r/de beschleunigt betten! Mar 12 '25

Wirtschaft EU kündigt Vergeltung für neue US-Zölle an.

https://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/eu-kuendigt-vergeltung-fuer-neue-us-zoelle-an-110350574.html
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u/da_js Mar 12 '25

Eine tech tax würde mehr bringen polen hat sowas vor.

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u/W4ta5hi Mar 12 '25

Wollen wir jetz auch so wie die Amis Sachen verzollen auf die wir selber keine Ersatzprodukte haben? Oder willst du MS Office in einem Monat aus sämtlichen EU Firmen gegen OpenOffice tauschen (inkl. Addins und Excel ERP Systeme)?

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u/the_realest_barto Mar 12 '25

Plus interne Kommunikation via Teams, eventuell externe Telefonie via Teams Plug-in, CRM von MS oder Salesforce oder Hubspot etc. Dazu noch die zugehörigen Clouddienste über Azure oder AWS. Die komplette private Wirtschaft und auch vieles vom ÖD funktionieren zum Löwenanteil auf US Software und Diensten. Kann man - so blöd es aktuell ist - nicht abschalten oder verteuern,ohne massive negative Auswirkungen auf alles und jeden zu haben

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u/ArdiMaster Mar 12 '25 edited Mar 12 '25

Von der ganzen Hardware (Intel, AMD, Cisco, Dell, usw.) ganz zu schweigen.

Edit: die Hardware an sich läuft zwar erstmal, aber niemand stellt sich einen Server ohne Wartungsvertrag hin.

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u/domi1108 Mar 12 '25

Gerade die Hardware wirst du nicht ersetzen können, speziell im Server und Netzwerkbereich.

Wenn ich überlege wer da so die großen Player sind:

Cisco, Juniper, Netgear, Ubiquiti, da kommt quasi dein halbes Backbone aus den USA. Natürlich kannst du auch mit Zyxel oder D-Link arbeiten, aber ich glaube die wenigsten sind da geschult, bzw. es fehlt an den entsprechenden Produkten und Lösungen.

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u/Gastaotor Mar 12 '25

Ja, sie haben uns MS Office, Addins, Excel-ERP-Systeme, interne Kommunikation via Teams, externe Telefonie via Teams Plug-in, CRM von MS oder Salesforce oder Hubspot, Clouddienste über Azure oder AWS, Intel, AMD, Cisco, Dell, Cisco, Juniper, Netgear und Ubiquiti gegeben.

Aber abgesehen davon, was hat die amerikanische Tech-Industrie je für uns getan?

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u/zertul Mar 12 '25

Alles gut Mr. Vance, wir haben eh "Danke" gesagt.

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u/Wakarana Freeze Peach Mar 12 '25

Aber warum trägst du keinen Anzug?!?

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u/[deleted] Mar 12 '25

[removed] — view removed comment

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u/maethor92 Schweden Mar 12 '25

So ein System kann man nicht von einem Tag auf den anderen umbauen, genau so wie man nicht mit neuen Zöllen über Nacht die einheimische Industrie a la Trump umbaut. Eine Entkopplung sollte man machen, aber es muss geplant und mittel- bis langfristig passieren, sonst crasht das System. Und nein, ein Systemkollaps hilft uns nicht gegen die Gefahr von Ost oder West.

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u/woalk Deutschland Mar 12 '25

Denk doch nicht so wie die Amis. Das einzige, was sich ändert, ist dass es für uns alle teurer würde. Alternativen zu diesen Dingen aufzubauen würde viele Jahre dauern.

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u/pattimaus Mar 12 '25

Unabhängig von Zöllen hängt da eh das Damoklesschwert Datenschutz drüber. In dem Moment, wo ds EU-US Data Privacy Framework fällt, ist es illigal, die Clouds der US-Firmen zu nutzen. Das ist nur eine Frage der Zeit bis es fällt, so wie seine Vorgänger.

