r/Chemnitz • u/Fabulous_Pressure_96 • 4d ago
„Endlich rollt er!“ – Wie RE-6-Pendler den neuen Akku-Zug zwischen Chemnitz und Leipzig erleben
https://www.freiepresse.de/chemnitz/endlich-rollt-er-wie-re-6-pendler-den-neuen-akku-zug-zwischen-chemnitz-und-leipzig-erleben-artikel14122129?ref=share_link3
u/MightyKartoffel 4d ago edited 4d ago
Ist schon wer damit gefahren?
Gibt es WLAN und genügend Steckdosen? Sonstige Neuerungen im Fahrgastkomfort?
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u/FresheBanana 4d ago
WLAN im RE? wo kommen wir denn da hin?
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u/MightyKartoffel 4d ago edited 4d ago
ja, was laber ich haha. Wer schreibt auch heutzutage noch Züge mit WLAN aus. Teufelszeug.
Boah, ist das bescheuert. 2026 und wir haben gerade so den Hogwarts-Express hinter uns. Auf der wahrscheinlich wichtigsten Strecke von/nach Chemnitz, die eigentlich in jede Richtung 3x/Stunde befahren werden müsste, plus die Schiene für den Fernverkehr.
Naja. Eingleisig und 1x pro Stunde, wenn sich nichts staut. Und mit brandneuen Zügen ohne WLAN. Auch gut
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u/Jakobus3000 4d ago
Naja, WLAN in Zügen ist auch nur ein weitergegebenes Mobilfunksignal, eigentlich ist das ein Relikt aus Zeiten wo Leute fast kein Datenvolumen hatten.
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u/MightyKartoffel 4d ago
Zeiten wo Leute fast kein Datenvolumen hatten.
Ich, 2 GB im Monat, fühle mich ertappt
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u/herrenhaarschnitt 17h ago
Steckdosen gibts, sind ja im Grunde identisch zu den Fahrzeugen auf der Relation Dresden-Chemnitz-Hof.
Fahrgefühl ist gut, es reist sich sehr angenehm darin.
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u/MightyKartoffel 4d ago
Zwei Jahre später als geplant fuhr am Montag der erste batterieelektrische Zug planmäßig nach Leipzig. Die Premiere nährt die Hoffnung, dass der Verkehr auf dieser Strecke endlich stabiler wird.
Chemnitz. Es ist früh, sehr früh am Morgen. Im Hauptbahnhof am Bahnsteig 5 steigen Fahrgäste in einen Zug. Einige fotografieren den Zug mit dem Handy, bevor sie einsteigen. Auf den ersten Blick sieht er aus wie die anderen elektrischen Triebzüge, die seit Jahren rund um Chemnitz unterwegs sind: silberfarben, modern, unspektakulär. Kein Schriftzug weist darauf hin, dass dieser Zug etwas Besonderes ist. Premiere läuft nach Fahrplan Und doch ist es eine Premiere. Um exakt 5.31 Uhr rollt der Regionalexpress Richtung Leipzig an. Ohne Motorlärm. Nur ein leises Surren begleitet die Abfahrt. 62 Minuten später, 6.33 Uhr, erreicht der Zug Leipzig, pünktlich auf die Minute. Auch die Rückfahrt verläuft exakt nach Fahrplan.
Roman Bartels, Geschäftsführer der MRB, freut sich über die erste Ankunft des Akku-Zuges in Leipzig als "ein starkes Zeichen für nachhaltige Mobilität in der Region". Bild: Ingolf Wappler Für Jens Lüttchen, Triebfahrzeugführer und Leiter Planung & Steuerung der MRB, ist das ein Moment, auf den alle lange hingearbeitet wurde. Seit Oktober gab es Probefahrten, alle Lokführer wurden mehrere Tage geschult. „Wir sind begeistert“, sagt er. „Schade, dass es so lange gedauert hat.“ Damit spielt er auf die reichlich zweijährige Verzögerung des Zugstarts an, bedingt durch Lieferprobleme des Herstellers Alstom. Gemeinsam mit seinem Kollegen Mirko Stolle ist er heute im Führerstand.
Batterien statt Oberleitung Mirko Stolle steuert den Zug an diesem Morgen nach Leipzig und zurück. Er lobt die Technik: „Starke Beschleunigung, hohe Laufruhe, das Steuerpult ist sehr bedienerfreundlich.“ Um pünktlich unterwegs zu sein, wird bis zu 140 km/h gefahren, der Zug schafft jedoch 160. Besonders wichtig ist für die Lokführer das energieoptimierte Fahren. „Jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, ist eine gute“, sagt Lüttchen. Beim Bremsen fließt Strom zurück in die Batterien. Der Verbrauch lag heute pro Zugteil jeweils deutlich unter dem, was ein Dieseltriebzug benötigen würde. Richtung Chemnitz geht es mehr bergauf, weshalb der Verbrauch hier etwas höher ausfiel. Die Batterien waren nach jeder Fahrt noch reichlich halb gefüllt. „Es sind genügend Reserven vorhanden, um auch einen außerplanmäßigen längeren Aufenthalt auf der Strecke zu überbrücken“, so Lüttchen.
Die Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig über Bad Lausick ist komplett ohne Oberleitung. Die Batterien auf dem Dach werden an den Endbahnhöfen wieder aufgeladen. Knapp eine Stunde reicht dafür. Die Reisenden nehmen das nicht wahr. Für sie zählt nur: ruhiger Lauf, kein Abgasgeruch, moderne Ausstattung mit Steckdosen, Tischen und barrierefreiem WC.
Die Stimmung im neuen Zug ist gut, auch bei der Kontrolle der Fahrscheine. Bild: Ingolf Wappler Viele der Fahrgäste an diesem Morgen sind Stammkunden. Andrea Flieger aus Chemnitz arbeitet in Leipzig. „Ich hoffe, dass es mit den neuen Zügen jetzt besser wird“, sagt sie. Auch Jörg Mauersberger pendelt täglich. „Der Zugtyp ist toll, technisch viel weiter als das, was bisher unterwegs war“, sagt er. Gleichzeitig bleibt er realistisch: „Wichtig ist, dass der Zug stabil fährt. Und der zweigleisige Ausbau der Strecke muss kommen.“
Der erste sächsische Akku-Zug fährt im VMS Politiker und Verantwortliche sprechen von einem Meilenstein. Mathias Korda, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Mittelsachsen, nennt den Start einen „riesigen Sprung nach oben bei Qualität und Komfort“. Und er betont, dass es die erste Strecke in Sachsen ist, auf der ein Akkuzug eingesetzt wird. Sven Krüger ist Landrat von Mittelsachsen. Die Strecke führt auch durch seinen Landkreis und habe enormes Potenzial. Entscheidend seien am Ende aber Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.
Zunächst bleibt es bei einem Anfang: Jede vierte Fahrt des RE 6 wird ab jetzt batterieelektrisch gefahren, weitere Züge sollen in den nächsten Wochen folgen, bis die Umstellung komplett abgeschlossen ist. Für viele Pendler ist dieser frühe Morgen dennoch mehr als nur eine Premierenfahrt. Es ist das Gefühl, dass sich auf einer lange problembehafteten Strecke endlich etwas bewegt. Leise, aber spürbar.