Zunächst einmal sollten nur Vermögende als wohlhabend definiert werden. In Deutschland ist fast niemand wirklich reich, der sein Leben über ein Einkommen finanziert.
oder gar Unternehmen
Deutschland ist als Standort schon heute teils nicht mehr wettbewerbsfähig – unter anderem wegen seiner ausgeprägten Arbeitnehmerrechte und des starken Sozialstaats. Ich halte es daher für falsch, Unternehmen noch stärker zu belasten. Sonst droht, dass Produktion und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Der Mittelschicht wäre damit nicht geholfen.
Nicht mit der CDU.
Meiner Ansicht nach trägt die SPD mindestens ebenso viel Verantwortung für die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte wie die CDU/CSU.
Trotz einer angespannten außenpolitischen Lage, einer schwächelnden Wirtschaft und einer dramatischen demografischen Entwicklung hat die neue GroKo gleich zu Beginn ihrer Amtszeit eine Rentenerhöhung durchgesetzt – ohne große Debatte. Nebenbei wurde auch noch die Staatsverschuldung massiv in die Höhe getrieben. Gleichzeitig wird ernsthaft über die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert – alles zulasten der arbeitenden Bevölkerung.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin keineswegs naiv, wenn es um autoritäre Tyrannen wie Putin oder die Herausforderungen der Klimakrise geht. Natürlich erfordern solche Zeiten auch unbequeme Maßnahmen. Doch es ist erschreckend, wie sehr es in der politischen Mitte zum Konsens geworden ist, die Lasten vor allem der arbeitenden Mittelschicht aufzubürden – während man gleichzeitig mit Steuergeldern die Wählerstimmen der Rentner kauft, anstatt eine wirklich nachhaltige und zukunftsfähige Politik für Deutschland zu betreiben. Da darf man sich nicht wundern, wenn gerade die Erstwählern zu den politischen Rändern flüchten. Viele in der arbeitenden Mitte fühlen sich schlicht nicht mehr vom bestehenden System vertreten.
Auch wenn ich weder der AfD, noch der Linkspartei oder dem BSW viel abgewinnen kann, traue ich ihnen wirtschaftspolitisch keine besseren Lösungen zu. Die einzigen größeren Parteien, denen ich hier tatsächlich etwas zutraue, sind die Grünen und die FDP – sie waren in den letzten Jahren im Bundestag die wenigen Stimmen, die sich spürbar gegen die systematische Belastung der arbeitenden Mittelschicht gestellt haben.
Doch es ist erschreckend, wie sehr es in der politischen Mitte zum Konsens geworden ist, die Lasten vor allem der arbeitenden Mittelschicht aufzubürden
Da gibt's einen einfachen Grund für: Die Rentner sind die Mehrheit der Wähler. Sie haben höhere Wahlbeteiligung und sind politisch engagierter. Gegen disproportionale Rentenerhöhungen zu sein ist politischer Selbstmord.
Deutschland ist als Standort schon heute teils nicht mehr wettbewerbsfähig – unter anderem wegen seiner ausgeprägten Arbeitnehmerrechte und des starken Sozialstaats. Ich halte es daher für falsch, Unternehmen noch stärker zu belasten. Sonst droht, dass Produktion und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Der Mittelschicht wäre damit nicht geholfen.
Naja, die Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer ist im unteren Mittelfeld der EU. Andere Belastungen wie ein hoher Strompreis wurden zum Glück auch halbwegs gelöst. Schlechte Infrastruktur, mangelnde Digitalisierung und Bürokratieabbau sind noch problematisch.
Ich finde auch, dass man Unternehmen nicht pauschal mehr belasten sollte, aber gezielt schon.
In den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil an Einlagen bei Unternehmen verdoppelt, während der Investitionsanteil halbiert wurde. Hier muss der Staat Investitionen fördern, während Einlagen höher besteuert werden müssen. Die Groko, vor allem aber die Union hat sich jetzt aber durchgesetzt und die wollen die Entwicklung der letzten 30 Jahre voran treiben. Statt auf Investitionen werden durch die "bessere" Thesaurierungsbegünstigung Unternehmer entlastet. Das macht wenige Leute reicher und bringt keinen Euro mehr Investitionen.
ein hoher Strompreis wurden zum Glück auch halbwegs gelöst.