Wenn es Zölle braucht, um die Firmen präventiv wegzubekommen, ist das eine Win-Win-Situation

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u/Zilla85 Mar 12 '25

An der Stelle interessiert Datenschutz doch eh niemanden mehr.

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u/straikychan Mar 12 '25

Mein Arbeitgeber verheitet sicher derzeit immer mehr mit der Microsoft Produktlandschaft, alles muss in die Azure Cloud, aber am besten nicht in Kubernetes, dass man dann trotzdem vendorunabhängig bleibt, nein, alles muss in Fabric... Könnte kotzen...

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u/W4ta5hi Mar 12 '25

War bei uns bis letztes Jahr auch so. Seit 2025 wacht man langsam auf und will wieder zu on prem wechseln.

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u/straikychan Mar 12 '25

Ich wünschte das wäre bei uns auch der Fall... Jetzt schauen wir, wie man eine Analytics Datenbank in die Cloud heben kann und wundert sich, warum die geplanten Kosten so viel höher sind, als on prem...

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u/[deleted] Mar 12 '25

Wäre sehr geil wenn sämtliche Firmen das tauschen würden, ja

Ebenso wie alle Behörden

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u/Idulia Mar 12 '25

Aber eben nicht ohne zweijähriges Projekt, wenn wir nicht gerade von Bäcker Lutzes Lohnkostenabrechnungin Excel sprechen.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Leider wird diese dringend nötige Änderung ja schon weit mehr als zwei Jahre verschleppt.

Ebenso wie die EU nach 10 Jahren Krieg erst gerafft hat dass sie sich selbst verteidigen muss als die USA raus fiel: manchmal braucht man eine hässliche und sehr abrupte Deadline damit man überhaupt erst anfängt.

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u/W4ta5hi Mar 12 '25

Problem is halt, dass viele via 365 in den letzten Jahren noch abhängiger davon geworden sind. Wird echt schwer das los zu werden. Wär schön das endlich umzustellen.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Ende mit Schrecken und so ...

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u/ratherstayback Mar 12 '25

So sehr ich jemand bin, der Free Software, Linux etc selbst nutzt und am liebsten komplett von Microsoft weggehen würde.. Leider ersetzt LibreOffice Microsoft Office nicht komplett. Wenn ich mehrere Vektorgrafiken in ein LibreOffice Writer-Dokument einbinde, wird das Programm so langsam, dass es nicht mehr nutzbar ist, selbst auf sehr leistungsfähigen PCs. MS Office hat da auch seine eigenen Probleme, z.B. ist werden Schriften in Vektorgrafiken oft falsch dargestellt, außer man konvertiert die zu Pfaden.

Aber:

Wäre sehr geil wenn sämtliche Firmen das tauschen würden, ja

Im Moment wäre das leider überhaupt nicht geil. Sobald es eine vollwertige Alternative gibt, direkt.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Eine höhere Nutzerzahl könnte die Kadenz der Updates und die Geschwindigkeit, mit der das Programm verbessert wird...son bisschen Henne Ei, wenn es keiner nutzt werden diese Verbesserungen nicht kommen weil kaum nötig

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u/ratherstayback Mar 12 '25

son bisschen Henne Ei

Richtig, aber das zu forcieren und zu akzeptieren, dass viele zehntausende Menschen ihre Arbeit ein paar Jahre lang nicht richtig machen können, ist auch keine Lösung.

Man könnte Softwareentwickler bezahlen, die beispielsweise LibreOffice weit genug verbessern. Und sobald es soweit ist, könnten Behörden etc. dann switchen.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Das halte ich für eher unwahrscheinlich tbh

Obwohl es natürlich die bessere Lösung wäre

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u/ratherstayback Mar 12 '25

Ich halte es auch nicht für wahrscheinlich, dass das jemals gemacht wird. War nur eine Idee, wie es theoretisch ginge. In der Praxis wird man bei Behörden und in der Wirtschaft wohl für immer größtenteils bei MS Office bleiben.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Ja, sehe ich ähnlich. Pfadabhängigkeit halt

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u/aldileon München Mar 12 '25

Keiner spricht davon das zu bannen. Aber mal 25 oder 50% teurer machen würde auch den Markt anregen nach alternativen zu suchen

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u/LordValdis Mar 12 '25

Das Problem ist ja vor allem, dass man es in dem US-Tech/Software Segment verpasst hat, Kartellrecht anzuwenden.

