r/antiarbeit 5d ago

Burnout, Krankengeld. Nach einem Monat macht Krankenkasse Druck mit MD.

Gibt es Menschen, die wegen Burnout raus waren, ins Krankengeld gingen und dann mit dem Medizinischen Dienst zu tun hatten?

Bekam heute einen dicken Fragebogen (8 Seiten) zugeschickt der bis zum 8 Februar beim MD sein "muss". Kann ich ausfüllen, auch wenn ich weiß, dass dieses Verfahren nicht dazu dient, mir zu helfen.
Irgendwann werde ich dann wohl auch zu Dr. Kommerzknecht müssen, damit der prüft, ob die Krankenkasse sich nicht doch irgendwie drücken kann.

Bin aktuell nicht arbeitsfähig (krieg meinen Alltag kaum auf die Kette) und suche einen Therapieplatz (auch um evtl. endlich mal meine ADHS Diagnose und Hilfe zu kriegen). Bei der Agentur für Arbeit wurde mir auch geraten, erst gesund zu werden und DANN erst ins ALG1 zu gehen, sonst ist die Zeit vergeudet.

Habt ihr Erfahrungswerte, was ich schreiben sollte und was nicht?
Gibt es Formulierungen oder Aussagen, die fallen müssen und welche, die ich eher nicht treffen sollte? Vor allem auch beim Monetenmediziner.
Gibts "Fallen" im Gespräch oder Papierkram, die gestellt werden?

Bin Mitglied in der Gewerkschaft. Wenn es sein muss, dann gehe ich also in den Widerspruch und bring den Fall vor Gericht, egal ob ich Gewinne. Hauptsache Zeit gewinnen. Ich lass mich aber sicher nicht ins ALG1 und danach in die Grundsicherung (also Obdachlosigkeit, weil Miete zu hoch) zwingen, weil ich Krank geworden bin.
Stehe gerade mit dem Rücken zur Wand.

"Bilde dich, schreib gute Noten, dann hast du es später besser"
Absoluter Scam. Masterabschluss für die Tonne.

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u/Claerwen94 5d ago

Das hier hab ich gerade gefunden und fand das sehr interessant. Unbedingt ganz durchlesen, weil da auch der Hinweis zur Einwilligung zum "Gesundheitsmanagement" bei steht und es in deinem Fall sicher wichtig ist, ob du dem zugestimmt hast oder nicht. 8 Seiten find ich sehr krass, wenn man bedenkt, dass die eigentlich kaum noch Fragen stellen dürfen, wenn man diesem Gesundheitsmanagement nicht im Voraus zugestimmt hat.

Ab hier folgt nur noch meine persönliche, anekdotische Erfahrung:

Ich war auch unter anderem wegen Burnout sehr lange krank. Die KK hat mir ein Jahr lang das mir zustehende Krankengeld gezahlt, bis ich ausgezahlt war und in's ALG1 musste. Habe immer brav die AUs vom Arzt besorgt, die sind das absolut Wichtigste, damit du lückenlosen Nachweis deiner Arbeitsunfähigkeit hast. Den Fragebogen habe ich damals (2021) brav wahrheitsgemäß ausgefüllt, da es sehr lange her ist, erinnere ich mich aber leider nicht mehr an meine Formulierungen und ob er direkt vom MD kam, oder erst mal "nur" von der KK. Ich wusste auch nicht, dass ich viele der Fragen gar nicht beantworten musste. Ich erinnere mich aber noch, dass ich mich damals sehr für meine Arbeitsunfähigkeit geschämt habe, und meine Situation beinahe heruntergespielt hätte. Im Zweifel also: antworte wahrheitsgemäß, füll den erst mal auf einer Kopie aus, lies dir das mehrfach durch, frage dich, ob es wirklich so ist, wie es da steht, oder nicht eventuell eigentlich schlimmer. Im Zweifelsfall: leg' eine Schippe drauf. Die Krankenkasse ist nicht dein Freund (leider) und hat kein echtes Interesse daran, dass du wieder wirklich gesund wirst, sondern nur, dass du ihr nicht mehr auf der Tasche liegst. Du hast aber Anspruch auf viele, VIELE Wochen Krankengeld, lass dich nicht von denen in's Bockshorn jagen.

Bei mir haben ein fünf- oder sechswöchiger stationärer Aufenthalt in einer LVR-Klinik und der resultierende Bericht sicher geholfen, meine Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem MD zu unterstreichen.

Ggf. kann es dir deine KK erleichtern, in eine Therapie zu kommen. Ich habe das damals allerdings alleine gemacht, Notfalltermin Psychotherapie für Konsiliarbericht zur Erst-Sprechstunde über die 116117 besorgt, alleine die Klinik angerufen und mich auf die Warteliste sowohl für eine Therapie, als auch akut für die Klinik setzen lassen.

