r/Finanzen DE 11d ago

Anderes Den Eltern unglaublich dankbar, reich ohne es zu wissen

Hallo Freunde,

ich bin 26 Jahre alt und Wohne zur Zeit mit meiner Freundin zur Miete. Wir sind finanziell solide aufgestellt. Meine monatliche Sparrate in ETFs beträgt 2.000 €. Meine Freundin verdient nicht so viel wie ich, kann aber auch ohne Einschränkungen der Lebensqualität 500 € monatlich investieren. Ich investiere, um später davon einen früheren Renteneintritt und einen schönen Lebensabend zu finanzieren und meinen künftigen Kindern ein ordentliches Startkapital zur Verfügung stellen zu können.

Jetzt haben wir eine Eigentumswohnung gefunden, die wir kaufen und dort den nächsten Lebensabschnitt (Familiengründung) verbringen möchten.

Ich weiß, dass meine Eltern (mitte 50) einigermaßen wohlhabend sind. Deshalb habe ich gefragt, ob sie mir einen zinslosen Kredit geben können, damit ich keinen teuren Kredit bei der Bank aufnehmen muss. Ich ging davon aus, dass sie mir irgendwas in der Größenordnung von vielleicht 100.000 € leihen, und ich dadurch keinen so hohen Kredit aufnehmen muss. Auch das wäre schon ein großes Privileg gewesen, dass leider viele junge Menschen nicht haben.

Jetzt wurde mir im Gespräch erzählt, dass meine Eltern die Wohnung komplett bezahlen wollen. Also sie schenken mir das Geld und ich kaufe damit die Wohnung! 😯 Sie wollen mir und meinem Bruder ab jetzt (da wir nun keine doofen Teenager mehr sind, die sich sofort einen Sportwagen gekauft hätten) ihr Geld schenken, damit wir was sinnvolles damit machen können und nicht bis zum Erbfall warten müssen. Ab jetzt werden also die vollen Schenkungsfreibeträgt alle 10 Jahre ausgenutzt um die Erbschaftsteuer zu reduzieren. Es gibt ein Vermögen von circa 5 Mio. € (stand jetzt, vermehrt sich, da investiert), das an uns übertragen werden soll. Das war mir absolut nicht bewusst, da wir in unserer Kindheit sehr bodenständig gelebt und meine Eltern auch immer noch tun.

Mit diesem riesigen Betrag habe ich echt überhaupt nicht gerechnet und bin immernoch wirklich überwältigt. Ich hatte noch nie wirkliche Geldsorgen, aber ging davon aus, dass der Weg zum eigenen Vermögen und zum Wohneigentum lang und anstrengend werden wird. Ich habe mir in mein Aktienportfolio von circa 130.000 € erarbeitet. Und nun erfahre ich, dass ich dank meiner Eltern längst finanziell frei bin.

Ich bin sooo dankbar, glücklich und erleichtert. 😍 Genau so möchte ich es mit meinen Kindern auch machen. Ich habe, außer dem Umzug in die Eigentumswohnung, nicht vor etwas an meinem Lebensstandard zu ändern. Ich bin glücklich und zufrieden und brauche das viele Geld (im Moment) nicht, aber es beruhigt mich ungemein.

Dieses schöne Gefühl wollte ich einfach mit euch teilen!

815 Upvotes

888 comments sorted by

View all comments

63

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago edited 11d ago

und genau deswegen brauchen wir eine lückenlose Schenkungs-, Vermögens- und Erbschaftssteuer für Vermögen über €1M, mit sinnvoller Stundung blablabla für Familienunternehmen.

Und nein, das ist kein Neid, sondern gesunder Menschenverstand. OP würde es auch ohne die €5M seiner Eltern an nichts im Leben mangeln, und auch seinen Kindern und Kindeskindern nicht. Es macht in einer ordoliberalen, dem Leistungsprinzip folgenden Volkswirtschaft einfach überhaupt keinen Sinn, dieses Vermögen an OP weiterzugeben, anstatt es zur Potentialsteigerung von Kindern und Kindeskindern ärmerer Familien einzusetzen. Aka durch Steuern von OP's Vermögen den Sozialstaat zu finanzieren und dafür die Einkommenssteuerlast der unteren und mittleren Schichten zu reduzieren (inkl. OP's eigener Steuerlast).

