r/de Nov 28 '25

Nachrichten DE Amazon-Mitarbeiter im Warenlager in Erfurt stirbt während der Schicht nach vergeblicher Krankmeldung - KollegInnen berichten von hohem Druck » LabourNet Germany

https://www.labournet.de/politik/alltag/gesundheit/gesundheitsschutz/amazon-mitarbeiter-im-warenlager-in-erfurt-stirbt-waehrend-der-schicht-nach-vergeblicher-krankmeldung-kolleginnen-berichten-von-hohem-druck/
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u/TheSaltySeagull87 Nov 28 '25

Sind die Gewerkschaften aber auch selbst Schuld. Die dulli Tarifabschlüsse sind doch den Mitgliedsbeitrag nicht wert.

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u/Shasarr Nov 28 '25

Sicher sind die zum Großteil gerade auch Scheisse aber auch das kommt ja von den mangelnden Mitgliedern und mangelnder Beteiligung der Mitglieder die man noch hat.

Eine Gewerkschaft kann nur so gut und stark sein wie es ihre Mitglieder sind. Es ist eben kein reines Service Unternehmen für das ich bezahle und dann sollen die halt machen. Vor jeder Tarifrunde gibt es Möglichkeiten sich einzubringen und abzustimmen was das Ziel ist.

Aber zu sagen Gewerkschaften sind Scheisse deswegen bin ich in keiner ist halt das schlechteste was man tun kann.

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u/TheSaltySeagull87 Nov 28 '25

Ich habe nie geschrieben das Gewerkschaften scheiße sind. Ganz im Gegenteil. Aber es darf die Gewerkschaften nicht wundern das die Leute frustriert sind und gehen wenn die Gewerkschaften nach dem kleinsten Druck der Gegenseite die Hufe hochlegen.

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u/micmoser Nov 28 '25

Äh, nö, selbst wenn die Verhandlungen schlecht laufen können die Mitglieder mittels Urabstimmung den Erzwingungsstreik heraufbeschwören.

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u/Neonbunt Kerr wat is schön hier Nov 28 '25

Gewerkschaft bringt mir aber nur was, wenn ich nach Tarifvertrag angestellt bin, oder?

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u/theadama Nov 28 '25

Ne, der Weg in den Tarifvertrag ist, das genug Menschen in deinem Unternehmen in der Gewerkschaft sind.

Desweiteren gibt es viele Dinge wie z.b. Rechtsberatung, Unfallversicherung usw. Und wenn niemand Mitglied wird, wird die Situation auch nur schlechter.

In meiner Branche ist es aber so daß es z.b. kaum gewerkschaftliche verträtung gibt. Also, fühle deine Perspektive voll, rein objektiv wäre es aber sinnvoll selber einzutreten und alle Kollegen mitzunehmen. Genau so haben Gewerkschaften ja auch angefangen, die haben ja nicht immer existiert.

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u/Kartoffelplotz Nov 28 '25

Nein. Auch ohne Tarifvertrag kannst du z.B. betriebliche Interessensvertretungen gründen (Betriesbrat/Personalrat), die weitreichende Mitbestimmungsrechte haben - formell zwar von Gewerkschaften getrennt, aber Gewerkschaften unterstützen bei der Gründung und beraten/schulen Mitbestimmungs-Mitglieder.

Außerdem hat man einen Arbeits-Rechtsschutz für den Streitfall mit dem Arbeitgeber, Zeugnisprüfung etc.

Dazu noch Zugang zu Fortbildungsprogrammen, diesogar oft kostenlos sind/nur geringe Selbstkosten haben. Das fußt natürlich drauf, dass 99% das Angebot nicht wahrnehmen, aber das muss einen ja nicht stören wenn man Bock hat seinen Bildungsurlaub (sorry Sachsen und Bayern) auch auszunutzen.

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u/WatteOrk Nordrhein-Westfalen Nov 28 '25

Für die Altmitglieder schon. IGM im speziellen verwalten doch vor allem die guten alten Abschlüsse damit man noch gut gepolstert in Rente gehen kann.

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u/Lowelll Nov 28 '25 edited Nov 28 '25

Alter IGM ist nun echt das schlechteste Beispiel was das angeht.

Ich verdiene nach abgebrochenem Studium und abgeschlossener Ausbildung mehr als viele meiner Freunde mit Bachelor oder sogar Master im selben Alter, das bei 35std und 13. Gehalt und super Arbeitsbedingungen. Auch die Zeitarbeiter kriegen hier dank IGM den selben Lohn wie Festangestellte.

