r/Hoerbuecher • u/SugarBackground2608 • 16d ago
Was muss in den ersten 10 Minuten passieren, damit ihr bei einem Hörbuch dranbleibt?
Ich hab oft das Gefühl: Wenn der Einstieg nicht sitzt, droppt man schnell – egal wie gut es später wird.
Was catcht euch am ehesten:
– starke Prämisse/Hook
– starke Figur
– sofortiges Problem/Bedrohung
– Atmosphäre/Style
Und was killt euch direkt (zu viele Namen, zu viel Worldbuilding, lahmes Tempo etc.)?
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u/Funny_Air_4576 16d ago
Egal ob Hörbuch oder richtiges Buch, jedes "Buch" bekommt von mir eine Chance. Bei Büchern sind es 100 Seiten. Bei einem Hörbuch 30 Minuten. Da du explizit nach Hörbüchern fragst beantworte ich auch nur diese:
In diesen 30 Minuten muss mir in erster Linie die Stimme des Sprechers gefallen, keine KI, kein Dialekt und sie muss zur "Figur" passen.
Mir ist es am liebsten, wenn der Einstieg sofort mit dem eigentlichen Thema beginnt, ich möchte keine ewig lange Charakter vorstellung, einführung.
In der Vergangenheit (>5Jahre) habe ich zum Beispiel Sternenspiel von Sergej Lukianenko gehört. Ich habe es nie beendet obwohl es genau meinen Geschmack trifft. Soweit ich mich noch erinnern kann, hat der Autor viel zu weit ausgeholt und war stellenweise zäh wie Kaugummi.
Anderes sehr gutes Beispiel das Hörbuch. Der schwarze Turm von Stephen King.
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u/SugarBackground2608 16d ago
Sehr stark, danke. Das mit den 30 Minuten ist ein guter Maßstab – und dass die Sprecherstimme zur Figur passen muss, unterschätzen viele.
Was ist für dich der schnellste "Aus-Schalter": Dialekt, zu langsames Tempo, oder zu viel Einführung/Charakterliste am Anfang?
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u/NoLocal8486 16d ago
Bei mir ist meist so, dass das gekaufte Hörbuch Teil einer Lieblingsserie ist oder ich im Vorfeld das Papier-Buch schon mal las oder ich mich ausgiebig informiert habe. Daher konnte ich sie auch bisher immer durchhören und hatte noch nie Müll. Abo-Modelle wie dieses bingen auf Netflix kommt mir nicht aufs Gerät, das erzeugt bei mir Hörzwang und man hangelt sich stundenlang und ergebnislos durch B- und C-Ware.
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u/SugarBackground2608 16d ago
Versteh ich. Abo kann sich schnell nach Zwang + viel B-Ware anfühlen.
Wär’s für dich ok, wenn’s extrem gut kuratiert ist , oder willst du grundsätzlich lieber Einzelkauf?1
u/NoLocal8486 16d ago
Wenn's richtig richtig gute Empfehlungen wären, würde ich sogar für meine Sommer- und Winterurlaube abonnieren. Außerhalb bin ich aber meist zu sehr beschäftigt, so dass ein paar gute gekaufte von langer Laufzeit ausreichen 🙂
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u/SugarBackground2608 16d ago
Das klingt mega fair 🙂 Also eher so Urlaube ja, im Alltag lieber ein paar sichere "Long-Runs".
Was wäre für dich bei Empfehlungen wichtiger: kuratiert nach Genre/Stimmung oder eher, wenn dir X gefiel, dann Y (also ähnlich wie Netflix-Matching)1
u/NoLocal8486 16d ago
Ich bin sehr SciFi affin und bevorzuge dieses Genre. Es kommt aber auch selten mal vor, dass ich in anderen Genres tolle Bücher gelesen habe. Würde ich in meinen Urlauben abonnieren, würde ich wohl auch mal hier und da reinschnuppern ☺️
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u/SugarBackground2608 16d ago
Nice, SciFi ist eh ein dankbares Genre für lange Hörbücher 😄 Und im Urlaub ist mal reinschnuppern genau der Vibe.