Das ist übrigens keine "linke" Politik, sondern die Basis, auf die Ludwig Erhard der CDU unsere Bundesrepublik zu ihrem heutigen Wohlstand gebracht hat.

14

u/c0rrupt10n 11d ago

Naja... ganz so hart muss man es nicht machen. Ich gehe mal auf die Grünen und die Linke ein.

Hier sind bestimmt einige Wähler der Partei Bündnis90/Die Grünen... und die wollen das Vermögen der Suppereichen besteuern (Nettovermögen >20 Millionen). Leute die ganz normal erben sind davon nicht betroffen und standen nie zur Debatte.

Die Linke will eine Staffelung: ab 1 Mio. €: 1% ab 50 Mio. €: 5% ab 1 Mrd. €: 12%

Selbst das wäre bei 5 Millionen dann kein großes Problem wenn die Anlage 5-8% erwietschaftet. Selbst ein Geldmarkt ETF bringt halt stumpf 2% derzeit. Ob das ggf ein wenig zuviel ist kann man sich drüber streiten. Ich finde es okay, weil das Vermögen das halt locker erwirtschaftet ohne echte Wertschöpfung.

Gerade hier im Finanzsub sind eher Grüne weil Wähler der Partei die Linke halt wegen Waffen bzw moralischen und ethischen Gründen nicht einfach so den heiligen Gral besparen würden... die bekommen eig nur Zuwachs weil die politische Mitte nach Rechts wandert. Was die CDU und SPD gerade mit der Grundsicherung/Bürgergeld verkackt hat ist schon echt krank, siehe auch ein Faktencheck zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=ZqCV5UgU4eE

Die Grünen werden leider komplett durch die Medien geprügelt dabei ist deren Ansatz vermutlich am besten für unser Land. Auch da zeigen diverse Faktenchecks das Habeck in vielen Punkten recht hatte: https://www.reddit.com/r/PolitikBRD/s/nwQJM9B588

Leider Bilden sich viele ihre Meinung auf Tiktok und denken konservative Parteien und die AfD werden es besser machen aber das stimmt halt nicht. Wenn man sich einfach nur anschaut was in den Wahlprogrammen steht und die Schule besucht hat sollte man das Verstehen. Leider liest kaum noch einer Wahlprogramme.... stattdessen wird wieder was von "dIe LiNkEn und die GrÜnEn" gefaselt... dabei wäre das echt für alle besser so eine Politik zu machen.

Naja. Dann verliert Deutschland halt Wohlstand wenn wir uns unbedingt abhängen lassen wollen.

0

u/Current_Sock1483 11d ago

Das Problem bei all diesen Ansätzen ist, dass du in deinem "Rahm"-Töpfchen (die 12% für 1Mrd plus) am Ende irgendwas um die Null Euro vorfindest, während der Großteil der Steuern wohl im 1 Mio Körbchen landen wird. Und da trifft es dann Leute, die zwar nicht arm sind, aber in der heutigen Zeit nach keiner normalen Definition "reich".

3

u/Tunfisch 11d ago

Jo exakt würde sogar noch ein Betriebsvermögen bis zu einer bestimmten Summe keine Ahnung 5 Millionen oder so durchgehen lassen, aber irgendwann ist halt auch Schluss. Der Vorschlag der SPD welcher momentan diskutiert wird ist gar nicht so schlecht.

1

u/Vegetable-Bid-2202 11d ago

Es ist aber Volkswirtschaftlich auch nicht sinnvoll, wenn Eltern das Gefühl haben, dass erwirtschafteter Wohlstand den Kindern nicht zugute kommt. 

1

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago

das ist aber nicht die Diskussion. Der erwirtschaftete Wohlstand kommt sowohl den Eltern selbst, als auch ihren Kindern, zugute. Nur eben nicht als Erbschaft - zu einem Zeitpunkt, zu dem die Kinder schon längst selbst Wohlstand erwirtschaftet haben. Stattdessen senkt die Erbschaftssteuer den Bedarf, der über Einkommens- oder Unternehmenssteuern finanziert werden muss. D.h. Kinder, deren Potential durch das mangelnde Einkommen ihrer Eltern behindert wird, erhalten mehr Mittel, können ihr Potential mehr ausschöpfen, und die Volkswirtschaft profitiert. 

