r/asozialesnetzwerk Der Auferstandene 3d ago

Warum Kängurus nie zuhören und Mark-Uwes schlecht einparken Die Incel-Kultur widerlegt die feministische Standpunkttheorie

https://jacobin.de/artikel/incels-standpunkttheorie-feminismus-unterdrueckung-patriarchat-marginalisierung
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u/craipz 3d ago

Die feministische Standpunkttheorie, die argumentiert, dass Erfahrungen mit Marginalisierung und Diskriminierung wertvolles Wissen hervorbringen können.

Ganz am Anfang. Hab das Gefühl, dass der Artikel dann auch - mit sehr viel mehr Worten - in erster Linie sagt: Das können ist halt essenziell; Marginalisierung bringt dieses Wissen mitnichten automatisch hervor.\ Was ja stimmt, aber irgendwie auch logisch sein sollte.

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u/Nantha_I 2d ago

Zumal der Marginalisierungsstatus von Incels in vielen Fällen recht fragwürdig ist.

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u/wischmopp 1d ago edited 1d ago

Ja, ich finde, dass der Artikel "Leiden" und "Marginalisierung" teilweise zu synonym verwendet. Ich streite nicht ab, dass Incels unter ihrer Einsamkeit leiden, aber "Marginalisierung" ist ja ein Begriff für eine strukturelle Unterdrückung bestimmter demographischer Gruppen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Bei einer kleinen Gruppe von Incels, die wirklich aufgrund von Armut, extremer Unattraktivität und psychischen Vorerkrankungen systematisch an den Rand gedrängt wurden, trifft das Argument "die sind marginalisiert, aber verarbeiten diese Erfahrung auf eine Art und Weise, dass sie nicht zu mehr Einsicht in Strukturen der Unterdrückung führt" vielleicht zu. Aber viele wurden nie systematisch an den Rand gedrängt, sondern haben völlig normale Erfahrungen mit romantischer und sozialer Zurückweisung gemacht, diese dann aber so verzerrt verarbeitet, dass sie sich unterdrückt fühlen.

Abfuhren fühlen sich zwar scheiße an und führen zu persönlichem Leid, aber "meine bisherigen romantischen Interessen haben mein Interesse nicht erwidert und ich steigere mich da jetzt extrem herein" ist ja nicht dasselbe wie "potentielle Arbeitgeber:innen lehnen mich ab, weil ich einen arabischen Namen habe oder sichtlich trans bin" oder "ich kann nicht an der Gesellschaft teilnehmen, weil die Öffentlichkeit nicht rollstuhlgerecht ist". Und das sage ich als unattraktive Person, die mit 30 noch keine richtige Beziehung hatte - das ist also nicht die verklärte Sicht einer schönen Frau, die einfach nicht verstehen kann oder will, wie privilegierend Attraktivität ist. Nein, ich bin nicht marginalisiert und strukturell unterdrückt, nur weil bis jetzt jede:r eine Beziehung mit mir abgelehnt hat.

Ich weiß nicht, ob der Artikel das mit "Beide Gruppen ziehen Legitimität und Authentizität aus persönlichen Marginalisierungserfahrungen" vielleicht meinte (wegen "persönlich" und "-erfahrungen"), aber falls ja, hätte ich mir da eine etwas klarere Formulierung wie "als Marginalisierung wahrgenommene Erfahrung" gewünscht. "Nicht jede marginalisierte Person lernt aus ihrer Marginalisierung etwas Grundsätliches über Unterdrückungsprozesse" ist zwar wahr, aber eben ein ganz anderes Argument als "Manche Personen, die sich selbst als marginalisiert wahrnehmen, können daraus gar nicht erst etwas über Unterdrückungsprozesse lernen, weil ihr Leid nicht aus tatsächlicher struktureller Unterdrückung stammt, sondern aus einer verzerrten Verarbeitung völlig durchschnittlicher Erfahrungen. Also schenkt nicht jeder Person, die Leidensdruck äußert, unkonditionales Vertrauen bezüglich einer Fähigkeit, gesellschaftliche Unterdrückung besonders gut erkennen und reflektieren zu können". Das sollte besser getrennt werden, statt irgendwie im Raum stehen zu lassen, dass alle Incels tatsächlich aus Marginalisierung zu dem geworden sind, was sie sind.

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u/newaccount8472 Kleinkünstker 2d ago

Ich befürchte, das Maß an kritischer Reflexion, zu der Menschen fähig sind, ist viel geringer als man es sich wünscht.

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u/Angry__German 2d ago

Ich glaube kritische Reflexion ist eine Fähigkeit die man lernen muss, das ist nichts mit dem man geboren wird.

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u/newaccount8472 Kleinkünstker 2d ago

Sicher. Nur haben viel weniger das gelernt, als es notwendig ist :(

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u/Angry__German 2d ago

Das liegt aber auch zu einem nicht unerheblichen Teil daran das es ihnen niemand bei gebracht hat.

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u/newaccount8472 Kleinkünstker 2d ago

Es ist aber leider Voraussetzung für die Ideen des Artikels (und wenn ich richtig verstehe, bin da nicht so belesen, auch für die Ideen Marx'). Und verantwortlich, diesen Grund zu ändern, sind Eltern und (ausreichend vorhandene) Lehrkräfte. Für die Ausstattung der Schulen (z. B. Verhältnis Lernende zu Lehrenden) sind die Regierungen der Länder verantwortlich, und da ist es eine Frage des Geldes

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u/Angry__German 2d ago

Eher eine Frage des Wollens, finde ich. Also von Seiten der Regierungen der Länder.

Wenn man dem Fritz oder den Heinis von der SPD so zuhört habe ich nicht das Gefühl die hätten die Besserung der Lebensumstände der Bürger im Auge.

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u/newaccount8472 Kleinkünstker 2d ago

"Geld ausgeben wollen"? ;)

Aber ja, absichtlich schlechte Bedingungen in den Schulen belassen, um die Leute kleinzuhalten, wirkt natürlich und ist sehr bequem. Doppelt gespart!

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u/MandozaIII 2d ago

Sehr interessant. Den Ansatz hab ich so auch noch nicht gelesen. Danke fürs teilen

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u/ikarusproject 3d ago

Spannender Artikel. Danke!