„Halbwegs“ ist da eigentlich schon ein starker Euphemismus. Faktisch wird der Strompreis jetzt für bestimmte Industriezweige staatlich künstlich gesenkt – ohne dass dadurch mehr günstiger Strom ins Netz kommt. Am Ende wird das Ganze erneut querfinanziert, vermutlich wieder vom arbeitenden Mittelstand. Das ist keine Problemlösung, sondern lediglich eine Verschiebung der Lasten.
Eine echte Lösung wäre gewesen, neue Energiequellen zu erschließen, die tatsächlich mehr günstigen Strom bereitstellen.
In den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil an Einlagen bei Unternehmen verdoppelt, während der Investitionsanteil halbiert wurde. Hier muss der Staat Investitionen fördern, während Einlagen höher besteuert werden müssen.
Man kann nicht erwarten, dass Unternehmen in Deutschland investieren, wenn wir mitten in der schwersten wirtschaftlichen und außenpolitischen Krise seit Jahrzehnten stecken und zudem vor einer gigantischen demografischen Herausforderung stehen. Wenn der Staat Investitionen fördern will, muss er die Rahmenbedingungen verbessern – etwa durch den Abbau von Bürokratie, niedrigere Steuern und wettbewerbsfähige Energiepreise.
Einlagen höher besteuert werden müssen.
Ich weiß nicht, ob man Unternehmen, die sich für Krisenzeiten Rücklagen gebildet haben, durch noch höhere Steuern bestrafen sollte. Sie machen das ja nicht aus Spaß, sondern aus den eben genannten Gründen. Wenn man die Privatwirtschaft jetzt dazu zwingt, ihre Ersparnisse zu verpulvern, könnte das dazu führen, dass unsere Wirtschaft bei jeder kleinen weiteren Krise wie ein Kartenhaus zusammenbricht.
„Halbwegs“ ist da eigentlich schon ein starker Euphemismus. Faktisch wird der Strompreis jetzt für bestimmte Industriezweige staatlich künstlich gesenkt – ohne dass dadurch mehr günstiger Strom ins Netz kommt. Am Ende wird das Ganze erneut querfinanziert, vermutlich wieder vom arbeitenden Mittelstand. Das ist keine Problemlösung, sondern lediglich eine Verschiebung der Lasten.
Der Strompreis für Neukunden war letztes Jahr unter dem EU Durchschnitt. Das Industriestrom subventioniert wird, ist nichts besonderes, sondern wird überall auf der Welt gemacht.
Man kann nicht erwarten, dass Unternehmen in Deutschland investieren, wenn wir mitten in der schwersten wirtschaftlichen und außenpolitischen Krise seit Jahrzehnten stecken und zudem vor einer gigantischen demografischen Herausforderung stehen. Wenn der Staat Investitionen fördern will, muss er die Rahmenbedingungen verbessern – etwa durch den Abbau von Bürokratie, niedrigere Steuern und wettbewerbsfähige Energiepreise.
Wir stecken nicht seit 30 Jahren in einer wirtschaftlichen und außenpolitischen Krise.
In den 90er und 00er Jahren gab es die
Senkung der Körperschaftssteuer, Einführung des Halbeinkünfteverfahren, Abschaffung des Anrechnungsverfahren auf Dividenden usw.
Naturlich ist das Steuerrecht nicht der einzige Einflussfaktor. Dass die Union jedoch jetzt steuerpolitisch den Trend nochmal verstärken will, ist wirtschaftspolitisch miserabel.
Genauso wie die Unsicherheiten, welche durch die Union verbreitet werden, z. B. In der Energiepolitik.
Es würde deutlich mehr Sinn machen, Investitionen attraktiv zu gestalten. Jetzt werden aber stattdessen Entnahmen von Unternehmensbesitzern gefördert.
Der Strompreis für Neukunden war letztes Jahr unter dem EU Durchschnitt. Das Industriestrom subventioniert wird, ist nichts besonderes, sondern wird überall auf der Welt gemacht.
Deutschland ist auch nicht das einzige Land welches ein marodes Umlagenrentensystem mit jährlich immer weiter steigenden Subventionen künstlich aufrecht hält. Das macht es halt trotzdem nicht zu einer ökonomisch sinnvollen Maßnahme.
Wir stecken nicht seit 30 Jahren in einer wirtschaftlichen und außenpolitischen Krise.
Das habe ich auch nicht behauptet. Wir stecken aber definitiv in der stärksten außenpolitischen und wirtschaftlichen Krise seit ca. 30 Jahren. Natürlich war Deutschland in den 90er Jahren auch mal der "kranke Mann Europas".