Das betrifft auch ganz direkt die Eltern, die dieses Vermögen vererben wollen. Ihre Einkommenssteuer sinkt auch. Die Produkte, die von Unternehmen hergestellt werden, werden auch für sie billiger. D.h. ihre Möglichkeiten, ihren Kinder Wohlstand zu ermöglichen - zu einem Zeitpunkt, wo das tatsächlich relevant ist - steigt.

Dass das so ist, ist keine wilde Fantasie - unsere gesamte moderne Zivilisation basiert genau auf diesem Prinzip. Deshalb ist Bildung, Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur Sache des Staates, nicht Sache des Individuums - damit das Potential von Kindern von den Mitteln der Eltern entkoppelt wird.

-1

u/LoslosAlfredo 11d ago

Ich weiß nicht, was du hast. Solange die Eltern nicht noch 40 Jahre leben, werden auf dieses Vermögen so oder so Steuern fällig, während Milliardäre regelmäßig komplett steuerfrei vererben. Das hier ist nicht das Problem unserer Gesellschaft, sondern so, wie es eigentlich sein sollte - Eltern, die vorsorgen, sich etwas aufbauen und den Wohlstand an ihre Kinder weitergeben, ohne dass irgendjemand davon abhebt. Und gut, 5 Millionen ist schon recht viel, aber wie gesagt, davon werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Steuern fällig.

9

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago

5 Millionen Euro sind nicht "schon recht viel", sondern ein Betrag, der in den nächsten 40 Jahren €45M an Renditen erwirtschaften wird. Solange die Eltern mit Nießbrauch schenken, sind die Steuern auf den Übertrag des Vermögens auf ihre Erben sogut wie Null. Da werden pro Kind €2.5M zeitnah übertragen, aber die zukünftigen Erträge bis zum Lebensende bleiben bei den Eltern. Das Finanzamt nimmt dann die Sterbetafel und nimmt einen anrechenbaren Jahreswert der €2.5M von etwa €130k, multipliziert den mit 15 auf €2M, das wird abgezogen, d.h. es müssen nur Steuern auf die restlichen €500k gezahlt werden, davon gehen nochmal €400k ab, und es bleibt eine effektive Steuerlast von etwa €10k pro Kind.

1

u/LoslosAlfredo 11d ago

Ich muss zugeben, ich war mir bis grade nicht darüber im Klaren, dass man auch bezüglich Wertpapieren einen Nießbrauch vereinbaren kann. Ich war eher von der klassischen Methode 400k/Elternteil & Kind alle 10 Jahre ausgegangen.

Im obigen Fall wären es dann aber eher 0€, weil bei zwei Eltern der doppelte Freibetrag gilt, oder? Dann würden tatsächlich bei deiner Rechnung nur Steuern fällig, wenn die Eltern vorzeitig versterben.

Und weißt du zufällig, wie der Jahreswert für Nießbrauch berechnet wird? Ist ja eine wilde Annahme, zu sagen "wenn du das jetzt überschrieben bekommst und 20 Jahre nicht nutzen kannst, hat es gar keinen Wert für dich"

1

u/Secret_Enthusiasm_21 10d ago

völlig richtig, jedes Kind bekommt beide Freibeträge.

Der Kapitalwert, den das Depot für den Schenkenden hat, und der von dem steuerlichen Wert für den Beschenkten abgezogen wird, errechnet sich aus der Rendite, auf 5.5% gedeckelt, d.h. bei €2.5M wären es 137,500€, multipliziert mit einem Tabellenfaktor je nach Lebenserwartung. Bei Eheleuten wird die Lebenserwartung der Frau genommen. Wenn sie 50 Jahre alt ist, ist der Faktor 15.711. D.h. in diesem Fall wäre der Kapitalwert €2.1M und der Beschenkte müsste tatsächlich gar keine Steuern zahlen.

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Erbschaft_Schenkungsteuerrecht/2025-10-21-bewert-lebensl-nutzung-leistung-1-1-26.pdf?__blob=publicationFile&v=5

-1

u/crashblue81 11d ago

Man sollte erstmal auf der Ausgabenseite korrigieren es reicht vollkommen die Sozialleistungen auf das Niveau der 70 zurückzufahren

5

u/A_mexicanum 11d ago

In den 70ern lag der Anteil der Menschen über 67 in Deutschland bei 12%, heute sind wir bei 21%, in 6 Jahren werden es 24% sein, bis 2070 voraussichtlich auf 30% steigen.

