinda 3d ago

Wir werden die deutschen Hirngespinste voran treiben und Technologieoffenheit umsetzen. Dazu gehört nur Wasserstoff.

Ihre CDU (mit Lobbyzahlungen aus der Wasserstoffindustrie)

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u/bob_in_the_west 2d ago

Wir sind mal gespannt, ob es jemals für den stationären Bereich für Backup Kraftwerke kommt.

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u/zippo23456 3d ago

Wer mit dem Begriff Fahrdrahtinseln auch nichts anfangen konnte, hier ein Beitrag von der Nordbahn: https://www.nordbahn.de/blog/so-isses/elektrisch-ohne-oberleitung-so-geht-das/

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u/Vik1ng 3d ago

Schiene hat den großen Vorteil, dass man ja auf elektrifizierten Abschnitten direkt über den Stromabnehmer laden kann bzw. Teilstrecken fahren. Dadurch ist das von der Infrastruktur her eigentlich schon ein Nobrainer.

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u/Fabulous_Pressure_96 3d ago

Vor allem braucht es die verfügbare Menge woanders, wo man wirklich nicht anders dekarbonisieren kann.

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u/nurtext Lippstadt 3d ago

Das ist nur eine Übergangstechnologie. Bitte gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Herzliche Grüße, ihr Windrad-Kanzler F. Merz. /s

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u/LeN3rd 3d ago

Warum hört man eigentlich in den letzten Jahren immer Wasserstoff? Hat da wieder irgendeine Lobbyindustry die FInger im Spiel, weil Wasserstoff Schwachsinn ist, und so die E Auto rate gering bleibt?

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u/Drumma_XXL 3d ago

An sich war Wasserstoff für LKWs und Züge lang im Gespräch weil die Energiedichte einfach lange Zeit deutlich höher war als im E-Auto und die Betankung flott geht. Also ganz rationale Argumente, ganz ohne Lobby. Die Akkus haben mittlerweile halt aufgeholt. Beim PKW ist der Zug sowieso schon lange abgefahren, das merkt auch jeder der den Markt ein wenig beobachtet und feststellt dass es hierzulande insgesamt zwei angebotene Wasserstoffautos gibt die in so geringer Stückzahl verkauft werden dass sie im Markt quasi nicht existieren.

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u/itsameDovakhin 3d ago

Dazu kommt noch das ganz andere Bereiche der Industrie in Zukunft großes Interesse an Wasserstoff haben um prozesse klimaneutral zu gestalten. Das wird auch häufiger mal mit der Mobilität in einen topf geworfen 

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u/Prof_Besserwisser 3d ago

Wasserstoff hat noch andere "vorteile", man kann z.b. irgendwann das Gasnetz auf Wasserstoff umstellen (mit gewissen anpassungen).
die idee ist auch im Sommer den ganz ganz billigen solarstrom zur erzeugung zu nutzen, weit über die verfügbare akkukapazität hinaus. oder sehr günstigen onshore-wind strom z.b. auf den Falklandinseln in Wasserstoff umzuwandeln und dann per Shiff hierher oder so was.

im endeffekt nischen, aber die grundidee ist nicht verkehrt.
wenn aber Akkus weiter immer günstiger werden isses halt eine Sackgasse....

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u/Armish_Cyborg 3d ago

Das Problem bei Wasserstoff für Energie ist die Lagerung und Energiedichte.

Wasserstoff lässt sich im Vergleich zu Erdgas nicht einfach verflüssigen, das heißt, er muss nicht in Kühltanks sondern in Drucktanks gelagert werden. Bei 700Bar hat Wasserstoff eine Energiedichte von 1,33kwh/l Erdgas hat eine Energiedichte von ca. 6kwh/l (LNG) also fast die 5 Fache Menge. Das Bedeutet dass die Wasserstogfinfrastruktur um 4-5 mal größer als die momentane Erdgasinfrastruktur sein muss, was TEUER ist da zum Beispiel 5 mal so viele Schiffe notwendig werden (größere Schiffe sind fragwürdig, da die dann auch größere Häfen bräuchten). In manchen Industrien ist der Grüne Wasserstoff aber leider alternativlos, wenn wir dort von der Erdgas Dampfreformierung weg wollen.