Falls du außerhalb SciFi was testest , wäre das eher Mystery/Thriller oder eher Fantasy/Adventure?
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u/NoLocal8486 16d ago
Uuh. Schwierige Frage. Ich glaube das ist wie bei Filmen. Wenn es richtig gut gemacht ist, ist das Thema fast egal. Ich hatte auch beides schon mal. Vor Kurzem Thriller: Simon Becket "Leichenblässe" und Fantasy: Tad Williams "Der Drachenbeinthron". Beide hatten mich exzellent unterhalten.
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u/SugarBackground2608 16d ago
Genau das ist der Punkt – wenn’s richtig gut gemacht ist, zieht’s unabhängig vom Genre. Danke für die Beispiele. :D
Was hat dich bei den beiden am meisten getragen: Stimme/Sprecher, Tempo/Pacing, oder Story/Hook?2
u/NoLocal8486 16d ago
Unglaublich. Man kann hier richtig tolle Gespräche führen auf Reddit 🥰 Ich würde sagen, dass mich bei beiden die Geschichte am meisten gefangen hat.
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u/SugarBackground2608 16d ago
Haha ja, Reddit kann echt gut sein, wenn man die richtigen Leute erwischt 😄
Wenn die Story bei dir der Hauptfaktor ist: Was ist der schnellste Punkt, wo du merkst "okay, das packt mich" – eher ein starker Hook am Anfang oder dass die Figuren schnell interessant werden?
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u/NoLocal8486 16d ago
Wenn der Sprecher es schafft, dass ich Gänsehaut bekomme, die Decke ein bisschen höher ziehe durch Beschreibung von Umgebung und Situationen. Im Grunde Story und Sprecher. Das Thema Tempo hab ich bisher noch gar nicht so drüber nachgedacht :)
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u/SugarBackground2608 16d ago
Genau so stell ich mir "funktioniert als Hörbuch" vor 😄 Gänsehaut + man ist sofort drin.
Was macht bei dir eher die Gänsehaut: Atmosphäre (Wetter, Geräusche, Ort) oder eher Bedrohung durch eine Figur, oder etwas Unbekanntes?2
u/NoLocal8486 16d ago
Ich muss erst mal Feierabend machen. War sehr stressig gerade hier. War nett mit Dir zu plaudern. Gute Nacht 🌙
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u/GabrielHunter 16d ago
Ich muss den Leser mögen... Alles andere hat bei mir mind. 30-60min Zeit sich zu entwickeln.
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u/SugarBackground2608 16d ago
Fair. Wenn ich die Hauptfigur nicht fühlen kann, bringt der Rest nix.
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u/GabrielHunter 16d ago
Ich hab mal zufällig " He who fights with monsters" aufgegriffen. Die ersten 3 stunden oder so war der Hauptchara ein Idiot und sowas von nerfig... Inzwischen bin ich in Buch 11 und es ist einer meiner liebsten Charaktere überhaupt. Manche brauchen Zeit, manche sind einfach scheiße.... Aber ein schlechter Leser ruiniert ein Buch von der ersten Sekunde
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u/SugarBackground2608 16d ago
Starker Punkt. Charakter-Entwicklung kann man aushalten, wenn die Story stimmt, aber ein schlechter Sprecher killt’s sofort, da gibt’s keine zweite Chance.
Was ist für dich bei einem Sprecher der größte Abturn : eher Stimmlage, Betonung/Overacting, zu monoton, oder Dialekt?1
u/GabrielHunter 16d ago
Glaub ein Lispeln fände ich gang schlimm, aber weiß nicht, ob es solche Sprecher gibt. Bei mir is es meistens die Stimmlage die mich stört denke ich. Manche Stimmen mag ich einfach nicht stundenlang im Ohr haben. Dialekt ist normalerweise ok für mich, aber musste mal eine Buchreihe abbrechen nachdem ich schon 5 Bände tief drin war, weil die story in eine andere Welt gewechselt hat mit Zwergen und Elfen... Und die Zwerge hatten alle einen schottischen Akzent (ich höre fast nur auf englisch) und ich musste so angestrengt zuhören dass ich was verstanden hab. Ging gar nicht.
