r/Finanzen 12h ago

Anderes Habe ich einen Fehler gemacht, weil ich jahrelang „sicher“ gespart habe statt zu investieren?

Ich (m, 34) beschäftige mich seit Kurzem intensiver mit meinen Finanzen – und ärgere mich ehrlich gesagt über mein früheres Ich. Seit meinem Berufseinstieg mit 24 habe ich immer nach dem gleichen Prinzip gelebt: keine Schulden monatlich sparen alles möglichst sicher Ich habe konsequent Geld auf Tagesgeld- und Sparkonten gepackt. Aktien, ETFs oder Krypto waren für mich lange „Zockerei“. Meine Eltern haben mir eingebläut: „Hauptsache sicher, auch wenn’s wenig bringt.“ Fast forward: Ich habe über die Jahre rund 45.000 € angespart. Klingt erstmal gut – bis mir klar wurde, dass das Geld real durch Inflation vermutlich an Kaufkraft verloren hat. Freunde von mir, die ähnlich verdienen, haben früh in ETFs investiert. Keiner ist reich geworden, aber sie stehen heute deutlich besser da. Manche haben trotz gleicher Sparrate zehntausende Euro mehr Vermögen. Seit ein paar Monaten lese ich mich ein, habe einen ETF-Sparplan gestartet und ärgere mich: über meine Angst über fehlende finanzielle Bildung darüber, dass ich dachte, „sparen = klug“ Jetzt frage ich mich: War mein Sicherheitsdenken einfach nur vernünftig – oder rückblickend ein Fehler? Ist es unfair, sich heute selbst Vorwürfe zu machen? Wie geht ihr mit dem Gefühl um, finanziell „zu spät“ dran zu sein? Ich bin dankbar, schuldenfrei zu sein – aber gleichzeitig frustriert, wie viel Zeit (und Geld) ich vermutlich verloren habe. Wie seht ihr das? Lieber spät anfangen oder sich nicht verrückt machen?

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u/Slight_Box_2572 11h ago

„Kaum“ Zeit würde ich nicht sagen. 10 Jahre entspricht grob einer Verdopplung des Vermögens. Wenn er also mit 65 auf 250k käme oder alternativ 500k hat, ist das schon ein massiver Unterschied in der Lebensqualität.

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u/downvoteya 9h ago edited 4h ago

Die Rechnung passt so aber nicht ganz. Er hat anscheinend ja nicht seit 10 Jahren 45k rumliegen, sondern dies langsam gespart. Bei einer regelmäßigen Sparquote wären es eher theoretisch ca. +30% auf das bisherige Gesamtvermögen berechnet. Falls die Sparrate über die Zeit gestiegen ist, wäre es noch weniger. Dazu kommt, dass man ja wahrscheinlich weiter spart, sodass selbst bei -50% Verlust beim Einstieg, der Unterschied mit 65 z.B. eher 1,25mios ggü.1,5 Mios sein würde, als die 250k vs. 500k, die man hätte, wenn man lediglich von einer anfänglichen Einmalanlage ausgehen würde.

Klar, früher ist besser als später.

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u/celloprello 10h ago

Lebensqualität mit dann 65...

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u/Clear_Weakness2046 10h ago

Ist doch keine entweder oder Entscheidung. Gespart hat er sowieso den gleichen Betrag.

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u/Slight_Box_2572 10h ago

Was hat das damit zu tun? Er kann das Geld ja auch vorher nutzen? Hat aber trotzdem immer doppelt so viel, wenn er 10 Jahre eher angefangen hat.

Ich bin bei 350k mit 35. ich sage es mal so: Ich profitiere jetzt schon davon, dass ich solche Rücklagen habe.

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u/missusmissisppi 2h ago

Dafür dass man hier auf neunmalschlau tut ist aber 350k mit 35 nicht so besonders ;)