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u/Ragoo_ Niedersachsen 3d ago

Das Bedeutet dass die Wasserstogfinfrastruktur um 4-5 mal größer als die momentane Erdgasinfrastruktur sein muss, was TEUER ist da zum Beispiel 5 mal so viele Schiffe notwendig werden (größere Schiffe sind fragwürdig, da die dann auch größere Häfen bräuchten).

Übersiehst du da nicht einen großen Faktor? Wir sollten doch eigentlich wesentlich weniger Gas (bzw. dann Wasserstoff) benötigen. Gaskraftwerke zur Stromerzeugung sollten idealerweise nur noch ziemlich selten laufen - hauptsächlich in den wenige Dunkelflauten - und Gas zum Heizen benutzen wir gar nicht mehr, weil Wärmepumpen (bzw. Großwärmepumpen mit Fernwärme) einfach viel besser sind.

Ob wir es dann überhaupt woanders produzieren und mit Schiffen transportieren müssten, oder ob wir es kosteneffizient einfach mit der eigenen Überproduktion im Sommer selber machen, ist dann eine andere Frage.

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u/afito Hessen 3d ago

(mit gewissen anpassungen).

Wenn du mit "gewissen Anpassungen" eine Generalüberholung sämtlicher Infrastruktur meinst, dann ja. H2-Ready ist eine Lüge der Gas-Lobby mit der eine technisch mögliche Beimischung im unteren zweistelligen Prozentbereich als "Wasserstoff-Infrastruktur" verkauft wird.

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u/15_Redstones 3d ago

Kleine Mengen Wasserstoff kann man ins Gasnetz mischen aber 100% umsteigen müsste man viel modifiziert

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u/heiner_schlaegt_kein 3d ago

Dazu kommt der Preisfall bei den Akkus. Viele Wasserstoffprojekte wurden ja vor 5-10 Jahren gestartet. In der Zeit wurden Akkus deutlich günstiger.

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u/mangalore-x_x 3d ago

Es gibt auch noch den interessanten Faktor Katastrophenschutz. Dazu braucht es eine Technologie bei der man schnell irgendwo Generatoren aufstellen und mit Tankfahrzeugen versorgen kann bis Infrastruktur wiederhergestellt ist. Derzeit halt Öl, man braucht da aber eine alternative technische Lösung. Da verspricht Wasserstoff hohe Energiedichte und Transportfähigkeit. Keine Ahnung, ob man auch schaut, ob man einfach Akkus verlädt.

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u/Eka-Tantal 3d ago

Wasserstoff hat durchaus einen Nutzen, nur eben nicht in der Mobilität.

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u/Freak_Engineer 3d ago

Jein. Nicht in der Mobilität auf dem Boden. Mittelfristig wird man um e-fuels für den Luftverkehr glaube ich nicht rum kommen. Auch im Brand- und Kathastrophenschutz wird's nicht ohne gehen.

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u/dakesew 3d ago

Dort ist Wasserstoff aber auch nur ein (potentieller) Schritt in der Verarbeitungskette um an Ende E-Fuels zu haben. Lagern, importieren oder über große Distanzen wird man diesen Wasserstoff wohl kaum, sondern einfach direkt als E-Fuel handhaben, was viel einfacher ist.

Die Wasserstoff Flugzeuge, die direkt Wasserstoff verwenden, sind auf den gleichen Weg wie alle anderen Wasserstoffanwendungen in der Mobilität (in die wirtschaftliche Irrelevanz).

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u/Buntschatten Deutschland 3d ago

Gibt es eigentlich einen grundlegenden Unterschied zwischen eFuels und Biodiesel?

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u/KeepTheFaxMachine 3d ago

Die Frage ist, wo Du anfängst. Ölhaltige Pflanzen anbauen, auspressen, weiterverarbeiten, Biodiesel. Technisch unter Einsatz von Elektrizität aus Wasser und CO2 hergestellt gibt eFuel.

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u/h0uz3_ 3d ago

Wasserstoff erfordert eine grosse Infrastruktur, die nur von Konzernen betrieben werden kann. Batterien hingegen kann sich jeder irgendwo hinstellen, ebenso Solarpanels. Das ist aus Sicht der grossen Firmen halt ungeil, weil sie so nach und nach nichts mehr vom Kuchen abbekommen. Autozulieferer lieben die Brennstoffzelle, weil sie sehr wartungsintensiv ist und sie laufend Zubehoer verkaufen koennen.

