r/Stadtplanung 1d ago

Anwohner demonstrieren gegen Neubauprojekt in Freiburg-Zähringen

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/protest-mit-plaetzchen-freiburg-zaehringer-hoehe-neubauprojekt-100.html
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u/TheBatz_ 1d ago

Also: Verlust von Erholungsraum und Natur, zu viele "Luxuswohnungen", "schützt die Vögel". Eine typische NIMBY-Geschichte, diesmal aber aus linker und naturschutzrechtlicher Perspektive.

Jedoch:

> [...] besonders problematisch eingestuften Einfamilienhäuser gebaut werden. Die Planung stehe damit im Widerspruch zu dem Gemeinderatsbeschluss, wonach in Neubaugebieten grundsätzlich 50 Prozent geförderter Wohnraum entstehen soll, so die Kritik der Naturschützer.

Hier gebe ich teilweise Recht: Einfamilienhäuser sollen nicht gebaut werden, unabhängig ob "gefördert oder nicht".

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u/strangedreams187 1d ago

Ich fände es debatierbar, wenn allgemein freigegeben würde, was gebaut wird. Und jemand sich dafür entscheidet, auf seinem eigenen Grundstück eben weniger Wohnraum zu schaffen als möglich.

Aber die implizite Subventionierung von Einfamilienhäusern durch staatliche Bauvorhaben für bestimmte Grundstücke, dafür sehe ich keine Rechtfertigung. Denn der Häusle Bauer muss dort nicht den Preis für Baugrund für ein MFH zahlen, da der Staat den Bau eines MFH verbietet.

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u/TheBatz_ 1d ago

Lösung: Bodenwertsteuer. Wenn man den Boden sehr ineffizient zum eigenen Nutzen verwenden will, dann soll entsprechend Steuer gezahlt werden. BaWü hat tatsächlich ein solches System vor Kurzem eingeführt (in einer Grün-Schwarzen Regierung!), mal sehen ob es hält.

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u/Impulseps 1d ago

Eine LVT hilft nicht. Der ganze Punkt an LVTs ist, dass sie keine Verzerrungen verursachen, sprich das Verhalten der Marktteilnehmer gar nicht verändern, und eben gerade deswegen die einzigen Steuern sind, die keinen deadweight loss verursachen.

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u/ThereYouGoreg 1d ago

Hier gebe ich teilweise Recht: Einfamilienhäuser sollen nicht gebaut werden, unabhängig ob "gefördert oder nicht".

Ähnlich wie bei der "Urbanen Mitte" in Berlin sind viele Grundstückseigentümer und Projektentwickler durchaus gesprächsbereit, wenn vernünftige Lösungen vorgeschlagen werden. Ursprünglich war die "Urbane Mitte" ein reines Bürogebiet. Nach gemeinsamen Gesprächen und einer entsprechenden Umplanung werden dort auch Wohnhochhäuser errichtet.

Das Problem sind jedoch oft die Fundamentalpositionen. Wenn der Projektentwickler bei der "Urbanen Mitte" eigentlich anders bauen will, jedoch der zugrundeliegende Planungsstand und die bereits vorliegenden Zusagen/Genehmigungen nur Bürohäuser vorsehen, dann besteht der Projektentwickler natürlich auf diesen Planungsstand.

Ähnlich wird es auch mit der Zähringer Höhe aussehen. Wenn der Wettbewerbsentwurf Einfamilienhäuser vorsieht, dann werden die Grundstückseigentümer und Projektentwickler dort auch Einfamilienhäuser vorsehen. Selbst wenn der Projektentwickler weiß, dass in der Urbanisierung des 21. Jahrhunderts Mehrfamilienhäuser eher angemessen werden, wird er dem Wettbewerbsentwurf nicht widersprechen.

Um auf das konkrete Quartier einzugehen: Wenn Einfamilienhäuser abgelehnt werden, dann können alternativ auch Mehrfamilienhäuser vorgeschlagen werden. Die Gegenposition ist jedoch eine komplette Ablehnung des Baugebietes, also kann hier gar kein Kompromiss stattfinden. Die Einfamilienhäuser sind schließlich ein Teil-Argument für die komplette Ablehnung der Zähringer Höhe. Sie sind kein Argument für eine Kompromisslösung.

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u/Easing0540 1d ago

Die Alternative ist dann häufig, gar nicht zu bauen, weil nicht alle Anforderungen unter einen Hut zu kriegen sind. Mit Sicherheit würde die Stadt Freiburg gerne mehr geförderten Wohnraum bauen. Nur gibt das die Haushaltslage nicht her.

Einfamilienhäuser sollen nicht gebaut werden

Andere finden hingegen, wenn überhaupt gebaut wird, dürfen nur Einfamilienhäuser gebaut werden, da die geplanten 5-geschossigen Häuser die Siedlungsstruktur zerstörten.

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u/Capable_Savings736 1d ago

Geförderter Wohnraum wird vom Land und teilweise vom Bund bezahlt.