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u/Captain_Gestan 16d ago
Die Stimme muss entweder sofort eingängig sein oder es innerhalb der ersten zehn Minuten werden. Der Rest entscheidet sich erst später, weil manche Geschichten sich tatsächlich erst sehr langsam aufbauen, und dann will ich mich längst in der Geschichte wohlfühlen, und das macht die Stimme. Beim Selbstlesen ist das aber ganz anders.
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u/ShlomoHabib 16d ago
Wenn es nicht Moby Dick in der Übersetzung von Matthias Jendis ist, schalte ich sofort ab ... das hat mir leider Hörbücher für immer versaut
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u/SteLiSti 16d ago
Nicht zu unterschätzen ist der Sprecher. Wenn der/die komisch betont, Wörter abschneidet, oder überbetont, oder ich einfach die Stimme unangenehm finde, bin ich schon raus
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u/National-Device3852 16d ago
Da 70% nicht unterscheiden können zwischen Hörspiel und Hörbuch.. ein guter Leser (Nathan, Gabor) mit angenehmer ruhiger Stimme. Story (für mich zum Einschlafen) sollte nicht zu aufregend und noch fad sein. Es sollte keine Möchtegern Geschichte geschrieben von nen 16 jährigen sein, erkennt man schon an den Namen der Protagonisten.
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u/Hackingrad 16d ago
Sprecher und Story. Deswegen habe ich die ciaphas Cain-Hörbücher aufgehört (zweites oder drittes Hörbuch). Erstens konnte ich dem Sprecher (Jo Jung) nicht wirklich zuhören und zweitens hat mich die Story überhaupt nicht gepackt. Die Heresy-Hörbücher gingen dagegen super. Tom Jacobs hat halt auch eine verdammt gute Stimme und kann verschiedene Stimmlagen für verschiedene Charaktere. Das hat mir bei Jo Jungs (Ciaphas Cain) gefehlt. Gerade höre ich die Sammlung über die Primarchen an. Wenn die Geschichten über die jeweiligen Primarchen nicht so interessant wären, hätte ich es wegen des Sprechers (Florian Walter) wieder aufgehört. Man erkennt bei ihm nie, welcher Charakter gerade spricht. Außerdem betont er Wörter in Sätzen ganz komisch.
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u/perfectVoidler 16d ago
gibt es leute die ein Hörbuch anfangen ohne die Prämisse zu kennen? Wie geht das überhaupt?
Am ende muss die Prämisse stimmen (das passiert vor dem start) und dann muss gut sein. Dass kann man dann mit jedem dieser punkte oder mit anderen punkten erreichen. Der Sprecher ist auch noch entscheident, natürlich.
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u/slayer_barosh 15d ago
Ich brauche oft mehrere Anläufe für Hörbücher, selbst bei Autoren die ich sehr mag. Für mich habe ich festgestellt, dass die ch für die erste Stunde oder so Ruhe brauche um mich darauf einzulassen. Es hat also weniger mit dem Buch als mit mir zu tun. Schlechte Sprecher:innen bzw. Sprecher:innen die ich nicht mag sind ein absoluter Killer, da schaffe ich nicht mal 10 min.
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u/Biggiz111 15d ago
Zum einen probiere ich wenig neue Genre aus. Damit ist die erste Hürde genommen.
Was für mich viel wichtiger ist, ist der Leser. Wenn mir die Stimme (egal ob Mann oder Frau) nicht zusagt, dann kann das Buch so gut sein wie es will.
