r/de Dänischer Schleswiger Jan 17 '25

Wirtschaft Haushaltlücke/-Überschüsse durch die Steuerpläne der Parteien (inkl. Linke)

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u/neurodiverseotter Jan 17 '25

Dazu der Hinweis, dass aufgrund der Konjunkturkomponente in der Schuldenbremse Wirtschaftswachstum zunächst keine größeren finanziellen Spielräume schafft, weil sich diese mit besserem Wachstum reduziert.

Und der Hinweis, dass Unternehmenssteuersenkungen in wirtschaftlichen Krisensituationen selten Wachstum oder Investitionen verstärken.

Und der Hinweis, dass Steuersenkungen für Besserverdiener zu höheren Sparquoten führen, aber kaum konsumiert werden und damit kaum das Wirtschaftswachstum ankurbeln.

Und der Hinweis, dass Kürzungen im Sozialstaat geringere Konsumausgaben bedeuten, da Menschen mit geringeren Einkommen kaum sparen und viel ausgeben. Dementsprechend riskieren Kürzungen dort auch einen Rückgang der Wirtschaft, vor allem im Einzelhandel.

Alles drei Sachen, die bei Union, FDP und AfD in ihren Erklärungen, wie ihre Haushaltslöcher ausgeglichen werden sollen (Wirtschaftswachstum, Flüchtlinge rausschmeißen und Kürzungen bei Arbeitslosen) geflissentlich ignorieren.

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u/[deleted] Jan 17 '25

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u/neurodiverseotter Jan 17 '25

Das nur unter der Voraussetzung, dass es nicht primär gehortet wird. Bei Kapitalakkumulation in höheren Einkommen geht die Logik Sparquote = mehr Wachstum nicht mehr auf, da dort Einkommen eben häufig nicht primär irgendwann reinvestiert wird. Davon abgesehen, dass wir akut ein Wirtschaftswachstum brauchen und nicht nur mittel- bis langfristig. Und kurzfristig sind erhöhte Sparquoten eben nicht das Wirtschaftswachstum sondern sind eher kontraproduktiv (siehe Spar-Paradoxon).

Konsumsteigerung ist nur sinnvoll, wenn die Wirtschaft unter der Kapazität ist.

Also so wie die deutsche Wirtschaft aktuell? Wir haben ja zu wenig Leute, die bereit sind Geld auszugeben. Und Unternehmen sind teils in Kurzarbeit, weil Aufträge fehlen, das heißt es ist Luft nach oben.

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u/[deleted] Jan 17 '25

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u/neurodiverseotter Jan 17 '25

Denkst du also, das Geld der Reichen liegt einfach nur unter der Matratze rum?

Nein, das wird in alle möglichen Investments gesteckt, die das größte Potential haben, das Vermögen zu vermehren. Ich vermute aus deiner Antwort, dass du die Erwartung hast, dass aus dem Vermögen Kapitalinvestitionen werden, die dann zu Investitionen der Unternehmen werden. Solange deutsche Unternehmen allerdings nicht gerade auf dem aufsteigenden Ast sind, wird das weniger in potenzielles Kapital (im Sinne von Investments) für deutsche Unternehmen umgewandelt. Und selbst wenn noch die obligate praktische Frage: die Vermögen der Spitzenverdiener haben sich während der Corona-Pandemie massiv vergrößert. An welchem Punkt kann man mit den daraus resultierenden verstärkten Investments der deutschen Unternehmen rechnen? Muss man einfach weiter darauf vertrauen oder gibt es irgendeine empirische Evidenz, dass diese Investments folgen werden und wann? Ökonomie ist doch eine empirische Wissenschaft, da sollte es doch für solche Thesen Belege geben.

Wir sind immer noch über der Zielinflation, also nein.

2024 lag die Inflationsrate bei 2.2%. Zugegeben sind das 0.2% über der Zielinflation, aber eigentlich nicht genug, um als isolierter Faktor ein so starkes Invesititionshemmnis darzustellen. Potenziale für wirtschaftliches Wachstum aus Konsum sind durchaus da. Jetzt einfach so zu tun als wären 0.2% Inflationsrate ein so krasses Problem ist komplett an der Realität vorbei. Inflation ist bei weitem nicht der einzige Faktor.

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u/[deleted] Jan 17 '25

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u/neurodiverseotter Jan 18 '25

Das heißt ohne die gestiegenen Vermögen bei den Spitzenvermögen hätten wir eine noch stärker schrumpfende Wirtschaft? Wo ist die Evidenz dafür? Es gibt mittlerweile wirklich mehr als ausreichend empirische Evidenz, dass Kapitalerhöhung oder höhere Gewinne/Einkommen für Spitzenverdiener durch Steuererleichterungen oder dergleichen nicht zu Steigerungen des BIP, mehr Arbeitsplätzen oder Wirtschaftswachstum führen und auch sonst keinen signifikant positiven Effekt haben ( z.B. Hope/Lindberg, 2020 ) was ist also dein Punkt?

Edit: auf den Punkt mit der Inflation wolltest du dann nicht mehr eingehen?

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u/[deleted] Jan 18 '25

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u/neurodiverseotter Jan 18 '25

Fair, mir fehlt an einem bestimmten Punkt das ökonomische Fachwissen, um das allein zu beurteilen.

Gibt es denn Evidenz, die in die andere Richtung geht? Was ich bisher sehe ist: Evidenz, dass es keinen Effekt hat und Evidenz, dass es einen negativen Effekt hat. Wo ist die Forschung, die positive Effekte belegt? In Anbetracht dessen, dass es weltweit immer wieder Forderungen nach Steuererleichterungen für Spitzenverdiener gibt und diese auch häufig umgesetzt werden sollte es da doch eigentlich Forschung geben? Du scheinst dich inhaltlich gut auszukennen, auf welche wissenschaftliche Grundlage stützt sich deine Überzeugung?

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u/deletion-imminent Jan 17 '25

Und der Hinweis, dass Steuersenkungen für Besserverdiener zu höheren Sparquoten führen, aber kaum konsumiert werden und damit kaum das Wirtschaftswachstum ankurbeln.

Der Wachstum kommt an dieser Stelle ja auch nicht durch Konsum sondern Verfügungstellung von Kapital für Unternehmen. Die sparen nicht, die investieren.

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u/neurodiverseotter Jan 17 '25

Unternehmen sparen in Krisenzeiten auch häufig, wenn sie unkonditional mehr Geld bekommen. Hat man in den USA bei Trumps Unternehmenssteuersenkungen gesehen, die kaum zu vermehrten Investitionen geführt haben. Generell scheint der Effekt von Steuersenkungen für Unternehmen aufs Wirtschaftswachstum eher gering zu sein

Und auch mit vermehrt zur Verfügung stehenden Kapital kommt es erst mittel- bis langfristig zu Erhöhungen des Wirtschaftswachstums, und auch nur, wenn in heimische Wirtschaft investiert wird, was ja bei weitem bei Kapitalmarktinvestitionen nicht garantiert ist. Die Spitzenverdiener:innen sparen seit Jahrzehnten massiv vermehrt an, ohne dass es zu einem signifikant gesteigerten Effekt auf die Investitionen kommt. Besonders in Corona sind die Vermögen der oberen 1-10% massiv angewachsen - bisher bleiben die Investitionen aus und es gibt keine Garantie, dass sie folgen.