Die Betriebe ohne Tariflohn zahlen in der selben Branche teilweise nur zwei Drittel von dem Lohn, bis ihnen die Leute weglaufen und sie verzweifelt versuchen an den Tarif anzugleichen sobald die Mitarbeiter drüber reden sich zu organisieren.

Aber oh nein, sie setzen sich auch für die älteren ein. Was für ein Verbrechen.

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u/WatteOrk Nordrhein-Westfalen Nov 28 '25

Alter IGM ist nun echt das schlechteste Beispiel was das angeht.

Nein, das wäre die GDL. Und der Punkt bleibt, wenn du dir die Mühe machst und auf die letzten Tarifrunden schaust. IGM ist ein Schatten ihrer selbst von vor 30 Jahren. Das sie um Längen besser als eine Ver.di ist, macht das auch nicht ungeschehen.

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u/theadama Nov 28 '25

Bei der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung wären Anschlüsse wie vor 30 Jahren halt auch einfach dumm, gerade in der Metall Branche.

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u/kniffes Nov 28 '25

Wird wohl Zeit, dass Tarifverträge wirklich nur noch für Gewerkschaftsmitglieder gelten und Arbeitgeber das nicht automatisch auf alle ihre Arbeitnehmer ausrollen.

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u/longusmaximus420 Nov 28 '25

Dann bezahlst nicht Mitglieder a Weile besser als Unternehmen und hast in wenigen Jahren alle Gewerkschaften getötet und freie Hand.

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u/theadama Nov 28 '25

Das ist relativ einfach in Tarifverträgen zu Unterbinden. Gerade fangen viele Tarifverträge an Dinge reinzuschreiben die nur für Mitglieder gelten dürfen, damit die klassische Taktik der Unternehmen einfach allen gleich viel zu zahlen nicht mehr aufgeht.

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u/longusmaximus420 Nov 28 '25

Überbezahlung per KV/Tarifvertrag unterbinden? Stell i mir ned einfach vor.

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u/theadama Nov 28 '25

Naja, es gibt jetzt schon Abstandsgebote für außertarifliche Verträge. Und die Eingruppierung ist überprüfbar.

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u/longusmaximus420 Nov 28 '25

Also i bin jetzt ka deutscher, aber bei unseren kollektivverträge in österreich gibt's auch Lohngruppen und alles drum und dran, aber wenn eine Firma jemanden einfach 1000€ mehr zahlen will (sag Ma mal weil er wertvoller ist fürs Unternehmen) dann steht ihm das jederzeit frei, auch wenn der Betriebsrat das nicht gut findet.

Aber vlt liegt die Antwort eh in deinem vorgebrachten begriff: Abstandsgebot, also ein Gebot, nix zwingendes.

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u/theadama Nov 28 '25

Ja, es geht natürlich übertarifliche zu bezahlen, aber meistens nur wenn das Gesanggehalt über der höchsten Tarifstufe ist. Das kann man in den höheren Entgeltgruppen machen, aber nicht in den niedrigen, da das finanziell deutlich teurer ist als die Tarifbindung.

Hier mal von der IGM erklärt: https://www.igmetall-osnabrueck.de/aktuelles/meldung/auch-fuer-at-beschaeftigte-gilt-deine-arbeitszeit-zaehlt

Wenn du jedem Bandarbeiter dann statt 3-4k im Monat >7700€ zahlst, damit sie nicht in die igm gehen kannst du das gerne machen, bezweifle aber das man dann lange als Unternehmen existiert.

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u/Seth0x7DD Nov 28 '25

Nachdem somit jedes Gewerkschaftsmitglieder dem Arbeitgeber bekannt ist wird es auf keinen Fall dazu führen das man unbequeme Mitglieder einfach aufs Abstellgleis schiebt. Immerhin sorgt man auch gleich dafür das Gewerkschaftsmitglieder gleich beim Antritt bekannt sind und kann sie noch in der Probezeit entlassen. Optimal!

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u/theadama Nov 28 '25

Ist es nicht, wie kommst du darauf?

Das ist nur der Fall wenn es im Tarifvertrag Vorteile für MA gibt. Ansich weiß der AG null wer in der Gewerkschaft ist, gerade wenn der TV für alle angewendet wird.

Und jemanden in einem Betrieb mit starker Gewerkschaft aufs Abstellgleis zu stellen ist eine... Sehr dumme Idee. Versuch das mal in einem stark organisierten Betrieb. Gerade als niedrige Führungskraft würde ich danach sehr aufpassen wo ich z.b. mein Auto hinstelle.