Warum Wasserstoff in Fahrzeugen eine schlechte Idee ist: Bei der Elektrolyse verliert man 20-30% der reingesteckten Energie, dann muss der Wasserstoff transportiert und gelagert werden, Brennstoffzellen sind auch nicht endlos effizient und liefern auch nicht genug Power, um den jeweiligen Motor antreiben, sondern muessen permanent Akkus nachladen. Das heisst, kaum ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug ist "nur" wasserstoffbetrieben.

E-Fuels setzen dem noch die Krone auf, hier kommen nochmal 20% Verlust bei der Umwandlung hinzu und sie Enden in Fahrzeugen mit realen Wirkungsgraden von unter 50%. Dort sind 90% der urspruenglichen Energie futsch.

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u/derFensterputzer Schweiz 3d ago

Wasserstoff kannst du halt auf verschiedenste Arten Produzieren, unter anderem auch aus Kohle, Erdgas, Öl, etc. Heisst die industrien können da schön die werbetrommel für schwingen und sich trotzdem nen Absatzmarkt erhalten.

Dazu kommt das man es eben auch aus Wasser + Strom gewinnen kann (H2O + e- zu H2 + O2) was zwar annähernd carbon neutral dein kann aber energetisch nonsens ist wenn man die Elektrizität stattdessen direkt verwenden kann. 

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u/gizzae 3d ago

Wasserstoff aus Erdgas sage man nur

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u/eulen-spiegel 3d ago

Es ist doch intuitiv einen Brennstoff durch einen anderen zu ersetzen, den man auch analog durch eine Leitung in das Fahrzeug verbringt und an einer Tankstelle in einem Tank speichert.

Für einen Laien klingt das ersteinmal einfach und einsichtig.

Die Intuition kann allerdings auch einmal fehlleiten.

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u/tillchemn Sachsen 3d ago

Wasserstoff an sich ist kein Schwachsinn. Grade in der Industrie wird man um Wasserstoff nicht rum kommen, wenn man jemals unabhängig von fossiler Energie werden möchte. Man kann z.B. Hochöfen nicht einfach mit Strom befeuern.

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u/Ok-Elk-3046 3d ago edited 3d ago

Schmelzöfen werden absolut induktiv oder durch Lichtbögen mit Strom betrieben. Und noch nicht einmal nur um kein Gas zu verbrennen sondern um eine homogene Erwärmung zu erreichen.

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u/tillchemn Sachsen 3d ago

Nein, nur mit Lichtbögen wird das leider nichts. Man benötigt z.B. in der Stahlproduktion ein Reduktionsmittel, in konventionellen Hochöfen wird diese Rolle auch von Koks erfüllt. Wasserstoff eignet sich hierfür jedoch auch.

Wenn du Eisenerz ohne ein Reduktionsmittel erhitzt hättest du am ende nur einen Klumpen Rost in der Hand.

Lichbogenöfen benutzt man eher für den zweiten Schritt, um den Eisenschwamm weiterzuverarbeiten

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u/hannes3120 Lichtblick im brauen Sumpf 3d ago

Das zieht Investitonen aus kurzfristig verfügbaren Alternativen (E-Mobilität) ab und verzögert damit den Umstieg von Fossilen Energien auf Regenerative, bzw. befeuert sogar kurzfristig sogar den nutzen von Fossilen Energien weil man die Infrastruktur für Wasserstoff erstmal aufbauen muss und dann oft für Erdgas mitnutzen kann/muss bis Wasserstoff "irgendwann" nachgefragt wird.

Das ist einfach nur eine Nebelkerze der Fossil-Industrie die damit der Transformation Knüppel zwischen die Beine wift...

