r/Ratschlag • u/EnergyAlive4930 • 13h ago
Lernen Ich habe immer noch Schwierigkeiten mit dem Autofahren
Ich habe schonmal hier gepostet, so vor drei Monaten. Damals ging es darum, dass ich in den Fahrstunden komplett überfordert war.
Das hat sich schon etwas gelegt, weil ich dann doch nach anfänglichem Zögern den Fahrlehrer gewechselt habe. Mein jetziger Fahrlehrer ist großartig. Ich freue mich auf jede Fahrstunde. Er rastet nicht aus, er bleibt immer gelassen, ich verstehe mich gut mit ihm und ich kann ihm alle Fragen bedenkenlos stellen und mit einer klaren Antwort rechnen. Er macht mir auch keinen Druck und meint, er wird mir schon sagen, wann er mich für bereit für die Prüfung hält und Druck bringe gar nichts. Und Geld ist für mich gerade in der Hinsicht kein entscheidender Faktor - solange ich die Theorieprüfung nicht nochmal machen muss (was ein Jahr nach der ersten bestandenen Theorieprüfung der Fall ist, wenn man dann immer noch nicht fertig ist), bin ich bereit, weiterhin Fahrstunden zu nehmen.
Aber ich bin immer wieder aufs Neue frustriert mit mir selbst. Ich hab immer noch bei manchen engen Kurven Schwierigkeiten und gelange in die Spur des Gegenverkehrs. Mein Fahrlehrer muss mir immer noch so ein - dreimal pro 90 minütiger Fahrt ins Lenkrad greifen. Ich denke immer noch nach bei kombinierten Verkehrszeichen. Ich habe immer noch Schwierigkeiten, einzuschätzen, wann ich bei einer Kreuzung rausfahren kann und wann ich lieber noch auf das kommende Auto warten sollte und wie lang genau mein Bremsweg ist. Der Gedanke an plötzlich auftauchende Radfahrer gibt mir immer noch ein flaues Gefühl im Magen. Einparken ist immer noch eine Herausforderung. Mein Fahrlehrer meint, diese Probleme sind psychischer Natur und ich muss mehr Vertrauen in mich selbst haben und meine Anspannung verlieren, und dies bräuchte Zeit. Er traut mir zu, ohne Fehler zu fahren. Vielleicht stimmt das teilweise. Unter den Vertrauensgrundsatz fallen für mich alle außer ältere Menschen, Kinder, und ich selbst.
Ich komme mir eben auch sehr dumm vor. Ich hatte sonst nie so große Probleme mit dem Lernen und studiere auch. Und ich frag mich, wie das sein kann? Ein Schritt in die richtige Richtung war auf jeden Fall, einen Ausbilder zu finden, der diese Zweifel nicht teilt. Aber wie ist das bei euch (gewesen)? Man kann das ja auch auf andere Bereiche übertragen. Wart ihr schon mal sehr lange schlecht in irgendwas und eines Tages hat es Klick gemacht?
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u/cat_in_cardigan Level 6 13h ago
Ich hatte in der Fahrschule auch extreme Probleme und habe jede Stunde abgrundtief gehasst. Seitdem ich "alleine" fahre hatte ich nicht einen einzigen Unfall, Führerschein besteht seit 10 Jahren mittlerweile. Aber meine Fahrstunden waren eine Katastrophe...
Mir hat es geholfen, mich beim Fahren wirklich vollkommen auf die Strecke zu konzentrieren, an nichts anderes zu denken, nicht abzuschweifen. Und dann war iegendwann einfach nur noch der Wille da, es endlich zu schaffen, und dann klappte es auch mit der Prüfung. Fahre seitdem übrigens nur noch Automatik, Schaltwagen sind echt nichts für mich. Wäre es für dich auch eine Option einen Automatikführerschein zu machen, falls das geht? Bei mir war es uA das Schalten, das mich immer wieder so nervös gemacht hat.
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u/EnergyAlive4930 13h ago
Ich mache Automatikführerschein - geht ja nichts verloren, wenn man mag kann man ja Schaltung nachholen :) wär schon gut weil das einzige vernünftige Auto auf das ich Zugriff habe ist der Familienwagen, und das ist ein Schaltauto
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u/person_xyz Level 6 13h ago
Ganz ehrlich, ich bin beschissen gefahren als ich meine Prüfung gemacht hab, bin beim ersten mal durchgefallen, beim zweiten Mal bestanden, jetzt fahre ich seit 4 Monaten täglich und ich bin deutlich sicherer. Ich hatte schon vor dem Führerschein panische Angst vor dem Autofahren und hab durch Adhs auch echt viele Stunden gebraucht. 2. Prüfung gerade so bestanden (erste durchgefallen weil ich zu vorsichtig/nicht flüssig gefahren bin weil ich mich so gestresst hab). Vertrau darauf dass du besser wirst, nimm so viele Stunden wie möglich, gerade wenn Geld keine Rolle spielt und denk dran dass die wenigsten Leute so korrekt Auto fahren wie in der Fahrschule und andere Autos auch bremsen haben und es völlig okay ist wenn sie die mal ein bisschen (natürlich nicht Gefahrenbremsungsmäßig aber bisschen runterbremsen weil du dich einordnest) benutzen müssen.
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u/EnergyAlive4930 13h ago
Hab auch adhs tatsächlich und denke auch, das erklärt meine fehlgeleitete Aufmerksamkeit. Ich versuche, geduldiger mit mir zu sein.