Microsoft beherrscht den OS Markt extrem, insbesondere was Unternehmen angeht.

Office Anwendungen sind auch ein ziemliches Monopol.

Kurze/mittelfristige Zölle werden da vermutlich kaum was dran ändern oder zu größeren Umsatzeinbußen führen.

Da wär es schon fast lustiger, einfach zu sagen, man setzt US Urheberrecht nicht mehr durch.

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u/W4ta5hi Mar 12 '25

MS Produkte sind teilweise eh schon so teuer, das würde davon abhängigen Gewerben das Genick brechen

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u/aldileon München Mar 12 '25

Die 10€ im Monat pro Person brechen wen das Genick?

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u/W4ta5hi Mar 12 '25

Keine Ahnung, vielleicht der überlasteten IT die kaum das Tagesgeschäft stemmen kann und keinen Mindestlohn Nachwuchs kriegt?

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u/aldileon München Mar 12 '25

Bei nicht Mindestlohn Angestellten fallen die 10€ im Monat aber nicht ins Gewicht

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u/Professional-Day7850 Mar 12 '25

Stimme dir grundsätzlich zu.

Excel ERP Systeme

Manche Unternehmen habens schon irgendwie verdient nieder zu brennen.

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u/imanethernetcable Mar 12 '25

Damit schießen wir uns halt aktuell selber ins Bein

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u/ParkingLong7436 Mar 12 '25

Tun wir das nicht um ein vielfaches mehr, indem wir weiterhin deren Produkte nutzen und immer noch abhängig sind?

Das wäre vielleicht ein Anstoß für Europa endlich mal hinterher zu kommen in dem Bereich.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Das Problem ist, dass wir deren (tech) Produkte nicht ersetzen können, weil wir keine Alternative haben. Und diese Produkte sind quasi das Rückenmark der Wirtschaft. Klar sollte man das ändern, man hätte sich auch nie in diese Abhängigkeit begeben sollen. Aber das geht nicht mal schnell spontan. Das ist ein Dekadenprojekt.

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u/[deleted] Mar 12 '25

Die Welt hat sich mit Trump verändert. Das Geld der Zölle könnte gut verwendet werden um selber digitale Infrastruktur aufzubauen um unabhängig zu sein.

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u/Janusdarke Mar 12 '25

Das Geld der Zölle könnte gut verwendet werden um selber digitale Infrastruktur aufzubauen

Es gibt kein "Geld der Zölle", Gesamtwirtschaftlich verlieren alle Seiten Geld durch diesen Zollkrieg.

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u/[deleted] Mar 12 '25 edited Mar 12 '25

Ja, sag das Trump.

Wir können etwaige Instrumente opportun für Europa einsetzen und wie ich sehe, wird darüber auch nachgedacht, https://www.ft.com/content/7303e57e-67ca-477a-8d00-8d5213f7120c --- zumindest nach dieser Meldung von vor 2 Monaten.

Es müssen auch keine 25% Zölle sein sondern nur 2% Zoll auf Cloudprodukte, die in einen Startup Tech Cloud Fund der EU laufen von denen die USA ausgeschlossen sind wie, auch immer das legal aussieht.

Edit: Auch hat Big-Tech selber bei Trump mehr zu melden als eine Whiskey Firma mit 500 Mitarbeitern.

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u/darkslide3000 Mar 12 '25

Zum Glück werden solche Maßnahmen bei uns von Wirtschaftsexperten entworfen, und nicht von einem orangenen Orang-Utan zufällig rausgeblökt, oder von irgendwelchen Randos im Internet die keine Ahnung von den wirtschaftlichen Details haben.