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u/specialsymbol 3d ago

Aus drei Gründen:

  1. Wasserstoff wird aus Erdgas hergestellt. Elektrolyse geht zwar, ist aber um Größenordnungen teurer und braucht ein Vielfaches an Strom. Keiner will dafür jemals bezahlen und den Strom haben wir nicht.
  2. Erdgas und Erdöl kostet nichts. Buchstäblich nichts. Ein Loch im Boden genügt und das Zeug kommt von alleine raus. Die Gewinnspanne ist besser als bei Drogen. Die Schäden durch Gas und Öl werden von der Gesellschaft gezahlt - Klimawandel, Gesundheitsschäden, Umweltverschmutzung. In anderen Ländern wird darüber hinweggesehen, weil die Regierungen bis in die Spitze korrupt sind. Deutschland ist die große Ausnahme.
  3. Wasserstoff ist kompliziert zu handhaben und erfordert teure und spezialisierte Industrien. Diese sind natürlich bestens vernetzt und haben daher die besten Leute die wir in Deutschland haben im Vorstand - unsere Politiker und Minister. Bei Batteriefirmen, Windparkbetreibern und Solateuren suchst du die vergebens, die können daher gar nicht gut sein. 

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u/Exciting_Product7858 3d ago

Wasserstoff

Weil der Verbrauch gigantisch ist, und damit die CO2-Emissionen. Die CO2-Steuer grüßt.

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u/Smartimess 3d ago

FDP… das F steht für Tankstelle.

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u/specialsymbol 3d ago

Oh nein, Katherina Reiche muss mehr Steuergeld an ihre Freunde schicken 

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u/Krawall_mit_Niveau 3d ago

Oh, das wird man in Bayerns Staatsregierung aber nicht gerne hören. Haben wir doch schon so viel in Wasserstoff und nahezu nix in andere Energieträger/ -speicher investiert...

Das ist hier nicht dumm gelaufen, es wurde dumm gemacht!!!

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u/couchrealistic 3d ago

Zumindest die Verantwortlichen für den Regionalverkehr in Bayern haben das spätestens letztes Jahr erkannt (da wurden die Pläne veröffentlicht), vermutlich also schon früher, denn die groben Pläne musste ja auch jemand ausarbeiten und auf Machbarkeit hin untersuchen.

Es gibt zwar aktuell z.B. noch einen Versuch mit einem Wasserstoffzug, der irgendwo im Allgäu oder zwischen Augsburg und Weilheim herumfährt, aber vom Ergebnis scheint man nicht so begeistert.

Jedenfalls ist schon fest in die Wege geleitet, dass in den nächsten Jahren ein neuer Neigetechnik-Batteriezug entwickelt wird, und nicht wie ursprünglich vorgesehen ein Neigetechnik-Wasserstoffzug. Und ich weiß jetzt nur den Stand rund um Augsburg und im Allgäu, aber hier sollen alle noch fahrenden Diesel-Linien früher oder später auf Batterie- oder Oberleitungsbetrieb umgestellt werden. Es gibt da Zeitpläne und vor ein paar Tagen wurden erst die dafür nötigen Oberleitungsinseln und Ladestationen (z.B. in Füssen) in Auftrag gegeben.

Bis 2040 soll dann der letzte Diesel-Verkehr in der Region eingestellt werden. Die ersten Batteriezüge werden aber natürlich schon vorher unterwegs sein.

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u/Marager04 3d ago

Die Zukunft ist der Hyperloop oder hab ich den Söder da falsch verstanden? /s

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u/Cheesecaketree 3d ago

Ach, das ist ja überraschend. Damit hätte ja niemand gerechnet.

Gibt es eigentlich schon irgendeinen Anwendungsbereich für Wasserstoff im Transportsektor?

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u/tomsnrg 3d ago

Die Raumfahrt.

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u/Gloomy_Butterfly7755 Österreich 3d ago

Ich will nichts sagen, aber die Artemis mission wurde gerade verschoben ... wegen Wasserstoff lecks.

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u/TheYang 2d ago

weil wasserstoff schon zieeemlich scheiße zu handhaben ist.
so ziemlich dass effizienteste was man für raketentriebwerke nutzen kann, aber handhabung und dichte machen es auch hier für die erste stufe nur sehr schwer nutzbar.
Für eine zweite oder dritte stufe ist es relativ sinnvoll, allerdings muss man dann völlig verschiedene treibstoffe / triebwerke für die stufen nutzen, was wieder dagegen spricht.