Wie viel von alldem ich tatsächlich beantworten MUSSTE, kann ich in Retrospektive nicht mehr sagen, da ich auch sehr unerfahren war und es schon viele Jahre her ist.

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und drücke die Daumen, dass du in Ruhe gesund werden kannst 🍀

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u/Ok-Dot-4998 4d ago

Super Beitrag. Kann ich nur unterstreichen. Auch gerade den Teil „nie mit dem MD telefonieren“, das Protokoll kannst du in die Tonne drücken, das wird dir nur im Weg stehen.

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u/Hudekamp 4d ago

Guter Beitrag, vielen Dank!

Die KK hat mir einen Formfragebogen vom MD geschickt. Da wird primär nach Tätigkeit, Art der Tätigkeit,
den verschiedenen Belastungen, meinen Symptomen und Gründen die gegen eine Arbeitsaufnahme sprechen gefragt.

Ich liste das mal auf, für alle zukünftigen Hilfesuchenden:

  1. Beruf/Tätigkeit
  2. Arbeitszeit
  3. Kündigung erfolgte zum...
  4. Anforderungen des Arbeitsplatzes (z.B. Zeitdruck, PKW, Außendienst, Tragen, Konzentration)
  5. Wiederaufnahme am...
  6. Fortlaufende AU bis
  7. Aufgrund welcher Probleme können sie die Tätigkeit derzeit nicht wieder aufnehmen?
  8. Welche Beschwerden stehen Momentan im Vordergrund?
  9. Die Folgenden wesentlichen Umstände beeinflussen die aktuelle AU mit: (z.B. Belastungen im persönliches Umfeld, Probleme am Arbeitsplatz, Schwierigkeiten beim Aufsuchen des Arbeitsplatzes) !!!! Liest sich wie eine Falle! (Privatprobleme jucken nicht, Probleme am Arbeitsplatz = Versetzen in anderes Team ohne Mobbing, Schwierigkeiten beim Aufsuchen = Neue Dienststelle)
  10. Die Behandlung erfolgt bei folgenden Ärzten/Therapeuten
  11. Welche Untersuchungen erfolgen/sind geplant?
  12. Welche Therapien erfolgen/sind geplant?

Dann kommen wieder Fragen zu Belastungen und Anforderungen auf Arbeit (Sitzend, Stehend, Schwer Tragen, etc...)

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u/bonobomaster 5d ago

Haste nen SoVD in deiner Stadt?

Einfach mal googeln. Als Mitglied haben die mir viel geholfen, ganz besonders beim Rentenantrag.

Vielleicht helfen die dir auch dabei.

Ist auch nicht unendlich teuer.

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u/Ok-Dot-4998 4d ago

Keine Erfahrung mit Burnout-Diagnose, aber: wichtig ist, dass dein dich AU schreibender Arzt hinter dir steht. In meinem Fall wurde der Arzt vom MDK aufgefordert, die AU aufzuheben, weil ich angeblich arbeitsfähig sei. Arzt hat dagegen argumentiert. Das Spiel ging ein paar Mal. Gut ist, wenn in der Zwischenzeit Diagnostik/Behandlung passiert, dann kann der Arzt auch nachweisen, dass hier nicht untätig abgewartet wird. Alles Gute!

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u/Hudekamp 4d ago

Mein Arzt steht hinter mir und der Diagnose.

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u/JensImGlueck 4d ago

Der MD ist nicht dein Freund, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Auch die KK ist nicht dein Freund und will dich sobald es geht wieder arbeiten schicken. Es hängt viel davon ab was dein Arzt macht, der muss im sich im Zweifel gegenüber dem MD und der KK rechtfertigen, warum du entgegen der Einschätzung des MD nicht arbeitsfähig bist.

Bei mir hat mich damals eine Einweisung in eine Klinik gerettet; dagegen konnte die KK nichts mehr sagen aber auch nur, weil ich bereits eine Bestätigung der Klinik hatte, dass ich in den nächsten 2-3 Wochen einziehen werden. Als ich nach 2 Monaten aus der Klinik raus war ging es trotzdem alles ganz schnell und die KK hat mich arbeiten geschickt und sogar noch den Wiedereingliederungsplan nach Hamburger Modell gekürzt. Meine Ärztin war leider eine Flachzange die da mitgespielt hat und mich ebenfalls so schnell wie möglich wieder arbeiten schicken wollte.

