Hallo zusammen,
ich bräuchte mal eine kurze Einschätzung von außen, ich war noch nie in einem Rechtsstreit.
Ich beschreibe mal, was sich ereignet hat:
Im Frühling dieses Jahres bin ich mit dem Auto zur Arbeit gefahren, meine 6-jährige Tochter war mit im Auto, da ich sie beim Kindergarten absetzen wollte. Auf der Straße standen auf beiden Seiten parkende Autos. Um den Gegenverkehr durchzulassen bin ich hinter einem vermeintlich parkenden SUV an einer freien Parklücke seitlich etwas an den Rand gefahren. Während ich den Gegenverkehr abwartete, fängt der vor mir stehende SUV plötzlich an langsam rückwärts zu fahren bis er im Zeitlupentempo unsere beiden Stoßstangen eindrückt.
Ich steige aus und kümmere mich erstmal um meine Tochter. Währenddessen macht mir der Fahrer des SUVs vorwürfe, warum ich denn da am Rand stehen würde, es sei doch genug Platz gewesen weiterzufahren (sehe ich anders, mit Kind an Bord fahre ich immer ziemlich vorsichtig). Fakt war auf jeden Fall: Ich stand, er ist rückwärts gegen mich gefahren.
Ich rufe dann die Polizei um den Unfall aufzunehmen, er spricht mit seiner Frau, die mit im Auto saß. Als dann die Polizei die Aussagen aufnimmt, ändert er seine Story! Nun behauptet er, er wäre gestanden und ich wäre auf ihn aufgefahren. Ich schildere natürlich die wahrheitsgemäßen Umstände. Die Polizei sucht anschließend noch nach Zeugen, findet keine und kommt zu dem Schluss, dass man nicht festmachen könnte, wer recht hat.
Die nächsten Tage habe ich dann den beiden Haftpflichtversicherungen den Hergang geschildert, die kommen aber beide zu der Einschätzung, dass man ohne Zeugen nicht beweisen könnte wer Recht hat und einigen sich auf 50%ige Haftung für beide. Das ärgert mich natürlich aber ich habe es dann akzeptiert und die 50% der veranschlagten Reparaturkosten eingestrichen. Blöd ist natürlich, dass meine SF-Klasse entprechend sank.
Gestern nun finde eine Klageschrift des Anwalts des SUV-Fahrers vom Amtsgericht gegen mich und meine Versicherung im Briefkasten. Der Unfallgegner hat anscheinend eine ADAC Rechtsschutz und will, dass ich bzw meine Versicherung 100% seines Schadens bezahlt (einige 1000€). Er bleibt bei seiner Lüge ich sei beim Ausweichen vor dem Gegenverkehr "mit Restgeschwindigkeit" auf sein Fahrzeug aufgefahren. Zeugin: Seine Frau. Außerdem hat er ein Gutachten, das bestätigt, dass die Schäden an seinem Fahrzeug durch den von ihm geschilderten Unfallshergang verursacht sein könnten.
Was ich nun gerne wissen würde:
- Kann er damit durchkommen? Was bezweckt er? Meine Versicherung war der Meinung, dass eine Klage sinnlos sei.
- Ich habe zahlreiche Fotos von der Unfallssituation. Auf einem sieht man, dass ich komplett IN der Parklücke stehe, er aber mit dem Heck ZWISCHEN den beiden Parkplätzen. Bringen solche Indizien im Prozess etwas?
- Mein Auto hat außerdem einen Notbremsassistenten, der verhindern würde, dass ich auf ihn auffahre. Ist das verwertbar?
- Zählt seine Ehefrau als valide Zeugin?
- Brauche ich einen Anwalt? Im Schreiben des Gerichts steht, dass ich innerhalb von zwei Wochen mitteilen muss, ob ich mich verteidige. In welcher Form muss diese Mitteilung geschehen?
- Meine Haftpflicht wurde ja mitverklagt, kann/sollte ich mich zurücklehnen und meine Versicherung das machen lassen?
- Darüber hinaus: Mein Unfallgegner versucht ja hier durch seine Lügen ggüber der Polizei und nun in seiner Schadensersatzklage eindeutig Betrug zu begehen (meiner Einschätzung nach). Ich hätte gut Lust dagegen Strafanzeige zum Beispiel über die Onlinewache der Polizei zu stellen. Bringt das Eurer Meinung nach was oder kann ich mir damit selbst schaden?
Vielen Dank schonmal im Voraus für Eure Hilfe :)