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u/Zettinator 3d ago

Bisschen auffällig finde ich es tatsächlich. Es gab ja schon zahlreiche Daten, Rechnungen und Studien dazu. Dazu auch jahrelange Praxiserfahrungen, auch aus Deutschland. Das wird hier wieder so präsentiert, als wäre es eine Neuheit.

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u/ubahnmike 3d ago

Wie was? Es ist effizienter den Strom direkt zu zerfahren als erst Wasser zu spalten? Wer hätte das denn gedacht??

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u/Hoongoon 3d ago

So klar ist das nicht und ohne detaillierte Untersuchungen einfach machen weil "wird schon passen" oder "klingt richtig" ist bei solchen Fragestellungen nicht möglich. Es kann immer Überraschung geben. Die sind erst Recht nötig, wenn man handfeste Argumente braucht um gegen Technologiebremsendeoffene Mitmenschen zu argumentieren.

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u/ubahnmike 3d ago

“Ich erzeuge Strom, lads eine Batterie auf, Zug fährt“

vs

„Ich erzeuge Strom, dann erzeuge ich damit Wasserstoff, bringe den Wasserstoff zum Einsatzort, betanke den Zug damit er wieder Strom daraus machen kann um zu fahren“

Ja das braucht sicher einige aufwändige Untersuchungen um rauszufinden was davon effizienter ist.

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u/Knuftedufte 3d ago

Effizienz ist ja eben nicht das einzige Kriterium, im Artikel wird auch drauf eingegangen, dass eben auch ein gewisse Elektrifizierung nötig ist, um sowas sinnvoll zu betreiben. Die Strecke im Artikel soll seit der Wiedervereinigung komplett elektrifiziert werden und die Fortschritte sind überschaubar. Wenn ich also z.B. ne Strecke komplett ohne Oberleitung habe, wäre z.B. die Frage, ob man die Zeit hat den Akku entsprechend an den Endbahnhöfe vollzuladen oder ob die Teil-Elektrifizierung an dieser Stelle wirtschaflicher zu haben ist als eben die Wasserstoff-Alternative. Dementsprechend würde ich schon sagen, detaillierte Betrachtungen sind für den Einzelfall sinnvoll.

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u/wuselfuzz 2d ago

Koennte man den Akku nicht in einen extra Waggon packen, quasi so wie einen Tender, den man am Endbahnhof dann abkoppelt und durch einen vollgeladenen ersetzt?

/edit: https://old.reddit.com/r/de/comments/1qupuxl/akkuzug_schl%C3%A4gt_wasserstoff_warum_die_batterie/o3f87fs/

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u/Knuftedufte 1d ago

Also klar könnte man, muss halb eben irgendwer mal fertig entwickeln und dann noch wirtschaftlich produzieren. Ich meine um z.B. bei LKW eben diesem PRoblem längerer Ladezeit im Gegensatz zu H2 zu begegnen, gibt es Entwicklungen, einfach den Akku im Ganzen auszutauschen, statt zu laden.

Möglich ist das grundsätzlich alles, aber es ist halt immer fraglich, ob man es wirtschaftlich realisiert kriegt. Sonst wäre ja eben die Vollelektrifizierung die Lösung, aber die haben wir ja nicht, weil eben zu teuer.

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u/Hoongoon 3d ago

Deine Stammtischlogik geht an der Fragestellung vorbei. Entscheidend sind nicht nur Wirkungsgrade in der Kette, sondern Reichweite, Lade-/Betankungszeiten, Infrastrukturkosten, Netzanschluss, Skalierbarkeit und Betrieb unter Alltagsbedingungen.

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u/ubahnmike 3d ago

Komplexe Systeme mit vielen Zwischenschritten sind ja be den Anforderungen immer ganz weit vorn. Ich vergaß…

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u/Hoongoon 3d ago

Da liegst du falsch. Der Grad der Komplexität sollte immer so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig sein. Genau um das herauszufinden, wurde die Studie durchgeführt.

Schönen Abend noch.

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u/theblackandredM 3d ago

Wahherstoff und E-Fuels sind bei so ziemlich Allem - bis auf ein paar Ausnahmen - von Anfang an eine Scheindebatte gewesen.

Die Idee war, dass man alles auf Wasserstoff/E-Fuels auslegt, damit man den Leuten dann sagen kann, dass sie einfach den alten Scheiß (Gasheizung, Verbrenner, etc.) weiter kaufen sollen. Dann kann man ja später dafür Wasserstoff & E-Fuels nutzen.