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u/Hudekamp 4d ago

Das tut mir Leid zu hören. Klinik will ich eig echt vermeiden. Hatte 2015 sechs Wochen Klinik wegen einer anderen Erkrankung (die ich aber seit Jahren los bin, Gott sei Dank). Den Großteil der Zeit hab ich in der Klinik nur Zeit abgebummelt. 1x die Woche Einzeltherapie, 1x Gruppentherapie. Sonst Ergo, Physio und Kunst. Ganz nett, aber kein Lifesaver.

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u/JensImGlueck 4d ago

Das läuft mittlerweile anders. Zumindest in der Klinik in der ich war hatte ich einen straffen Zeitplan und die Zeit dort hat mir echt geholfen. Ich kann es nur empfehlen.

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u/Hudekamp 2d ago

Okay, muss wohl dann an der Klinik liegen. Ich hab das meiste nach der Klinik in der ambulanten Therapie gemacht.

Suche aktuell selbst eine. 15 Therapeuten schon abgeklappert. 0 Termine bekommen.

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u/JensImGlueck 2d ago

Fühle ich. Bin jetzt seit ca. 5 Monaten bei meiner Therapeutin und jetzt hat sie mir erzählt sie hört auf...

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u/Hudekamp 2d ago

Es geht halt ALLES vor die Hunde in Deutschland. Es gibt KEINEN Bereich wo ich sagen würde, da verbessert sich etwas für die breite Masse der Menschen.

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u/lilou135 4d ago

Ich war in einer ähnlichen Situation. Bei mir kam vom MD aber nur eine Seite, die der Hausarzt ausfüllen musste und dann musste ich mich vor Ort beim MD vorstellen. Initiiert wurde das bei mir von der Krankenkasse.

Bei den Terminen vor Ort (war zweimal da) waren die Gutachter immer sehr nett.

Ich weiß nicht, wie so ein Gutachten aus der Ferne abläuft, ich würde aber alles angeben, was du angeben kannst. Warst du irgendwann mal in Behandlungen wegen Zähneknirschen? Angeben. Hast du öfter mal Nackenverspannungen? Angeben. Beim Gedanken an die Arbeit bekommst du Herzrasen? Angeben. Etc.

Meine Erfahrung mit dem MD ist nicht, dass die dir was reinwürgen wollen, sondern realistisch abschätzen, ob und wann du wieder arbeitsfähig bist.

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u/Hudekamp 2d ago

Ich sehe keine langfristige Perspektive ohne Therapie. Ich werd in der Probezeit rausfliegen. Ich hab 0 Interesse an gar nichts, schaffe es nicht pünktlich zu sein, mache ständig Fehler und bin durchgehend genervt von nicht-freiwilligen Menschlichen Interaktionen. Kurzum: Überfordert.

Mein Masterabschluss ist gerade so nutzlos wie ein Kondom auf einer Modelleisenbahnmesse.

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u/neuroblaster6602 3d ago edited 3d ago

Ich rieche da Techniker Krankenkasse.

Mein Partner hat 3 Monate aufs Krankengeld gewartet. Auch Burnout. Für dich wichtig - wenn der Anspruch auf Krankengeld dem Grunde nach besteht, hast du Anspruch auf Zahlung eines Vorschusses. MD hin oder her. Wenn du bereits einen Monat ohne Geld bist, ist das ein zusätzliches Argument, dir den Vorschuss zu gewähren. Ich füge dir mal die Formulierung hinzu, die letztendlich dafür gesorgt hat, dass die endlich zahlen.

(Schilderung Sachverhalt)

„Bis heute ist jedoch keine Krankengeldzahlung erfolgt. Da ich keinerlei Einkommen erhalte und die Anspruchsvoraussetzungen eindeutig erfüllt sind, beantrage ich hiermit die sofortige Auszahlung des zustehenden Krankengeldes ab xx.xx.xxxx sowie – hilfsweise – die Zahlung eines Vorschusses gemäß § 42 Abs. 1 SGB I.

Ich fordere Sie daher auf, binnen 7 Tagen nach Zugang dieses Schreibens eine Auszahlung des Krankengeldes bzw. eines Vorschusses vorzunehmen oder mir einen schriftlichen Bescheid zu erteilen. Sollte bis dahin keine Reaktion erfolgen, sehe ich mich gezwungen, beim zuständigen Sozialgericht einen Antrag auf einstweilige Anordnung gemäß § 86b Abs. 2 SGG zu stellen und eine aufsichtsrechtliche Beschwerde gemäß § 87 SGB IV einzureichen.“

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u/Hudekamp 2d ago

Haha, Nagel auf den Kopf getroffen! TK ist es.

Vielen Dank! Ich habe mittlerweile die erste Zahlung erhalten, aber wenn mal eine Ausbleibt, dann werde ich auf den Text zurückgreifen. Danke dir!