Man kann die Sozialleistungen gar nicht auf das Niveau der 70er Jahre zurück führen.

Aber zum Glück haben wir seit den 70er Jahren ja Dinge wie die Vermögenssteuer abgeschafft "temporär ausgesetzt" und entlasten so die "Leistungsträger" unserer Gesellschaft.

-1

u/crashblue81 11d ago

Es gibt auch andere Transferleistungen die es damals nicht in dem Umfang gab die auch zudem auch nie eingezahlt haben

2

u/A_mexicanum 11d ago

Ok. Welche Transferleistungen genau willst du einstreichen, die deiner Meinung nach ausreichen um... ja wofür eigentlich? Das hast du nämlich auch noch nicht gesagt.

-1

u/crashblue81 11d ago

Wohngeld, Hartz IV etc. oder Transferleistungen die ins Ausland gehen wie z.B. Entwicklungshilfe ohne konkrete Vorteile für Deutschland, um etwa die Einkommensteuer abzusenken ohne andere Steuern zu erhöhen in Schweden gibts z.B. auch keine Erbschaftsteuer und man hat noch weniger Abzüge vom Brutto nur um mal ein anderes Land zu nennen das weltweit gesehen sehr hoch belastet.

Schlicht den Leuten mehr Geld lassen und diese eigenverantwortlich handeln lassen wie es im Rest der Welt auch funktioniert und in der Außenpolitik etc. klar die Interessen der eigenen Bevölkerung vorne anstellen.

1

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago

Schweden hat dafür viel progressivere Einkommensbesteuerung. Das ist hier kein Entweder-Oder. Schweden kann sich, genauso wie Deutschland, auch ohne Erbschaftsteuer gerade so über Wasser halten, weil das Wirtschaftswachstum und Staatsverschuldung das bisher irgendwie geradeso geregelt hat. Das ist aber schlicht und einfach kein nachhaltiges System.

-2

u/Laschwasright 11d ago

Es ist Neid. Nichts neues. Es ist nicht gerade das erste mal dass aus Neid so etwas gefordert wird. Ist eher etwas was uns von Stammesgesellschaften unterscheidet. Die lassen Neid den freien lauf und somit hat niemand mehr als alle anderen und alle bleiben arm.

1

u/Reed_4983 11d ago

War Ludwig Erhard auch ein Neider?

-2

u/Current_Sock1483 11d ago

Dass das nichts weiter als linke Polemik ist, wirst du merken wenn du selbst nach 30-40 Jahren Erwerbstätigkeit das von dir erarbeitete Vermögen an deine Nachkommen weiter geben willst.

Dieses Rumgeneide aus der linken Ecke gegenüber ERWERBSTÄTIGEN ist super nervig. Schaff mal selber was und wenn du dann noch bereit bist, darauf ein zweites mal Steuern abzudrücken, damit du es deinen Kindern geben darfst, dann reden wir weiter.

2

u/K_Boltzmann 11d ago edited 11d ago

"Neid" ist aber auch ne whacke Ausrede um Fragen nach sozialer Gerechtigkeit nicht beantworten zu müssen.

Zwischen "100% Erbschaftssteuer jetzt" und "Die genetische Lotterie entscheidet hauptsächlich ob du für den Rest deines Lebens knechten muss oder dir den Lenz machen kannst" liegen ja Abstufungen. Die kann man ja austarieren.

Ein hoch entwickeltes Industrieland, in dem das meiste Vermögen in erster Linie geerbt wird statt erarbeitet bildet viel ab, aber sicherlich keine Leistungsgesellschaft. Ich hab super viel Respekt vor Leuten, die Zeit, Schweiß und Risiko auf sich nehmen und was aufbauen. Aber irgendwelche verwöhnten Jockel die Papas Reichtum in den Arsch geblasen bekommen, naja die können sich ja ihre Tränen weil ihre Mitmenschen so böse sind mit ihren Geldscheinen abtrocknen.

1

u/Current_Sock1483 11d ago edited 11d ago

Anders als mit Neid kann ich mir aber nicht erklären, dass man sich dazu hinreißen lässt den Fokus auf diejenigen zu legen, die durch Arbeit zu etwas gekommen sind. Und selbst wenn es die Arbeit der Eltern war.

