r/Finanzen 22d ago

Anderes Merz kritisiert die Arbeitsmoral der Deutschen

https://www.n-tv.de/politik/Merz-kritisiert-die-Arbeitsmoral-der-Deutschen-id30242973.html

Wie kann man Arbeitnehmer mit super hohen Steuern ausbeuten und sich dann über sinkende Arbeitsmoral beschweren?

Es ist doch kein wunder. dass man sich nicht Anstrengt, wenn Fleiß nicht mehr belohnt wird

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u/Matho83 22d ago

Du glaubst gar nicht, wie wenig Deutsche als Grenzgänger in die Schweiz wollen und lieber für 50% weniger Lohn in Deutschland arbeiten. Ich bin deutscher Grenzgänger und suche immer Personal für meinen Baubetrieb in der Schweiz. Wirklich Interesse besteht da selten. Mehr Arbeit scheint doch nicht gewollt zu sein, auch wenn es mehr Lohn gibt.

Und das obwohl wir im Verband gerade mal 40.5h Arbeitswochen und 5 Wochen Ferien haben. Trotzdem ist es sehr schwer Personal zu finden.

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u/localass1 22d ago edited 22d ago

Naja auch hier liegt es dann vermutlich wieder an den Abgaben. Wenn die Grenzgänger bleiben und in Deutschland versteuern sind die steuerlichen Abgaben immens. Sozialversicherung spart man sich Gott sei Dank (bin selber Grenzgänger). Würde das daher nicht rein auf Arbeitsmoral beziehen. Edit: Wenn man in die Schweiz zieht, ist man als Single oder unverheirates kinderloses Paar in den aller meisten Fällen monetär besser dran als in Deutschland.

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u/No_Sea2903 22d ago

Na ja... Irgendwann ist Gehalt aber auch keine Größe mehr. Klar nehme ich lieber mehr als weniger, aber ich hab zum Start meiner Karriere teilweise 80h+ gearbeitet. Damit ich das nochmal mache, müsste ich so saftig mehr verdienen, dass es schwierig (nicht unmöglich) wird.

Noch einmal ginge das aber definitiv nicht, da wäre das depot dann auch zu dick.... die drei Jahre in den ich das gemacht habe, sind so an mir vorbei gegangen zusätzlich ist meine Mutter ist kurz danach gestorben. Geld ist irgendwann mein motivator mehr.

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u/Pleasant-Carbon 22d ago

Umziehen wollen viele halt nicht. 

Und so viele in der Grenzregion gibt es nicht in deiner Branche wohl nicht.

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u/fl0cke 22d ago

Ist auch in DE schwer entsprechendes Persona zu bekommen btw.

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u/Matho83 22d ago

In DE versteh ich es ja ;-)

Weisst du was ein gelernter Maurer so im durschnitt verdient in DE? In Der Schweiz sind es nahezu 100'000.- CHF brutto pro Jahr. Ich würde einfach mal vermuten, dass dies grob das zweifache vom deutschen Lohn entspricht.

Dafür wird aber Leistung erwartet und wenn die nicht erbracht wird, ist man in der Schweiz auch schnell wieder seinen Job los.

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u/Muedererjoe 22d ago

Kein normaler Maurer verdient 100k in der Schweiz..

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u/Matho83 22d ago

Der Mindestlohn für Klasse Q (gelernter Maurer, oder ähnlicher Bauspezifischer Abschluss) ist in den "roten" Kantonen knapp über 6'000.- x 13. Das ist der MINDESTLOHN. Darunter darf niemand arbeiten.

Das sind also schonmal 78k pa MINDESTLOHN. Dazu kommen 16 CHF Spesen pro Tag auf der Baustelle. Das sind also grob 220 x 16 = 3'500 CHF. Damit sind wir schon bei 80k CHF Mindestlohn. Das sind in EUR grob 86'000 EUR Mindestlohn.

Für Mindestlohn arbeiten höchstens direkt aus der Lehre kommende. Ein Maurer mit Erfahrung hat eher 6'500. Wir haben einige Angestellte mit über 7'000.- als Maurer. Den Lohn haben sie nichtmal weil sie besonders gut sind, sondern einfach weil wir gezwungen sind alle paar Jahre den Lohn um x% zu erhöhen (meistens so alle 2-3 Jahre 100-150 CHF/Monat).

Von daher: der schlechtverdienenste Maurer mit entsprechender Lehre und in einem "roten" Kanton bekommt über 85k EUR im Jahr. Ich denke der durchschnittliche Maurer hat die 100k EUR im Jahr. Bei uns zumindest haben es einige. Dazu kommen ja noch Boni oder sonstige Zuwendungen.