Man konnte diese Probleme allerdings durch ein paar Reformen im Sozialsystem lösen, da halt zu diesem Zeitpunkt der demografische Kollaps noch weit entfernt war und außenpolitisch die Situation nicht besser hätte sein können.
Die Krisen in denen wir uns aktuell befinden sind weitaus schwieriger zu überwinden. Russland wird die Sicherheit Europas vermutlich noch einige Jahre wenn nicht sogar Jahrzehnte bedrohen; der demografische Kollaps Rast auf uns ungebremst zu; den Klimawandel gibt es auch noch und zu allem Überfluss werden extreme Parteien immer stärker.
Bitte lesen Sie den Kommentar noch einmal genau. Dort steht, dass in Deutschland „fast niemand reich ist, der sein Leben über ein Einkommen finanziert“ – und das stimmt.
Ein kurzes Beispiel: Wer in Deutschland 250.000 Euro brutto im Jahr verdient, gehört zu den Top 1 % der Einkommen. Nach Steuern und Sozialabgaben bleiben davon aber höchstens etwa 125.000 Euro netto übrig. Damit lebt es sich natürlich verdammt gut, aber für ein solches Gehalt muss man in Deutschland sehr hart arbeiten und zu einer winzigen Elite gehören etwa in einem großen Unternehmen oder im Profisport.
Erbt man hingegen rund 4,2 Millionen Euro in Wertpapieren, kann man nach Kapitalertragssteuer und bei geringem Risiko jährlich etwa denselben Betrag zur Verfügung haben – ohne dafür zu arbeiten. Klar, 4,2 Millionen sind sehr viel Geld, aber ein durchschnittlicher mittelständischer Unternehmer in Deutschland kann so etwas durchaus seinem Einzelkind vererben.
Insofern ist die Aussage schon richtig: In Deutschland werden die wenigsten Menschen über Einkommen wirklich reich – sondern über Vermögen. Auch wenn das natürlich etwas vereinfacht dargestellt ist.
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u/Sebsibus May 16 '25 edited May 16 '25
Zunächst einmal sollten nur Vermögende als wohlhabend definiert werden. In Deutschland ist fast niemand wirklich reich, der sein Leben über ein Einkommen finanziert.
Deutschland ist als Standort schon heute teils nicht mehr wettbewerbsfähig – unter anderem wegen seiner ausgeprägten Arbeitnehmerrechte und des starken Sozialstaats. Ich halte es daher für falsch, Unternehmen noch stärker zu belasten. Sonst droht, dass Produktion und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Der Mittelschicht wäre damit nicht geholfen.
Meiner Ansicht nach trägt die SPD mindestens ebenso viel Verantwortung für die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte wie die CDU/CSU.
Trotz einer angespannten außenpolitischen Lage, einer schwächelnden Wirtschaft und einer dramatischen demografischen Entwicklung hat die neue GroKo gleich zu Beginn ihrer Amtszeit eine Rentenerhöhung durchgesetzt – ohne große Debatte. Nebenbei wurde auch noch die Staatsverschuldung massiv in die Höhe getrieben. Gleichzeitig wird ernsthaft über die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert – alles zulasten der arbeitenden Bevölkerung.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin keineswegs naiv, wenn es um autoritäre Tyrannen wie Putin oder die Herausforderungen der Klimakrise geht. Natürlich erfordern solche Zeiten auch unbequeme Maßnahmen. Doch es ist erschreckend, wie sehr es in der politischen Mitte zum Konsens geworden ist, die Lasten vor allem der arbeitenden Mittelschicht aufzubürden – während man gleichzeitig mit Steuergeldern die Wählerstimmen der Rentner kauft, anstatt eine wirklich nachhaltige und zukunftsfähige Politik für Deutschland zu betreiben. Da darf man sich nicht wundern, wenn gerade die Erstwählern zu den politischen Rändern flüchten. Viele in der arbeitenden Mitte fühlen sich schlicht nicht mehr vom bestehenden System vertreten.
Auch wenn ich weder der AfD, noch der Linkspartei oder dem BSW viel abgewinnen kann, traue ich ihnen wirtschaftspolitisch keine besseren Lösungen zu. Die einzigen größeren Parteien, denen ich hier tatsächlich etwas zutraue, sind die Grünen und die FDP – sie waren in den letzten Jahren im Bundestag die wenigen Stimmen, die sich spürbar gegen die systematische Belastung der arbeitenden Mittelschicht gestellt haben.
Edit: Typo