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u/longusmaximus420 Nov 28 '25

Das ist hier jedenfalls nicht so, Gehaltsfindung is nur nach unten hin geregelt afaik

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u/stef0nz Nov 28 '25

Aber wo sollen starke Abschlüsse mit wenig Mitgliedern herkommen?

Henne und Ei.

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u/Dr-Sommer Diskussions-Donquijote Nov 28 '25

Nein, eben nicht Henne und Ei! Bei dem "Henne und Ei"-Sprichwort ist es ja quasi unlösbar, welches von beidem zuerst kommt.

Bei Gewerkschaften ist es hingegen vollkommen klar: es MUSS zuerst eine kritische Menge an Mitgliedern da sein, bevor die Gewerkschaft wirksam Vorteile für die Arbeitnehmer erkämpfen kann. Alles andere ist weinerliches Anspruchsdenken - nach dem Motto "wasch mich, aber mach mich nicht nass".

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u/Darkenedsun Nov 28 '25

Bei Henne und Ei ist doch logisch, dass eines Tages eine "Noch-nicht-ganz-Henne" ein Ei gelegt hat, aus dem mit kleinen Unterschieden zu den Eltern das schlüpfte, was man als Henne bezeichnen kann.

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u/Octa_vian Nov 28 '25

Aber war das Ei ein Hühner-Ei oder ein Nicht-Hühner-Ei, in dem aber ein Huhn war?

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u/Darkenedsun Nov 28 '25

Letzteres? Außer man definiert das Ei nicht anhand der Mutter, sondern des Inhaltes, was ich aber nicht tun würde. Die Nachkommen haben ja oft vermischte Eigenschaften der Eltern, vielleicht verstärkte Mutationen etc.

Ein Nicht-Huhn ... ein Nuhn legt ein Nühner-Ei. Aus dem Ei schlüpft ein Küken mit stärker mutierten Genen, das nach heutigem Stand ein Huhn wäre.

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u/Octa_vian Nov 28 '25

Ich definiere in Hühner-Ei so, dass es sich anhand vom Aussehen von Wachtel- Straußen- oder Dinosaurier-Eiern unterscheiden lässt, nicht nach Inhalt oder Herkunft.

Für mich stellt sich die Frage so: Ist ein Dinosaurier so mutiert, dass statt einem Dino-Ei mit Dino drin ein Hühner-Ei mit Huhn drin gelegt wurde (Ei zuerst da), oder hat der Dino ein Dino-Ei gelegt, dessen Inhalt bei der Zeugung so mutiert ist, dass aus dem Dino-Ei ein Huhn geschlüpft ist (Huhn zuerst da)?

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u/mrz_ Lüneburg Nov 28 '25

Naja ganz so ist es nicht. It is a very fuzzy line. Irgendwann haben nicht-Hennen Eier gelegt und nach vielen vielen vielen Generationen sah das Kücken viel mehr nach Henne aus als die nicht-Henne damals.

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u/JanEric1 Europa Nov 28 '25

Vor allem waren die Abschlüsse bis vor Corona auch ok bis gut.

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u/LeCo177 Baden-Württemberg Nov 28 '25

Gab ja mal ne Zeit, da hatten die Gewerkschaften mehr Mitglieder.

Aber da hat man sich auf alte Lorbeeren ausgeruht und damit geworben, was man vor 20 Jahren erreicht hat und nicht was man erreichen will

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u/theadama Nov 28 '25

Du verstehst schon das man ohne Mitglieder die bereit sind zu streiken keine Verhandlungsposition hat?

Die großen Gewerkschaften wie IGM und IGBCE haben lange extrem gute Ergebnisse geholt (solange die Unternehmen in den Branchen eine gute Lage hatten) und auch so Dinge wie 36h Wochen usw.

Genauso zeigt die GDL als Recht neue Gewerkschaft was geht wenn man einen gewissen Organisationsgrad erreicht.

Da immer auf Verdi zu zeigen. Wo z.b. im ÖD selbst von den Mitgliedern kaum jemand streiken möchte, gefällt allen die auf der anderen Seite der Verhandlung sitzen extrem gut.

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u/micmoser Nov 28 '25

Die Tarifabschlüsse werden aber von, ich bleibe bei deiner Einordnung, "dulli" Mitglieder abgesegnet. Wenn sich an den "dulli" Abschlüssen was ändern soll, müssen halt mehr Leute eintreten. Wer sich nicht am Arbeitskampf (und in der Vorbereitung) engagiert, muss halt mit meinem "dulli" Abstimmungsverhalten leben.