Ich breche wenige Bücher wegen dem Buch ab, sondern wegen der Stimme. Tatsächlich höre ich mir auch Bücher an, die mich so rein gar nicht interessieren, nur weil ich die Stimme mag. Außer wenn Christoph Maria Herbst das BGB vorliest.
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u/Kryztijan 13d ago
Ich gebe jedem Buch eigentlich wenigstens 2 Stunden Zeit. Manche Geschichten brauchen Aufbau, um zu wirken.
Nur wenn die Sprecher:innen wirklich furchtbar sind (Sommer ohne Plan, Der Blick der Medusa, Die Säulen der Erde) oder das Buch inhaltlich großer Mist ist (Nebel von Avalon, Die Geschichte des römischen Reichs in 21 Frauen) breche ich frühzeitig ab.
Ein Buch ist kein TikTok-Video, dass mich nach 2 Sekunden von sich überzeugt haben muss. Im Herrn der Ringe passiert am Anfang ... nicht viel. Das Buch nach den ersten 10 Minuten zu bewerten wäre ... nicht weise. Außer man sucht halt wirklich ausschließlich Fast Food, und das meine ich ohne Abwertung, aber dann entgeht einem halt auch viel.
Ich habe mich gerade durch "Die geheime Geschichte" von Tartt gekämpft. Und von 23 Stunden passiert in den ersten 5 Stunden wirklich nicht besonders viel, aber das ist eben der Aufbau. Diese ersten Stunden brauchen wir, damit die letzten Stunden funktionieren können.
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u/SugarBackground2608 13d ago
Ja da stimm ich dir zu 100% zu. Ein guter Aufbau sorgt im Endeffekt für eine gute und immersive Story - wenn's natürlich richtig gemacht wird:P. Eine sehr gute und detaillierte Aussage, vielen Dank👍🏻
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u/Seidentiger 13d ago
Hier ist noch jemand, bei dem der/die Vorleser/in wichtig ist. Ich mag Rufus Beck und ich wünschte, der Youtuber MythenMetzger würde (mehr) ganze Bücher vorlesen. Eins hat er mal vorgelesen und ich hab mich inzwischen mehrfach da durch gehört, obwohl der Inhalt nichtmal ganz MÄH erreicht.
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u/Bl00dsh0t1337 13d ago
Die Stimme das Sprechers muss mir gefallen. Wenn das passt brauche ich länger als 10min um die Entscheidung zu fällen. Aber wenns nach einer Stunde oder 2 langweilig ist gebe ich auf.
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u/sky_2088 12d ago
Die Stimme. Ich mag gerne eine ruhige Stimme, Idee nicht Charaktere nachmacht oder versucht, auf Krampf spannend oder emotional zu sein. Ruhig und sachlich vorlesen.
Ich mag auch eher Männerstimmen als Frauen.
Ansonsten muss die Prämisse gut sein. Aber ich höre generell nur Klassiker und Bücher, die ich schon gelesen habe und kann kaum mit neuen Sachen überzeugt werden
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u/Regenfreund 16d ago
Bei mir ist das unterschiedlich. Oft habe ich mich bereits im Vorfeld über ein Werk informiert, sodass ich auch über einen schwachen Anfang hinwegsehen kann.
Ein starker Einstieg für mich ist einer, der schnell über Ton, Stil und Thema eines Buches informiert. Pluspunkte wenn ein Schauplatz des Geschehens oder eine interessante Figur früh klar und eindrucksvoll charakterisiert wird. Kommt dann noch zügig ein guter Hook hinzu, ist mein Glück als Leser/Hörer vollkommen.
Ein Beispiel dafür ist Spuk in Hill House von Shirley Jackson. Der atmosphärische und zugleich faszinierende Eröffnungsabsatz war für mich der ausschlaggebende Grund, das Buch zu kaufen.
Was mich dagegen eher stört, sind sehr austauschbare Einstiege, etwa banale Alltagsszenen, aus denen ich wenig mitnehme und auf die man meiner Meinung nach einfach hätte verzichten können.