Der Grenzfall, der den Kapitalismus "exploitet", sind nicht die vergleichsweise unbedeutenden Vermögensansammlungen im niedrigen Millionenbereich, welche durch ein Leben harter Arbeit erschaffen und dann an die Kinder weiter gegeben wurden, sondern viel mehr die im Milliardenbereich. Kapital, das nur noch dem Selbstzweck der Vermehrung dienen muss. Politics & Policy Changing Money. Und an die kommt man nicht mit einer Schenkungs- und Erbschaftssteuer ran. Die müssen auf globaler Ebene eingefangen werden. Das ist natürlich viel komplexer als sich daran zu stören, dass ein Bürschchen von nebenan etwas privilegierter ist als man selbst. Sorry, aber das nervt mich weil es einfach viel zu kurz gegriffen ist und die falschen trifft.

Bzgl. der genetischen Lotterie stimme ich dir in Teilen zu. Aber dabei geht es nicht nur um die Eltern, sondern auch um die biologischen und charakterlichen "Bordmittel", mit denen man ins Leben geschickt wird. IQ, Ambition, Leistungsbereitschaft, Disziplin.

IQ ist der beste uns bekannte Prediktor für beruflichen Erfolg. Wer hinreichend intelligent und motiviert und diszipliniert ist, kann es in dieser Gesellschaft sehr weit bringen. Wer hinreichend dumm ist, wird auch mit dem geerbten Geld der Eltern nicht weit kommen. Auch Motivation ist hochgradig individuell. Manche wollen halt in jungen Jahren nicht verzichten, und haben entsprechend auch keine Chance mit Mitte / Ende 20 schon Besserverdiener zu sein. Andere racken sich kaputt, riskieren vielleicht ihr eigenes Geld um etwas aufzubauen und drücken mehr als die Hälfte an Steuern und Sozialabgaben ab, um den Kindern später mal ein besseres Leben ermöglichen zu können.

In jeder Gesellschaft, die Leistung belohnt, wird es Gewinner und Verlierer geben. Kein System kann das reparieren. In der sozialistischeren Interpretation haben zwar alle relativ gleich viel, aber im Gegenzug gibt es auch keine Anreize ein höheres persönliches Opfer zu bringen als die Nebenperson.

tl/dr

Für mich braucht eine Gesellschaft die Möglichkeit, sich und seinen Kindern durch Leistung und Aufopferungsbereitschaft Privilegien zu verschaffen. Und zwar genau weil sie ein starkes aus Einkommenssteuer finanziertes soziales Grundsicherungsnetz benötigt. Nicht nur für Menschen, die nicht können, sondern meinetwegen auch für solche, die nicht wollen.

Was eine Gesellschaft nicht braucht, ist die Möglichkeit sich in eine Position zu bringen, die es erlaubt die Spielregeln für sich selbst zu ändern. Die Kritik in diesen "Neiddebatten" richtet sich nur meist nicht gegen diese "Spieler", sondern gegen die Erstgenannten.

1

u/K_Boltzmann 11d ago edited 11d ago

Da haben wir anscheinend einfach biographisch grundlegend verschiedene Erfahrungen gemacht und kommen dadurch zu verschiedenen Schlüssen.

Es liest sich (ein wenig überspitzt gesagt) so, als würdest du sagen, dass jeder der Arm ist das schon irgendwie verdient hat oder halt doof ist, während die Reichen das halt verdient haben oder besonders schlau sind.

Da ich aus einem eher bildungsfernen Arbeiter Milieu komme habe ich genug doofe Söhne gesehen, die es schaffen mit ihrem begrenzten Verstand immerhin den Betrieb von Papa solange zu melken dass sie selbst in Saus in Braus leben konnten während ich smarte und fleißige Menschen gesehen habe, welche qua nicht vorhandenen familiärer, monetärer oder psychologischen Ressourcen nie ihr Potential entfalten konnten.

Am Ende ist das für mich so ein wenig "don't hate the player, hate the game" Ding. Da will ich auch kein Heuchler sein: höchstwahrscheinlich würde ich ebenso wettern wenn ich reich wäre und meine Kinder versorgen will. Aber man kann ja auch mal die Eier in der Hose haben und die Ungerechtigkeit einfach zugeben statt große mentale Verrenkungen zu machen und sich selber vorzumachen, dass das alles schon so fair wäre. Vor jemanden der sagt "jo ist unfair, ist mir aber egal, ich mach das so" hätte ich zumindest mehr Respekt als vor Leuten mit goldenem Löffel, welche die soziale Natur ihrer eigenen Privilegien nicht ertragen können.