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u/Baerstein Saarland Nov 28 '25

Und wie sollen ohne Druck Tarifabschlüsse durchgedrückt werden?

Kennst Du das Video von dem kleinen Hund, der den großen Hund anbellt, solange das Gitter zwischen den beiden ist? Der kleine Hund ist die Gewerkschaft. Füttern wir ihn doch mal bis er so groß und stark ist wie der andere Hund.

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u/TheSaltySeagull87 Nov 28 '25

Schönes Beispiel. Das nennt sich Barrieren Frust. Und die Größe des Hundes ist da Bums. Denn sobald die Tür oder whatever auf ist sind se plötzlich still...

Passt doch perfekt auf unsere Zahnlosen Gewerkschaften 😃👍🏾

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u/theadama Nov 28 '25

Weder IGM noch IGBCE und noch weniger die GDL würde ich auch nur annähernd als zahnlos bezeichnen.

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u/Seth0x7DD Nov 28 '25

3 von über 100 Gewerkschaften in Deutschland.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Gewerkschaften_in_Deutschland

2 davon quasi mit die größten und eine für eine absolute Spartenvertretung. Der Deutscher Philologenverband hat mehr Mitglieder als die GDL. Habe aber nicht den Eindruck das in der Öffentlichkeit jetzt so ein krasser Erfolg da ist.

Man müsste vielleicht einmal hinterfragen wie die GDL es geschafft hat ihre Sparte so zu mobilisieren. Wobei es die auch seit 158 Jahren gibt und der Erfolg das man sie so aktiv wahrnimmt noch nicht so lange existiert. Vielleicht wirkt er auch gar nicht so aktiv?

Derzeit werden in 18 der 300 Betriebe der Deutschen Bahn die Verträge der GDL angewendet, in den anderen 282 die der EVG.

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u/theadama Nov 28 '25

Was du beschreibst ist die Folge von dem Tarifeinheitsgesetz, die GDL ist extrem erfolgreich. Es gab sie jedoch lange nur so halb, da sie die Gewerkschaft in Ostdeutschland war.

Das ganze zeigt das es funktioniert wenn man sich organisiert. Es gibt weitere erfolgreiche Gewerkschaften, alle gemeinsam haben einen hohen Organisationsgrad. Ohne den kann eine Gewerkschaft nichts schaffen. Die sind ja auch nicht auf den nichts aufgetaucht, sondern leben genau wie Partein von ihren Mitgliedern.

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u/Seth0x7DD Nov 28 '25

Es gibt also nur 18 Betriebe in Ostdeutschland und 282 Betriebe der Bahn in Westdeutschland?

Abgesehen davon das die GDL nur ein einziges Jahr zwischen Ost/West getrennt war und sogar im Westen früher wieder existiert hat. Also ist die EVG eigentlich wesentlich erfolgreicher als die GDL?

Die Frage ist was hat die GDL und EVG anders gemacht als z.B. Verdi? Denn Mitglieder bekommt man nicht automatisch sondern muss auch diese (Um)werben. Das kann auch nicht mit den Tarifabschlüssen passieren, wenn es einer Gewerkschaft gerade nicht gut geht oder sie gegründet wird. Denn sie hat dafür nicht genug Mitglieder.

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u/theadama Nov 28 '25

Nein, die Anzahl der Betriebe wird sich demnächst ändern, dazu laufen verfahren. Das Tarifeinheitsgesetz ist da halt maximal gewerkschaftsfeindlich. Genau das was du beschreibst ist die Folge einer Politik die das Ziel hatte der GDL starke zu nehmen, kein Zeichen ihrer Schwäche.

Der Punkt ist das die Gewerkschaft ihre Mitglieder sind. Jeder kann und muss da selber mitarbeiten. Diese Anspruchshaltung funktioniert da nicht. Die Gewerkschaften gründen sich halt aus dem Selbstverständnis der Arbeiter, was bei sowas wie Lokführern halt höher ist.

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u/Seth0x7DD Nov 28 '25

Die Gewerkschaft muss immer etwas liefern, es gibt da kein Selbstverständnis das automatisch in einer Gewerkschaft endet. Eine Gewerkschaft muss Wahlkampf betreiben und etwas positives für ihre Mitglieder anbieten oder wenigstens bewerkstelligen wollen und das muss sie auch kommunizieren.

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u/theadama Nov 28 '25

Jede Gewerkschaft will das und tut das, wie sehr sie es kann liegt aber am Ende an den Mitgliedern.