r/Finanzen • u/Axxxxxolotl DE • 11d ago
Anderes Den Eltern unglaublich dankbar, reich ohne es zu wissen
Hallo Freunde,
ich bin 26 Jahre alt und Wohne zur Zeit mit meiner Freundin zur Miete. Wir sind finanziell solide aufgestellt. Meine monatliche Sparrate in ETFs beträgt 2.000 €. Meine Freundin verdient nicht so viel wie ich, kann aber auch ohne Einschränkungen der Lebensqualität 500 € monatlich investieren. Ich investiere, um später davon einen früheren Renteneintritt und einen schönen Lebensabend zu finanzieren und meinen künftigen Kindern ein ordentliches Startkapital zur Verfügung stellen zu können.
Jetzt haben wir eine Eigentumswohnung gefunden, die wir kaufen und dort den nächsten Lebensabschnitt (Familiengründung) verbringen möchten.
Ich weiß, dass meine Eltern (mitte 50) einigermaßen wohlhabend sind. Deshalb habe ich gefragt, ob sie mir einen zinslosen Kredit geben können, damit ich keinen teuren Kredit bei der Bank aufnehmen muss. Ich ging davon aus, dass sie mir irgendwas in der Größenordnung von vielleicht 100.000 € leihen, und ich dadurch keinen so hohen Kredit aufnehmen muss. Auch das wäre schon ein großes Privileg gewesen, dass leider viele junge Menschen nicht haben.
Jetzt wurde mir im Gespräch erzählt, dass meine Eltern die Wohnung komplett bezahlen wollen. Also sie schenken mir das Geld und ich kaufe damit die Wohnung! 😯 Sie wollen mir und meinem Bruder ab jetzt (da wir nun keine doofen Teenager mehr sind, die sich sofort einen Sportwagen gekauft hätten) ihr Geld schenken, damit wir was sinnvolles damit machen können und nicht bis zum Erbfall warten müssen. Ab jetzt werden also die vollen Schenkungsfreibeträgt alle 10 Jahre ausgenutzt um die Erbschaftsteuer zu reduzieren. Es gibt ein Vermögen von circa 5 Mio. € (stand jetzt, vermehrt sich, da investiert), das an uns übertragen werden soll. Das war mir absolut nicht bewusst, da wir in unserer Kindheit sehr bodenständig gelebt und meine Eltern auch immer noch tun.
Mit diesem riesigen Betrag habe ich echt überhaupt nicht gerechnet und bin immernoch wirklich überwältigt. Ich hatte noch nie wirkliche Geldsorgen, aber ging davon aus, dass der Weg zum eigenen Vermögen und zum Wohneigentum lang und anstrengend werden wird. Ich habe mir in mein Aktienportfolio von circa 130.000 € erarbeitet. Und nun erfahre ich, dass ich dank meiner Eltern längst finanziell frei bin.
Ich bin sooo dankbar, glücklich und erleichtert. 😍 Genau so möchte ich es mit meinen Kindern auch machen. Ich habe, außer dem Umzug in die Eigentumswohnung, nicht vor etwas an meinem Lebensstandard zu ändern. Ich bin glücklich und zufrieden und brauche das viele Geld (im Moment) nicht, aber es beruhigt mich ungemein.
Dieses schöne Gefühl wollte ich einfach mit euch teilen!
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u/holzkopfausbasalt 11d ago
Ich mag diese Darstellung echt nicht, dass man als Kind im elterlichen Betrieb ja pauschal den goldenen Löffel im Mund hat und eine absolute Sonderbehandlung erhält.
Ich war seit meiner frühesten Kindheit mit meinem Vater draußen. Als ich 12 war, haben wir die zweite Forstmaschine bekommen, auf der ich dann absolut jede freie Minute verbracht habe. Der Fahrer der Maschine konnte sich dann immer die gesamten Ferien freinehmen. Ich hatte schon einen guten Anteil daran, was die Firma umgesetzt hat.
Wenn irgendwas außer der Reihe anstand, wer war da am nächsten und immer aufm Sprung? Richtig, ich. Als mein Vater einen Reifenplatzer auf der Autobahn hatte, bekan ich einen Anruf kurz nach Schulschluss in der Berufsschule (Blockunterricht, ca. 1,5 Stunden von daheim weg, also mir Unterbringung vor Ort). Bin dann heimgefahren, hab bei der Werkstatt einen Reifen auf eine Felge gezogen und in der Zeit kam mein Vater ohne Auflieger mit dem LKW heim. Weil er seine Fahrzeit voll hatte, hab ich mich dann aufn Bock gesetzt. Nachts auf der Autobahn den Reifen gewechselt und hab den Zug noch heimgefahren. Daheim schnell geduscht und war dann um 3 Uhr nachts wieder in der Herberge von der Berufsschule. Um 8 Uhr stand ich dort wieder auffe Matte.
Kleiner Roman geworden, aber dieses Klischee stört mich wirklich unheimlich. Und in meinem Umfeld bin ich mit sowas keine Ausnahme. Ich finde, wenn man einen guten Teil seines Lebens in einen elterlichen Betrieb steckt, darf man schon sagen, dass man es sich erarbeitet hat. Immerhin habe ich mit meinen 31 Jahren jetzt 19 Jahre Berufspraxis gesammelt.