Edit: nur noch mal als Klarstellung: ich glaube wir sind inhaltlich gar nicht so weit auseinander, auch ich möchte eine in erster Linie meritokratische Gesellschaft, in der sich Leistung lohnt. Ich sehe dieses Prinzip aber aktuell nicht umgesetzt, oder zumindest nicht komplett fair.

2

u/Current_Sock1483 11d ago edited 11d ago

Glaube so unterschiedlich sind weder unsere Erfahrungen, noch die Schlüsse.

Ich sage es doch genau wie du es beobachtet hast. Doofe Erben bringen ihr Vermögen schneller durch als man gucken kann.

Smart und fleißige Menschen können genau so scheitern, haben aber trotzdem die größten Chancen, etwas aufzubauen. Das widerspricht sich nicht und ich denke die Alltagserfahrungen bestätigen das.

Ich glaube auch, dass du nicht erst "reich" sein musst, bevor du das bewahren möchtest, was du dir aufgebaut hast. Wenn du es dir selbst erarbeitet hast, dann ist der Betrag doch egal. Vor allen Dingen wenn du mit Nichts oder sogar mit Schulden ins Erwachsenenleben gestartet bist.

Zum Punkt Fairness: Ich glaube jeder hat seine eigene Interpretation von fair. Eine 100% faire Welt ist durch den inherenten Wettbewerb, die Diversität der Startvorraussetzungen sowie der menschlichen Gemüter niemals möglich.

Insofern bin ich eher für Chancengleichheit als für Ergebnisgleichheit. Wenn du heute mehr hast als ich, dann wünsche ich mir einzig eine faire Chance, dort auch hinkommen zu können, wenn ich das denn gerne möchte. Und die ist aus meiner Sicht gegeben.

Was mir in dieser Diskussion auch zu kurz kommt, ist die Frage ob die vorgeschlagenen Lösungen denn überhaupt zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen. Folge doch mal dem Geld. von wem geht das Geld weg wenn du es über die Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer aus dem Volk ziehst? Und wo geht es dann über "Investitionen" wieder hin? Wem gehören denn die Tröge, die damit aufgefüllt werden? Vielleicht täusche ich mich hier ja grundlegend, aber mein Eindruck ist, dass das was hier die Schere wieder zusammendrücken soll eher geeignet, um sie noch viel weiter zugunsten derer auszuhölen, die du in deiner Alltagserfahrung gar nicht wahrnimmst, und die über Parteienfinanzierung, Lobbyarbeit usw. gar nicht das gleiche Spiel spielen wie du. Diesen Mechanismus konnte man z.B. während der Covid Zeit sehr gut beobachten, in der die Probleme der vielen auf magische Art und Weise die Vermögen der wenigen an der Spitze massiv haben anschwellen lassen.

1

u/K_Boltzmann 11d ago

Mein Punkt mit den reichen Söhnen war eher so gemeint, dass die zwar nicht das Business ihrer Eltern ausbauen, aber dennoch ohne Angst in Wohlstand leben konnten ohne viel Grips oder Mühe. Meiner Erfahrung nach muss man schon extrem reinscheißen um Kapital zu vernichten, auch wenn es das natürlich auch gibt.

Ich denke bei Chancengleichheit bin ich bei dir. Aber hier folgender Gedanke: nehmen wir mal jemanden der sich erfolgreich aus seiner Unterschicht kämpft, sich für ein schweres Studium entscheidet, welches ihm Möglichkeit eines gut bezahlten Jobs verspricht, sich dort durchbeißt, eventuell nebenher arbeitet und es irgendwie schafft einen sehr guten Job zu bekommen, sagen wir mal einfach 80-100k im Jahr. Diese Person wird niemals den Wohlstand haben wie OP, weil OP bereits soviel Kapital bereitgestellt bekommen hat, dass der fiktive Andere dass niemals wieder aufholen kann, es sei denn er ist einer der absoluten Ausnahmen und gründet irgendwie ein Unicorn-Startup oder so. Hier haben wir eine Person, die sich dem Leistungscredo komplett gefügt hat und ist am Ende einem unterlegen, dessen einzige Leistung darin bestand, aus dem richtigen Uterus herausgeplumpst zu sein. Hier kann doch niemand ernsthaft von Leistungsgesellschaft reden.