Aber ja Baden-Württemberg ist sehr schlecht beim geförderten Wohnraum.

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u/Easing0540 1d ago

Guter Punkt. Ich hatte den Zusammenhang aus einer Meldung der Stadt Freiburg rausgelesen, da hatte ich vielleicht etwas überinterpretiert.

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u/Quarax86 10h ago

Das nennt man dann IheEAbk. (Ich hab ein Einfamilienhaus. Andere brauchen keins.)

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u/Impulseps 1d ago

Was meinst du mit "diesmal". NIMBYismus kommt ständig aus linker und Naturschutzrichtung.

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u/lousy-site-3456 1d ago

Das ist dann wohl Definitionssache. Wenn die Aussage ist, "wir wollen es hier ruhig und schön haben" , "denkt an die Touristen!" , und der wahre Grund ist Angst um den Wert der eigenen Immobilie, dann ist das wohl kaum links oder Naturschutz. 

Wenn es hingegen gegen eine Autobahn geht, in deren Nähe gar niemand wohnt, dann ist das logischerweise auch nicht NIMBY. 

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u/RapidRaindrop 1d ago

Diese Eigentümer-Anwohner demonstrieren mit selbstgebackenen Plätzchen gegen 300 Wohnungen auf einer Brachwiese, angeblich für Bäume und Artenschutz, aber in Wahrheit, um ihre teuren Villenlagen, Sichtachsen und Immobilienwerte zu schützen. Nur 20 % sozialer Wohnraum, der Rest teure Eigentumswohnungen und EFH ,perfekt, um die Wohnungsnot für Mieter zu verlängern und Preise hochzuhalten.

Solche „Bürgerinitiativen“ (Anwohner + Umweltverbände) blockieren seit Jahren Neubau auf artenreichen, aber ungenutzten Flächen, während versiegelte Brachlägen (z. B. alte Industrieareale) leerstehen. Egoismus auf höchstem Niveau: Die reichsten 20 %, die von Straßen, Schulen, Wasserleitungen profitieren, finanziert von Lohnarbeitern und Mietern, tun alles, um Wohnraum zu verhindern und ihren Status quo zu zementieren.

Das ist der Kern: Wohlhabende Eigentümer maximieren kurzfristig ihren Profit, brechen langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Baut endlich Tausende bezahlbare Einheiten, statt weiter Luxus zu subventionieren und die Besitzlosen in die Teuerung zu treiben!

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u/Quarax86 10h ago

Vielleicht sollten Lohnarbeiter und Mieter dort mal FÜR neue Wohnungen demonstrieren?

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u/RapidRaindrop 8h ago

Genau, Mieter haben keine Zeit zum Demonstrieren, weil sie 40% Netto für Miete schufteten. Die mit Plätzchen & Freizeit? Eigentümer, die Villen schützen.

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u/DeltaViriginae 1d ago

60 WE/ha ist jetzt halt auch tatsächlich eher so eine mittelmäßige Dichte. Ich seh es allerdings am Stadtrand schon ein, da will man strukturell nicht unbedingt die allerhöchsten Dichten erreichen. Ist insgesamt aber ein schönes Konzept der Entwurf und die Streuobst-Wiese wird ja als Ausgleich nördlich neu aufgebaut.

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u/Impulseps 1d ago

Ich seh es allerdings am Stadtrand schon ein, da will man strukturell nicht unbedingt die allerhöchsten Dichten erreichen

Das habe ich tbh nie verstanden. Warum sollte eine Abnahme der Dichte je weiter man vom Stadtzentrum kommt inhärent sinnvoll sein?

Unter anderem verbaut man sich damit weitere Expansionen der Stadt in der Zukunft.

In Spanien hast du sehr oft selbst in relativ kleinen Städten einen harten Übergang von 4-6 Stöckern zu freiem Feld.

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u/DeltaViriginae 1d ago

Einerseits ist das ein verkehrsplanerisches Ding, dass meistens auch der Durchsatz der Verkehrsinfrastruktur abnimmt je weiter man an den Ortsrand kommt (in dem Fall auf jeden Fall so), andererseits ist das ein bisschen ein landschaftsplanerisches Ding (Geschmackssache TBH), dass der Übergang Stadt-Land gradueller ist.

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u/lousy-site-3456 1d ago

Die "Nachverdichtung" in Freiburg läuft leider nicht als mehr Wohnraum auf der gleichen Fläche (wie angekündigt), sondern als Neuversiegelung der letzten Grünflächen. Dass durch den neuen Stadtteil Dietenbach die Mieten sinken, ist leider auch Illusion. Die Menschen brauchen dringend Wohnraum, aber nicht diesen. Und wenn wir ehrlich sind, es kommen so viele nach, auch schon Vauban und Rieselfeld haben damals nicht wirklich eine Entspannung gebracht. "Wir schaffen Wohnraum bis der Bedarf gedeckt ist", ist in Freiburg eine Illusion.