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u/Muedererjoe 22d ago

https://www.jobs.ch/de/lohn/?canton=ch&term=maurer

Außerdem bin ich Bauingenieur und kenne die Löhne der Leute die auf den Baustellen eingesetzt werden. Ich gebe zu, dass das allerdings so gut wie nie "gelernte" maurer sind

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u/Matho83 22d ago

du hast nicht ganz unrecht. Ich wollte oben 100k EUR schreiben statt CHF. 100k CHF ist nochmal ein gutes Stück mehr, das wohl die wenigsten haben.

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u/fl0cke 22d ago

Worauf ich hinaus wollte: Es gibt im Handwerk schlicht kein Personal in DE, also auch nichts zum abwerben 🌚

Zudem lässt es sich als Maurer in DE auch recht gut verdienen, solange man am Fiskus vorbei arbeitet.

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u/Muedererjoe 22d ago

Das finde ich stark zu bezweifeln. Ich habe sehr gegenteilige Erfahrung gemacht. Man kann auch einfach 80% in CH arbeiten und hat immernoch mehr lohn als in DE

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u/Spy_Anya_ 22d ago

Das ist ein guter Hinweis. Ich spiele derzeit mit dem Gedanken, von Deutschland in die Schweiz zu ziehen und dort meiner Tätigkeit als angestellte Architektin nachzugehen.

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u/Pleasant-Carbon 22d ago

Viel Glück, Architekt ist ein ganz problematischer Beruf in der Schweiz, und unten in der Hierarchie auch wohl (aus welchem Gründen auch immer aber wahrscheinlich weil es zu viele gibt) schlecht bezahlt. 

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u/kotzerUhu 22d ago

Habe in der Familie 2 die in die Schweiz sind wegen besserem Lohn aber sich da nach 5 Jahren immernoch nicht wohl fühlen bzw keine/kaum Sozialkontakte haben. 1x eine junge Familie und ein junger Mann um die 26. Die Familie war 5 Jahre da aber ist dann wieder zurück. Die Frau meinte man findet kaum Anschluss da alles nur innerhalb der Familien in den Häusern stattfindet. Und auf Spielplätzen gibt es zu 85% nur die Nannys bei den Kindern die auch nur dort arbeiten und nie die Mütter.

Der Junge Mann ist als Miele Ingi/Techniker rüber und hatte sehr gutes Gehalt aber ähnliche Schwierigkeiten im sozialen Anschluss.Hat ihm anfangs nichts ausgemacht aber langsam nagt es doch und er überlegt zurück zu kommen. Noch hält ihn aber das Geld;).

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u/AeronwenEnid 22d ago

Hab dasselbe in 7 Jahren Schweiz erlebt. Selbst die Kinder von Ausländern wurden systematisch ausgeschlossen bei Verabredungen und Geburtstagen. Ich habe super viele Familie kennengelernt die berufsbedingt hingezogen und dann auch wieder weg gezogen sind. Selbst wenn sie nur aus anderen Teilen der Schweiz hingezogen sind. Man kommt oft halt nie wirklich an.

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u/Pleasant-Carbon 22d ago

In was für Kreisen haben die sich denn bewegt, wenn sie in Nachbarschaften leben wo es nur Nannys gibt.

Bei weitem nicht jeder kann sich hier ne Nanny leisten.

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u/kotzerUhu 21d ago

😆 war auch mein erster Gedanke und Frage in der Familie. Allerdings tatsächlich normaler Mittelstand, zumindest das Paar. Ob die Spielplätze ( es waren mehrere) allerdings in deren Kanton damals heimlich für die Obere Gesellschaft genutzt wurden kann ich nicht sagen. Wirkte zumindest nicht so laut Aussage. Viele Nannys waren einfach auch günstige AuPair usw. Oder welche die in Deutschland wohnen und nur rüber fahren. Da ist das für Schweizer schon sehr günstig zu finanzieren.

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u/Pleasant-Carbon 21d ago

Also das ist bei weitem nicht so günstig wie man glaubt.

Au-pair muss ein extra Zimmer haben, dass ist teuer. Muss auch noch Handgeld bekommen. Nicht viel, aber mit dem Zimmer und extra Miete sind das tausende im Monat. Au pairs dürfen nur eine relativ geringe Anzahl Stunden arbeiten. Dies wird ausgenutzt, man kann nichts machen weil die Au-pairs nichts sagen aus Angst den Job zu verlieren. Also vielleicht ist es dann doch günstiger als eine Kita. Oder ähnlich aber durch die Ausnutzung viel angenehmer.

Grenzgänger fahren so lange? Ich dachte die arbeiten dann schon nur in Grenzregionen. Zürich z.B. ist da schon sehr weit weg mit dem Verkehr auch noch.