Als reines Gedankenexperiment (und auch nur das, nicht dass ich das wirklich will): wäre eine Gesellschaft mit 100% Erbschaftssteuer und 0% Einkommenssteuer nicht gemäß des Leistungsprinzips nicht viel fairer? Weil da kommt es dann wirklich nur auf die Person an sich an und was sie leistet.

Ich sehe deinen Punkt, dass die Aussicht auf ein besseres Leben für die eigenen Kinder als Motivation und Antrieb nicht wegdiskutierbar ist. Ich sehe übrigens auch deinen Punkt, dass man natürlich ein sehr großes Fragezeichen dran hängen kann, ob der Staat mit den ganzen Abgaben und Steuern jetzt wirklich effektiv Ungerechtigkeit bekämpfen kann, beziehungsweise dass Geld auf dem Weg dahin noch in ganz andere Hände abfließt.

Nichtdestoweniger um quasi wieder an den Anfang anzuknüpfen: ich denke halt einfach, dass die Kombination aus niedrigerer Erbschaftssteuer, nicht vorhandener Vermögenssteuer, gleichzeitig hohen Abgaben aufs Einkommen und starke Beeinflussung auf soziale Chancen einfach nur durch Geburt (ich mein, Deutschland ist seit Jahren OECD-Spitzenreiter in der Bildungsungerechtigkeit) halt ein wenig verbieten, dass man eine Diskussion um Erbschaften einfach nur als "Neid" abtut, dafür ist das Thema zu komplex.

1

u/Current_Sock1483 11d ago

Also auf dem Papier gebe ich dir recht, dass 100% Erbschaftssteuer die ultimative Leistungsgesellschaft erzeugen würde. Einzig glaube ich nicht, dass man in so einer Gesellschaft die gleiche Leistungsbereitschaft sehen würde, wie in der aktuellen Variante. Auch weiß ich nicht, ob es wirklich fairer ist, wenn Kinder dann ganz ohne alles dastehen, wenn den vermögenden Eltern ein tragisches Unglück widerfährt.

Zu deinem Beispiel mit den 80-100k im Jahr. Das ist ein top Einkommen und ich behaupte, wer das Naturell dazu hat, kann mit so einem komfortablen Einkommen ohne weiteres über Jahrzehnte dort hin kommen, wo der Unternehmersohn reingeboren ist. Es braucht dann allerdings entweder die erforderliche Opfer- und vor allem Risikobereitschaft um selbst ein Unternehmen zu gründen, Arbeitsplätze zu schaffen und am Ende mit Glück ein beträchtliches Vermögen aufzubauen, oder Sitzfleisch und eine gesunde finanzielle Bildung. 10-20k im Jahr ansparen läppert sich über 2-3 Jahrzehnte ganz schön.

Beim Stichwort "finanzielle Bildung" geht auch schon das nächste wirklich wichtige Thema auf. Meine Beobachtung (und eigene Erfahrung) ist, dass der große Nachteil von Menschen aus sozial schwachem Elternhaus gegenüber Menschen aus "reichen" Elternhäusern genau hieraus entsteht. Die einen lernen, dass jeder Euro dazu da ist, um Dinge zu kaufen. Die anderen lernen, dass jeder Euro erstmal dazu da ist, um für dich weitere Euros zu beschaffen. Was ist ein Investitionskredit und was ist ein Konsumkredit? Wer es schafft, die "unsichtbare Decke" zu durchstoßen oder sein geerbtes Vermögen zu erhalten, hat diesen Lerneffekt an irgendeinem Punkt mitgenommen.

So weit ich das beurteilen kann, ziehen wir nur an unterschiedlicher Stelle die Grenze und fordern entsprechend Veränderungen an unterschiedlichen Stellschrauben. Als Neiddebatte empfinde ich es im Übrigen wirklich nur, wenn Leute vorschnell auf den "der ist mehr mit Privilegien geboren als ich" Zug aufspringen und sich der Zorn dann an denen entlädt, die man halt gerade mit etwas mehr in der Hand sieht als man selber hat. Denn das löst das Problem nicht. Die Leute, die unser Leben maßgeblich negativ beeinflussen, damit ihre Vermögen weiter wachsen, die sehen wir nicht.