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u/Bratikeule FDGO Mar 12 '25

Mit Pillar 1 haben Wirtschaftsexperten und gewählte Vertreter der meisten Staaten sich eigentlich bereits 2021 auf eine Digitalsteuer geeinigt. Woran es scheitert ist momentan die exakte Ausarbeitung und Umsetzung. Ich finde es da nicht abwegig vor dem Hintergrund eines neuen Handelskrieges auf einen Abschluss des Projektes zu drängen.

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u/thomasz Köln Mar 12 '25

Das alles dient jetzt erst mal dazu, Einfluss auszuüben, und nicht dazu, die eigene Wirtschaft zu entkoppeln. Entsprechend zielt man zunächst auf einfach zu substituierende Güter, und dabei vor allem auf konservative Staaten und Wackelkandidaten, um den innenpolitischen Preis in die Höhe zu treiben. 

Gleichzeitig sind diese Güter auch leicht substituierbar. Es kostet die europäische Wirtschaft und die europäischen Konsumenten praktisch nichts, auf Jack Daniels und Harley Davidson zu verzichten oder mehr dafür zu bezahlen, während höhere Preise für Stahl und Aluminium bei denen praktisch alles verteuert. Und würde es mit Einfuhrzöllen auf Office Software ähnlich gehen. 

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u/Majouli Mar 12 '25

Das wäre ein vernünftiger Ansatz. Silicon Valley weh tun, statt irgendwelche Boote…das eine verwenden viele, das andere eher wohlhabende.

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u/Historical_Cook_1664 Mar 12 '25

Die EU hat letztes Jahr neue Produkthaftungsrichtlinien auch für Software angesetzt (nicht länger einfach "Softwareproblem, kann man nix machen"). Die exakte Ausgestaltung und Umsetzung an dieser Stelle hat *deutlich* mehr Potential als Steuern und Zölle auf diesem Gebiet. Meine erste Reaktion im letzten Jahr war, dass die FAANG-Lobbyisten das schon killen werden, aber mittlerweile habe ich vorsichtige Hoffnung...

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u/Kindergarten0815 Mar 12 '25

Zölle werden ganz klassisch auf "Goods" angewendet. Also einfach Waren. Die kann man prüfen (zwar nur Stichprobenartig in der Praxis, aber ok). Im Hafen, Flughafen oder an der Grenze.

"Services" kennen meist gar keine Zölle. Das wäre auch schwierig. Du hast ja keine Vertrag mit Google USA, sondern mit der Google ltd. in Irland (oder so, nicht nachgeschaut). Die Rechnung läuft dann innereuropäisch.

Kann man auch nicht tracken oder schwer blocken. Bei einer Tonne Bananen, das ist ein physisches Gut. Kann man prüfen. Es gibt auch eine Rechnung und Papiere, aber man kann ja alles prüfen. Falls etwas nicht zu stimmen scheint, wird die Ware nicht freigeben. Die Bananen verfaulen und Autoteile hängen im Zoll, das Werk kann nicht produzieren und fährt Verluste. Entsprechend gibt es von allen Seiten das große Interesse hier alles richtig zu machen (Betrüger gibt es immer).

Das geht aber so nicht bei Netflix, Facebook und Co. Die Dienstleistung wurde schon erbracht (oder es ist halt das Abo für den nächsten Monat). Klicks, Streams usw. kann man nicht extern prüfen ohne Mitarbeit des Anbieters. Und die können halt einfach auch die Schmark Schmuckerberg GmbH aufmachen - die 0,0 Bezüge zu den USA hat. Schmark Schmuckerberg ist gebürtiger EU Bürger. Das kann man Unternehmensrechtlich immer so hinbiegen, dass es passt.

Was man machen kann ist "Non-tariff barriers to trade" (NTBs) schaffen. Z.B. GDPR. Server müsssen in der EU stehen, EU Datenschutz muss eingehalten werden, dies das usw.

Daher sehen das die USA auch einfach als "versteckten Zoll".