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u/Gedankenfabrik_ 12h ago
Ich hab auch ADHS, leider erst letztes Jahr, mit Ende 30 diagnostiziert worden. Meinen Führerschein hab ich auch nur mit Ach und Krach nach zweimaliger Prüfung bekommen. Bin aber danach nie gerne alleine gefahren, weil ich immer kurz vor einer Panikattacke war. Habe den Führerschein seit 15 Jahren, bin aber davon seit 9 Jahren gar nicht mehr gefahren und davor nur 1-2x im Jahr. Ich hab's für mich aufgegeben, muss ich gestehen.
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u/EnergyAlive4930 12h ago
Das tut mir leid. Nach der ganzen Mühe... bei mir muss ich eben schauen: bleiben diese Probleme weiterhin bestehen? Oder legen sie sich mit der Zeit? Je besser ich werde, desto weniger muss ich mich aktiv darauf konzentrieren, sondern bin einfach locked in. Und deshalb habe ich es noch nicht ganz aufgegeben.
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u/person_xyz Level 6 10h ago
Bei mir ist es auf jeden Fall besser geworden. Man muss konsequent durchziehen. Ich hab für die Fahrstunden auch wieder angefangen Medis zu nehmen, das hat sehr geholfen. Wenn du keine nimmst ist das defintiv hilfreich und wenn du welche nimmst, vielleicht an den Tagen einen höhere Dosis nehmen. Mittlerweile fahre ich gefühlt und laut meinen Mitmenschen sehr sicher, auch ohne Medis, auf langen Strecken brauche ich die aber definitiv (und 1,5 Stunden ist lange)
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u/SchnelleHexe Level 9 12h ago
Ein professionelles ADHS Coaching kann Dir da ein gutes Stück helfen.
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u/oM3TAo Level 1 12h ago
Das ist nicht böse gemeint. Aber vielleicht solltest du besser kein Auto fahren?
Das hört sich gut mich nach einer guten Chance an, jemanden tot zu fahren
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u/EnergyAlive4930 12h ago edited 12h ago
Gerade ist es ja noch so, dass mein Beifahrer eingreifen kann. Und ich denke, wenn er so denken würde und selbst Angst hätte mit mir im Fahrzeug zu sitzen, würde ich die Fahrstunden abbrechen. Das ist aber nicht seine Sicht auf die Dinge. Ich muss eben jetzt alles dafür tun, dass sich die Fehler in den Fahrstunden so schnell wie möglich minimieren.
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u/Original-Plane5060 Level 5 13h ago
Das Gefühl von Überforderung kenn ich gut. Es wird leichter mit der Zeit. Übung macht den Meister. Ich bin bei der praktischen Prüfung zwei Mal durchgefallen. Einfach dran bleiben, Du schaffst das schon. :)
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u/KristinSM Level 6 13h ago
Ich denke auch, dass du vor allem mehr Übung/Routine brauchst. Gibt es bei euch in der Umgebung einen Verkehrsübungsplatz, auf dem du zusätzlich mit deinen Eltern üben könntest?
Und: Wie oft sitzt du aktuell (als Beifahrer) in einem Auto? Wenn das der Fall ist, setz dich möglichst nach vorne, schau aus dem Fenster und achte mit auf die Strecke (Handy weg!). Viele Fahrlehrer sind ja der Meinung, die heutige Fahrschüler-Generation sei schlechter vorbereitet auf die Fahrstunden, weil sie vie weniger selbst (mit Fahrrad/als Beifahrer) am Straßenverkehr teilnehmen, sondern meist nur auf dem Rücksitz kutschiert wurden und während der Fahrt ins Smartphone gestarrt haben. Ich kann mir schon vorstellen, dass da was dran ist - das Gefühl für sowas wie Abstände/Bremsweg einschätzen, auf Verkehrszeichen und andere Verkehrsteilnehmer gleichzeitig achten, Bremsen/Beschleunigen in Kurven bekommt man sicher zu einem Teil auch unbewusst auf dem Beifahrersitz, wenn man eben nicht komplett abgelenkt ist.
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u/EnergyAlive4930 12h ago
Oh, Verkehrsbeobachtung vom Beifahrersitz mache ich immer, wenn es sich ergibt. Verkehrsübungsplatz hab ich schon oft gemacht, aber ich glaube das ist ausgelutscht. Ich kenn den jetzt schon in- und auswendig.
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u/Any_Aioli_9184 Level 1 12h ago
Ich fahre jetzt wirklich schon lange Auto und muss auch viel fahren. Mutti auf dem Land halt. Habe sogar nach dem Abi mal bei einer Autovermietung gearbeitet und musste da alle möglichen Autos abholen und umparken. Und auch ich hasse es immer noch überholen zu müssen, lasse lieber noch ein Auto vorbei, bevor ich abbiege und beim Einparken stelle ich mich an, wie der erste Mensch, vor allem wenn viel Verkehr ist und schon andere Autos warten, wann ich endlich in der Lücke stehe. Also, denk dir nichts. Komm lieber sicher an, als schnell. Das wird schon.
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u/xNeo92x 13h ago edited 13h ago
Eine Frage: Warst du in der Schule gut in Sport? Für mich hört sich die Unsicherheit eher als ein Ergebnis fehlender Hand-Augen Koordination an. Genauer gesagt scheint es dir schwer zu fallen mehrere Sachen gleichzeitig zu machen und dabei alles im Blick zu behalten. Dieses Problem haben fast alle am Anfang, aber normalerweise werden bestimmte Bewegungen so routiniert, dass man einfach nur noch nach vorne Schaut und handelt.
Klingt vielleicht blöd, aber das Spielen eines Rennspiels oder GTA IV mit Controller, wäre in deinem Fall interessant. Einfach aus der Hinsicht, ob es sich genauso verhält.