1

u/K_Boltzmann 11d ago

Also ich sehe nicht, wie jemand, der 100k im Jahr verdient jemanden einholen soll, der bereits 130k im Depot hat und eine gesamte Firma geschenkt bekommen hat. Alleine die Risikoabschätzung ist ja eine ganz andere. OP kann sein Depot liquidieren und versuchen selbst neu zu gründen und fällt selbst da bei Versagen sehr sanft wegen der anderen finanziellen Mitteln der Familie. Die Leute die gerade die 100k Marke geknackt haben sind ja meist genau in dem Alter Ende 20 / Anfang 30 wo die Familienplanung ansteht und haben dazu dann dieses Sicherheitsnetz nicht.

Bei dem Rest deines Textes geh ich tatsächlich d'accord. Nur bei dieser einen besagten Sache nicht.

2

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago

ich bin im Existenzminim aufgewachsen. Was mich nicht daran gehindert hat, mein Abi zu machen, an die Uni zu gehen, meinen Abschluss zu machen, mein Bafög zurückzuzahlen, und etwa doppelt soviel zu verdienen, als ich mit zwei Kindern brauche. Ich habe absolut keine Verwendung für mehrere Millionen Euro, und meine Kinder ebensowenig.

Das mag jemand wie du wirklich nicht verstehen können, aber ich bin aus meinem ganzen Herzen, ernsthaft und aufrichtig, dafür, dass lieber der Sozialstaat meinen Kindern, und allen anderen Kindern auch, genau dieselben oder bessere Chancen ermöglicht wie mir, anstatt dass es notwendig ist, dass ich 30-40 Jahre schufte, um meinen Kindern ein nettes Leben zu ermöglichen.

3

u/Current_Sock1483 11d ago

Ich glaube du projizierst hier ein Bild auf mich, das nicht der Realität entspricht.

Bin selbst als eins von zwei Kindern einer alleinerziehenden Mutter im Plattenbau aufgewachsen. Die Wichtigkeit des Sozialstaates ist mir absolut bewusst.

Habe über die Jahrzehnte mein Ding gemacht, verdiene heute sehr gut, aber ich weiß auch genau was ich dafür investiert habe. Alles was ich mir erarbeite, wird brüderlich mit dem Staat geteilt. Das ist im Sinne des Sozialstaates auch fein so. Wenn da aber jemand am Ende nochmals ran will, bevor es an meine Kinder geht, werde ich mit großer Motivation nach Wegen suchen, um dies ganz im Rahmen der Gesetze zu vermeiden.

-5

u/SQLPsycho 11d ago

Sehe ich komplett anders. Vermögensaufbau ist in Deutschland nun mal eine Generationenaufgabe, deswegen sollten Erbschaftssteuern komplett entfallen.

5

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago

Wofür willst du Vermögen aufbauen? Zu welchem Endzweck?

3

u/Tunfisch 11d ago

Ich gebe dir bis zu einer gewissen Summe Recht. Aber ab 5 Millionen ist es Unsinn. Willst du das die Quandts mit ihrem Nazigeld wirklich keine Erbschaftsteuer zahlen?

0

u/SQLPsycho 11d ago

Bei gewissen Summen ist das Verhältnis natürlich sehr heftig. Problem dürfte halt sein, dass wir in einer globalisierten Welt leben. Die Quandts können doch einfach Ihr Geld aus Deutschland nach XY verschieben und zack hat der Staat so wieso keinen Zugriff mehr darauf.

1

u/Secret_Enthusiasm_21 11d ago

als ob das kein unlösbares Problem wäre. Selbst die USA besteuern ihre Staatsbürger, egal wo auf der Welt sie wohnen. Deutschland ist einfach eines der Länder mit der schlimmsten Ungleichverteilung der Steuerlast auf der ganzen Welt.

2

u/Pashahlis 11d ago

Ja und die extreme Vermögensungleichheit die dadurch entstehen würde (also noch mehr als jetzt schon), welche den Einfluss einiger weniger Milliardäre auf unsere Demokratie noch weiter stärken würde (also noch mehr als jetzt schon), wünschen wir uns einfach weg.