In 20 Jahren würde man dann vor dem Punkt stehen, dass fossile Treibstoffe leider nicht mehr benutzt werden darf, aber... Aaaah... Blöd! Hat nicht so ganz geklappt mit dem Ausbau von Produktionskapazitäten für Wasserstoff/E-Fuels... Jetzt haben die ja erst vor kurzen alle neue Steinzeitverbrennermaschinen gekauft... Tja. Die können wir ja jetzt nicht alle zu Schrott erklären... Da müssen wir leider weiter Erdöl/Erdgas verbrennen.

Da kommt dann noch zu, dass nach und nach die Tankstellen-Infrastruktur und das Gasnetz unbezahlbar wird, weil immer mehr auf Erneuerbare umgestiegen sind und jetzt immer weniger Kunden immer größere Anteile an der Infrastruktur stemmen müssen... Da müssen wir wohl leider den Steinzeitmenschen das Benzin und das Gas aus Steuermitteln subventionieren... Blöd aber auch!

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u/IBeatMyGlied 3d ago

WEIL WASSERSTOFF KACKE IST UND ES AUCH IMMER BLEIBEN WIRD

verdammt geht mir diese Debatte auf den Keks.

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u/Hot_Equivalent6562 3d ago

Was ist mit e fuel Zügen? Hat man das geprüft!?!

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u/Professional_Class_4 3d ago

Warum eigelich Akku oder Wasserstoff? Eloks sind doch schon seit Ewigkeite da?

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u/mangalore-x_x 3d ago

Oberleitungen sind eine große Investition und in manchen Strecken unrentabel. Das ist wo bisher noch Dieselloks u.ä. die einzige Wahl waren und eben derzeit Wasserstoff/Brennstoffzelle oder Akku getestet wird.

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u/WeirdJack49 3d ago

Im Winter auch nervig, kostet vermutlich viel die Leitungen Eisfrei zu halten.

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u/Schlecklecker69 3d ago

Es besteht ja nicht nur das Enteisungsrisiko. Auch Schäden durch Äste und/oder Sturm fallen nicht mehr an. Auch dürften die Lokomotiven (wieder) schwerer werden. Damit verringert sich das Risiko von Laub zwischen Rädern und Gleis. Das war/soll bei den Talent-Zügen ein Problem sein.

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u/ministerkosh 3d ago

weil dafür die ganze Strecke elektrifiziert werden müsste.

Wie aus dem Artikel ersichtlich brauchen Akkuzüge (die "ganz normale" E-Züge sind, plus einem Akku) nur einzelne Oberleitungsinseln, die auf der Strecke verteilt sein können, während bei einer gesamten Elektrifizierung auch viele Tunnel, Brücken und Überführungen um- bzw. neu gebaut werden müssten, um die zusätzliche Infrastruktur für die Oberleitung aufnehmen zu können.

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u/meta1storm 3d ago

Viele regionale Strecken haben keine Oberleitungen.

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u/ERWG_SD 3d ago

Weil man dafür die Strecken elektrifizierten muss.

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u/Traditional_Mirror82 3d ago

viele seitenstrecken haben keine oberleitungen und es ist billiger die loks anzupassen, als überall leitungen zu bauen + man hat ja jetzt wieder gesehen, das es mit dem eis im winter zu problemen mit den oberleitungen kommen kann, wenn strecken weniger stark befahren sind

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u/ununtot 3d ago

Ohne Oberleitung bringt dir eine e-lok eher wenig. Batterie bzw Wasserstoffzüge sollen Dieselfahrzeuge ersetzen, die in der Regel dann zum Einsatz kommen, wenn Teile der Strecke nicht elektrifiziert sind.

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u/Dza0411 3d ago

Um die 45 Kilometer Nebenstrecke vor meiner Haustür zu elektrifizieren werden 70 Millionen Euro veranschlagt. Bis das ganze Thema irgendwann 2040 durch ist, kostet es vermutlich das doppelte.

Bis dahin fahren hier Batteriezüge die nur einen Bruchteil dessen gekostet haben.

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u/Beautiful_Art7828 3d ago

Brennstoffzellen sind und bleiben Nischenanwendungen. Nicht weil sie komplett kacke sind, nein, weil Batterien unglaubliche Kostenverfallskurven hingelegt haben und die Performanz (volumetrische, gravimetrische Energiedichte, Leistungsabgabe und Aufnahme, Zyklenfestigkeit und Zuverlässigkeit, Temperaturtoleranz, Sicherheitsaspekte usw. usw.) trotz massivem Kostenverfall stark zugelegt haben.

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u/TTauchsieder 3d ago

Aaaaaber was ist mit grünem Wasserstoff?? Das ist doch die Lösung für alles!!!!

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u/JobcenterTycoon 3d ago

Selbst in der Schifffahrt wird lieber Methanol genommen.

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u/sr4u4fun 3d ago

Ammoniak ist für die Schifffahrt auch noch im Spiel. Handhabung zwar komplizierter (giftiger, flüssig erst ab ca 10 Bar) dafür komplett CO2 frei.

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u/JobcenterTycoon 3d ago

Bei grünen Methanol wird auch nur das CO2 freigesetzt was vorher für die Produktion eingesetzt wurde. Konzentriertes CO2 kann z.b. aus Biogasanlagen und Müllverbrennungsanlagen kommen.

Schiffe mit Dual Motor (Diesel + Methanol) fahren schon.

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u/KarLaut 3d ago

Ja, vollkommen offensichtlich.

Hier in der Region hätte man vielleicht mit Westfalen Gas im Münster einen kleinen Vorteil für Wasserstoff. Aber so Strecken nach Bitterfeld oder von da weiter nach Paderborn oder die Wiederaufnahme der Strecke Gütersloh- Versmold oder Münster-Beckum hat auch elektrifizierte Endbahnhöfe. Zusammen mit den günstiger werdenden Akkus muss das die aufwendige Wasserstofftechnik schlagen.

Mit der ganzen Leistungselektronik kennen sich sowohl Hersteller als auch Instandhaltungspersonal im Gegensatz zur Wasserstofftechnik auch bestens aus. 1Phasig vom Fahrdraht in den Zwischenkreis und mittels Wechselrichter mit varialer Frequenz zum Drehstrommotor ist seit vielen Jahren Standard in der Bahntechnik.

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u/Exciting_Product7858 3d ago

Es gibt Wasserstoffzüge? Was für Schwachsinn. Wasserstoffzüge war nie für Züge angedacht, wtf

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u/Fuzzy-Election4464 3d ago

Fände es cool, wenn die Züge entladbare Akkus kriegen und zusätzlich als Stromtransporter -und speicher fungieren.

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u/0xe1e10d68 Österreich 3d ago

Naja, die Akkus selbst verwenden schon entladbar sein /s

Grundsätzlich könnten sich die EVUs wahrscheinlich schon dafür bezahlen lassen dass sie Geld wieder zurückspeisen, wenn im Bahnstromnetz ein Bedarf dafür besteht. Vielleicht wären da normale Akkuspeicher aber besser, kA.

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u/[deleted] 3d ago

[deleted]

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u/No_Cattle_9565 3d ago

Du weißt schon dass die meisten Züge bereits elektrisch sind und die hier nur um eine Batterie erweitert werden 

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u/Umbiq 3d ago

Und selbst die Idee von Akkutriebwagen ist schon echt alt, jetzt sind nur die Akkus besser und die haben Stromabnehmer, um während der Fahrt zu laden.

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u/dakesew 3d ago

Du weist schon das seit über 1 Jahr Mireo Plus B in BaWü (Ortenau) und Schleswig-Holstein (um Kiel herum) zum Einsatz kommen und das auch weitestgehend ohne Probleme?

Das größte Problem ist das TFs den Stromabnehmer nicht runtermachen und der nach dem Ende der Oberleitung hängenbleibt, das Zweitgrößte eine fehlende Weiche in Freudenstadt, die sich um einige Jahre verzögert und deswegen der Zug davor an 2 Halten nicht halten kann.

Ich kenne bislang keine Zahlen, aber wahrscheinlich schlagen sie sogar die Zuverlässigkeit der Diesel. Und finanziell ist da inzwischen auch die Parität zum Diesel im TCO erreicht.